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Full text of "Ludwig_Anzengrubers_gesammelte_Werke_Band 5_1897"

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I ■ ' ' i > ' ! 

töefammefte Werfte 



in ?e$n täuben, 
griffe buv<#Qefe§ene JlufCag*. 

Ränfte* $attb. 

3nljait: 
Aafett6eröef($i^fett. — (fteM^fe wt6 Aphorismen. 




Stuttgart 1897. 



Jfaffofae*. 



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838 
v.S 



2Ule Sfted)te vorbehalten. 



3)ni(J ber Union fceutfdje 33erlaa«8efenfd)aft in Stuttgart. 



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§nUit 



JtafcttbergcfcQicQfcn. 

Seite 

<5me Keine «piauberel als »orrebe 1 
Sie brei $rinjen. ein ajtöraüen. 

(1876) 13 

SEDie mit bem &errgott umgegangen 

ttrirb. eine ©efd)ia)te mit einigen 

„Werft*. (1878) 41 

2reff<ttft. eine @efd)ia)te. (1878) 65 

$u fromm, eine @efa)iä)te. (1879) 73 
Sle2Rärd)en beS ©teinf fotferfymnB. 

(1874—1875) 101 

1. Storn fcannS unb ber ©retl . 107 

2. Sie ©'fd&tdtf» Dom Jüngflen 
Sag 118 

3. Sie ©Wä)t' bon bera»afd)in' 129 

4. Sie ßerfua)ung 139 

5. Sie ®'fa)ta)r bon bö alten 
Fimmeln 157 

6. SinS bom Seufei 161 

©er »erfd)oKene. (Sine ©efa)ia)te. 

(1878) 165 

Ser fcoifeWBoifet. eine Räuber« 

aefd)id)te. (1881) 191 

©ine ©efa>id)te bon böfen ©prid)* 

»brtern. (1884) 219 

»S SWoor$of«S 3: räum, ein letjr- 

reiajeft SefeflüÄ. (1884) ... 213 

(f>ebid}te unb ^pßommen. 

JBorberidjt ber Herausgeber ... 251 
JUt* meiner Wa*ntit. 

(1859—1863.) 

SeS »ettlerS Sieb 253 

5Da» Minbe fflnb 254 



Jtffe 90e1fm. 

etat 

Sie Sieb* ein $raum 257 

»olfsmeife. (Hpril 1882.) 

1. SöaS ift es mit bem fieben . 257 

II. SBie toieler beiner greuben . 258 

Stilles »efdjeiben 259 

3a) ftnn f ber alten gabel nad). 

(Styrtl 1882.) 260 

©äjeiben 261 

Seit rntb 9»<tt. 

9teuia$rSaru6. (Sejember 1883) . 262 

Ser fteufaftrstag 263 

SBetynaäjt. (Wobember 1887) . . 2G5 

3n trüber 3eit 266 

9lad) blutigen SBod)en. (Januar 

1884) 268 

#efa>ttCfaVs. 

3*&ab f erreiä)tba83WbeS6trebenS 270 

6elb|tbetrad)tung 270 

SaS mar bie Seit 272 

3m Snnern gefeflet. (Sej. 1882) 273 

ffiteifung. (Hotoember 1887) . . 274 

Sffiie ftufl, i$r «Dtütter! .... 275 

£ttmmuug$6tföer. 

Sie Ruine 277 

3frm)üng. (1889) 278 

<Dlonbnaä)t im ©ebirge .... 279 

©timmungsbilb 230 

QtftatUu rntb $efa)la)fen. 

3m SDalbe. ein ebfluS. (25. 3uni 

1887.) I-VI ...... 281 

Sie Slbatijjta unb ber fflifdjof, 

(«pril 1886) 235 



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IV 



3n$alt. 



Seite 

Suanita. ßutl 1886) .... 287 

et. Meters Silage. ßuli 1881) . 289 

Die 3tö$erln. (3anuar 1887) . . 290 
Star aufridjtige 6d)reiner. (3R5r| 

1887) 292 

Steiftet 3in9. ßanuar 1887) . . 29ä 

Stoei ©äjtoejlern. (fcpril 1882) . 296 

ttegentage. (Sunt 1879) ... 296 

$er Seife 302 

Sie Spinnen unb bie fliegen. Sine 

Sfabet. (TOÄra 1878) .... 804 
Ser 3fr5mmfte in feiner «rt. (Hugufl 

1878) 306 

tßrotog }ut Stubentenoorflettung jum 
»epen beS Siener SAjlDerbenf- 
mors. (1872) 308 

9loftfünfunbi»aniifl3a^ren. (1848 
W8 1873) 311 

$rotog |ur gfeftoorjienung im Swea- 
ter an ber SBien am 28. Sept. 
1874 gut frier ber M&Ufr ber 
öfterretd)ifä>ungarifa)en ftorbpol« 
ejpebition 313 

CEpiiog }u IRaimunbS ,»3erfd)tt>en- 
ber". ©efproa)en im £$eater an 
ber KBien am 50. SfafcreStag ber 
erjien «uffityrung. (3R8r| 1884) 315 

(JefHieb |ur 25. ©rfinbungSfeier beft 
SBiener ©äjriftjteHer- unb 3our- 
nalljten - »erein» ,6oncorbia\ 
(10. Oftober 1884) 317 

Um 50. Safyrestag ber ©eerbigung 
gferbinanb Kaimunbf . (8. Sep- 
tember 1886) 318 

Statt «mar. (9lad)ruf.) (1888) . 320 

Vn eine Junge ttutogtapftenfamut' 
tetin. (1884) 321 



$l>r»4< *»b ^tadJefrHme. 

Seite 

Ser ftapitaliflen Notfajrel ... 322 

9Wa$nruf an bie Keaftionfiren . . 322 

Seutfdjer 6inn 333 

ftorrefponbenj mit ben 6ternbetoo&* 

nem 323 

Etangelnbe <gmfld)t 323 

6priä)tt>ort-a:$or$eit 324 

$err Äöirt. («prit 1882) ... 324 
ÜRoberneS gfrü^ingSlieb. (flpril 

1882) 325 

Sie fyrjen&lünbigei 325 

Sauer ber Siebe 326 

SfrUtfingd'ftontrotoerfe. («priU886) 327 

.2ia)ter*. I-IV 328 

(Erfahrenheit 329 

2>er gute fcirte 330 

@prfiä)e 331 

<£rfa$rung8fa|. (1889) .... 332 

SftMtbarfria). 

$'$auptfaay. (ftobember 1886) . 333 

'm »uab'n fei ©ebitt 334 

S3ertrau(ia)e Stoiefprad). (Sejember 

1887) 335 

f S alten Sepps Stofcfeufoer. (1881) 336 

&er Säubenfobel 337 

Seim Sd)a| f 338 

©auersleut' im ftfinfiterfyius . . 339 

«in ftunftfreunb 340 

$u Silbern oon Sefregger. 

1. Die TOater. (1887) . . . 342 

2. Sie gebiffene ©ans. (1887) . 312 

3. Sa 3tt>0afUbig. (1884) . . 343 
Satfn im Sommer bö $alm' . . 314 

fciufälTe tmb ^a)f«gfÄ|e. 

«Purismen. (Bus bein !Rad)lag) 315 



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dinc Jtf eine ^rmtöerei afe Iforreöe. 



titjettBtubfr, ®ef. ©erff. Y. 



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|S iji eine eigene ©ad&e um baS Stalenbermad&en, 
idfj meine nidfjt, um baS aufteilen bet Sage unb 
baS Suteilen ^eiliger ober profaner SRamen für 
einen jeben berfelben, baS SSorberidfjten oon SDtonbeS* unb 
Sonnenfinfterniffen, 3fofjäl)len ber fjeft* unb gafttage unb 
anführen ber ^Bauernregeln, weld&e fo Ijeifjen, weil ftc| woljl 
bie Sauern banadfj rieten, aber leiber nid&t immer bie 
Sßitterung, furj, ic| meine niefit baS 3ufammenfteffen alles 
befjen, wooon taufenben Saures über jeber Ääufer jebeS 
ÄalenberS aufs befte unterrichtet ju fein verlangt, fon* 
bern idfj meine bie Sttfaffung beS erjäljlenben Teiles, benn 
ber foH baS Südjjeldfjen bem fiäufer wert mad&en, oiel mefjr 
wert, als bie Pfennige ober (Srofd&en, weldfje bafür auSge* 
legt werben. S)en Äalenbermann, ber es mit ben Saures* 
jeiten unb SDtonbläuften ju tfjun Ijat, ben plagen — wie 
einmal ein ©orffomöbiant als „3fauft" beflamierte — weber 
Ärufpel nodj) Zweifel, wenn für bie ianjluftigen ber Sfafdfjing 
ju furj gerät, ober für bie SBanberlufttgen Dftern gar fpät 
fallen, fo ift baS nid&t feine ©adfje unb er ftet|t über alle 
böswilligen Anwürfe ergaben, unb fpielt tljm ja einmal bie 
Sßitterung ben ©djabernadf unb mad&t äffe feine Sortier* 
fagungen gu ntd&te, fo wäfd&t er feine #änbe wie Pilatus 
— mit Äleie ^ätt' tdf) balb gefdfjrieben, ber t^at es aber 
mit SBaffer, wirb wo$l fölnifdjes gewefen fein, was ber 
#err Statthalter gebrauchte — unb fragt: „SBaS iftäBa^r* 
$ett?" 



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4 - Äatettbergefdljidjteit. 

©anj anber« bagegen Detroit fid^'S mit bcm ©r^ler, 
ber geljt mit bem SBewufjtfein ber etwas bebrüdfenben 
Stftad&toollfommenljeit ans SBerf, bafs er ft$ fclbft gute 
ober böfe Seit, fdjöneS ober fdfjledjjtes SBetter, Seif all ober 
Sfötfegunft fd^affe unb es ift oiel leidster ju fagen, tote 
er ftdj babei nid^t aufteilen foff, als wie er es ju machen 
Ijabe. 

5Re^m' einer an, er Ijörte in einer ©efetffd&aft eine 
©efd&id&te erjagen, eine oon jenen, wetcfje mau ftdjj Seit* 
oertretbS falber gern einmal gefallen läfct, wo nadfj bem 
legten SBorte lein weiteres mefjr not tljut unb feine @e* 
banfen barüber auSjutaufd&en ftnb unb nidfjtS nadjjflingt im 
©emüte, bodj) mürbe er es gleicfj allen anbern jufrieben 
fein unb bem ©rjäljler jum 2lbfd)ieb freunblid^ bie §anb 
bieten; wenn er nun aber in jeber ©efellfdfjaft biefen @r* 
jä^Ier träfe unb immer beffen ©efdfjid&te ju Ijören befäme, 
fo mürbe er — mir motten dfjrtftlidjie ©efinnung bei if;m 
oorauSfefcen — ben 3Jlann wofjt nicfjt Raffen, aber iljm 
tt|unltd&ft au§ bem SBege gelten unb es mürbe tf)m jur 
großen Sefriebigung gereichen, an beffen, wie er fte nun 
nennen würbe, alberne ©efd^id^te burd) nichts erinnert ju 
werben. 

9lun, eine fold^e ©efd^id^te, bie man ftcf> gerne einmal 
gefallen läjjt, bei ber baS le$te Söort wtrflidjj ba§ le|te ift 
unb bleibt unb feine ©ebanfen barüber auSjutaufd^en finb 
unb nicfjtS im ©emüte nad^f fingt, bie foff ber Äalenber* 
©efd^id^tenfd^reiber nid&t bringen, benn ber Äalenber tjängt 
baS ganje Saljr über an ber SBanb, ober wirb unjä|ltge-- 
mal aus ber Sabe unb jur #anb genommen unb ber Sefer 
würbe bei jebem aufblättern an biefe Seiftung erinnert 
werben; im erften drittel beS Saures wäre er ifjrer über* 
brüffig geworben, im jweiten befäme fte, je nacfj £empe* 
rament beS SeurteilerS, eine meljr ober minber fräftige 
JUafftftfation, aber nidjjt jum ©uten, unb im legten ^ätte 
fte iljm ben ganjen fialenber oerleibet. @r fauft t§n nie 
wieber. 



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(Sine Keine Zauberei als Storrebc. 5 

Sttfo foffte es woljl eine ©efdfjid&te fein, bic man gerne 
au<$ bes öftem Heft, wo über baS lefcte SOBort IjinauS 
©ebanfen ftdfj fortftrinnen unb ©efüljle nad&f fingen? @i 
freiließ 1 

9hm wüfcte ber Menber*@efd&idf>tenfd&reiber, was er 
foffte, aber — nidfjt fann ; benn wenn er nichts anbereS ju 
erjagen weifc, als was anbere fdjon oor Ujm erjäljlt Ijaben, 
— von ber alten ©efdjidfjte, bie ewig neu Bleibt unb autfj 
immer tljren Slnmert ftnbet, Bis jur ©d&überung all ber 
anbern taufenbfältigen Suft unb Dual, bie baS arme 3Ren* 
fdEjenJjerg beglüdft unb bebrüdt — bann müfste es in ber 2lrt 
f4<m ein ganj fapitaleS ©tüd t>on einer (SrjäJjlung fein, 
mnn fte ein ooffeS 3a$r sortialten foff, unb baS ift bodfj 
oon einer armen gfeber, wie fte unfereiner füljrt, Billiger* 
weife nitfjt ju ©erlangen. 

Slber ber Äalenber*@efcfji<f>tenfc$reiber Brauet weber ju 
unternehmen, wa« er nidjjt foff, nodf) ftdjj auf baS einjulaffen, 
was er nid&t fann, weber langweilig ju werben, nod[j eine 
unmögliche Äonlurrenj ju uerfudljen, er Braucht jtd^ Blofc ju 
erinnern, bafc er eben für einen Äalenber fd&reibt, unb wenn 
er bann bie Slrbeit feines Kollegen, ber es mit ben Saures* 
jeiten unb SDtonbläuften ju tljun Ijat, burd&blättert, fo wirb 
er mand&eS pnben, 00m SaljreSregenten burdjj ber 9lftrologie 
©naben Bis hinunter &u ben etwas breiften SBetteroorijer* 
fagungen t>on Ijunbert Sauren Ijer unb auf $unbert Safjre 
Ijinaus, baS er gerne, je eljer je lieber, hinausgeworfen fäjje; 
aber fein Kollege wirb iljm fagen: „©acfjte, gfreunbcfjen, bie 
Seute fud&en banadfj, fte finb gewöhnt, all baS SeugS ™ 
einem richtigen Äalenber ju ftnben unb gegen ©ewofjnljeit 
Ijilft nur baS abgewinnen, unb baS Brauet gute SBSeile. 
3ur Seit ber großen 9tet>olution IjaBen bie fjranjofen nebft 
bem SanbeS* unb #immels* aud[j ben SaljreSregenten ah 
gefe|t, inbem fte RnaU unb gaff einen neuen Äalenber ein« 
füjjrten, als es aber mit RnaU ber glinten unb %aU beS 
SfRorbbeils vorbei war, ba befamen fte *n alten Äalenber 
wieber, mit 'm SaljreSregenten unb 'n SBetterprop^ejeiungen, 



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6 Äolenbergefd&id&ten. 

unb ber gwölfte SRonat $te|j, wie wrbem bcr jeljnte, nämK<$: 
©ejember. 

SBenn ftdfj bann ber &denber*©efcpd)tenfcl)reiber »or* 
Ijält, bafc bie 3Kenfd&en in intern £erjinnerften audj) fo 'ne 
Slrt Äatenber Ijätten, doS anteiliger ©ebenltage, t>oü Slatnen 
arger unb wunberlidjjer fettiger, t>ott aber- unb aftergläubiger 
Sßroptiejeiungen unb unuerfäjjlid&er ©ittenregeln, bie, ben 
Bauernregeln gletcfjenb, ebenfowenig bie ©itte madjen, wie 
biefe baS SBetter — wenn er baS, balb von £tjränen, balb 
von Sacfjen angewanbelt, überprüft unb audj) gerne, je eljer 
je lieber, tjinauSgeworfen fälje, fo wirb er fiel) nun fetter 
fagen: „©adfjte, fjreunbcfjen, gegen ©ewotynljeit Ijilft nur 
baS Slbgewöljnen." 

Unb nun geljt er mit Sebadfjt unb Ueberlegung an bie 
Arbeit, ein 3Kann, ber nidfit nur etwas ju erjagen weifc, 
fonbem audfj etwas ju fagen §at. Unter bem (Srjätjlen 
blättert er ben Äalenber, ben bie 3Renfdfjen in iljrem £erj* 
innerften tragen, auf unb wo er auf eine gute ©ette trifft, 
ba fpridSit er jum Seffem, unb wo er eine böfe ftnbet, jum 
©uten; biefes „Seleljrfame" Ijängt jeber richtigen „Äalenber* 
gefegte" an. @S mag ba eine Heine ©telleit mit unter* 
laufen, bie SSorauSfefcung , mandfjes beffer gu wiffen, als 
anbere, trieffeid&t audj) ein großer Srrtum, bie Slnfd&auung, 
bafc fein SBeffereS audf) wtrfßdf) baS Seffere fei; bodfj fcfjon 
allein baS SluSfpred^en einer offenen, eljrlicfjen SDtemung Ijat 
ba« ©ute für ftdfj, bafi es bie Seute t>eranlaj$t, mitunter 
audf) auf eine anbere als bie eigene ju Ijören. 

(Slje er aber an fein (Srjäljls unb Seljramt geljt, fieljt er 
jid^ oorerft ben SeferfreiS feines fialenberS genauer an. @s 
ift bieS gleid&fam eine ©efetffdjjaft, in bie er eingeführt wirb, 
unb als SDfcann von 2Belt wetfi er, bafs es feljr unfd&icflidfj 
wäre, eine ©pradfje ju reben, welche in biefem fireife nid&t 
»erftanben würbe, bafc es bagegen feljr gewinnenb unb ein* 
neljmenb läfjt, ft<$ fo weit als tljunlidj) in bie 3lrt ber SSer* 
fammelten $n fdfjiien, freifidfj mujj beren Slrt audfj banadj) 
fein, bafe fidjj ein anftänbiger SDtann barein fd&idfen !ann. 



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©ine Keine $faubem alä SBorrebe. 7 

Sn einem ängftlid&en Greife, wo man ftets fürchtet , baS 
ßinb mit bem 33abe ju wrfd&ütten, wirb er nidjjt einmal 
an bie SBanne rühren, fonbern nur fein Sebauern für baö 
Hebe Äleine nad&brüdflidj) auSfpredfjen , baS nun, fauber ge* 
wafdfjen, gleidfjwoljt im Unreinen — im Sabewaffer — ftfcen 
gelajfen werbe. Unter unbefangenen ©efellen wirb er nicfjt 
anflehen, wie *n galjrmarftSmann mit bem ©onnenmifroffop, 
glolj unb Saus, bie uns tn& Dfjr unb in* 5ßelj gefegt werben, 
elefantengrofc an bie SBanb ju werfen. $ür ba8 erfte ©tü<f 
werben iljn freitidfj Äraftgeifter einen SReaftionär unb für 
baS jweite Äteingeifter einen Sleooluttonär freiten; weil 
aber bei Suwenbung biefer £itel baä einjig 33eunrut;igenbe, 
bie Äoftenfrage, entfällt, ba bie SBerleiljung taxfrei gefd&ieljt, 
fo brauet er f\$ baburdfj nidjjt anfed&ten ju laffen, er weife 
ja nur &u gut, bafj es nodf) feinem auf ber SBelt gelungen 
ift, es allen Seuten redfjt ju madfjen, bafc man nur ben 
©laubigen prebtgen lann, unb baj& nodfj feiner &u einem 
„befferen" ©lauben belehrt würbe, bem fein alter tUn nod; 
„gut" genug war. @S mufe erft ber Sweifet bie alten ©ötter 
entwerten, elje fte ber 3Kenfd[j tut Stoufdjje gegen neue auf* 
gibt. 9hm treibt aber ber Äalenbermann beileibe nidfjt einen 
§auftert)anbel mit mmn ©öttern, er ©erlegt ftdfj blofe auf 
ben Umfafc guter, ebler, fd&öner unb frudljtbringenber @e* 
banfen, — mag fold&e oor taufenb Saljren ein weifer #eibe 
auSgefprod&cn Ijaben, ober IjeutigeStagS ein warmljerjiger 
9Jtenfd> auSfpred&en — unb bequemt er ftdfj babei audfj nad) 
Sanb unb Seuten, fein Slbfeljen Ijat er ioö) auf bie SBelt 
unb bie SKenfd^en, benn er ift ber Ueber^eugung, fäm' morgen 
ber jüngfte ©ericfjtstag — er glaubt 'n allerbingS nid^t fo 
nal/ unb jutn frommen mand&er frommen wäre üiettetdjt 
ju wünfdjjen, er fiele ganj aus — aber fäm' er morgen, fo 
wirb es nid&t l;eifeen: „SBarft bu ein guter unierter ober nidfjt 
unierter ©riedje, Äat^olif, 5ßroteftant, Sube, Stürfe ober 
getifd&anbeter?" ©onbern bie grage wirb lauten: „SBarft bu 
ein guter 3Kenfdj)?" Unb nur ber Unglaube, ber mitUntljat 
£anb in $anb gegangen, fjat ju bangen. 3)afj aber bie 



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8 ßalenbergef$i$ten. 

Stymmg, bte gfrage werbe fo unb md&t anberS lauten, bie 
#erjen ber SWenfdfjen burdfotttert, jeigt baS }u allen 3eiten 
nachweisbare, in unfern 2togen aber allgemein rege geworbene 
©treten nadj Humanität; ,,3Renfd&Iidjfett'' fcf reibe id& ju 
beutfdfj, benn fo gut au$ bie ©a$e tft, baS SBort „aRenfdjen* 
liebe" ift mir bodj nodfj ju gut bafür, bie liegt rooI;t be* 
SBegeS, aber eine ©tredfe weiter. . SRun btefeä ©treben nadjj 
■äJtenfcljltdfjfett braudfjt Ijeutjutage nid^t erft an einjelnen t>or* 
gefdjjrittenen ©jemptaren unfereS ©efdfjled&teS nadfjgewtefen 
in werben, es Ijat fiel) oerallgemetnert, es jwingt felbft ben 
Sßiberwtlligen in einem ober bem anbem ©tüdfe jur SRadfj* 
giebigleit unb bringt burdj) ben wetterfeften Sadf oon Äon* 
feffton, Nationalität unb Sßartetanfd&auung. (Severe ift 
freütdfj oft nur SBafferfarbe.) 

3n biefem ©inne l)at ber Äalenber*@efd(jtdfjtenfd(jreiber 
fein Stbfeljen auf Sßelt unb 3Renf$en, wenn er ftd> gleich 
Sanb unb Seuten anbequemt, unb barum wirb auc£ aQeö, 
was er aufgreift, um baoon beteljrfam ju ergäben, jebem 
Sefer mefjr ober minber nafje getjen, unb wenn er nodfj oben- 
brein feine -Dtetnung fo etnjulleiben aerftefjt, bafe fte efyrlidfjen 
Seuten }u Ääpf unb #erjen fprtd&t, bann wirb er feine 
„ÄalenbersQefd&id&te" Ijaben, bie oorljält, bie man gerne audfj 
beS öftem lieft, weil fte, über baS lefcte Sßort IjtnauS, 
©ebanfen anregt ober im ©emüte nadfttlingt. 

SBorltegenbeS Süd&letn enthält eine Slnjaljl ©efdfjtd&ten, 
aus ©erfd^iebenen 3aljrgängen oerfd&iebener Äalenber ge* 
fammelt; ba burc£ bie jebeSmalige Sftüdfftdjjtnaljme auf ben 
SeferfretS berfelben bei 2Baljl unb 33eljanblung ber ©toffe 
bie einjelnen Arbeiten ©erfdfjtebenartige gärbung erhielten, 
fo bafe fte ftd) je$t als ©anjeS, nidjjt wie aus einem ©uffe 
barfte&en, fo ließ tdfj mid^ bie SÄülje ntd&t t>erbriej$en, burd& 
biefe Einleitung wenigftenS barjutljun, bafi fte einer ©attung 
angehören unb was es mit biefer für eine SSewanbtntS Ijabe. 
3$ t»erwal)ve mid^ aber gegen ben SBerbad&t, bajj idjj bei ben 
Färbungen felbft garte gewed&felt $ätte, bafe ity irgenb weld&e 
etwa als ©d&ufc* ober 9lufcfarbe angenommen, um mid^ ben 



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©ine Keine Klauberei als Storrebe. 9 

SKdfen meiner gfeinbe gu entgietyen, ober #armIofe angu* 
lodfen unb gu Derberben, welches SBerljalten twn geitgenöfftfdfjen 
©ele^rten mehreren nieberen 2fargattungen gugefd&rieben 
wirb, fd&on im fntSltd auf biefen Umftanb möchte iti) es 
mir bod& Jjöd&Kcl) verbeten IjaBen, in bie Äategorie btefer 
garbfünftler gegärt gu werben. 2fo$ Ijabe id& weber SodE* 
nodfj Stppctitfarbc angenommen, um ©djjwirbler gu fangen, 
unb bei ©efräjjtgen auf beren SBerbauung gu fpelulieren, wie 
einige ^flangen t^un, — barunter gfKegenfatte unb SBogel* 
beerftraudfj, — unb burc£ foldfje eBenfo fein auSgellügelte, 
als unfd&öne #anbIungSweife gegen bie bisher als unfd&ulbtg 
oerfdfjrieene 5ßflanjenwelt ein leiber nidj>t gang unberechtigtes 
3Jtif$trauen erwecfen. %<$) Ijabe nur gfarbe auf anberes über* 
tragen unb audfj baS nur, wo es mit meinem ®en!en unb 
güljlen oerträglid^ war, helläugige werben oljnebteä, trofc 
ber SBuntljett ber garBen, merfen, bafc eine #anb fie auf« 
getragen. 

Snbem i<$ biefeS SBänbdften ber t>erel;rltdfjen Sefewett 
übergebe, gerBredjje td& mir burd^auS mdfjt ben Äopf barüBer, 
worin td) es etwa bem einen ober bem anbeten nidjt gu 
3)anf gemalt Ijätte, benn manchmal Belommt man in biefer 
£inftd&t 3)inge gu §ören, auf bie man Bei allem ©djjarffmne 
nidfjt oerfaffen wäre. 3$ benf mtr'S, bafe einige bie @r* 
gelungen: „Steffi" , „3u fromm", „©er SJerfd^oaene" 
für gu galjm erKären werben unb bem entgegen anbere, bie 
baran ©efaffen finben, wieber anberes für gar feljr gewagt; 
fo, gang ftdjjer — um weitere 2lnfü^rungen gu meiben, fei 
baS oomeljmfte herausgegriffen — „3)ie -Diarien bes ©teim 
ftopferfjannS" , unb ba Ijätt' idfj gum ©d^Iuffe nur nod& 
paar SBorte über Befagte S^m^eit unb besagtes 2BagniS 
beigufügen. 

SßilTs gwar mdj>t glauben, aber gefefct, ein ffrupulöfer 
gretgeift madfjte mir ben SBorwurf, bafi tdj in bie ©rgäljlung 
„®er SBerfdfjoffene" eine ©efpenftergefd&id&te l;ineinfpielen 
foffe, fo mufft' t$ üjm fagen, er Ijabe feine gtüdfltdfje £anb 
fürs Sefen unb was tfjn ärgert, ftöf nid&t im SBudje, fon* 



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10 Äalenbergefdjtdjten. 

bern in feinem Äopfe. 3$ W w« bie ©efpenftergefd&tdjjte 
lebiglid^ ate eine (Srfinbung bes ^oltgeiagenten, ber fte oor* 
trägt, gebadfjt, mü es ein anberer bamit anberS galten unb 
ben gaff ber ©etbftangetge, von bem babet bie Siebe tft, 
ate ©efdjjeljnte Ijmneljmen unb ben ganjen ©pul im ©efjtrn 
beS geiftesfranfen Verbrechers rumoren (offen, fo Ijabe i<$ 
aud& gegen biefe Sluffaffung ntd^t baS gertngfte einjutoenben; 
id> roeife e§ mofjt, biefe beiben SeSarten fmb nur für jene, 
bie jnrifdfjen ben 3ä(en ftd> auStotjfen, unb es gibt nodjj eine 
britte, bie einfach baS ©efpenft ate Ijanbelnbe 5ßerfon gelten 
läftt. 9tiemanb nrirb fagen fönnen, bafc i<$ in ber genanm 
ten ©rjätjlung bem ©efpenftergfauben baS SBort rebe, aber 
eä lag aud) mdfjt in meiner S&ftdjjt, tfjm auf ben Seib ju 
rücfen unb oorliegenben gaffs Ijtelt tc£ bafür, es fei bejfer, 
bafe baS ©rufein bie imdjj 2Rijn>erftel)enben nadSJbenlltdjj madjje, 
ate bafc tdfj tfjnen unb mir burdf> unjeitigen ©pafj ober 
troefenen @mft bie ©timmung Derberbe. R\ix$, tdfj Ijabe fjter 
auf bie ©efaljr eines SRtftoerftefjenä l)\n mir bie ©nljeit- 
Hdfjfeit ber SBirlung gewahrt unb fjter, rote anberStoo, bie 
©elegenfjeit, Ianbläufigermeife SlufHärerei ju treiben, oer- 
fcljmäfjt; wnn ic£ bagegen manchmal jene ergreife, ben 
Seuten nadjj bem ©inne flu reben, fo lajfe i^ mir baä 
nidfjt oerübeln, es gefdfjieljt, unabträgltdjj meiner 3Remung, 
bamit td& ben Seuten geige, baft id& um iljr 3)enfen unb 
güljlen Sefcljetb toetjj, nidjjt baoon fd(jn>a$e tote ein 33(in* 
ber oon ber garbe unb mir für gäffe, too td[j totber baä 
eine ober baä anbere meine ßarte auswerfe, toemgftenä 
baS SSertrauen ftdjjere, bafc tdf> es auf ein eJjrlidfj 1 ©ptel ah 
gefeiten fyabt, — „freiließ, mit gmejfen, Ijalt ja mit fafrifdjje 
gineffen! 1 ' 

3)amit genug über ben einen SJJunlt, bejüglidjj be3 anbern 
glaub* tdfj im oorljtnein — unb braud/ mdjjt erft ate mög* 
Kdfjen gaff ju fefcen, — bafc iclj mit Seiftungen toie „3)ie 
SKärdfjen beä ©teinHopferfjannS" mir es grünblidjj bei äffen 
jenen oerfdjjütte, bie über bie juneljmenbe ©foubenSloftgfett 
ber SBelt ju jammern pflegen, unb Hagen, bajj man bie 



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(Sine Keine $fouberet als SSorobe. 11 

Scutc im Unglauben beftärfe. 3)aS ginge an? 2)ann würbe 
gur frönen, mittelalterlichen Seit lein ^egenmeifter, leine 
§eje unfd&uörig verbrannt, benn äffe Unmögltd&feiten , bie 
fie ins SBerf gefefct Ijaben fofften, fmb glaubmürbtger als 
obgebad&te. 3W>, wenn nur bie ©uten oon ber ©üte waren, 
oorerft näljer ju befeljen, was fte einem in bie ©d&ulje ju 
fdfjieben gebenfen! 3)u grunbgütiger #tmmel, fann man benn 
jemanb im Unglauben beftärfen! 3m ©lauben fann man 
iljn beftärfen, in ber Sirbett, in jebem Unternehmen, aber 
bod; mdfjt im Unterlagen, nid&t im SKüfttggange, ntd^t im 
Unglauben! Äann benn einer, was er oljneljin bleiben 
läftt, nodf> mefjr bleiben laffen, tagebieben, länger als 
ber £ag tft, unb was er ntdfjt glaubt, noc& meljr — nidfjt 
glauben?! 

2BaS aber bie Älage über bie meljr unb meljr um ftcij 
greifenbe ©laubenSloftglett anlangt, fo Ijabe tdfj biefelbe Ijtn* 
genommen wie jebermann, ungefragt, ob fie berechtigt ober 
übertrieben fei, badfjte jebod^ , bafc es ein grofees Unglücf 
märe, wenn burdfj fie ben etjrlid&en Stuten, bie an echter 
grömmigfeit feftljalten, tljre gleichfalls e^rlid^en SKitmenfd^en, 
bie im Stnfturme ber Smeifel ben ©lauben einbüßten, ent* 
frembet mürben, — nad& ^eudjjlern unb #e$ern, Saurem 
unb Sumpen frag* tdfj ja ntctyt, — unb ba Ijielt td& für 
bienltd) jur S3erul)tgung ber eFjrlid^ gfrommen manchmal auc£ 
barauf ^tnguwetfen, baft baS, was ben 3Kenfdfjen jum -Dien* 
fd&en madjjt, in ben liefen feiner ©eele ftfct, bafe es woljl 
burdf> ben ©lauben oerflärt, aber ntdjjt mit felbem abgelegt 
werben fann, bafc baS ©ittengefefc ein ewiges fei unb ein 
SBerftofc bagegen gleidjj brüdfenb unb quälenb ftc£ ^eimja^lt, 
ob er nun oon bem ©laubigen als ©ünbe, ober oon bem 
©laubenSlofen als ©djjulb empfunben wirb. 

9iun, lieber Sefer, baS gehört fo mit ju bem „Seleljr* 
famen", bat»on wirft bu aud& in ben folgenben ©rjäljlungen 
gur ©enüge finben unb in biefer #tnftc$t fmb fie richtige 
„Äalenbergefd&tctyten", baft bu fte aud& im anbem ©tnne als 
foldjje gelten laffen müftteft, — als ©efdfjid&ten , bie man 



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12 jtalenbergef$t$ten. 

gerne beä öftern lieft, roo übet baä lefcte 2Bort IjinauS 
©ebanfen fid^ fortfpinnen unb ©efüljle nadjllingen, — bas 
ift mein metfetdjt nid;t befd;eibener, aber befto aufridSJttßerer 

SEBien, im grüljjafjr 1882. 

Cubung 3lttjengrnbcr. 



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3tte örei Vrit^en. 

€fin Parken. 
(1876.) 



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|3 war einmal ein guter, alter ßönig; böswillige 
Seute Itfyauipttitti gwar, er wäre fo gut wie gar 
feiner gewefen, baS Ijeijjt, man ©ermerfte es in 
feinem 9teidjje nidjt, bafe es ba überhaupt einen #errn Äönig 
gäbe; aber er felbft war gang baoon überzeugt, benn als fein 
jjod&fefiger SBater t)erftorben war, ba famen bie ©rojjen beS 
SanbeS gu tfjm unb fagten: ©eruljen ©te je$t allergnäbigft 
uns gu regieren! 6r §atte bamals gleidj eine ljulboolle Antwort 
gur £anb, benn er Ijatte es ja DorauSgefeljen , bafc es fo 
fommen würbe unb war ntc^t unvorbereitet unb fo über* 
naljm er benn bie Regierung unb fe|te bie Saljre burdfj 
unter alle ©d&rtftftüdfe, bie es nötig Ijatten, feinen leferltd&en 
SRamenSgug; gab eS etwas ©uteS für baS allgemeine S3e|ie, 
ober Belohnungen unb ©nabenalte, ba t§at er einen Sfamb* 
fprung unb es flog üjm baS „SUtonofogoportbiuS L", fo Jjtefe 
er nämlidjj, nur von ber #anb, als ob es eine eingige ©ilbe 
wäre; betraf es aber ©teuerausfd^reibungen, SRügen ober 
etwa gar ©trafen, ba tyatte er erft lange an ber geber 
$erumgufdjm|eln, mufjte ftd& nodjj länger auf feinen SRamen 
befmnen unb ber £err #offefretär, ber tljm bie Rapiere gur 
ttnterfdjjrift unterbreitete, !>atte ftetS auf ber £ut gu fein, 
baft ©eine 9Rajeftät ftdfj nidfjt in ber gerftreuung ftatt ber 
©treufanbbüdjtfe beS S&ntenfaffeS bebiente ; barum liebte i§n 
baS 93ol! unb er Hebte es wieber. 

SKonofogoporibiuSl. war ftnberloS, Ijatte aber brei Steffen, 
unter welken iljm frei ftanb, feinen £ljronf olger gu er* 
wählen, baS machte tjjm benn fernere ©orge; obwohl er ftdjj 
gefteljen mufjte, bafj er fein ganges Seben lang immer nur 
untertrieben Ijabe, unb bafc ein anberer — natürlich aber 



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16 Äalenbergefd&td&ten. 

nrieber nur ein $rinj — baäfelbe ju leiften leidjjt im 
ftanbe fein bürfte, fo fonnte er ftdj> bod& md&t ©ersten, 
bafi gfäffe eintreten fönnten, wo man feiner, SDtonofogoport* 
5iu3 L, bebauemb unb ffagenb ft$ erinnern mödfjte, ba er 
nur ben einen @§rgeij Ijatte, feinem Solle nie eine 23jräne 
geloftet ju Ijaben, fo $atte er fic^ red&t gut mit bem ©e* 
banlen abgefunben, bafe nadj feinem £obe niemanb im 
Stetdfje feinen Slbgang füllen bürfte unb bie Siebe gu 
feinem SSolfe lieft iljn wünföen, bajj Reiten ferne Bleiben 
mögen, wo man ben Sag feine« #tntrttte3 als JBerluft em* 
pfmben lönnte. 

Site SKonofogoporibiuS feine Gräfte merflic!> abnehmen 
füllte, badete er ernftltd^ baran, ftdfj für einen feiner brei 
Steffen gu entfdjjetben; er badete guerft an ben mit ber 
Ijübfcljeften ^anbfdjjrift, ba er aber immer gewohnt war, ben 
Slat ber ©roften feines Steiges einholen, fo berief er fte 
aud^ bieämal oor bie ©tufen feines £ljrone3. ®er alte 
£err im ÄönigSmantel, mit Ärone, ©cepter unb Steicfjä* 
apfel falj prächtig auä, wie aud& bie Ijofjen Ferren in tyren 
©alarödfen, an benen ©terne unb Äreuje funlelten, einen 
überwälttgenben Gftnbrucf matten. 

3)er Äönig ftettte feine brei Steffen ber SSerfammlung 
aor, obwohl fte jeber, ber gugegen mar, fdjjon x>on früher 
feljr gut fannte, aber baS Ijetfjt man ßeremoniett, unb ba$ 
mujj fein; bann Ijtelt er eine lange Siebe über Stegenten* 
tugenben, baö wegen ber ^anbfdjjrift behielt er aber für ft$, 
barauf fottten fte felbft fommen, ba& Reifet man ©taat§* 
flugljeit, bie mujj gerabe mdjjt fein, aber e8 ift gut, wenn 
man batwn $at. 3fl§ ber Äönig mit ber großen Siebe fertig 
war, fragte er bie SSerfammelten, xotö fte bagu meinten., 

3)ie SBerfammlung geftanb gu, baft Sfogenben für einen 
Stegenten erforberlidjj mären, je meljr, je bejfer, fo t>iel eben 
gu Ijaben mären, bod& muffe man ftd& audj> gu begnügen 
wiffen. ©nige fagten, SRonofogoporibtuä folle iljnen nur 
einen Siegenten geben, bie 2togenben wollten fte bem SUiS* 
ermatten bann fd&on fetter glauben madjen. . 



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®ie bret $rtnjen. 17 

STBcr her alte ßönig fdfjüttelte ben Äopf. 

@nbliclj trat ein ©reis t>or. 

„(Sbler 3KonofogoportbtuS ," fagte er, „bu benfft Billig 
unb geregt, wenn bu nur jenen t>on ben bret Sßrtnjen auf 
ben 2^ron ju fefcen gemißt Btft, roeldjjer ber töürbigfte ift: 
aber inbem bu uns bie SSaljl gufcfjieBeft , fefceft bu uns in 
arge SBerlegenljeit; fd^neff fönnte ftdj) für jeben ^ringen eine 
gartet btlben, benn gleidjj roürbig erfd^etnt ja ein jeber; Irönt 
man enblid^ einen t>on ifjnen, fo wirb er geinb affer berer 
fein, bie früher ju feinen Srübern geftanben, abgefeljen ba* 
t>on, bafe man fotd^ergeftalt leidet äffe brüberlid^e Siebe in 
i^ren ^erjen austilgen unb ber Sruberjnuft bis jum Sürger- 
friege ausarten fönnte." 

S)a troefnete ftdfj ber gute, alte Äönig ben ©d&metfc oon 
ber ©tirne. „3)u bift ein entfefclictyer SKenfcty," fagte er ju 
bem ©pred&er, „bu bringft midj> um bie SRufje meiner 
$Rä<$te!" 

„©erulje midjj affergnabigft weiter anjuljören," fuljr ber 
©reis fort; „id^ fyabe t>on ben ©efaljren einer SBafjl ge* 
fprodfjen, weil fie nid^t äffe Stimmen für einen Sßrinjen er* 
geben wirb, unb wenn ©timmenmeljrljett entfdjetben foff, 
bie Beiben anbem jtdfj empfinbliclj jurüdfgefefct füllen bürften. 
@S ift fomit in biefem gaff für äffe SCeile gut, wenn 
uns leine 9Bal)l gelaffen wirb, unb wenn berjemge Sßrinj 
bir auf bem i^rone folgt, beffen ©igenfd^aften bie Sßrobe 
galten." 

„2Bie meinft bu baS?" fragte SRonofogoporiBiuS. 

„Sdfj uermetne, erljaBenfter ©eBieter, bu foffteft, folange 
nodfj bein 2luge wad&t, jeben ber SPrinjen, einen nad^ bem 
anbem, jur SßroBe baS Sfteidjj regieren laffen. Sljre Steigen* 
folge mögen fie unter ftd^ burdjj 2t6ma$ung ober burdjj bas 
SoS Beftimmen. Seber regiert fo lange, Bis etwa baS Sanb 
jtety burd& feine 9Rt{$griffe genötigt ftc|t, bid& roteber auf ben 
£ljron ju rufen, ber aber foff bein SRadfjfolger fein, ber felbfi, 
nadfj rool)lt>erBradfjter SßroBejett, jum SSebauern beS SJolfeS 
bas ©cepter in beine #anb jurücflegt." 

fcnjenfltut>«t, ©ef. SBetfe. V. S 



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18 ßafenbe¥Qef$t$ten. 

■DtonofogoporiBtuS geftanb ftcty, bcr SSorfd^Iag IjaBe etwas 
Unerhörtes unb bie Höflinge meinten, ben Sllten IjaBe ber 
Teufel geritten. 

SIBer afö man bie Stimmen für unb nriber fammelte, ba 
BHeB es Bei bem Unerhörten, benn es geigte ftd) eine 
giemlidfj ftarle Spartet bafür, ber ftety benn audfj einige Un* 
entfdjlojfene gugefetften unb ifjr fo gur Majorität aerljalfen. 
S)iefe Spartet, munlelt man, märe eigentlich bie ber erlaubten 
©c§wägerin beS SönigS, ber SKutter ber brei bringen, unb 
t>on ifjr fei auclj auf btefen Sag ber eljrwürbtge ©pred&er, 
bes Teufels Sftettpferb, vorgeritten worben; bas Ijeifct man 
Sntrigue, bie muft gwar audfj nidfjt fein, eS ift audj nid&t 
gut, wenn man baoon Ijat, aber $örenfagen nacl) foff fie 
einen nidjjt am gortfommen Ijinbern. 

SKonofogoporiBtuS I. gaB mit einem tiefen ©eufger feine 
Einwilligung unb bie brei ^ringen banften ifjrem fönig* 
lid&en Dljeim fo bemütig, als glauBten fte tüirffidj, er I)ätte 
fd&on Ijeutc frülj morgens als freien ßntfdjlujj im £ergen 
getragen, was man i|m je$t aBenbS in ben SRunb gelegt, 
unb ber Ijoljen SBerfammlung empfahlen fte ftdfj fo IjuIbooK 
unb gnäbtg, afö mären fte fdfjon Könige, alle brei gufammen ! 

3Bie bas Ijetjjt, Brauet nid^t gefagt gu werben, baS ift 
etwas t>on allgemeiner UmgangSfprad&e, bie von allem, was 
fte ntdjjt ©pradjje IjaBen wttt, Umgang nimmt. 

®ie ^ringen Ratten, wie man Bemerlt IjaBen wirb, eine 
finge grau 3Kutter, freiließ nur flug in ber SBeife, wie man 
bas Ijäufig Bei grauen finbet, bie, was fte ftc§ einmal in ben 
Äopf gefegt IjaBen, audjj burdjjgufüljren wtffen; eS ift bas eine 
artige Äunft, an bie f<|on mandjjer tyat glauBen muffen. 

S)ie ijolje grau lonnte es gar ntdfjt erwarten, tljre ©ötjne 
regieren gu feljen, unb fte mar aufjer ftdfj t>or greube, als bie 
brei bringen Ijetmfamen unb üjr Berichteten, bafe fidfj in ber 
heutigen Sßerfammlung IjerauSgefteKt IjaBe, wie auclj bas SReid^, 
in Stnerlennung tljrer — ber brei bringen nämlidfj — aus= 
gegetdjneten ©tgenfdjjaften, es gar ntd&t erwarten fönne, von 
tljnen regiert gu werben. 



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$te brei ^rinjett. 19 

„SteBe IgungenS," badete bic Ijolje grau, „tyv wifct eBen 
ntd&t, was iljr »SKuttern' verbanft." 

3Jlit geterlid&feit fd&ritt fte gu einem ©dfjranfe unb Ijolte 
barauS ben verrofteten Ärtegs|elm i^rcS verftorBenen ®e* 
mafjls Ijervor. 

„Ämber," fagte fie, „jefct müßt xf)x lofen, bamit man 
weife, in welker Steiljenfolge Ujr gur proBeweifen ^Regierung 
gelangt. Sdfj werbe Ijier in ben eljrwürbtgen #auptfd&mucf 
eures Ijödfjftfeligen SBaterS, ben er in fo mand&er ^eijsen 
©dfjladjjt getragen, ein meines, ein grünes unb ein gelBeS 
«Bettelten werfen unb tfjr werbet gießen ! (Srlaud&te ©öljne, 
hoffnungsvolle Sßflangen in ber SBaumfdSJule ber 3ufunft 
biefeS SanbeS! 3$ ^Be bie genannten garfcen erwägt, 
weil baS Säumten im grüljlinge weife, im ©ommer grün 
unb im #erBfte gelB erfdfjemt unb gleichwie ber grüpng 
vorangeht, ber ©ommer folgt unb ber #erBft ben Steigen 
fd&liefet, fo foll aud^ ber, welker bie jungfräulidfje garBe beS 
grüljlings gietjt, als ber erfte ben anbern vorangehen; ber- 
jentge, weldjen bie IjoffnungSgrüne ©ommerfarBe trifft, tljm 
folgen unb ben Steigen foll jener fdjjliefeen, welkem bie gelBe 
garBe gufällt, bo$ Ijoffe idjj von feiner Brüberlid&en Siebe, 
bafe er ftd) gelBen -JteibeS entfdjjlagen werbe!" 

3)te ^ringen fanben biefe SHebe iljrer erlaubten grau 
SKutter feljr ftnnreid^ unb erBaulid^. 

3)ie fjolje grau Ijatte iljren Beiben jüngeren ©öljnen baBei 
freunblidj) unb verljetfeungsreiclj gugetädjjelt, Bei bem legten 
©a$e tljrer Siebe jebodj) ben älteften ernft angeBlidft. 

3)ie Ijolje grau lieBte nämlid^ üBerauS bie beiben jüngeren 
^ringen, welche ftdjj nodjj in finblid&er Siebe an bie galten 
ifjrer reid^geftidften StoBe fd&mtegten, wäljrenb ber ältefte 
tljr ntdjjt mejjr als ben fd&ulbtgen Slefpeft Begeigte, womit 
Belanntlid^ oft gang orbmären SKüttern mdjjt gebient ift, ge* 
fdfjwetge benn gar einer breifad^en Königinmutter! $ätte fie 
nadfj i|rem #ergen tyanbeln lönnen, jte würbe bem jüngften 
als bem erften gum 23jrone ver^olfen IjaBen, benn er war 
gar fo tyergtg; aBer es ift eine alte Älage in ben SJJatöften 



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20 Äalettbergefdjtdjteit. 

ber ©rofjen biefcr @rbe, bafe bte 3tücfftdS>t auf ba§ 2Bol)l 
berÄleinen ber ©timmc iljreS ^crjenS ©Zweigen auf erlege; 
fo audj Ijier, ber jüngfic 5Prmj war eben auety gar fo jung. 

3)ie ?ßrin}enmutter fdfjüttelte ben #elm mit ben Sofen. 
„Ätnber," rief fte fd&erjenb, „wer juerft julangen fann, ber 
jieljt aud& juerft!" 

3)a ftürjten bie Beiben jüngeren SPrinjen t>or, ber britte 
aber Blieb t>ott Stnftanb nnb SBürbe auf feinem 5ßlafce fielen, 
audfj um ein Äönigreid^ wollte er ftdj nidfjt mit feinen er* 
laudjten 33rübern Balgen. 

„3)u wtttft ein Äönig werben," fagte ber jweitältere jit 
bem jüngften, „bir wirb ja bie Ärone bis über bie 3iafc 
fallen unb bie gfüfje werben bir t>om £l)rone IjeraBBaumeln." 
Unb er fttejj üjn weg, griff in ben §elm unb bie 3Kutter 
fd&oB tljm gefdfjtcft baS weifce 3ettel$en in bie $anb. 

3)ann lam ber jüngfte |erju, er meinte, aber bie SKuttcr 
öerfpradfj iljm ein ^JucferBrot, ba griff audfj er in ben $elm 
unb fte fdfjoB iljm baS grüne Setteld^en ju. 

9lun trat ber britte tyeran unb Ijofte ben gelben Zettel 
ijerauS, wöbet bie Sßrinjenmutter badete, er werbe woljl nie 
t)on biefer ^ronanweifung ©eBraudjj madfjen fönnen, ba bodfj 
gewijj einer von feinen Srübem fetyon aKen Slnforberungen 
entfprod&en tyaben wirb. 

9hm war es Befttmmt, wie bie Springen ber 9feil;e nai) 
jur probeweifen Regierung gelangen fottten. 

5Wur eines gaB es ju ßebenfen, bie $tit brängte, wo 
fottten bie ^ringen in aller @ile bie StegierungSfunft Ijer* 
nehmen? ©ie ju einem befreunbeten Könige in ber $lady* 
Barftabt in bie Seljre ju fdfjidfen, baju war es ju fpät, aber 
ber greife ©preetyer, ber f<$on einmal bie ©adfje ber fönig* 
Hd^en ©d&wägerin fo gut geführt ijatte, glaubte Ijier diät 
ju wiffen. 

„©reifad&e %xa\x Äömgtn*aRutter," Begann er, „nietyt weit 
t)on Ijier Ijauft ein weifer ©njtcbler, berfelBe Bewahrt ben 
©d^Iüffel ju einer #öt)le, weldjje mel SBunber umfdfjltejjt, fte 
ift, wie mir erjäftt worben, oon fpradjjfunbigen ©eiftern 



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$te brei $rinjen. 21 

Bewohnt unb aar mancher, bcr fpäter berufen war, bie 2BeIt 
burd& feine $|aten unb SBerfe in ©rftaunen gu fefcen, Ijat 
ftd^ oorerft bei biefen Sßefen 9iateS erholt. 3$ beule, wir 
liefjen immer ben Betreffenben ^ringen nad& jener #öljle 
reifen, oerfeljen tfjn mit einigen erfreulichen ©efdfjenfen für 
ben alten Pförtner berfelben, benn au$ weife ©nftebler 
tljun nichts umfonft, unb üBerlaffen bas 2Bettere ber S Ü 9 U W8 
bes £immels. @S gletdfj, oljne biefe Umftänbe, berfetten 
ju üBerlaffen, märe jmar einfacher unb fäme aud& Bittiger, 
aber es fann nid&t fdjjaben, menn man Ijeutjutage ber Ijimms 
lifdfjen $ügung nad) ber gemünfdfjten Stiftung \)\n ben Sin* 
jta* gibt." 

3)er 9iat mar eBen fo gut gemeint als emleud&tenb unb 
fo mürbe er benn audjj Befolgt, ©er jroeitältefte SJJrinj reifte 
mit einem großen ©efolge nadjj bem Sßoljnftfce bes meifen 
©injieblers aB. 

SKadj) moctyenlanger, Befd&roerlicljer gfa!)rt gelangte man in 
eine greulidfje SBMlbmS, rings ftarrten nadfte greifen jum 
#immel, fein SSaum, lein ©traudfj, ja !aum ein #alm mar 
in ber ausgebrannten Debe ju feljen, nur Ijie unb ba ftanb 
ein ÄaltuS mit Brennenb roten SBlüten; man lonnte ntd&t 
fagen mitten inne, benn nadfj gemö^nli^en Segriffen mar ja 
eigentlich ringsherum nid&tS }u feljen, aber Ijier in biefer troft= 
lofen ©egenb Befanb ftdfj bie #ütte beS meifen ©nfteblers. 

3)er Sßrinj podjjte ungebulbig an, er ermartete menig oon 
Ijtcr ju fjolen unb gebadete biefeS SBenige audjj fo fd&neff als 
mägltclj mieber fortzutragen. 

S)er ©inftebler mar ein freunbltdjjer alter #err, ber, mie 
ftdfj von felBft oerfte^t, einen fdjneemetjjen 33art Ijatte; er 
erfdfjien fofort unter ber geöffneten Styüre unb lub ben ^ringen 
ein, in bie $ü$te ju treten; ber aBer Bebanlte fid^ fdjjön, 
fagte, er fjabe grofce @ile unb Braute fein anliegen uor, 
nämliclj, bafc er in bie Bemühte #öfjle eingelaffen fein motte. 

„D^ne alle SorBereitung?" fragte ber ©infiebler. „©oll 
tdjj bir nid^t ein ober baS anbere ©prüd&lein mit auf ben 
2Beg geben?" 



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22 Äalenbergefdjtd&ten. 

,,©tnb bie notwenbtg?" fragte ber Sßrinj. 

„SRotwenbtg nid^t, nü$ltd& oielleicljt," fagte ber SKte. 

„Statut banlc tc|," meinte ber $ßring, „unb bu würbeft 
mtd& feljr oerBtnben, wenn bu oljne weiteres mir mit meinem 
©cfolgc bie £öljle erfd&ltefeen würbeft." 

„3)tr woljl, ^rinj/' fagte ber ©tnftebler, „aber beinern 
©efotge mit nieten! 3)ie #ö§le barf nur einer allein bei- 
treten!" 

„9tun benn, id> bin bereit, f$Iiej$e auf!" 

Sta führte ber @tnfiebler ben ^ringen nad& einem Ijoljen 
greifen, an weldfjem ftd& eine eifeme Sßforte befanb, über biefer 
waren in Settern aus gleichem 3RetaH bie Sßorte „#ö{jle ber 
trafen" angebracht. 

3)er SCIte löfte bas ©dfjlofc, bebeutete bem ^ringen, wenn 
er bie #ötyle werbe ©erlaffen wollen, nur von innen gu pod&en, 
bie uerrofteten Singein freifd&ten unb ber $J$ring trat hinein 
in baS 3)unfel, hinter üjm fdjfofc ber ©inftebler wieber forg* 
fam bie 3^üre unb blieb laufdjjenb an berfelben fteljen. 3)ie 
Ferren beS pringltdjjen ©efolges Ratten für tljr SeBen gerne 
tnitgelaufdfjt, aber es fonnte leiber niemanb Ijingutreten, ent* 
weber war bie Pforte gu fdfjmal, ober ber würbige ©nftebler 
gu breit, ober wo!)l audjj Betbes gugleidjj ; fo bitbeten fte benn, 
bie Ijoljle #anb am Dljre, einen ben laufd&enben SBeifen Be* 
laufdjenben #albfreiS. 

@s bauerte nidfjt lange, fo fagte ber greife #ordjjer an 
ber Saurer „2l$a!" 

3)ie laufdjenben #ofleute ringsum fagten mit großer 33e* 
friebigung audjj: „S0[}a," benn fte wähnten, je$t würben fte 
eines jener prächtigen, BefdjjretBenben ©elbftgefprädjje gu Ijören 
befommen, welche jtdjj auf ber Süljne fo gut ausnehmen, 
unb burdj) basfelbe üBer ben ©tanb ber inneren Angelegen* 
Reiten in ber #öfjle unterrichtet werben. Selber pod&te es 
unmittelbar barauf oon innen, ber ©nftebler fdjjlofjauf unb 
ber Sßrtng trat IjerauS. 2Bo§l falj man tljm an, bafj üjm 
etwas Slujjergewöfytltd&eS Begegnet fei, aber er trug audfj 
eine freubige ,8m>erftc$t gur ©$au. ©er alte SSBeifc machte 



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$te brei ?tin$en. 23 

Bei biefer SBalptteljmung gar ein ernfteS ©efidjt unb »er« 
neigte ftdfj ftumm, als ber $rinj auf ba$ freunblidfjfte t)on 
üjm 3lbf<^ieb nafjm. 

SCuf ber Stücfreife fagten bie Ferren beS ©efolgeS unter 
ftdfj nodf) oft mit bebeutfamen -Mienen : „2Uja," um ben ^ßrinjen 
aufmerf fam unb glauben ju madfjen, baj$ fte fdfjon um manches 
wüßten unb nur barauf warteten, baft er ftdfj über oFjne|in 
fdjjon Sefannteä etwas netyer gegen fie ausliefe; aber ju 
if>rem großen SJerbruffe oerlor er über ben fo tyodfjintereffanten 
©egenftanb ntdfjt ein etnjigeS SBort. Sttfo erreichten fte wieber 
bie Steftbenj •äJtonofogoporibiuS' I., unb wie bas auc$ anberen 
Seuten mand&mal gefdjjeljen foH, famen fie t)on ber Steife 
nidfjt Küger gurücf, als fte auSgejogen waren. 

SDer föniglid^e Dljeim empfmg fe^r ljulbretdfj feinen Steffen, 
übertrug bemfelben unter großen geierüdjjfeiten bie Regierung 
unb jog ftdfj auf ein ftiffes entlegenes Sagbfdjjlofc jurüdf. 
©oljin führte ber jweitältere $rinj probeweife baS Regiment. 

©letdf) in bem erften 3Kamfcftc an feine probeweifen SSölfer 
frifdfjte ber neue $errfdfjer bas ©ebädfjtnis ber grauen, gelben* 
haften SSorjeit auf, oerfpradfj biefe £age ber ©röfte unb 
•äJtacIjt bes SBaterlanbeS wieber aufleben gu machen unb gab 
ber Erwartung SluSbrucf, baj$ jeber Patriot begeiftert $olge 
leiften werbe, wenn baS SBaterlanb ju großen Saaten ruft. 

Unb nun tyatte baS SSoI! oft unb trielmals ber Stimme 
bes SSaterlanbeS golge &u leiften, benn btefeS warb nid&t 
mübe, ju ben äöaffen &u rufen; aber biefer Stuf bes SSater« 
lanbeS war nid&t ber Ilagenbe äBedfruf gegen frembe Unters 
brücfer, ntdfjt ber entrüftete Stuffdfjrei über mutwillig jugefügte 
©dfjmadfj unb Utigeredfjtigfeit, ntdjt baS tiefernfte ©rollen bes 
Seletbigten, eS war ber gellenbe #efcruf bes SeleibtgerS! 

SPber btefes tmmerwäljrenbe ©dalagen unb Äriegen war 
oon ebenfo anbauernbem ©lüdfe begünftigt, fo bafc ber junge 
Stegent balb feinen 9tamen gefürdjtet, bie ©renjen feines 
9teidfjeS erweitert unb feinen ©taat alle anberen an 3Rac§t 
unb ©röjje überragen fafj. 3Rtt ©tolj fragte er ftdfj, wer 
nunmehr ben waljnwifcigen ©ebanfen audfj nur benfett fönnte, 



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24 Äalenbergefd&tdjten. 

bem ©rünber äff bicfer ^ertli^feit ben %fyxon ftreitig machen 
ju wollen! 9Wit ©raufamleit Beugte et in wiberred&tlidSJen 
ßriegen Beftegte ©tämme unter fein %o$ unb mit nodfj 
größerer #ärte perfolgte er bie feiner #errfdfjaft Slngeftamm* 
ten, welche etwa fdjüdjtern bie ©timme für ben ^rieben gu 
ergeben wagten. 

Snbeffen fajj ber gute SfftonofogoporibiuS auf feinem füllen 
Sagbfdfjlojfe. £agS über burd&pirfdfjte er ben $orft, baS 
Ijetfet, er burd&ftreifte benfelben mit feinem ©efolge, benn er 
felbft §atte nie eine SfemBruft geljanbljaBt; babei gefdfjalj es 
immer, gewijj nidfjt aus SReib über bie ©efdjicfKdfjfeit anberer, 
fonbern lebiglidfj aus SKitleib mit beut armen ©etier, baji 
ber befte ©<|ü$e wenigftenS für ben laufenben £ag in tln* 
gnabe fiel. StöenbS — baS mar er fo gewohnt — mufcte 
ifym fein alter #offefretär fauber gefd&riebene ©cfjriftftücfe jur 
Unterfertigung vorlegen, ba waren Selobungen unb Selolj* 
nungen an bie SMenerfd&aft, ein 3)e!ret; baS ben armen S3ögel* 
ä)tn über bie Ijarte SBinterSgeit genügenbeS fjfutter Bewilligte, 
weldfjes immer „an im Betreffenben Paragraphen genau erfidjjt* 
liefj gemalter ©teile" hinterlegt werben mürbe; ein anberes, 
baS bie $erfteffung oon „mit genugfamem #eu oerfeljenen 
Stemifen" jur Sfefung beS SöilbeS im SBalbe anorbnete; nur 
eines, meines audfj ben Staupen unb Engerlingen einige 
$reipläfce im Meinen ©dfjlofcgarten anweifen wollte, würbe 
über energifdfje ©infprad^e beS alten ©ärtnerS fallen gelaffen. 
SSon Seit gu Qtit warb audfj einem alten Sagb^unbe, für 
beffen wäljrenb ber 9)ienftjeit bewiefene ^Pflichttreue anbere 
einfielen fonnten, afferljulbreidfjft ein ©nabewbrot jugewiefen, 
wobei ber alte Äönig ftcfj nie enthalten modfjte, ju Bemerfen, 
bajj er baS Snftitut ber Sagbljunbe nidfjt billige, fonbern 
nur als eine SRotwenbigfeit Beilage, übrigens aBer, wie unter 
alle ©dfjrtftftücfe, feinen reinltdfjen, leferlidfjen 9iamenSgug 
barunter fefcte, benn es war bod) eines meljr. 

SIBer nun würbe tym fd&on längere Seit fein ftiffeS 3agb* 
fölofj verleibet, bieSBitwen unb SBatfen ber ja^Hofen Ärieger, 
bie in ben fjelbjügen beS Regenten gef äffen waren, famen 



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3)ie brci bringen. 25 

in 6$aren jammernb herbeigezogen unb Baten tyn um @r* 
barmen für bag Sanb. 

2BaS aber wollte ber gute, alte Äömg mad&en? ©arauf 
burfte er ja nidfjtä geben, baö waren ja nic^t bie ©rojjen 
beä Steiges, baS waren ja nur bie Äleinften unb Slermften, 
bie ifjn gurüdfoerlangten. 2)a warb er, oielleidfjt gum erften* 
mal in feinem Seben, fel)r gornig, t>erwünf$te feinen SReffen, 
unb um t>on bem gangen Sammer nidfjtä feljen unb Ijören 
gu muffen, gebot er, bie fjenfterläben gu fd&liejjen unb ftopfte 
ftdjj ^Baumwolle in bie Df)ren. 

SRittlerweile aber lamen nod^ härtere £age über baS 
Sanb, bie ©raufamleit beS Siegenten unb feine nie raftenbe 
ÄriegSfudfjt gwangen enblidfj alle benachbarten Staaten in 
ein grojjeä SünbniS wiber tljn, ber Uebergafyl mufete er er* 
liegen, er fudjte unb fanb in offener fjelbfdtfadjt ben £ob, 
unb nun falj baä arme Stteid^ bie gange 3^^e jidfj aufgefreibet, 
fo bafc eä faft an feinem Seftanbe uergwetfeln mujjte. 

3n biefer Sebrängniä eilten benn audf) bie ©rojjen be§ 
SRetdfjeä nadfj bem ftiffen Qagbf^Ioffe, um bie Ärone an 9Kono* 
fogoporibiuä I. jurücfyufte&en. 9)er alte Äönig mar oor 
$reube aufter ftdf), als er fie fommen faJj, nidfjt barüber, bafj 
er nun wieber regieren foHte, fonbern weil er nun bem 
Sammer, fooiel in feinen Gräften lag, abhelfen fonnte. 

@r oergaft gang auf bie Saummollpfropfen in ben Dljren, 
unb ber ©predjer ber Deputation ber ©rojjen be§ SReidjjeä 
mufjte feine gange SRebe nodf) einmal Ijerfagen, nad^bem ber 
Äönig bie 2Batte entfernt Ijatte. 

©ofort eilte SMonofogoporibiuS I. nadfj ber #auptftabt, 
mit feinem ©rfdfjeinen feljrte 9Rut in bie #ergen feiner Unter* 
trauen gurücf, unb ba bie fiegretdfjen f emblidfjen dürften eä 
nidfjt auf einen SBergweiflungSlampf anfommen laffen wollten 
unb überbeut mit bem alten König perjonlidf) befreunbet 
waren, fo gelang es ifjm, einen leiblichen gfrieben gu fdfjltejjen, 
ber ba8 SRetcIj in jenen ©rengen beließ, wie er e§ feinem 
gweitälteften Steffen übergeben Ijatte; leiber waren bamit im 
Snnern bie ©puren oon beffen SRegentfdfjaft nidfjt ausgetilgt. 



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26 ßaCenbergefc§tc§ten. 

2)er jüngftc Spring Ijatte untcrbcm gerabe jenes 2llter 
erreidfjt, in welkem fein oerftorbener 33ruber jur probemetfen 
Regierung gelangte. 3)a nunmehr bie Steige an üjm war, 
fo entfdfjlofj er ftdjj gleichfalls, bie gefyeimniSooffe #öljle auf* 
jufudjen, aber er gebaute uorftdfjtiger ju fein. Stuf ber SRctfe 
baljin forfd&te er jene £erren feines ©efolgeS, weldfje fd&on 
bas erfte 3M mit gewefen waren, genau über bas SBenige 
aus, baS fte wußten. 

SSieber erreichten fte jene traurige Debe unb ber Sßrinj, 
bem bie Steife Diel Sefdf) werbe gemalt, brannte fdfjon Dor 
SBegierbe, bie #öljle &u Betreten, um nadj rafdfjer ©rlebigung 
feiner ©efdfjäfte an bie $eimfe§r benfen ju lönnen. @r podfjte 
an ber $ütte bes weifen (SinfteblerS; biefer erfaßten fofort 
unter ber 2^üre unb lub ben bringen ein, Staft ju galten; 
ber aber Bebanlte ftdf) fdfjön, fagte, er Ijabe grojje @ile, unb 
brad&te fein Slnlicgen t>or, nämlidji, baj$ er in bie bewujjte 
$öljle eingelaffen werben motte. 

„Dljne äffe SJorbereitung?" fragte ber ©infiebler. „©oll 
id^ bir nidjt ein ober bas anbere ©prüdjjlein mit auf ben 
2Beg geben?" 

Sluf biefe grage mar ber Sßrinj burdfj feine ^Begleiter fd&on 
vorbereitet; er moffte es ftdf) mit bem, wie es fdfjien, reb* 
feiigen Sfiten nid^t oerberben unb fo antwortete er: „3)as 
mag woljl nidfjt notwenbig, aber oieffeid&t bod^ nüfclidfj fein, 
fage mir ein folcfjeS ©prüd&elcljen." 

2)a wiegte ber alte ©inftebler bas #aupt unb fagte: 
„3Sor allem merle bir bieg: 

SBleib bir getreu nur, 
£af$ btdD ntd&t irren. 
2Ba3 auc§ bie $tere 
brüllen unb girren!" 

„3)aS ift barer Unftnn," badete ber Sßrtnj bei ftdf). „2Bie 
werbe idfj mir benfelben tnetfen?" 6r Ijatte nämlidfj ein feljr 
fdfjwadjjeS ©ebädfjtmS. 

„SDaS ift baS erfte," fagte ber 2llte. 



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2)ie brei Sßrinjen. 27 

,,©inb ifjrer bcnn mehrere?" fragte ber Sßrinj. 

„@3 ftnb mehrere/' fagte oerbrie|lidf) ber ©tnftebler. 

„35ann »etji^tc idfj barauf," faßte t>etbinblid^ ber Sßrinj. 
„£)u roürbeft mi<# aber feljr ju SDanf verpflichten, wenn bu 
mir fagen fönnteft, roa3 meinem Ijöd&ftfeligen $errn SBruber 
in ber $öl;le begegnet ift." 

„Sdfj barf ju feinem über bie ©eljeimniffe ber £öljle 
fpredjen, ber fid> ntd&t vorbereiten laffen will, unb baju ift 
nötig, baj$ er alle meine ©prücfjlein erlernt." 

„35a§ ginge mir ab," fagte ber Sßrinj ftiDCe für ftdfj, unb 
bann laut: „33tetletdfjt aber fönnte idfj bodfj erfahren, nrie td& 
bem ©efdfjidfe entgegen fann, ba§ ifjn Betroffen tyat, benn 
baran liegt mir oor allem. " 

„®a Braucht bu nur jur erften ßrfcijeimmg, bie bir 
entgegentritt, ju fagen: 

£aj$ ift ftetS ein traurig' @r&e, 
Oft ber ©ieg ein ungerechter, 
ßrteg fei nimmer ein ©eroerüe 
Unb ber §elb, er fei !ein ©d[)Iäcfjter !" 

„©eredfjter $immel," flagte ber Sßrinj, „baä Hingt nidfjt 
oiel flüger alä ba§ erfte, roie werbe idjj baä behalten fön* 
nen? 3$ bitte, fage mir baS nodjj einmal !" 

Unb ber gebulbige Sllte fagte ben ©prudfj nodfj einmal, 
bann auf atterfjöcljfteä Verlangen ein britteS Sötal unb nadfj* 
bem er tfjn fo ein £>u£enb ?0lal roieberfjolt fjatte, geftanb 
fidfj ber $x\ni, *><# man wtt ein roenig 9Jtüfje, bie man 
anberen madfje, fidfj berlei gang gut merfen fönne. 

„9tun fdfjliejje mir nur audfj rafdjj bie #öfjle auf/' fagte 
er, „bamit idfj ben ©pru$ gleicfj oor ber erften ©rfdjeinung 
Ijerfagen fann, tdjj Ijoffe, fte wirb bodjj fo artig fein unb fid} 
blicfen laffen, Beoor idj> tljn oergeffe." 

3)er ©inftebler löfte baä ©<|lofj an ber eifernen Pforte, 
Bebeutete bem Sßrinjen, mnn er bie £öfjle werbe verlaffen 
motten, nur oon innen ju pod&en, unb bie oerrofteten Slngeln 
freifd&ten — 



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28 Äalenbergefc|tc§ten. 

„#alt einen SCugenblidf/' fagte ber Sßrinj, c§c er in baS 
©unfel tyinetntrat. „2Bie gefjt baS ©ilbcn- unb SJeimge* 
trommel, baS bu midfj gelehrt Ijaft? ©teg ift ftetS ein traurig 
@rbe . . ." 

„$afe, £afe," t>erbefferte ber ©nftebler. 

//$$ fo ty weife es nun fdjon, 

£afe ift ftetS ein traurig' @r6e, 

Unb ber ©ieg, er fei !cin ©dEjlädjter !" 

„3)u lieber §tmmel," fagte ber 2llte unb fd&lug bie #änbe 
über bem Äopfe jufammen. 

„31x1X1, mn," meinte ljulbreidjj ber Sßrmj, als gälte es, ben 
(Sinfiebler über eine oon beffen eigenen Sfogelegenljeiten ju 
beruhigen. 9)ann liefe er ftdfj baS ©prüdjjlein nodjj einmal Dor-- 
fagen unb bann Ijatte er es weg unb trat hinein in bie $öljle. 

hinter iljm fdjjlofe ber ©inftebler wteber forgfam bie £fjüre 
unb blieb laufd&enb an berfelben fielen. Sie $erren beä 
prinjltdfjen ©efolges Ijätten für if)r Seben gerne mitgelaufd^t, 
aber — bodfj baS ift ja fdjjon einmal erjäljlt worben unb 
ijat fidjj om$ je|t jum jweitenmal mcljt anberS jugetragen. 

@S bauerte wteber mdjt lange, wenngleidf) ein wenig länger 
als baä erfte 9M, ba podfjte es t>on innen, ber ©inftebler 
fd&lofe auf unb ber Sßring trat heraus. <5r Ijatte ben 33licf 
anbädfjtig gen Fimmel gerietet, bann fenfte er tfjn bemuts* 
twtt jur 6rbe, fafete bie #anb beS ©infteblerS unb brüdfte 
fte an bie Sippen, aber ber alte äöeife machte nrieber gar 
ein ernfteS ©eftdfjt unb verneigte jtdfj ftumm, als ber Sßring 
beim SCbfd^icbe bat, iljn in baS ©ebet mit einjufd^liefeen. 9)ie 
Stüdfreife ging genau fo von ftatten wie baS erfte 2M unb 
wenn bie $erren oom ©efolge etwas meljr wufeten als bas 
mals, fo war bieS gewife nidjt bie ©d&ulb beS ^ringen. 

' 3)er fönigltdfje D^eim empfing audjj biefen feinen jweiten 
Steffen fe^r Ijulbretd^ unb übertrug bemfelben unter grofeen 
gfeierlid&ieiten, aber mit ein wenig bangem £erjflopfen, bie 
Regierung, worauf er fidfj wieber nad^ feinem ftitten 3agb* 
fdjloffe begab. 



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S)ie brei ^rinjen. 29 

9tun Begann unter bem jüngften 5ßrmjen bte gwette SRegcnt* 
fd^aft. @r lieft ftdj jjebod^ anberä baju an, tote fein fjödfjft* 
fcliger $err SBruber. 3« feinem erften 3JJanifefte lobpries 
er ©ott unb bie friebfamen, guten, alten Seiten unb oer* 
fpradjj, unter beS erfteren mächtigem Sciftanbe beren feften 
©lauben unb eljrfame $\i(f)t unb ©itte im Steidje wieber 
Jjerjuftellen; alle Patrioten wären Ijöfltdfjft eingelaben mit* 
jutfjun! 

3)er $of beS neuen $errfdjjer8 wimmelte balb oon Seilten, 
welche alle oerftd&erten, bafe fie nur baS Sieidf) ©otteS fudjten, 
wobei fte fretlidfj oerfdjwiegen, bafe fte audf) auf eine SieidfjS- 
oerweferfteffe in bemfelben regneten, aber bas mar ja felbft- 
oerftänblid^, benn bem getreuen Anette gebüfjret fein Sofyn 
unb bafe iljnen berfelbe, oermöge i^rer SSerbienfte, fdjon lange 
jugeba^t mar unb nur bie böfe SBBelt ftdf) weigerte, xtyx 
l^erauSjugeben, bas füllten fte gar wofjl. SBBotttcn fie alfo 
baju gelangen, fo burften fie leine Seit oerlieren unb mit 
ber argen SBBelt nid^t fpafeen. 

9)a waren im Slcid^c böswillige teuerer, bie fdfjrieben in 
iljren Sücljern ntd&t wie bie Sledfjtgläubigen ,,©D££", fon* 
bern ganj unel)rfür<#tig „©Ott"; freilidfj brausten fte 3lu§* 
flutte, meinten, bie Sudfjftaben Ijätten nid^ts mit ber Qtyrfiirdjt 
ju fd&affen unb „©ott" gefdfjrieben, fytfy nidfjt „&£)%%" 
geläftert; aber man weife, wa8 man oon fo fpifcfinbtgen 
SBorwänben gu galten Ijat, bafe fidfj immer bei Streiten über 
Stedfjtf Treiberei oiel Stedjtljaberei breit mad&t unb bafe ftdjj Ijicr 
ber ungläubige äöolf in ein ort^jograp^ifdfjeS ©dfjaffell füllte. 
2Ba3 foHte man mit folgen »motteten ©emütern beginnen, 
benen ©ott nur für ein gewöIjnltdfjeS ©auptwort galt, unb 
welche audfj bem Teufel bie gleite (Sljre erwiefen?! 

Um burdf) bie ©ulbung biefeS fefcertfd&en ©ebarenä bie 
gutgläubigen nidfjt irre ju führen, fonbem oielmeljr ju über* 
jeugen, bafe fte mit iljren Slnf^auungen in ber 3Ke§rja^l unb 
in ber SWad^t, fomit im Stedfjte feien, liefe ber junge £errfc$er 
ein £)efret ergeben, welkes bie „neuere 9le<|tfd&retbung in 
göttlid&en Singen" oerbammte unb ben 2ln!jängem berfelben 



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30 Äalenbergefd&id&ten. 

freifteffte, Binnen oterjeljn 2togen baS 9teic§ ju t>erlaf[en ober 
tljrem Srrtume gcmjlic| ju entfagen, mit bem 33emerfen jebodjj, 
baft jeber, ber im Sanbe ucrblctSc, für einen 3tüdffaff in feine 
früheren oerbammlid&en Stnfid^ten auf baS Ijärtefte beftraft 
werben mürbe; gegen foldfje 3tüdff äffige mürben audf) unter 
einem äffe eljrliebenben Patrioten ju äfajeigen, menn audjj 
oljne Unterfd^rift, Ijöflid&ft eingelaben. 

Smei SDrittetle ber ortljograpljtfdfjen Äe$er, meldte eine 
flinfe #anb fd&rieben unb fürdfjteten, es mödjjte iljnen baS 
bemühte SBort oftmal unuerfeljenS in ber oerpönten Schreibe* 
weife aus ber geber fliegen, jogen eS oor, auSjuwanbern; 
bie anbem, meldte bebad&tfamer i^re Sudfjftaben malten, 
badeten, fte mürben ftdfj fdjon an bie oier großen ©dfjrift* 
jeic|en in einem SBorte gewönnen fönnen. 216er bie ©e^ 
woljnljett fpielte bodfj manchem arge ©treidfje unb baS ©eridfjt, 
baS ber fjürft für foldfje gäffe etngefefct Ijatte, Itejj nidfjt mit 
ftdfj fpaften. 

@S bauerte axiü) nidfjt lange, fo wimmelte es oon 2ln* 
jeigen oljne Unterfdjriften. ©d&erj mürbe mit gutem SSor* 
Bebaut als ßrnft genommen, -Dtutwiffe als greoel; ja, per* 
fönltdje geinbfdfjaft freute fogar nid^t baoor jurütf, bie 
©cljreib^efte eines Derljafcten ©egnerS ju fälfd^en unb bas 
©erid^t fannte nur eine ©träfe, ben £ob burdj ^euer. 

Sfttdfjt lange Ijatte ber gute 9JlonofogoporibiuS I. auf 
feinem ftiffen Sagbfdjjloffe gekauft, fo mürbe fein griebe 
wieber gar arg getrübt; fo oft er auSjog, begegneten iljm 
©d&aren oon ShtSwanberern , SPlänner, SBeiBer unb Äinber, 
meldte ber ©dfjreden aus bem Sanbe fdfjeud&te, wehmütig 
grüßten fte ftetS tljren alten, guten Äönig, unb SCag für £ag 
unb immer jaljlreidfjer ftreBten bie Süge ber ©renje ju; als 
aber eines £ages oerjweifelnbe Hinterbliebene oon fogenannten 
Äefcern oor bem ©djjlojfe 2lf<#e unb oerbrannte menfcljlidfje 
©ebeine auf ben tiefgrünen 9tafen ftreuten, ba fdjjludfote ber 
alte 3Jlann laut auf, man fteljt, er mar finbif<# gemorben, 
wer mirb benn meinen? 

SllS er aber feine 2^ranen getrotfnet §atte, ba fammelte 



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$ie brei ^rinaen. 81 

er feine wenigen ©iener, beftieg ein $ferb, «6er ba er gar 
fdfjma$ war, mußten ifjn gwei Seute redjtS unb KnfS ftüfcen, 
unb fo gog er ber #auptftabt gu ; auf bem SBege fetyrte jebe 
2luSwanbererfdfjar um unb fdfjloft ftd^ tljm an, in Dörfern 
unb ©täbten, wo er twrüberfam, liefen jte bie Slrbeit liegen 
unb fielen unb ein unermeftltd&es 9Henfc§engewoge wälgte 
fic$ braufenb gegen bie 9leftbeng Ijeran. 

Sa, man wuftte bort gar nidfjt gu beuten, was baS mar, 
alö aber -DtonofogoporibiuS nadfj ber ©tabt tyineinfdjicfte unb 
fagen lieft, er forbere feine Ärone gurüdf, ba rannte alt unb 
jung t>or baS £ljor tymauS gu iljm, unb bie ©roften bes 
Steiges, meldte bodfj nidjjt gang allein barinnen verbleiben 
mofften, entfdfjloffen fidfj rafdjj mitgurennen, unb ba es tljnen 
feljr fd&idflidf) fcljien, bie ßrone gur #anb gu §aben unb mie 
aus eigenem antriebe gleicfj angubieten, fo rift ber lefcte, 
ber in ber Site aus bem ÄönigSfaale entlief, biefelbe etwas 
m\\anft bem jungen dürften com $auytt. 

SDiefer ärgerte ftdfj nicljt wenig unb fanb es nicljt in ber 
Drbnung, baft er mitten in feiner fcgenSreid&en Regierung 
alfo unterbrochen mürbe, benn er Ijoffte an bem $euer, an 
bem er bie eine ^älfte feiner Untertanen briet, mürbe audjj 
bie anbere #älfte für feine £errfdfjaft gar werben; ba tl;m 
nun biefe SluSpd^t benommen war, ging er in ein Älofter. 

©rauften vox ber ©tabt trafen bie ©roften beS StetdfjeS 
auf unabfeljbare 9Renfd^enmaffen, bie einen hinfälligen ©reis 
umjubelten, ber muffelig, t>on anberen unterftüfct, gu ^Jferbe 
faft unb auf alle Surufe finblidjj frol) lädjjelte; aber welje bem, 
ber über ifyn gelabt fyätte! 3)iefer ©reis, baS wuftten alle, 
trug gur gegenwärtigen ©tunbe in feiner Sruft baS £erg 
bes Sanbes unb für fein gülden unb @mpfinben ftanben 
3Mionen Slrme unb gäufte ein. 

3Me ©roften beS Seines gaben bie Ärone wieber in feine 
#anb gurüd unb iljr ©predjjer Ijielt babei eine minber fd^öne 
Änfprad^e, wie baS erfte 5M, wo er 3ett Ijatte, jtdf) gehörig 
barauf twrgubereiten. ©em alten Äönig war ret|t bange 
wegen feines britten Steffen, felbft bie Sßrinjenmutter, feine 



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32 ftafenbe?gef$t$ien. 

erlaubte ©dfjmägerin, warf ftdfj itjm gu gfüßen unb bat, 
intern älteften ©oljne bie Sßrobe gu erlaffen, unb fotttc er 
barmt audjj alle Slnfprüd^c auf ben 23jron t>erroirfen. 2Bar 
es gefränfte 9Kutterliebe, bie es mdjt mit anfeuert mollte, baß 
gerabe baS am wcntgftcn geliebte Äinb etwa erretten lönnte, 
maS ben betben anbeten heißgeliebten t>erfagt war? Ober 
mar es rotrflidfj beforgte iftutterliebe, bie ben legten ber 
©öljne nid^t auf ein fo gefätjrltdfjeS ©piel fe$en mollte? SOBer 
meiß es gu fagen? SSielleid^t mar es beibes gugleidfj. 

9lber 9KonofogoportbiuS I. fagte JW}, baß nadf) feinem 
Sföleben bodfj biefer britte SReffc fein nä<#fter (Srbe fein mürbe 
unb eben barum foffte audfj er feine Sßrobe ablegen, ent* 
meber er beruhigte tfjn baburcij über bie «Sufunft f c i nC t 
ofyneljin ferner geprüften Untertanen ober er t>erfeljlte gleid(j* 
falls feine erhabene Aufgabe, bann foffte es bie le^te ©orge 
bes greifen ÄönigS fein, einen mürbigen §errfd^er für baS 
SRctd^ aufgufinben. 

Unb fo fa!) benn baS Sanb mit banger @rmartung unb 
mit menig Hoffnung ben legten ^ringen aus feinem gfürftem 
fjaufe ben gleiten 2Beg baljingieljett, ben t>or xf)m feine 
Srüber gurüdfgelegt Ratten. 

2llS nun bie traurige Debe mieber erreicht mar unb ber 
$ring ber §ütte beS meifen (StnfteblerS anftdjjtig mürbe, ba 
erfüllte Sßefymut fein #erg, benn er gebaute feiner Srüber, 
unb gang leife pod&te er an. 

©er ©infiebler erfdjjten roie jebesmal allfogleidf) unter ber 
23jüre unb lub ben bringen ein, SRaft gu galten. 

©iefer folgte ber ©nlabung, ließ für fein ©efolge gelte 
auffdjjlagen unb befahl bemfelben, ftdj) unterbeS gu lagern. 

SIlS nun ber Sßring mit bem ©infiebler in beffen $ütte 
allein mar, fagte er bemfelben, baß audf) er gefommen märe, 
bie bemußte #ö§le gu betreten, unb als ber Sllte barauf, 
mie gemöl)nli<|, fragte: „Dljne alle Vorbereitung? ©oll id; 
bir nid&t ein ober baS anbere ©prüdjjleht mit auf ben 2Beg 
geben?" ©a fagte ber $ring: ,,©ei ©ott oor, baß idjbeine 
fyilfreidfje ßanb von mir meife! 3$ TOe $ wüßt worin es 



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$>te bret ^ringen. 83 

meine Srüber aerfeljft Ijaben, aber idfj Bin es bcm Sanbc 
fdfjulbig, baS burc§ ftc fo fd^rocr gelitten fyat, nid&ts ju Der* 
abfäumen, was midjj etwa in ben ©tanb fefcen fönnte, bem* 
felben ju nüfcen." 

3)arauf meinte ber (Sinftebter: „3$ weife bir aber nidfjt 
ju fagen, wie lange Seit bu bamit wirft »erbringen muffen, 
um bann oljne gfaljrnis bie #öl)le betreten ju fönnen." 

„SBeifer SBater," entgegnete ber Sßrinj, „wie fann midfj 
baS abfdfjredfen, ba tdfj bo$ bereit bin, bie eine #älfte ber 
£age, bie t<$ nodf) ju leben Ijabe, ba^htjugeben, wüfete idjj 
bafür bie anbere Seit über mein SSolf glücflidjj unb jufrieben 
ju machen!" 

9)a lächelte ber (Sinfiebler gutmütig: „SMein ©oljn, i$ 
felje, es ift fd&on an ber Seit, bidfj in bie ,#öl)le ber trafen* 
einjulaffen!" S)ann aber begann er ernftlidj) ftdf) mit iljm 
ju befpred&en unb ifjn in allem, was erforberHc| mar, ju 
unterwetfen. 

Sunt nid;t geringen SSerbruffe ber §erren beS ©efolgeS, 
meldte in biefer SBilbniS äffe gewohnten 2lnneljmlid>feiten 
entbehren mußten, t>erbradf)te ber Sßring brei lange £age mit 
feinem Seljrmeifter; am 3Worgen beS werten £ages öffnete 
i^m biefer bie eifeme Pforte unb ber Sßrinj trat in bie #ö§le. 

hinter ftdf) fjörte er wteber forgfam fdfjliefeen. 

@S ift ein alter @rfatjrungSfa§, t>on bejfen SRidfjtigfeit 
nunmehr audjj ber $rinj ©elegen^eit §atte, ftc$ ju über« 
geugen, — bafe man im ©unfein nidfjts fte^t. 

2)a ftanb er nun. 

•Kufe baS Stuge wegen SDtangel an Sidfjt feiern, bann 
eilen alle anberen ©inne bem geängftigten Äörper ju #ilfe 
unb fd&ärfen jid^ ju beffen ©ienft, befonberS ©efjör unb ®e* 
füljt. ©er Sßrtng »ernannt beutltdfj, wie rings t>on ben 
SBänben ber $öf)le mit gletdfjmäfetgem ©eräufdjje fernere 
tropfen nieberfdfjlugen, baS mar fo eintönig unb wirfte fo 
tferftimmenb, bafe er mit Ungebulb bie weitere SntwtcKung 
feines SlbenteuerS Ijerbeifeljnte. 

Sefct füllte er an einer leifen Suftweffe, bafe es rings in 

Vnjengruber, ©ef. ©etfe. V, 3 



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34 ftatenbergefdjtd&ten. 

bcr $öfjle ftd& gu regen unb gu bewegen begann, wie ein 
©eflüfter roeljte es burdjj ben 9taum; aber tmeber mürbe es 
gang ftiBCc unb mar nichts gu l;ören als bie faKenben tropfen. 

©ein 2Iuge, nun an bie ©unfelljeit geroöfjnt, t>erfud^te 
gang umfonft, audjj nur von ben nädjjftliegenben ©egenftanben 
einen ungefähren Umrtjj gu erraten. @r erfdfjraf faft, als 
eine t>otttönenbe Stimme unmittelbar an feiner ©eite begann: 

„3)aS SeBen ift fdjal unb leer, ber 9Jtenfd& mujj eS mit 
eigenen ober fremben Saaten fd&mücfen, ein 3Renfd^ mufj 
ben anbern baljinreifjen in baS Ungemeine 1 2BaS ift baS 
©eroaltigfte, baS bu als SJlenfd^ cermagft? ©in $elb gu 
fein! $urdjt unb SBereljrung gu ermetfen unter benen, bie 
mit bir über bie Erbe mallen, unb beinen -Kamen ben fünf* 
tigen ©efdfjled&tern gu tiberliefern! @S ift ber eingige SBurf, 
ber im ©elingen wie im gfeljlfd&lagen bir ben gleiten Sorbeer 
bringt! SRicjjt nur im ©iege bift bu grofj, aud^ im Unter* 
gange, wenn bu im erhabenen, fjeroifc|en SBaljnfinne 9teidf) 
unb SBoIf neben bid& auf bie Sßalftatt betteft! ^Millionen 
gewaltiger ©eifter banfen bir für ben Ijocljgefjenben SBeHen* 
fcljlag tfjreS SebenS, bie bumpfe 9Henge betet bidjj an, roeil 
bu fie, ein ©Ott, ber Slrmfeligfeit iljreS ©afeinS entriffen 
Ijaft! 3)u lefjrteft fte, baS Seben für baS Seben freubig 
einfefcen, bu bieteft i^nen, an beineS SRamenS $ofjeit ge* 
fnüpft, ein unfterblid^ ©ein in ben ©ängen ber ©id&ter, in 
ben Siebern beS SSolIeS! ©ie f Bulben bir bie gange Summe 
iljreS ©afeinS, barum barfft bu fte audjj t)on iljnen forbern! 
5DaS ift ber Reiben tyeilig SSorred^t!" 

©a fpradjj ber $ring (eife: 

„SBfetb bir getreu nur, 
2afs btd; nid&t irren, 
2ßaS audfj bie Stere 
»rüHen unb girren!" 

9)a leudfjtete ein faljler ©dfjein auf, unb bem bringen 
mürbe bie ©eftalt ftdjjtbar, meldte obige SQSortc an tfjn ge* 
rietet fcatte, es mar ein £tger. 



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Xie brei ^rfnjen. 35 

S)a fpra<$ ber ^Jrinj f of ort : 

„$aj$ ift ftctS ein traurig* (grbe, 
Oft ber ©ieg ein ungerechter, 
Ärieg fei nimmer ein ©eroerbe, 
Unb ber $clb / er fei !ein ed^lädjtcr !" 

©a Brüllte ber Seiger auf unb t>erfd&n>anb, unb nadfjbem 
baä 6d;o in ber £öljle *erfjafft war, begannen wieber bie 
SBaffer eintönig von ben SBänben ju tropfen. 

SRadfj einer aBeile ^örte ftd& ber Sßrinj nneber, bieämal 
aber t>on einer fanften Stimme angefprodjen: 

,,©ott ift unfet aller SSater! 2Iuf ßrben gibt e3 nur 
eine grofce einjige ©ottegfamilte, felbft für bie entarteten 
©ö^ne fteljen bie SBoljnungen im #aufe beä 9Sater§ bereit, 
aber — welje — fte ftreifen lieber in ber 3rre umljer unb 
aerfucljen audfj bie anberen ©otteSfinber irrejufüljren. ©ie 
fudjjen fte burdjj $ofnt unb ©pott, burc^ Sift unb 93ergen>al* 
tigung abroenbtg ju machen Don ifjrem frommen fölaulm, 
t)on iljrer einfältigen ©itte! #eugt e8 nidfjt für bie SBafjr* 
Ijett tljreS ©laubenä, iljrer Hoffnung, iljrer Siebe, bafc 
bie 3Mionen frommer ©emütet friebfertig bem ©potte 
von etlichen Stoufenben irregeleiteten ftanb^altcn? ©ibt 
eä etroaä (SrljabenereS für einen ©eroaltigen, als bie 
©dfjroadfjen ju fdfjüfcen? D, roerbe ein ©treiter für beren 
^eilige ©adfje! ©teljt nid&t gefdfjrieben, benen, burdjj meldte 
3lergernte fommt, märe beffer, mit einem 9Jlüfjlfteine um 
ben #al§ jum ©runbe beä SJteereä uerfenft gu werben? 
SBiUft bu drbarmen fennen, roo baS ©rbarmen allein Bei 
©ott fteljt? D, faffe nidfjt SKiHionen in iljrem Ijeiligcn 
©lauben irre, in i^rer befeltgenben Hoffnung manfenb 
machen, laft iljnen nidfjt iljren einigen SCroft in biefer 
SBelt be§ gammers unb ber £rübfal rauben, bamit bie 
©dfjroad&en, in benen ©ott mächtig ift, bir beinen 2^ron 
ftüfcen, beinen Flamen für alle Seit lobpreifen unb bu 
felbft bereinft einge^eft in ©otteä SReid^ unb ^errlid^feit! 
Slrnen!" 



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36 Menbergefdjtd&ten. 

2)a fagte ber 5ßrinj wieber leifc ba3 ctftc ©prüdfjlein, 
unb im faljl aufjudenben fitste ftanb ein Samm an feiner 
©eite, unb ba fpradfj er: 

„Sludj beim ©pott bcr fd^Srfflcn S)en!cr 
$ält ftdj echter ©laufte rein, 
Unb auf (Srben !ann bcr genfer 
Zimmer ©oiteS Anwalt fein!" 

3)a blöfte ba3 Samm gar fläglidf) unb oerfdfjwanb, unb 
roieber warb e8 ftiffe wie juuor. 

SRadfj einer SEBeile Begannen jwei Stimmen neben üjm ju 
fpred&en, eine fd^arfc, fdjjneibtge führte baä SBort unb bie 
anbere jifd&te mand&mal eine 33emerfung bajwifdfjen. 

„Klug gefjanbelt!" fagte bie erfte ©timme. „@3 tfltnel 
eljrenber, bem eigenen Kopfe alles ju oerbanfen, als fremben 
puften! gelten btefe, waä mürbe wo§l aus mannen 
©töjjen? $$ frage!" — 

„©taub fofften fte freffen unb bodfj mdjjt flug werben 
bei biefer Koft," jifdfjte ladjenb bie anbere ©timme. 

„©enug Saufteme für unoergänglidjje ©röfce," fufjr bie 
erfte ©timme fort, „finbet ber fluge Kopf an ben fd&wadjjen 
Köpfen feiner SKttlebenben. SReijt bid^ ein Seftfc, lodfe ober 
fc§re<fe ben (Signer IjerauS. ©teljt bir jemanb im 2Bege f 
leljre iljn f elfier bie ©dfjltnge breljen, in ber er ftdfj fangen 
mufc. Sßer bir brofjt, ben fd(jmetdfjte in§ SSerberben. 2Ber 
bir fdfjmeidjjelt, bem mißtraue. Krumme SBege, aber ftdfjer." 

„Krumme 2Bege, fluge 2Bege," jifdfjtc bie anbere ©timme. 

,,©o wirb bein Seftfc fidjj mehren, beine $einbe ftdjj min« 
bern, bein Sßort meljr als ein ©dfjwertftreiclj wiegen, bu 
wirft gefürchtet unb bewunbert fein. Slffüberaff in ber SRatur 
erweifet fidfj baS Klügere bem ©tärferen überlegen unb mit 
urew'gem Steckte gebraud&eft bu beS ©eiftes Uebermadfjt! S3on 
bir abhängig füllen jtdjj bie Sefdfjranlten unb als bem 
Klügeren ^nblangem bie Klugen bir, benn o!)ne bidjj ftc^t 
bodjj nidjjtS ju erreichen, unb bu wirft affer Swetf unb SRittel, 
inbem bu als affer SKittel Swedf bid^ f eiber fefceft!" 



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$ie brei grinsen. 37 

©a fpradjj bct Sßrinj leife ben erften ©prudj) unb falj im 
Stufleudjjten beS fallen ©d&eineS gu<$S unb ©dränge neben 
fu$. 6r fprac§ fofort: 

„Söo^l $at Sip auf frummen äßegen 
SRandjen nadj bem 3iet genriefen, 
316er feineä StomenS ©egen 
SBBirb von 6!laoen nur gepriefen!" 

SDa t>erfdS>wanben audfj gfudfjs unb Solange unb lurj bar« 
auf, als f)ättt fte es nid&t abwarten lönnen, baft fie ju 2Borte 
fomme, begann eine gefdfjraubte, näfelnbc ©timmc: 

,,©l), langweiliges SSolf ba, miteinanber! 2BaS? £e? — 
gloSfeln, Strafen, 2Borte, ^laufen — weiter nichts! 2BaS? 
£e? — Sin frol), nur einmal einjig oernünftiges SQBort aus* 
fpred&en ju fönnen, Reifst: ®ttm%\ ©enufj, was? £e? Stöd&t? 
— SDBojU fonft auf ber SBelt, als wegen ©enie|en? 2BaS 
fonft SwedE unb SBerftanb im ganjen Unwerfum, als ®e* 
niesen? 2Ba8 fonft göttltdfjeS, natürliches, politifd&eS, elj, 
fojialeS Sied&t, als ©enie^en?! STOes anbere Unftnn! 2BaS? 
$e? Seben fonft gar nid&t ber 3Rülje wert, ©taat fd&afft 
Snbuftrie, SRatur fd&afft ßunft, Beibe: ßomfort! SBoju 
fonft feuriger SBein gewad&fen, wenn m$t fotttc getarnten 
werben? Sßogu fonft §übfd&e grauen unb 3Räb$en . . ." 

Sad&enb unterbradj ber 5ßrinj ben Stebner mit bem erften 
©prüd&lein, unb neben tym ftanb ein Stffe. 

3)er $rinj griff in bie Stoffe unb gab tym einen Sfyfel. 
„£)a genieße!" 

3)er 3lffe banlte fc^r artig unb oerfdfjwanb. 

Sßieber warb es ftitte, <iBer gang ftille, felbft baS ©eriefel 
ber Stopfen l;atte aufgehört, ba fd&ritt es burd& baS ©unfel 
auf ben $rinjen ju, er füllte feine Sftedfjte oon einer warmen 
3Jtenfd&en|anb ergriffen unb er oernaljm folgenbe SBorte: 

„Sin allem erfreu 
2)ie offenen ©innen, 
Unb bleib bir getreu 
SBei iebem Beginnen !" 



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38 ftalenbergef$ict)ten. 

©er Sßrinj Ijielt bic §anb beS ©pred&erS, bic ftdjj fauft 
aus ber feinen löfen wollte, feft, benn bie ©ttmme flang 
iljm gar befannt, unb er wollte eben eine fjragc [teilen, als 
fidj t>on ber eifernen Sßforte §er ein ungeheurer Särm er^ob 
unb biefetbe, Don wudjtigen äT^tfc^Iägen jertrümmert, ein* 
bradfj, burd& bie entftanbene Südfe brangen gleich hinter bem 
guftrömenben £ageäfidjte bie Ferren t>om ©efolge herein. 
SMeSmal Ijatte es bod^ gar gu lange gebauert, jte fjatten ftdfj 
mübe geängftigt unb geljordjjt, benn bieSmal fonnten fte 
lauften, ber ©nfiebler Ijatte furje Seit naä) beS 5ßrinjen 
Eintritt feinen fonftigen Soften oerlaffen; fie waren ba|er 
fetjr erftaunt, ben Sitten Ijier mit bem 5ßrtnjen £anb in 
#anb gu treffen, meHetd^t nidjjt weniger erftaunt als ber 
Sßrinj felbft, ber ftd& nun t>on if)m aus ber §öfjle leiten lieg. 

©er $rtnj Ijiejj fogleiclj alles gur Stütf reife ruften, es 
war auclj fe^r balb alles gum Slufbrudfje bereit, benn bie 
§erren beS ©efolgeS, weldfje fe^r fro§ waren, fortjufommen, 
Ijatten fdfjon äffe Vorbereitungen in biefer #inftdfjt getroffen. 

33iS baS Sßferb twrgefüljrt würbe, Ijatte ber Spring fdfjwei* 
genb neben bem alten SBeifen geftanben, jefct, betwr er ftdfj 
in ben ©attel fdfjwang, umarmte er ben tljm lieb geworbenen 
Berater unb biefer faßte iljn gum 3lbfd^iebe nodjj einmal an 
ber £anb unb fagte: 

„9ln allem erfreu 
2)ie offenen ©innen 
Unb bleib bir getreu 
Sei jebem beginnen! 1 ' 

Sänge blidfte er ben ©afjtngieljenben nad) unb lange nodj} 
wanbte ber Sßrtng fein Sßferb. 

SWonofogoporibiuS I. empfing mit gewohnter ©üte feinen 
britten Steffen unb nad&bem er ifjm gletd& ben anbern probe- 
weife baS Stegiment übertragen Ijatte, gog er ftd^ wieber auf 
fein 3agbf<$lofc gurüdf. — 

Safjre »ergingen, feine 9tu$e würbe nidjjt geftört, er war 
uralt geworben unb füllte fein @nbe nafje, ba ließ er eines 



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2)ie brei $nnjen. 39 

£age« atteä gut Steife ruften, beftieg eine Sänfte unb Keß 
fid& burdjj baä 2anb nadjj ber £auptftabi tragen. 

©ie waren eine £agreife weit gefommen, ba fragten bie 
Seute am 2Bege bei ben Ferren be8 ©efolges an, wer benn 
ba fo twrnefjm reife. 

„9tun," fagte einer ber #erren, „euer Äönig!" 

„@i, §err," fagte ein alter SJauer, „%l)t wollt 6ud& wotyl 
ober arme Seute luftig madfjen! 216er unferen Äönig fennen 
wir woljl, ber ift noc| in ben beften Sauren, unb fo fann 
er bo$ md&t über 9tadjjt jufammengefc^norrt fein, wie ber 
ba in ber ©änfte!" 

„2tber," fagte ber #err vom ©efolge, „baä ift bod& euer 
regier unb wafjrljafter Äönig, SKonofogoporibiuä I." 

$)a jog ber SBauer bie 3Küfce unb fagte: „3e ber £au* 
fenb, id) Ijätte nid&t gebaut, baß ber nodjj lebt! 9t\m lebe er 
nodjj taufenb %af)tt, »orauSgefefct, baß bas iljn felber nid&t 
üerbrießen mödjjte! ©a3 war ein gar fd&önes ©tue! von iljm, 
wie er bas Äefcerbraten im Sanbe emgeftettt Ijat, ba war id; 
felber nod^ afe lebiger Surfte babei. 3l\m, ©ott tröfte iljn! 
9tidfjt3 für ungut, man fann e8 faft nid&t glauben, baß er 
nod) leben fott! Stber nid&t waljr, ben jefcigen nimmt er 
uns mdfjt weg? 3)a8 wäre ljöd& gefegt. W), ba3 wirb er 
woI»I nid&t?" 

„5Kem, nein, baö wirb er nid&t!" lächelte aRonofogopo* 
ribiuS I. feelem>ergnügt in ber ©änfte. 

©ein SReffe Ijolte tfjn, fobalb er von feinem Stoßen unter* 
rietet würbe, mit allen @§ren ein. SRonofogoporibiuS I. 
aber merfte feine Ie$te ©tunbe gefommen, er tierfammelte im 
Sömg8fdf)Ioffe alle ©roßen beS Steiges um fein Sterbebette, 
unb au^m um ben Sßalaft brängte ftd& baö SSolf. 9Jod) 
einmal, baS lefcte 3M, mußte fein alter £offefretär üjm ein 
©djjriftftücf unterbreiten, baS S£eftament; baS war nid&t fo 
fd&on gefd&rieben, man faty ben SBudjjftaben an, baß manchmal 
bie #anb beS ©Treibers leife gegittert §atte, ber alte Äönig 
warf iljm einen ftrengen 33Iidf ju, aber afö er iljm bie geber 
abnahm, brücfte er tjjm wieber leife bie £anb. ©er britte 



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40 ßalenbergefd&tdjten. 

SRcffe würbe jum @rben bes SteidjjeS cingefefct unb Ijatte beii 
SRamen SWonofogoporibtuS n. ju führen. 

<$r mu^te auf ben SBunfdS) feines erlaubten DtyeimS fo* 
gleid^ bas SRanifeft über feinen ^Regierungsantritt bem alten 
$offefretär in bie gfeber biftieren. 

£)er ifteffe gab erft bem ©dSJmerje über ben SScrluft feines 
DfjeimS mit wenigen, aber Kebewtten SBorten berebten 2tuS* 
brudf, bann fagte er, er erneuere nur bas äJerfpredjjen, baS 
er in feinem erften SÄanifcftc feinen SSöllem gegeben Ijabe, 
fo }u regieren, bafj fte es nur merfen fottten an ber Sßoljl* 
faljrt bes gemeinen SBefenS. 

£)ann mufjte er unterfdjreiben, ber ©efretär reifte bem 
alten Könige, ber freubig aufgenordet Ijatte, baS SSIatt, unb 
als aRonofogoporibiuS I. in ft^eren unb frönen Sügen 
„aRonofogoporibiuS IL" las, ba war er ganj über bie Su* 
fünft feines 2anbeS unb SJolIeS beruhigt unb t>erfdj>ieb mit 
einem froren Säbeln. 



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läfte mit öem ^err^otf nm$t$an$en 
mxb. 

$tne «eföi^te mit einigen , JUerns". 

(1878.) 



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|3 tft eine arge Sßelt, einer madfjt'ä bem anbern unb 
ber liebe ©ott allen gufammen nie redfjt. @ö ift 
eine Ijübfdfje ©adlje um bie grömmigfeit, aber wenn 
einer um ©onnenfdjem unb ber anbere auf bem nämlichen 
gledf um Stegen betet, ba möd&t' ic§ wo§l einen britten 311m 
©errgott madjen unb jufeljen, wag ber bei all feiner Slttmadjjt 
anfinge, um e§ mit feinem von ben beiben ju »erberben. 

3m Sorben finb bie Sföenfdfjen etwas füljler unb nefjmen'S 
nidfjt gleich übel, wenn er ftdj etwas fdjjwerljörig fteHt, aber 
im ©üben ba finb fte heißblütig unb werben feljr unge* 
galten; ba ift es benn für bort eine ganj gute ©inridSJtung, 
baß man jmifc^en ©ott unb bie aufbringlid^en Seter bie 
lieben ©eiligen eingefd&oben fyat, bie nun freiließ für jebe um 
erfüllte Sitte auffommen muffen. 

SBatjrljaftig, fo ein ©eiliger ift md&t ju beneiben unb id) 
möd&t' feiner werben; benn abgefe^en ba»on, baß bie Ott* 
reid&ung einer folgen fjoljen ©teile auf ber (Srbe mit mannen 
Unanne^mlid^feiten unb Umftänblid&feiten »erfnüpft ift, fo 
muß ja einer im ©immel ganj ^öHifd^ aufpaffen, baß er 
tagüber feine Anrufung »ergißt, fo baß i§m faft feine &tit 
bleibt, fidfj ber ewigen ©eligfeit %\x erfreuen, IjödfjftenS jur 
SWadjjtjeit, aber foldjje übernächtige ©eligfeit »erträgt ftdjj 
wieber tags barauf fpottfd&Iedfjt mit ben SerufSgefdjäften, 
wie manche gar woljl wiffen, bie gerabe feine ©eiligen fmb. 

3a, es ift eine Ijübfdjje ©ad&e um bie gfrömmigfeit, wenn 
es nur nid^t manche fo weit oerfe^en möchten, baß if)r ©ebet 
einer Säfterung auf ein ©aar gleidfjt. ®a war einmal eine 
öffentliche SDirne, bie Ijat einen jungen 9Renfdfjen ju berütfen 
gewußt, baß er eine Seitlang ju iljr gehalten ijat; nun fmb 



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44 Jtolenbergefd&tdjten. 

iljm benn boc^ enblidj) bic 2lugen aufgegangen unb bas war 
ein ©lüdf für iljn, fonft wäre er ja ein oerlorener SBtenfdfj 
gewefen, unb er fyat bas SBeibSbilb t>erlaffen. 3lbcr bic 
Slllerweltsliebfte war barüber gar fetyr betrübt unb was ifjut 
fie? 3n bie Ätrdjje geljt ftc unb betet jur „atterreinften 
Sungfrau SRarta", btefelbe möge tyr bas ©erj tfjres Suhlen 
wieber juwenben, bamit bie unfaubere Siebfdjaft ifjten %oxU 
gang ^aben fönne. SBenn baS nid&t geläftert tft, bann roei^ 
iclj überhaupt nidfjt, was 35eten Ijeijjt unb fein fott. 

lieber baS ©tüdf tadjjt wofjl feiner, baju tffS mdfjt an« 
getljan unb fteljt nur ba f bamit man fteljt, was manche für 
anliegen t)or bie ©eiligen bringen, benn es ift eine waljr* 
Saftige ^atfad^e unb mdjjt erfunben. äBa3 aber ben ©ei* 
(igen in SBelf^Ianb begegnen fann, bas will audjj erjagt 
werben unb barüber tonnten fte fetter lachen, falls fie es im 
©hnmel nid&t verlernt tyaben. 

3n SBelfd&lanb Ijat fetbft ber orbinärfte Jterl etwas 
3RamerlidfjeS unb ©öflidjjeS an ftcf), freiließ baneben aud; 
IjeifjeS 93Iut; wenn er nun bie gürfpradfje eines ©eiligen ober 
mehrerer bebarf, fo läfet er fulj'S nidjjt aerbriejjen, fie eine ge- 
raume Sßeile redjjt inbrünftig barum anjuge^en; er gibt 
iljnen twttauf Seit, alles xooijl ju überlegen unb ins SBerf ju. 
rieten; wenn ftdj> bas aber eroig lange nidjjt machen will, 
ba verliert er bic ©ebulb unb flud&t alle ©eiligen in feinen 
©ut hinein. S)aS fie^t fidj) aber fo an: ber unerhörte S3eter 
reifet ingrimmig feinen gtljbcdfel t)om Stopf, Ijält Ujn Ijalb 
gugellappt wxttxm Imfen Slrm, bann greift er mit ber Steckten 
in bie 2uft, als ob ba bie ©eiligen unftdjjtbar herumflögen, 
nennt juerft ben tarnen besjemgen, ben er ftdjj befonberS 
burdjj gaften unb SBeten aerpfKdjjtet $at, alfo in biefem galle 
ben Unbanfbarften, frampft bie gfauft ju, als fyättt er eine 
©ummel gefangen, madjjt eine ©efte gegen ben ©ut, als 
roürfe er bie ©ummel — ben ©eiligen, wollt* ic$ fagen — 
in ben gfitj unb brüdt rafdjj Ijinter üjm ben Spalt ju. 3)en 
Ijätte er! Unb nun fäfjrt ber wütige Äert fort, mit ber ©anb 
in ber Suft ^erumjufingern, fdjjrett mit feinem gludjjmaul 



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SBie mit bent §errgott umgegangen wirb. 45 

nadfj jebem ©eiligen, bet tljm beifaffen will, unb wirft fte 
einen nadj) bem anbem bem erften nadjj, babet öffnet er 
»orftd&tig nur ein Hein wenig ben ©palt, bamit itjm leiner 
ber frü|eren neben auSwifdfjen fann. @S »ergeben feine 
fünf SWinuten, fo Ijat er ben §ut voU ber fd&önften unb 
größten ©eiligen, bie man im Äalenber finben fann, benn 
biffigerweife |ält man es mit ben ©eiligen umgefefjrt wie 
mit ben ©ptfcbuben, wo man bie Reinen fängt unb bie 
großen laufen läfjt. 

SRun $aben fte eS! S)a ftnb fte äffe — ©ott oerjeilj e§, 
tneffeidjjt fogar mit lebenben Sßefen, bie man nidfjt gerne 
nennt — in bem ntcfjt ju retnlidfjen $ilj jufamntengepferdfjt. 
Unfer 2Betfd&er ftoljiert eine Sßetle mit ifjnen auf unb ah, 
bis er ftdfj ein wenig abgefüllt Ijat unb wieber ju einiger 
SSefonnenfjeit fommt. Sewtefen Ijat er es iljnen, baft er 
nid&t mit ftdfj fpaften laffe, aber es fdfjemt tfjm bodj) ntctyt 
geraten, es ganj mit iljnen ju »erberben unb fo fängt er 
fte benn jefct ©tüdf für ©tüdf, ber Steige nad&, wie er fte 
fjinetngeflucljt, heraus, benn Drbnung ift in allen ©ingen 
löblich; er nennt fte einen um ben anbem beim SRamen, 
langt fte mit ber Stedfjten au% bem ©ute unb gibt fte los, 
inbem er bie ©anb öffnet, etwa wie um einen gefangenen 
SBogel in gfteiljeit ju fe|en. @3 foff ba jeber in bem 
Sßunfte ein gutes ©ebädjtnis beftfccn unb nodjj fetner einen 
©eiligen in ©ebanfen im ©ute ftedfen laffen |aben; möd^t' 
aber bodfj twrmtsljalber raten, ben ©ut jum guten ©dfjluffe 
fad^t untäuftttrjen, bamit ein allenfalls Sßergeffener IjerauS* 
fallen fann. 

2)aS ift toff genug unb barüber fann man ladfjen, unb 
WJ ^off'S, ber Sefer §at mir bie fjreube nid&t t>erborben unb 
f)at barüber geladjt. £ro$ btefer unbilligen Seljanblung ljat 
man nod(j ni^t gehört, bafe bie ©eiligen einem ein fjimm* 
UfdjjeS ©onnerwetter über ben ©als gefdfjtcft Ratten, auü) ber 
©errgott felber Ijat gleite SRalfidjjt mit feinen ©efdfjöpfen, 
bie ftatt i§m ju btenen, es melmeljr barauf abfeljen, t>on 
tfjm bebtent gu werben, unb es ift baS ein 3)ienft, bei bem 



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46 ßalenbergefdjidjtett. 

er weber auf Soljn nod[j auf gute Seljanblung feljen bürfic; 
eine baljin etnfd^fctgige närrifd&e ©efd&idfjte will idj eben er* 
jaulen, bemerF nur twrfjer, bafe a\x% all bem Bisher ©efagten 
unb not§ ju ©agenben Ijeroorgeljt, was woljl fd&on mand&em 
im Seben aufgefallen fein mag: baft ©ott unb alles $ei* 
Kge, $ol)e unb Steine ©pafe vertragen, bie 2Jienfd()en aber 
unb alles ©emeine, fiebere unb Unfaubere feinen! Sßoljer 
fommt'S wo^l? SDer menfd&lid&e 2Bi$ gleist einem jener 
©piegel, bie man an mannen Drten gut Unterhaltung auf* 
geftefft fmbet unb bie fo gefd&liffen unb poftiert finb, bafj 
fte alles serjerrt jeigen. Sajj ein paar bilbfauberc Seute 
$anb in $anb batwr Eintreten, im Semufjtfein iljrer Sßoljls 
geftalt $aben jte leidjjt über bas Serrbilb im Spiegel ladfjen; 
aerfuclj es aber mit ein paar $äjjlid[jen, bie werben ft<$ 
beleibtgt abwenben, benn, ift audj bie SSerjerrung eine Süge, 
bie #äjtfidfjfeit bleibt boclj SBaljrljeit, mit ber aber fteljt man 
in ber Söett fd&on von alterSljer auf gefpanntem gfufee unb 
bie ©attung ber unangenehmen nennt man ©rofl[>eit, wovon 
wieber bie „göttlidfje" bie erfdfjrecfenbfte. 

SSBiff nun bie ©efdfjtdfjte er^len, lebte ber 3Rann nod&, 
von bem fie Ijanbelt, mürbe tdjj es fein bleiben laffen; bie 
©eridjte fönnten feine Sßunberlidfjfeit ober Sßarr^eit ftraf* 
würbig finben unb idfj wollte iljn nidjjt benunjiert Ijaben; 
ba er aber fdjjon eine ganj geraume Seit tot ift unb ftd& 
allein mit ©ott abjufinben Ijat, fo fann tclj'S otyne ©d&eu 
Siebe fjaben, wie er bei Sebjeiten mit bemfelben umge* 
gangen. 

3n einem Drte nalje bei Sßien, ber $auptftabt Defter* 
reidfjS, Ijtelt fidfj vov melen galjren eine ©dfjaufpielergefefc 
fdfjaft auf. ®iefe Seute fpietten, fo gut fte es tUn oer* 
motten, ben Snwo^nern ßomöbie vox t fdjjled&t unb redjjt, 
wie aber allzeit UnbanI ber SBelt Sofjn ift, fo meinten bie 
gufdfjauer, eSwär'babet wenig StedfjteS, bagegent)iel©d^lcd^te3 
ju feljen gewefen. ®S würbe in einer ®ä)t\mz gefpielt, bas 
mag ftd; allerbingS nidjt fonberlid^ IjübfdSi ausgenommen 
baben, bie Lüftungen ber Biebem SRitter unb bie ©ewan* 



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SBte mit bem Herrgott umgegangen wirb. 4? 

bungen ber Äönige unb anberer ©rojjen beS SReidfjeS fatyen 
t>ielleidf)t auclj nidjt jum beftcn aus, war woljl bcr Sßappen* 
bedfel ber crfiercn abgerieben unb ber ©amt ber lefcteren 
fpiegelte, wäljrenb ber fJKtter blinb geworben, unb es lann 
ja fein, — weil Äteiber Seute madjjen, — bafe bie armen 
Äomöbianten ntdfjt beffer fptelten als fte auSfaljen; aber bie 
3ufefyer Ratten audfj Bebenfen f offen, wie nieber baS ©in* 
trittsgelb war, unb baft für wenig nidfjt oiel geboten werben 
fann, baS ift eine alte 2Bal)rtjeit, feit §anbel unb SBanbel 
auf ber SBelt befielt. 

Äurj bie reiferen Seute im Drte fuhren nad^ ber naf;en 
#auptftabt, wenn fte eine Äomöbie feljen wollten, unb 
fdfjicften IjöcfyftenS itjre Äinber ober SMenfiboten nodfj oben« 
brein auf bie biffigften Sßläfce beS ©orfttjeaterS. ©dfjlimm 
für bie armen Teufel oon Äomöbianten, benn einen fijen 
©etjalt Ijatten fte nidjjt, fie teilten unter ftdjj, was eine 33or* 
fteffung einbrachte unb lebten baoon ein paar £age bis jur 
nädjjften. ®aS tjört ftdjj eben beffer an, als eS fidjj in SBtrf* 
lidfjfeit madjjt, benn mannen 3lbenb oerfdjjlangen bie Äofien 
ben ©rtrag unb bann war nidfjtS ju teilen. 

2)aS gab tnel ©orge unb am meiften litt barunter ber 
SMreftor ber Gruppe; er Ijatte afferbingS feinen Seuten feine 
feften SBejüge auSgujaljlen, aber wenn SSorfteffung auf 33or* 
fteffung entweber nur ein paar ©rofd&en auf einen famen 
ober wotjl gar nichts, baS war jum ©urdfjgeljen, nidfjt für 
ben alten 9Rann, ber nidf)t gewußt Ijätte wofjin, aber für 
bie 3Ritglieber ber 3toippe, weldfje es wo anberS faum 
fdfjled&ter treffen fonnten unb twn benen baljer auclj mandjje 
burdf;gingen; bafc fo ein SDienfd^ in ber SSerjweiflung »ergibt, 
bie ©Bulben, bie er im Drte gemadfjt, ju bejahten, baS ift 
erllärlidS) , ebenfo erflärlidjj ift eS aber, bafc baS feljr unan* 
genehm für ben ©ireftor unb bie Gruppe war, welche im 
Drte verblieben unb — wie bie SBelt benn ungerecht ift, 
— oon ber Übeln SRad&rebe über ben auSgeriffenen Üameraben 
ein gut £ett ju ©eljör gerebet belamen. Sieben fidfj bie 
Dörfler bebauernb vernehmen, „bafe nur einer burd&gebrannt, 



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48 &alenbergefc$i$ten. 

bic meuteren aber geblieben feien", fpradjjen fte bie 33er* 
mutung aus, „baß ein 2ump wie ber anbere wäre" unb 
roaS berlei ©d&meid&eleien me§r finb, fo fann man ftd& moljl 
benfen, baß Bei folgen Sfoläffen ber ©ireftor, wenn man 
tljn als ben „Dberften ber Äomöbianten" bezeichnete f bie 
SBerleiljung biefeö £itels gerne befd&eiben abgelehnt fjätte. 

fjeron nannte ftd^ ber SWann. S)en Sag cor jeber 33or* 
ftellung lief er alle Käufer unb $titttn bes DrteS oh, ftagte 
über bie arge ©egenmart, in ber affer ßunftftnn in einem 
t>erel)rfid>en Sßubltfum erftorben fdjien, lobte in einem Sltem 
bie alten Seiten unb bie alten ©tütfe, befonberS basjenige, 
beffen £itel unb $ßerfonent)eräeidf>niS in fauberer §anbfdjrtft 
er jebem in bie £anb brüdfte, benn er mar fein eigener 
3ettelau8träger, moljl nid&t aus Seibenfd&aft, fonbem meil 
er es billiger Ijatte, wenn er felber ging. 

©r t>erfid;erte jebem, ber iljm in ben Sßurf fam, — 
mar 1 3 audfj ein Sßferbefned&t, ober eine ßuljmagb, — baß er 
tljn als einen Ijocljoereljrten ©önner betraute unb babei blieb 
er, wenn ftd& ber Setreffenbe aud& nodfj fo feljr ereiferte, 
il)n t)on ber QSrrigfcit einer folgen Slnfdfjauung ju über« 
jeugen. Säftermäuler behaupten, fte Ratten ben £errn ®i* 
reftor mand&es $auS in fo fd^mung^after ©tlferttgfeit t>er* 
Iaffen feljen, mie bteS oljne bie SKitmirlung beS Jjod&oereljrten 
©önnerS ganj unbenlbar märe. 

3)ireItor fjeron pflegte feine untert^änigften Sfofmartungen 
fel)r regelmäßig ju mteberljolen, aber er felber mar für 33e* 
fud&e befto unjugänglid^er; nidjjt baß es tljm an gefeiligen 
Talenten gefehlt ^ätte, bodjj Ijatte feine SBoljnung etmaS 
Unnahbares; felbe Befanb ftd^ in bem (StnfeljWHrtSljaufe, in 
beffen großem §ofraum auc| bie bemußte ©dfjeune ftanb, 
in melier Jtomöbic gefpielt mürbe, ©urd^ bie breite (Sin* 
faljrt be8#aufeS gelangte man in ben§of; oljne fonberltd&e 
SBefdfjroer, menn man auf ^erumliegenbe Raffer unb Ijerum* 
ftefjenbe fjutterbarren adfjt Ijatte, fonnte man ftdfj audS) bis 
}ur ©d&eune juredfjtfinben; hinter biefer aber mar es md&t 
geheuer, ba mar ber SBoben in trodfener Seit i% r %*§™ 



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Söte mit bem Herrgott umgegangen wirb. 49 

ober Bei ^Regenwetter ein Äotmeer unb ba mufjte man bar* 
über weg ober mitten burd& bis ans anbete (Snbe, roo einige 
SßirtfdfjaftSbauten ftanben, baruntet eine £enne, in beren 
3)adS>raum ein gfutterboben unb ein Keines ßämmerdjen an- 
gebraut war, in festerem l)atte wotyl oorjeit ein Äned^t ober 
eine SKagb gefdfjlafen, aber jefet bewohnte es ber „Dberfte 
ber Äomöbianten". 

@m aRittelbing jwifdfjen Seiter unb Stiege führte Ijinan, 
eine Seiter war'S mdfjt, benn neben befanb fi<^ ein ®e* 
länber, aber eine ©tiege war'S wieber nidjjt, baju waren bie 
fernen £rtttbrettdj)en ju fdfjmal, baS ganje S)ing ftanb 
ju aufregt unb um hinauf jugefongen, muffte man benn 
audfj einen Sföittelweg jroifdfjen ©teigen unb Älettern ein« 
f plagen, was nidjjt fetyr bequem mar, aber fidfj bafür redfjt 
i)übfd> ausnahm. 

2Bar man aber einmal oben angelangt, fo mufe, um ber 
Sßatyrtjett bie (Sfjre %\x geben, offen geftanben werben, bafe 
weber bie 2luSftd(}t auf ben $of, nod^ ber ©inbtidf in bie 
Heine Äammer für bie gehabte 3Rülje entfdjäbigte. ©ie 
SSjüre, bie in bie itammer führte, liefe nur Ijöflidfje Seute 
ein, wer pd^ nidfjt btidfen mod&te, ber mufjte aufeen bleiben, 
baS fjenfter mar mit bem £ljürpfoften in einem ©tüdf ge* 
jimntert worben unb fo fd&mal, bafe ber ©lafer mit einer 
©dfjeibe, bie er entjwetfdfjnitt, für beibe Stammen ausreichte. 
S)ie 2Bänbe waren gemeint, ein SBett, ein £ifdfj unb ein 
©tul)I, me^r befanb pdf) innerhalb berfelben nid^t, ein Jtru* 
jiffe fyw nodfj in einer ®<fe, baS mar alles. 

SBenn ber ©ireftor ju $aufe mar, fo fafj er für ge- 
rooljnlidj} an bem SSfdjje, ben er an baS gfenfter gerüdft 
Ijatte, bort fanb er jum 23jeaterjettetf ^reiben ober fonft 
einer nüfclidfjen SBefdjjäftigung gerabe genug Stdjjt, wetyrenb 
baS übrige eine angenehme Dämmerung im Staunte oer- 
breitete. 

©o faf* er, Ijart an bie Sifd&fante gebrüdft, führte fleißig 
bie gfeber ober fertigte Sßapparbeiten. @r ftaf immer in ein 
unb bemfelben fd&warjen 3lnjuge, ber feine ol)nebieS Heine, 

%n|engru&er, ®«f. JQferfe. V. 4 



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50 5torenbergefdjtd)ten. 

fdjjmäc&ttge ©eftalt no$ unfdjjeinbarer ausfegen madfjte; jwar 
Behauptete er, bafe i§n feine untertljänigften Sejte^ungen 
gum SßuBlifum Derpflid&teten, bemfelben nie anberS als in 
folgern Staate entgegen ju treten, abererfanb bamit wenig 
©lauten, um fo me^r, als nid&t ju leugnen war, bafc bie be* 
fagte Reibung bur$ ben längeren Umgang mit tfjm nidfjt 
gewonnen Ijatte, inbem es ftc| Ijäuftg ereignete, bafc er in 
©ebanlen bie ginger reinigte unb £tnte ober ßleifter auf 
SRodfärmel unb Seinlfeib flrid^. 

®er Keine SWann Ijatte au<$ ein fteineS, fd&maleS ©e* 
ftdjjtdfjen, aus taufenb fjäftdjjen blinjten ein Sßaar graue Sleug* 
lein etwas unfidfjer unb unftet fjeroor; baS war aber fein 
Seiten eines beunruhigten ©ewiffenS, fonbern nur einer 
jiemlid^ auSgefprod&enen ßurjftdfjtigfeit. ©eine SRafe war 
ganj gewötynlidjj, mx% an ber ©pifce etwas fnollig unb rot 
angeljaud&t, bie ©tirne festen bermaleinft nieber gewefen ju 
fein, boc$ jjat fie jtdSi mit ber $ett Sßlafc gemalt, inbem fte 
bie #aare beifeit f<#oB, bie ftnb benn audjj ganj Befd&eiben 
red^tS unb Knls jurüdfgetreten, galten ftd& nur in ©cftalt 
jweier graufdjjwarjer SBidfel an beiben ©d&läfen unb etlicher 
SSüfdjjel »on gleicher gfarbe hinter ben Dljren auf unb nun 
retdjt bie ©time Bis ins ©enidf, wenn pe es gelten laffen 
Witt. 

©er SDtreftor pappt gerabe eifrig an einer ÄönigSfrone, 
bie für Ijeute abenb fertig werben foH, bie alte war bod& 
fdfjon ju feljr abgetragen, fte Ijat ifjm als SKufter für bie 
neu anjufertigenbe gebient, jefct aber liegt fie auf bem S3oben 
unb er ftreift fte mit bem gufje unter ben £ifdf>, wäljrenb 
auf bemfelben bie neue prangt, bie er jufrieben Befiugelt. 

®S war ein wehmütiges SSilb. SBaS ift ber SBelt §err* 
Kdßettf 

SnbeS probiert ber §err ©ireftor bie neue Ärone auf, 
fte ftfct oortrefflidfj unb brücft nid&t im geringften. ®r er« 
jjebt ftdfj unb ftoljiert ein paar ©dritte in ber Äammer 
auf unb ab, bann BleiBt er t>or bem gfenfter fte^en, brausen 
ftreidjjt ein heftiger SBinb, einzelne ©anbförner prallen an 



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SBic mit bem Herrgott umgegangen nrirb. 51 

bie ©Reiben unb Ijinter ben #olunberfträud[}en, welche bcn 
gegenüber liegenben ©emüfegarten begrenzen, fteigt e§ 
grau auf. 

geron nimmt bie ßrone feufeenb twm Raupte, rennet 
nadjj, was fte wol)l unter Sudjjbinbern wert wäre unb fragt 
ftdfj im bangen Zweifel, ob iljn ber £immel tyeute auf bie 
Soften fommen laffen werbe? SDie bewußte ©djjeune, in 
welcher bie Äunft ein ttnterfommen gefunben, ftanb nämlich 
fd&on eine geraume Sßeile t>ernadfjläfftgt, S^üt)ertreibS falber 
liefe fte ftdj mit bem Siegen ein unb ber teerte fie artige 
SBafferfünfte; einmal nun, inmitten einer £fjeatert)orftettung, 
fanb fte ©elegenfjett, uor einem geehrten Sßublifum ju 
jeigen, was fte gelernt Ijatte: fte formte Heine, tofenbe 
©turgbäd^e, rtefelnbe SBafferfäben, gurgelnbe ©pringfluten 
unb ftellenwetfe frö!jlt$e ©prül)regen, es foH feljr ^ttbfc§ 
gewefen fein, aber leiner verlangte ein jjwetteS 3Ral ba* 
nadjj unb fo genügte ein grauer #immel über bem &§t\x* 
nenbadfj, um alle fernhalten; man ftefjt a!fo f bafe beS 
©ireftorS gurtet begrünbet war, unb bafe tljm ber £immel 
mit einem Regenwetter einen argen ©tric$ burd(> bie SRedS)« 
nung mad&en lonnte. 

SDer fteine 2Rann fa$ fe^r beforgt nad^ ben SBotfen, 
bie hinter ben $olunberbüfdS>en aufwiegen, bann trat er in 
bie ®<fe unb naljm ben Herrgott von ber SBanb, fefcte ft<$, 
tyielt i^n fein fäuberlid^ in ber Sinlen, wäljrenb er bie 
Stedfjte mit ber ©ebärbe freunbltd&en SufprudjeS gegen baS 
33ilb bewegte unb es audjj manchmal unter ber Rebe järtlidj) 
ftreidfjelte. 

„©d&au," fagte er, „wirft bo<$ Ijeute nid&t fo grauSlidj) 
gegen mid^ fein wollen, bafe id& n\$t einmal auf bie Äoften 
fomm 1 ?! ©oHt* audj> ntd&tS ju teilen bleiben, für bie an* 
bern reb' idj> ntd&t, es ift fo fünbljaft'S SSolf, baS trielleid&t 
nid^t einmal im Sa^r beiner gebenft, aber mid^ mufet beS* 
Ijalb nid&t ftrafen. SBenn td& red&ne, was m\$ Sßappenbedfcl, 
©olbpapier unb Äleifter foften, ein Sßfunb Jterjen jur 33e* 
leud&tung, Auslagen für Settel unb was fonft nodjj, fo mad&t 



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52 Äalenbergefdjidjtert. 

alles in allem ^wet ©ulben ftebenunbfünfjig Äreujer 3Rünj\ 
baö fönnteft mid& bod& üerbtenen laffen! ©3 tft oljnebtes 
nic^t oiel, ba§ wirft wo!)l einfetyen, gelt ja? 9la atfo, nid^i 
waljr, bu wirft fdfjon bajufdfjau'n, bu tljuft mtr 1 8 fd&on p 
Keb unb läßt midjj ju bem 3Remen fommen? 3a. greilic§. 
3$ oerlajf mid& barauf." 

#atte bcr #immel ein ©mfeljen, bann betrat ber £err 
2)iref tor naclj ber Sorftellung fein Kämmerlein nie, oljne einen 
banfbaren Stidf nac§ bem SBinfel ju werfen, wo er wußte, 
baß ber $errgott Ijing, ben er freiließ bei ber Ijerrfd&enben 
3)unfelf)ett nidjt feljen lonnte. SBenn e3 aber gefd[jal), baß trofc 
feinen Sitten ber §immel Ijart blieb unb bie @rbe weidjj würbe, 
bann fd)UdS) er über ben £of, fletterte ben Steiß ju feiner 
Kammer Ijinan, fo Ijafttg, baß e3 anjufe^en war, afö ob ein 
großer fdjjwarjer Äater in abenteuerlichen Sprüngen ba Jjin* 
auffegte; oben ftieß er bie 23jüre auf. 

Sd&wer fe|te er ben guß auf bie ©telen, warf einen SBIidf, 
wie tf)n nur bie bübifdjften SWorbgefellen auf ber SSüfjne ju 
werfen t>erfteljen, nadfj ber bewußten @dfe unb murmelte: „Sllfo 
fyat'3 nid&t fein fönnen?" 

ttn^eilbrütenbe Stille. 

w §at'3 nid^t fein fönnen?" wteberljotte er mit Reiferer 
Stimme, langte mit Ijartem ©riff ben #errgott t>on ber 
23anb. „Sfödfjt einmal jwei ©ulben ftebenunbfünfjig Jtreujer 
3Wüns'! 3ft baS fd&ön?" 

9iun begann er bem Herrgott gehörig bie SDteimmg px 
fagen, feine Sieben unb Hantierungen würben immer me|r 
baö ©egentetl t>on Sdfjmeidjjeleten unb Siebfofungen, bis er 
fid& »or unvernünftiger SSSut nimmer aus wußte unb baS 
Silb t)on ftd(i warf, felbftoerftänblidfj, um es am näd&ften 
SDfcorgen wieber reuig vom SBoben aufgeben, an bie ge* 
wohnte Stelle }u Rängen unb bei näd&fter ©elegenljeit Bttt* 
Itdjj anjugeljen, wenn wieber jwei ©ulben fiebenunbfünfjig 
Äreujer SKünj* StogeSfoften in ©efaljr ftanben, perregnet ju 
werben! ©benfo felbftoerftänbltdjj wirb er wieber ben ein* 
gegangenen Setrag burdj einen banfbaren 93KdC quittieren, 



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2Bte mit bem Herrgott umgegangen wirb. 53 

ober anbernfalls bem £errgott gehörig bic 9Reinung fagen, 
bcnn fo war einmal feine 2lrt, mit bemfelben umjugefjen. 

„Nun," fagt ber Sefer, „baS ift mir ein artiger 5Rarr;" aber 
er fteljt nid&t allein, er l)at gering feine ^unberttaufenb Srüber, 
bie $etifd&anbeter, von benen wir fd>on t>iel gelefen $aben. 
©o ein SBilber gel)t Ijer unb madjt fu( in aKer ©efd&winbig* 
feit aus einem Sumpenbünbel, Saumftrunl ober ©teinblodf 
einen ©ott jured&t, Bringt auf ben Änieen feine Sitten t>or, 
werben bie aber nidjt gewährt, fo fie^t er fld^ na<# einem 
tüchtigen ©todfe \xm unb prügelt feinen Herrgott weiblich 
burdj>. 

9hm lad&t woljl ber Sefer über ben SBelfdjen, oon bem 
tdj> ju Slnfang erjagt Ijabe, über ben „Dbcrften ber Äomö* 
bianten", ben t<# iljm im weiteren Verläufe oorfüljrte unb 
über bie getifdjjanbeter, auf bie wir julefct ju fpred&en ge* 
fommen fmb; fdjjmeidjjelt fiel}, was SebeutenbeS flüger unb 
beffer ju fein, unb ic§ fönnte jefct auf bie artigfte Sßeife 
fd&liejjen, inbem \$ tljn fein Ijöflid^ bei feiner 9Reinung be* 
tiefte. 3 a / wenn nirfjt ein #aupimerfs noclj anjubringen 
wäre! 

9le$m v nodfj einmal meinen alten Starren Ijeroor unb 
fage: „@r Ijat gering ntd&t feine ljunberttaufenb — er Ijat 
3Rittionen Srüber!" 

SßilTS ber Sefer nid&t glauben? ®ut, wir wollen Sßrobe 
machen. @S braucht {einer ju fagen, er gehöre naty ober 
entfernt in bie Srüberfd&afi, benn es war* wiber alle 33er* 
nunft, oon einem 3Kenfd;en ju »erlangen, bajj er fiel} felbft 
irgenb etwas Unangenehmes nadjtfage; aber wer nid&t baju 
gehört, ber möge fu# melben! 

9Bir wollen uns ba^er gar nidjjt bemühen, IjerauS ju 
befommen, wieoiel ttyrer finb, bie ftdfj an einem Silbe oer* 
greifen, nidjjt weil es iljnen ein göfcenbienerifdfjer ©reuel ift, 
fonbem iuft, weil fte glauben, bafjinter ftecft'S! SBotten 
au<# nidfjt fragen nadj> ben Sä'fterero, bie ben Herrgott aus- 
fd&impfen, nidft nadfj benen, bie es an feiner ©tatt immer 
beffer ju machen wüjjten, nid^t nadfj jenen, bie tyn ftets 



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54 £a(enbergef$id)ten. 

mit bem SBtunb loBpreifen unb burdfj jebeS %\)\\n verum 
elpen, md&t nadfj ben Verbitterten, welche tym ben ©lauBen 
auffünben, wenn es nie unb nimmer wirb, rote fte e§ 
wünf ä)tn unb erfefjnen; nein, mir wollen nur, bafe ber jenige 
fidfj melbe, ber nie in feinem SeBen eine ©tunbe fjatte, 
wo er ©Ott wie einen feineägleicljen Begreifen 
wollte unb über tljn ben Äopf f^ütteltel 

■Bleibet ftdjj berjenige, fo will id& gerne feine SWelbung 
nadjjträglidfj Beftätigen, Bis bafyin aber bleibe xd) babei, am 
©totfe allein liegte nid&t unb in weiterem ©inne ijat fd&on 
jeber Sölcnfc^ einmal feinen ©Ott geprügelt! 



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©reff-ag. 

(1878.) 



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JtBt es ein 33u<# beS ©d&i<ffals, fo fann bodfj ge* 
wife lein fterBlidj} 2luge barin lefen. 

SDBär* alles Dörfer Beftimmt unb wüfete ber 
3Kenfd^, was iljm bie fommenben Sage Bringen, wir fönnten 
attjufammen bie^änbe in ben©dfjofe legen; wer möd&te jicl) 
no<$ fjer$aft einem Unljeil entgegenftemmen, wenn er weife, 
bafe es tym nidfjt auSBleiBen fann? SBer möd^t 1 na<# irgenb 
einem ®ut ringen, wenn er weife, bafe es iljm t>erjagt Bleibt, 
ober ft<$er ift, audj wenn er nid;ts baju tljut? 3^ Unheil 
war* »crfd^ärf^ burdj bie gurd&t, bie t>or if;m einljergefjt, wir 
würben barauf warten wie ber §unb auf bie ©daläge, wenn 
er ben ©toef in feines #errn $anb weife, aller $reub' 
war* bie greub' oerborBen, es fiele uns feine meljr wie aus 
bem lieben #immel herunter, nodf) jögen wir uns eine 
aus ber @rbe grofe, wir wüfeten um Beibe juoor, bie erfte 
festen uns fein ©lücf meljr unb bie jweite nimmer unfer 
S3erbienft. 

2)aS badete audfj ber SBeiSljofer, als er fo langfam bie 
©trafee baljin trottete. @r badete au<# weiter unb oermeinte 
Beftimmt, bafe nidfjts Beftimmt fei, ju was fdfjreie fonft ber 
SKenfd^ in Sftot unb ©rangfal nadfj göttlicher unb menfdfj* 
fidler $ilfe auf?! „SEBär' atteS t>orf>erBeftimmt," bad&te er, „fo 
gäB' ic| woljl gern junädfjft bem »ertraeften ©teuerauSfdjjreiBer 
in ber ©tabt eine Sföd&tige $tnterS Dljr, glaub* aBer nid&t, 



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58 $a(enbergefd)id)ten. 

bet mödfjt' fte, als twn aller ©wigfeit Ijer tym befiimmt 
ru^ig einfielen, fonbern bafür midjj." 

„D, wie baS butnnt ift, baft bic 2eut' wollen hinter ju* 
fünftige ©efdfjeljmS lomtnen burdfj Kartenlegen, Sleigiefjcn, 
SBaljrfagen aus bet $anb, aus bem Äaffeefafc, aus bem 
33aftltSfen*@i" — er 50g ben 3Runb Breit ju einem oerädfjt* 
liefen Sadfjen unb fputfte breit aus. ,,©0 *n 33ielj gibt'S nid&t 
unb Ijat'S nietnal gegeben, wo fte bie @ier batwn Ijer $aben 
wollen?!" 

„@i, baS t>erbammte Kartenlegen!" @r feufote tief 
auf. 

S)er SBeiSfjofer war ein no<$ junger Sauer, er war 
ftramm gewad&fen, Ijatte ein nettes ©ejidfjt mit großen 
bunfelblauen Sfagen, einer geraben ÜRafe mit etwas cor* 
tretenben SRüftern, über ben frifd^en Sippen trug er einen 
faubern Schnurrbart unb etwas 83artf)aar ^atte er audfj 
beiberfeitS von ben ©dfjläfen bis Ijerab ju ben Dljrläppdjjen 
fielen laffen, baS bunfelblonbe Kopfhaar war fd&Kdfjt nadf; 
rücfwärtS gefämmt. 6r trug einen jjofyen $ut von berbem 
gil^, mit einem breiten 33anbe, baS an ber©eite burdfj eine 
ftäljferne ©d^naffe jufammen gehalten war, einen langen 
Stocf Don bunlelbraunem %u$, eine geblümte SBBcftc mit 
einem SBhifter, baS feine fdfjreienben färben jeigte, eine 
ßniefjofe unb Ijolje ©tiefel; er war ein Ijübfdfjer 3Rann, aber 
Ijeute liefe er ftcfy'S nicfyt anwerfen, er ging fo fdfjlotterig ba* 
Ijer, fyatte baS ©efid^t nad&benllidfj nad& bem 33oben gewenbet, 
wie einer, ber — nad^ bem SBoIfSauSbrudf — ben geftrigen 
SCag fudfjt, unb wer ifjn fo ein^erwanbeln fal), gab nid&ts 
auf ityn. 

„©uten borgen, SBeiS^ofer," fagte einer. 

2Beisljofer faj) auf, t>or tym ftanb ein fleineS SKännlein, 
baS Ijätte freiließ beginnen fönnen, was es mochte, ftdfj 
ftreefen unb fo ftramm auSf freiten wie ein ©olbat, bie 
©d&önljeit würbe eS bodj nie geplagt $aben. @S ^atte bie 
eine ©dfjulter bebeutenb Ijöljer unb barüber liefe es ben ^iem- 
lidfj großen Äopf etwas nadfj ber anbern ©eite Rängen. 



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Sreff*^. 59 

• 
Unter ber 2tod}fq>pe, bie es unterneljmenb ttuf baS Knie 
Dljr gebrücft fjatte, fielen etliche lange #aarfträfjne Ijerab, 
bte teilö weifc, teils fahlgelb ausfallen. Unter bem Rappen* 
f dornte funfeite eine freiSrunbe Hornbrille Ijenwr, hinter 
beren ©läfern ein paar f leine, graue Slugen gar luftig irr- 
lieferten, alles im ©eftdfjte war runblidfj unb gerötet wie 
ein gefunber Slpfel; ber 9Rann fal), wenn nidjjt wie gut* 
mutig, fo bod> wie aUfort gut gelaunt aus. ßr Ijatte einen JRodf 
am Seibe, beffen garbe nid&t ganj leidet ,ju beftimmen war: 
wäljrenb Dorne über ber Stuft baS %uä) bunfel brappfarben 
erfdjien unb gegen ben ©aum hinunter grünlich fdjtUernb 
»erlief, jeigte ftd; am Stüdfenteil biefeS fd^itternbe ©rün oben 
unb bie ©d&öjje lagen im brappfarbigen 2)unfel. 2)afür 
waren bie SBeinfleiber auSgefprod&en ftaubgrau; bajj fie galten 
warfen, wo fte nic$t foUten, unb fpannten, wo es nic|t ge* 
Ijörig war, baS lag nid&t an itynen, baS matten bie ©äbel* 
beine, bie in ifjnen ftalen. Swei Sßanbuljren mit Ijöljernem 
©efyäufe — von ber ©attung, bie man „©djjwarjwälber 1 ' 
nennt, — tyatte er mit einem ©triefe jufammengefoppelt, 
unb ba wiegte bie eine über ber Ijofjen ©d&ulter unb bie 
anbere I)mg i|m Dorne an ber Sruft Ijerab; an einem Spagat* 
enbd^en, baS burdfj ein Änopflodj) gebogen war, baumelten 
ein paar Sßerpenbifel unb in ber linfen £anb trug er ein 
grobleinenes ©äcfdjjen, lüpfte von S^it ju Seit fcai Slrm, 
waren wotyl ©ewtd&te unb SBerfjeuge barinnen, ©oldjjer* 
geftalt, nämlich in feiner eigenen, ftanb ber $aufterer unb 
wanbembe U^rmad^er $aufcner*aJtidj}el fo breit, als er'S mit 
feinen frummen Seinen Dermod&te, vox bem 2Bei8l>ofer un *> 
Derftellte üjm ben SBeg. 

„©uten SBlorgen, SBeiS^ofer," fagte er, 

„©uten ÜfRorgen," fagte ber. 

„©eltft na<$ ber Äreisftabt?" 

.Sa." 

„Äafjterft wteber bie paar ©rofd&en 3"tfai ein vom 
Ärämer am StatljauSplafcJ 4 ' 

SBeiS^ofer nidfte. 



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60 iTalenbergefdjidjten. 

2)er Uljrmad&er fniff bie 2lugen gufammen. „#ätteft rooljl 
z\f lieber bein (Selb ganj heraus?" 

„äBoljl. 3^ fann'S tljm aber ntdjt aus bem Seibe reiben. 
Äommt mir fo oor, als Ijätt' er balb fetter nichts." 

„2BaS gibft mir, wenn idj bir eine redfjtfdjjaffene SReuig* 
feit fag'?" 

„@i, fag'S ober fag'S md^t!" 

„(Seftern war idfj Beim Ärämer auf *m SRatljauSplafc. Safe 
bir fagen, ber SKte roär' oor %xtuV gern gefprungen rote 
ein junges Sidlem; fjat ftdf> aber baju angeftettt wie eine 
trächtige Äu|. ©ine (Srbfdjjaft Ijat er gemalt, Äeiner t)on 
all benen, — Ijat er gefagt — bie iljn bie Ijarte Seit über 
geplagt Ijätten, foll au<$ nur einen (Srofdfjen früher ju feljen 
belommen, als er i^m gebührt; bu aber, roeil bu aHroeil ein 
©infeljen gehabt Ijätteft, fönnt'ft alles Verausgaben, glet<# 
morgen, bürfft es nur fagen! 3)a er bas geftern gefagt 
Ijat, fo benf * iä), Ijeut ift morgen, braud&ft alfo bloft 'S 2Raul 
aufjutfjun." 

„5Ra, ift re<$t." 

„Slber, SBeiSfjofer, roie fommft mir benn oor? 3ft baS 
'ne Sieb 1 , ift bas ein StuSfeljn für einen, bem (Selb, — roo 
er fdfjon in ber ©tili' 'S Äreuj barüber gemalt Ijat, roieber 
ins #auS fommt?" 

„SBoflu bient'S mir jefct? Sieffeid^t fommt'S mir gerab 
red&t, eine Setdfj' ju beftretten." 

„DIjo, ofjo, roer follt' benn oerfterben? S)u mtl" 

„2>ie ßoerl." 

„©ein SBeib? @i, fo lüg unb erftidf baran. SBann $ab' 
tdfj fte benn nodfj gefefjn, fo ftifdf) unb ferngefunb unb fugel* 
runb roie affroeil?" 

„©dfjau f bir jefct an!" ©er SSeiS^ofer fdjjob ben $ut 
&ur ©eite, inbem er fidfj mit ber fladfjen $anb über bie ©time 
ftridfj. „3a, £aufcner*9Ridfjel/ feit ©ploefter fdjjreibt fidfj baS 
|er! 3)ie §immel$errgottSfaframentifd&en SBeibSleut' mit 
iljren oerfjöllten ©ummljeiten! Äartenauff dalagen $aben f 



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n" 



fcreff^fc. 61 

muffen, aus ©pafe, natürlich nur aus ©paji, wie fte gefagt 
Ijaben, unb ba ift ber meinen baS ^rcff=2l^ gefallen unb 
baS bebeut' 'n £ob, fo ift i^r'S ausgelegt roorben. S)a Ijat 
fte ein langes ©eftdjt gemalt, bafc fte mit tljr'm Äinn balb 
bis auf bie Sifdjjplatte gereift Ijätt'. @8 ift Ijalt bod^ eine 
©ünb\ — Ijat fte gefagt — ©pafc fycb* idjj treiben motten 
unb unfer Herrgott geigt mir ein* @mft! ©eitler bilb't fte 
ftdj) ein, fte malt'S fein Safjr meljr mit. Sßär'S nit fo 
traurig, frei uöllig ladfjen fönnt 1 mer brüber, wie fte ftd& 
alle 9Rülje gibt, bie 5ßrop^ejei* roaljr ju matten. Slbmägem 
tl)ut f mir von Sag ju SCag. äluSreben lafet fte ftd&'S nit, 
mand; gefdfjlagene ©tunb* bin id) fdjjon neben tljr gefeffen, 
^ab' if>r jugereb't, fte Jjord&t fein auf, gibt mir in allem 
redfjt unb wenn mir uns t)om ©ifc tyeben, fo ift ifjr lebt'S 
2Bort, wie 'S erfte mar, fte müjst 1 bodf) fterben! 3n meiner 
Sfagft l;ab* iä) mir einen 2)oftor aus ber ©tabt g'rufen, 
ber jjat ben Äopf beutelt unb g'fagt: ,2>ie grau ift gemttts* 
franf!' 3$ l)ab iljm brauf bie ganje ©'fd^t* oerjäljlt. 
,§m, Ijm/ fjat er brummelt, fjat feine ©ofe Ijeroorgejogen, 
flappt f auf, nimmt eine Sßrife, fd&nupft, brudft ben ©edfel 
langfam roieber ju. ,3<i/ fagt er, ,bie wirb rooljl an ifyrer 
©ummljeit fterben!' — ,2>anf fürbieäluSfunft, §err ©oltor/ 
fjab* iety gefagt, ,mir gefeiert)' aber aud^ um meine bumme 
Soerl fjart."' 3)er SßetSfjofer fuljr ftd^ mit bem älermel 
über bie 3lugen. „@S geljt ein fo tnel fd&arfer 2Binb über 
bie fjelber." 

2)er Keine Uljrmadjjer fd^üttettc fel)r bebenflidfj ben 
großen Äopf, fo bafe barüber bie £udfjfappe oom Knien 
Dl)t auf baS redete fiel. „SBär' mir felber leib um baS 
SSeiberl!" 

w3^ fog' bir," fdfjrie ber junge Sauer, inbem er bie 
$änbe bis jum Äopf emporhob, „fte ift fdjon fo gut wie 
tot! 3« ber SOBeif fann fte'S nit lang metyr madfjen. @s 
tjilft lein Sieben unb es finb't ftdfj fein 9lat, — o bu blutiger 
§eilanb! -— S)a mufe f ja Ijin werben!" 

35er $aufcner*3Dticfjel fjatte mittlerweile feljr aufmerffam 



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62 Äalenbergeföidjjten. 

feine ©tiefel betrautet, jefct Ijob er ben Äopf, fal) ben 2Bet& 
Ijofer eine 2Beile an, bann fagte er: „SBeifjt, »orelj* will 
bodfj idj> mir bie ©adfj' ein Btffel anfdfjauen." 

„SSergelt bir'S ©Ott, £aufcner*2Rid(>el! £>a eil bidfj 
nur. 35u Bift ja all beine #eit ein finbigcr Äopf gewefen. 
SefuS ! 3$ wüfet' ntt, was id& bir gulieb t^äf . . ." 

„Sangfam, langfam, SBeiSljofer ! SfBir IjaBen nodfj nit ein' 
fjujj t>or ben anbem gefegt unb baS war* erft ein ©d&ritt! 
SBerfpredjjen fann idfj nidjtä!" 

„3)enf mir'S, tft ein fdjjwereS ©tfidf ! 2Bie witlft es benn 
etgentltdfj anfangen?" 

„SBeijjt, wenn idfj was reparieren fott, ba mufe id^ '8 2Berf 
vox mir ijaBen. SKa, getyn wir je$t unfre 2Beg. SBefjüt 
bid^ ©ott; Ijoff ein wenig, aber trau nit ju mel. 3m 
üBrigen fannft btd& t>erlaf[en, wa§ aufgleidjj ju rieten tft, 
baS rid&f idfj aufgleidfj." 

„3lu§ ßijriftenlieB' lafe bir'S angelegen fein. Sentit bidfj 
©ott, £aufcner*3RicIjel!" 

Unb fo ging ber eine nadfj redete, ber anbere na<fy 
linfö, 2Bet8$ofer mit raffen ©dfjrttten ber ©tabt ju, 
um ftdfj fo eljer wieber auf ben £eimmeg ju madfjen 
unb ju fel)en, was ber $aufterer ausgerichtet I)abe, unb 
hoffte im füllen, mit ©otteö «Sulaffung werbe nodfj alles 
redjt werben; ber £au$ner*3Ric|el aber ging Bebäd&tig bem 
®orfe ju. 

Snmitten beS DrtS ftanb ein Keines $auSd^en mit 
einem eingeplanften £ofe, lehrte Blofe jwei gfenfter ber 
©trafee ju unb wer mit ben Sttwo^nern uerleljren wollte, 
ber mufete bur<# ein Sßförtlein in ber Sßlanfe unb über 
ben $of. 

©aljinein ging ber Uljrmad&er. (Sin Heiner $unb an 
einer langen, fdjjweren Äette fu^r auf ityn loS. 

„£o, ©tufcel," ladete ber £aufterer, „was wiUft mir 
benn bu grofte Äette an einem Keinen $unb?" @r flirrte 
mit bem äBerfjeugfadfe gegen baS 3?ter, baS Beäugelte ben 



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Steffi. 63 

Keinen 3Jtonn, fdjjüdjjterte es fein 8W6U<f ein, ober badjte 
eö fid^ feinen S^cil, lurj, es frod& langfam in feine #ütte 
jurüdf. 

2>er #au$ner*9Ric§el trat in bie ßüdjje, roo baS £erb* 
feuer luftig praffelte unb fjörte in ber ©tube bie Säuerin 
mit Ijatber ©timme ein geiftlidfj' Sieb fingen, er Köpfte an 
unb trat ein. 

„©uten SRorgen!" 

„St, grü£ ©Ott, $aufcner*9Jtid&el." 

w 3 a / ja, banF fd&ön," fagte ber, ba er für ben 3lugem 
Mief nidfjt roufete, was er fagen foffte, fo überrafd&te ifjn 
baS üble SluSfeljen ber Säuerin. Äeine brei ÜWonat' tft'S 
Ijer, ba ftanb an ber ©tett' ein rotbädfigeS braffeS 2Beibdjjen 
mit frifdjjen ©d&roarjfirfd&äuglein t>or tfjm unb je^t — war 
fte es, ober war fte'S nidfjt? — fanb er eine roelfe gfrauenS* 
perfon, mager, mattäugig. ©inen Slugenblicf oerjog ftc^ fein 
runblidfjes ©eftd&t in ber SBeif , n>ie roir'S an Äinbem feljen, 
bie aus Slerger meinen ober tadfjen motten, eins ins anbere, 
beoor fte ß$ ju einem baoon entfalteten; bann marf er 
ben SBerf jeugfaef auf einen ©tuljl, na^m bie Ufyren t>on ber 
Sldjjfel unb fteffte fte auf ben 2Bäfd^efd^ranl, trat auf bie 
Säuerin ju unb fagte: „Semine, mie fteljft benn bu aus? 
$aft metteid^t eine Äränlung? ©djjaut ber Sauer nit auf 
bidfj? Ober Ijat er mofjl gar ju t>iel auf bid^ geflaut unb 
tragft bid^ mit einem Uebel, baS balb als brittes im $auS 
herumlauft?" 

„Safe bie ©päfc' fein, £au$ner," fagte bie Säuerin. 
„3$ roeife rooljl, mie mir tft unb maS mir ift. Äannft moljl 
balb mit meiner Setd^ gefyn." 

„D, fappermoft, fo arg mirb'S nit fein. 3$* 28eö>S* 
leut' iljut eu<$ immer affer|anb einbUben." 

„3djj beirf*, es wirb gerabe arg genug fein, unb einer 
ßinbilbung Ijal&er roerb* t<$ mtdfj bodfj nit fo fleißig für 
mein lefcteS ©tünblein porbereiten, mie tdfj tlju 1 ." 

2)ie S3äuerin nrieS nadj bem Xif<$e, auf welkem ein 



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64 ßalettbergefdjidjten. 

großes, altes, abgegriffenes Sud) auf gef plagen lag, ber 
©aufierer trat fyinju unb Blätterte barin. $aft wf i*«n 
Statte war ein grober $oljfd}nitt unb feiner barunter, auf 
bem nidfjt £eufel3frafcen ju feljen waren, weldjje oerbammte 
unb arme ©eelen röfteten, fpiefeten unb was bergleidjjen 
mefyr in ber £ötfe Skaudfj fein fott. 

„©d&au," fagte ber £aufmers9Ridje(, „wenn idfj an beiner 
©telP wär\ fo mödfjt' id& mid^ bodjj lieber für ben $immel 
vorbereiten unb wenn idj an beinern SDtanne feiner ©teile 
war', fo wttrf 1 idj> bir bie ©dfjartefe ins fjeuer; benn bein 
oorig* SReben — weil bu biä) aufs ©terben oorbereit'ft, 
müfet bir ber £ob na§* fein, — ift ebenfo unfmnig, wie 
wenn bu fagen mödfjt'ft, weil ber £unb frafet, friegt er 

©a würbe bie Säuerin böfe, feljr böfe. „2)u #anSnarr!" 
fdfjrie fie, „was aerfteljft audfj bu von fo tyeiligernften ©adjjen. 
■Dtadfj bu beine ©päfe* im SBirtSljauS, aber nit in einer 
©terbftub'! Sring bu beine wofjlfeilen Sajji cor Seuten t>or, 
bie wag im Äopfe $aben, melleidfjt ti)\xn bie bir ben @efallen 
unb ladfjen barüber, aber ärger nit eins, bem ber £ob im 
#erjenfifct. SSerfte^ft? 5Jla<# bidf> fort aus meinen Saugen ! 
3$ wollt 1 bir ganj anberS fommen, füfjlt' tdfj mid^ nit fo 
ftedf) unb anfällig!" 

„9ta," fagte ber #aufcner*5Jlidj}el, „baS merf idf>, auf ber 
Sruft fegt'S bir nit!" 

S)a Befalj ftclj bie Säuerin ein wenig ben ©tuBenboben, 
waljrfdjjeinlicl wollte jie wiffen, ob berfelbe rein gef feuert 
war', bann fam fie ein tüfteln an unb fte fagte mit fo 
matter ©timme, bajj es feine 9RauS in ber ßefe Ijätte Ijören 
unb jut SRadfjbarin tragen fönnen: „Sa, ja, mein lieber 
$au£ner;;3fti<$et, bu Ijaft leidet ladjjen, aber idfj weijj, was 
idjj weife." 

„@S war 1 nit fdfjwer, mein' id^, bafe tdfj audf) wüfet\ was 
bu weifet, bu braucht mtr'S nur ju fagen. SBJie bift benn 
mit einmal fo auf 3 ©terben verfallen?" 



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Steffi 65 

„2)ur<$ einen gmgeqeig ©otteS." #ier Ijielt ft<$ bie 
Säuerin an bem £ifcfje, als wollten iljr bie gfüfce Der* 
fagen. 

„D, bu £afd(>er," fagte ber UJjrmad&er, „wie'S bi<$ aber 
Ijat! 3)odf>, wenn bid& 'S ©tefjen Ijart anfommt, bafür ift 
ein ©effel gut." 

©ie fe|te ftd> unb fuljr fort: „©gtoefteraBenbS §aBen 
wir Säuerinnen aus ber SRadjBarfdjaft uns Karten ge* 
legt." 

„3ft unterljaltlid&," fagte ber SKidfjel. 

„Sa, ja, aber mir ift 'S 3rreff*2lf$ geftanben." 

„'S Kreu^Stfe?" 

„3<*, '* «rem**." 

„9la unb was weiter?" 

„3ft bas nit genug? SBeifjt benn bu, was bas Bebeut'? 
Siegt es umgelegt, mit bem ©tiel aufwärts, Bebeut' es ein 
fremb' §auS, liegt es aufwärts, mit bem ©tiel nadj unten, 
fo Bebeut' es ben £ob, ber einem na^' ftefjt." 

„2>a3 ift bas *rfte, was idf> Ijör'," fagte ber ^aufterer., 
„9111 mein £ag Ijat unter Seuten, bie vom Kartenlegen' 
was uerftefjen, 'S «reuj*2lj$ einen S3eutel mit unverhofftem 
©elb Bebeut'." 

„Sßillft bu midf) narren?" fragte bie 33äuerin. „5ttie ift'S 
erhört gewefen, folang in ber SBelt Karten gefegt werben, 
bafe Kreu}*21{$ einen Seutel ©elb Bebeut', ja, einen ©ad 
beutet'S, in ben mic^ ber £ob ftedft, ein ©rabfreuj beutet'S, 
unter bem tdfj Balb liegen werb* . . ." 

„Unb ©änf im Drt beutet'S, bie fidf) in eine ©ad&* ein* 
laffen, wooon ftc nidfjtSüerfteljen!" fdjjrieber $au^ners5Kid^el; 
ganj wilb war er mit einemmal geworben. „2Bi&t iljr nichts, 
fo mad&t eudfj bamit nichts ju fd^affen. Kreuj*2lf$ Bebeut' 
einen Seutel ©elb ins $auS, bas ift alt." 

„3)aS war' ganj neu! 35en 2fob jeigt'S an!* 

„@inen S3eutel ©elb!" Brüllte $aufcner unb fd&Iug ba* 
Bei mit ber gauft in ben £ifdfj. „©treiteft bu mit einem 
alten SKann, ber meljr in ber SEBelt $erumgefommen ift f 

«nienßrutet, ©ef. ÄBetfc. V. 6 



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66 Jtafenbergef$t$ten. 

meljr gefeljen f)at unb me§r metft als bu famt allen 
beinen t>ertracften SKad&barSroeibern? UebrigenS glaub, roaS 
bu nriffft, fränf bidjj mein'tfjalben Ijimmter, Bis ftc bidj 
hinaustragen, aber wenn bu bir audjj 'S Äreuj-Sl^ auf 
'n ©argbedEel aufnageln Ke^eft # idf> bleib 1 babei, ben £ob 
beutet'S nit!" 

„Slber 9Ktdf>el!" fagte bie Säuerin unb fdfjlug über ben 
unerhörten ©genftnn bes Sßten bie £änbe über bem Äopfe 
jufammen. 

„SßeiSljoferin," fagte eifrig ber SHte, „tft bir £reuj*9lj$ 
redjt na§' geftanben?" 

„©erab neben ber ßarreau*2)am', maS meine Äarte 
war." 

„SBeift 'S ja, Sebige fjaben bte £er^3)am\ Verheiratete 
für g'roölnlidfj bie ßarreau. Slber Taft bir fagen, SBeiS* 
Ijoferin, nit lebenbig fott id(> ba Don ber ©teil' geljn, bie 
Teufel fott'n tnid^ in ber Suft auf fo Heine gfefcerln jer* 
reiben, baft tdfj ntid^ am jüngften 3fog nimmer j'fammen* 
Hauben fann . . ." 

„Um ©ottes mitten, #au$ner*9Kidjjel, Ijör auft" 

„5Jtein emig Seelenheil fott t>erfpielt fein, mnn bir nit 
junädjft ber SSeutel mit bem unoerljofften ©elb ins $auS 
fommt! 3$ mein', meljr t>ermod^t' tdfj nimmer ju oer* 
fdjjmören, bu fönnteft bamit juft genug tyaben unb mir ©lauben 
fc|enfen." 

„SefuS! S)u Unbebaut, wer fjat'S benn verlangt, bafe 
bu bi<$ fo gottlos t>erf$wörft? S^off', ©ott nimmt bidj 
nit beim SBort, weil bu ja bod^ irrig bift, Äreuj*2lf$ beutet 
einmal nid&tS anberS als ben £ob." 

,,©ut," fagte ber $aufterer, nafym feine Ufyren vom ©dfjranf 
unb jungte fte über bie Steffel. „Sleib bu babei. 3lber 
i$ bin ein 5Jlann, ber ©trafen auf, ©trafen ab feinen 
SSorteil fudfjt unb niemanb fann mir t>erbenfen, mrm idjj 
auSnüfc', roaS tdjj weift. SBett mit mir, Säuerin! S)ir 
bleibt fein' Seit, bafc bu btcij jum Sterben jured&tlegft, fo 
fommt bir fd&on ber SSeutel mit ©elb ins $auS. ©ottt' td& 



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Steffi. 67 

tierftriern, fo witt tdfj bit eine fd^one Sctd^* icfyVtt, mit ganjem 
ßonbuft, fannft bidj oerfoffen, alle Pfaffen, roa3 im Drt 
finb, foffen mitlaufen; gemmn' icp aber, fo gehört ber 
Seutel mit bem (Selb mein, ©tft'ö?" 

„@e$ weiter, bir fäm'S ja gar nit ju, bafe b' mi<$ be* 
graben liefeeft." 

„Slffeinä, oerroett' tft oerfpielt ! 3$ wollt bid& fo fauBer 
unter bie <Srb* bringen laffen, bafe bu beine gfreub' baran 
Ijätteft. ©djjlag ein!" 

„(Sei) mir!" 

„®a§ fd&önfte Safjrtudf), mag fte in ber ©tabt ben t>or* 
neljmften Seuten überbreiten, leU}' id^ für bid& atö. SRun 
wirft bodfj einfdjjlagen ?" 

„3)a3 werb' t<$ bleiben laffen, weifet, weil'S in folgen 
SMngen ein läfterlt$ ©piel mär'." 

„@i ja," ladfjte ber $aufcners9Ridj}el, „bu läfet e8 breiten, 
roett $alt bod) am ßnb' Äreuj*2lfe einen SSeutel mit ©elb 
bebeuten fönntV 

„S)en Stob bebeut'8," fdjjrie bie SSäuerin, „unb ba8 
©elb will id) bir fd^enlen, was lommen fott, t<$ raufet* nit 
woljer." 

,,©ut, Säuerin, id& nefjm' bidf> beim SBort, bu fd&enfft 
mir bas ©elb! 3$ ^w!f mir leine ©org', wo eö ijerfommt. 
Slber ba brauf mufy mir fd^on bie £anb geben, bafe b* für 
fpäter feine äluäreb' $aft." 

S)ie Säuerin gab etwas jogernb bie £anb. 

,,©o, Säuerin, e8 gilt! S)a8 fag 1 iü) bir, nidjjt einen 
©rofd^en oon bem ©elb fojf t<$ bir in ber £aut\ 3$ weife, 
bu madjtft bir für jefct feine ©org' barüber, will bir'S aber 
aud& für fpäter erfparen. ©ein SKann möd^t 1 nit fd&led&t 
f dampfen, wenn bas ©elb faum ütö $au3 fäm' unb id[j 
näljm'g gleidf> wieber fort. Unfrieben will td& jwif<$en eu<$ 
nit ftiften. SBenn bu bidj umtauft unb baju fd^auft, fo er* 
wirtfdjjafteß t>ielleid&t fo mel unb bringft es §eimlid& auf bie 
©eite unb bann brauet* ber Sauer nit ju wiffen, wa8 bu 



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68 Äalenbergefd&td&ten. 

»erfpielt Ijaft. $<# ein 3^ will \$ bir Seit Iaffen, aber 
om nädftften -Keuja^rStag fomm' id) unb »erlang' mein ©elb. 
SBerintereffiert'S bidfj, leg* ic§ bir bann auc§ bie harten, wie 
id&'§ »er|fe$\ unb jefct Bc^üt bic§ ©ott." 

Stamit ging ber $aufcner*3Ki4el au§ ber ©tube unb liefe 
bie SBeiätjoferin fe^r nad^benlKd^ gutüdf. 

„©ollt'S am @nb' bo$ — ? @t, fo mär' bod& auf nichts 
meljr ein SSerla^! S£reff*3l& b.ebeut* *n £ob!" 

©ie nmfete &ute|t nimmer, foffte fie fidjj ju gewinnen 
fürdjten ober ju verlieren freuen. 

2H§ am felben -Jtad&mittage ber Sßeteljofer eilig auf ber 
©trafee einfjerfdfjritt, faty er ben Keinen Ufjrmadfjer auf einem 
Srettlein ftefyen, ba§ über ben ©raben gelegt war, bamtt 
man nad^ einem fjelbrain gelangen fonnte, ber nad& einem 
naljen ©orfe führte. @r lief auf ben 9llten ju. 

w $au|ner=9Jlid^el! SBie fteljt'S?" 

©er Keine -Kann fd^mungelte. @r fa§ bem Sauer nadf; 
bem 9iodfe, ber forgfältig jugefnöpft mar unb an ber finfen 
Sruftfeite einen Saufd^ machte. Ser $au$ner:3Kicljel tippte 
mit bem ginger nac§ ber ©teile. ,,©a ftedft'3," fagte er. 
„£af* bein ©elb?" 

„3ja, aber reb bu . . ." 

*$ßl 3$ § a &' wegen eudf) e^ t>iel Seit »erfäumt, aber, 
roie i<# ^off', nit verloren. 9$ will bir nur fagen, mir 
Ijaben uns Ijeut roeber gefeljen nod& gefprodjjen, üerftefjft? 
Unb merl bir aud^ für bajjeim, felj unb bereb nichts, mie 
bir aud^ beine ßoerl tjorfommen mag." 

Sine Ijalbe ©tunbe fpäter trat ber 2Set§ljofer in feine 
©tube; nad&bem er fein SBeib begrübt Ijatte, i^ann er feinen 
9tocf aufjufnöpfen, jog eine fernere S3rieftafd&e Ijeroor unb 
legte fie in bie Xifd^labe. 

„SBaS Ijaft bu benn ba?" fragte bie Säuerin. 

„©d^mer ©elb, @t>erl! Sßetfjt, roaä beim Äramer 
in ber ©tabt geftanben Ijat unb roo mir fd&on bie Seit 
Ijer gemeint Ijaben, es blieb* bort auc& fielen. (Sine 6rb* 



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Steffi 69 

fdjaft $at er gemalt unb ba !)<** et mtr'S IjerauSjafjlen 
lönnen." 

„SllleS?" 

„93et fetter unb Pfennig." 

„@t, bu mein ©Ott!" 

„3)id& freut'S wenig." 

„@i, ja woljl," fagte bie Soerl, naljm bie Srieftafdfje 
aus ber 2abe, jäljlte baS @e(b unb würbe babei abwed&felnb 
balb btafs, balb rot. 

Sa war'S unb fort foUfö! 68 war iljr jugleid^ leidet 
unb fdfjwer umS £erj. 

SSon ba aB »erlegte fie ftd& aufs Sßirtfdfjaften unb ©paren, 
bafc ber Sßeisfyofer woljl merlte, fie fjätte fürs Sterben feine 
übrige Seit. 3e tne^r es aber gegen baS ßnbe bes Saures 
ging, befto oerbriefjlidfjer würbe fie unb als ber -KeujaljrStag 
cor ber tyüxt ftanb, ba geftanb fte iljrem 2Kanne, wie fte 
gegen ben ^aufcners-Dtidfjel oerfptelt Ijabe unb aud& auf beffen 
9lat oerfudfjte, — redfjt war'S woljl ntdfjt — baS (Selb in ber 
SBtrtfdfjaft herein ju bringen, um ben SSerluft oerljeimlidjjen 
&u lönnen. 9hm wirb ber ©ptfcbub' am erften Sag im 
galjr lommen unb fein ©elb »erlangen, fte Ijat aber mdfjt 
ben vierten Seil aufbringen lönnen, wie fte ftd& audjj ge- 
fdfjunben Ijabe. ©dfjliefjliclj bat fte für iljren Unbebaut um 
aSerjei^ung. 

Sarauf meinte ber Sßeisljofer, wobei er ftc§ hinter ben 
Dfjren traute, »erjei^en wollte er redfjt gerne unb es gefdfjäfj' 
oon ganjem §erjen, weil iljm nur feine ßfoerl (eben geblieben 
war* unb wieber frifd^ auSfä^, bafür fäm' baS ganje ©elb 
nit in Slnbetradjjt unb breimal fo oiel nidjjt! 3fretlt<| fänb' 
er*S ganj teuf eintägig bumm, wenn ifjnen ber §aufterer all 
iljr ßrfparteS mir ni(f)tS bir md&ts forttragen t^ät', übrigens 
Ijätt' ber manchmal fo ©päfc', mit benen er bie 2eut' fdfjredft 
unb metnt'S nit fo arg. Sttfo wollten fie'S abwarten, bis 
er fommt. 

Unb als er fam, ba warb er mit einigem -äKtfetrauen 
aufgenommen, er tljat aber, als merfe er nidfjts, legte feinen 



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70 Äalenberoefdjid&tctt. 

Ufjrenfram ab unb fefcte ftdfr ber »äuerin gegenüber an ben 
23f($; SEBeiö^ofer fajj abfeitS auf ber Dfenbanf, als ginge 
tyn, was nun aud& fommen mag, gar nid&ts an. 

©ine SBeif machte ber #au$ner*9Rtd&el hinter feiner run* 
ben ©ornbrtffe red&t ©ergnügte äugen, bann fagte er: „9hm, 
SSäuerin, i<$ mein', bu lebft nod|>!" 

„3a," begann bie unb je meljr fte fpradfr, je meljr ftieg 
t$r bie Stöte in« ©eftd&t. „3a, wa$r ift'S, baS 5?reuj*Sl£ 
4ui nidjjt ben Stob bebeuten, fonbern ein ©tüdf ©elb ins 
£auS; wenn aber einer weif*, bafj baS fo ftd&er jutrifft, als 
war 1 bie Äarte ungleich bejffer wie oft eine SBerfdjjreibung oor 
©eridjjt, bann fofft 1 er nit mit einem anbem wetten, ober 
es tyn auf eine anbere Slrt oerfpielen laffen, bas ift nit 
e§rli$. 5Ro<$ weniger eljrKd& ift'S, einem braoen 2Betb ein* 
gureben, fte fofft* hinter SWanneS Stüdfen baS SScrfpicIte 
aufbringen. SBerftanben? baS reb' i<$, weil i#S reben mufj. 1 ' 
Sie fttefj bie Xifd^Iabe auf unb langte ein Sßffdfdjen 33anf* 
noten Ijeroor. „©leid&wofjl J>ab' i<$ nad£ beinem SRat getfjan 
unb midfr baS gange 3<rfjr über gerädert unb gefd&unben; baS 
ba Ijab 1 i<$ jufammengebradjjt, ba Ijaft'S, nimm'«, wenn es 
bir ju wenig ift, fofft* mir leib t^un, aber meljr Ijab* td& 
ntd&t." ©te ftrid& mit ber #anb über ben £if<$. « 

„Stannft ja aud& baS behalten," ladete ber £aufterer, 
„barum ift mir'S ja nit gewefen. SBeifen wollt' i$ bir, bafi 
Äarten nie etwas bebeut' fjaben, no<$ bebeuten! Äreuj*2lji 
bebeut 9 nit ben Job, benn bu lebft heutigen XageS nod&, es 
bebeut' aber aud^ lein ©tüdf ©elb ins $auS, benn baS Ijab' 
td& mir nur ausgebaut, weil id& voxtty gewußt ^ab', bein 
3Kann bringt ©elb aus ber ©tabt. 3um SBerfjeimlicljen aber 
$ab' i<$ btd& angeftift', bamit idj bt$ über #als unb Äopf 
in bie Arbeit Ijineinljefc' unb bir barüber äffe ©ebanlen an 
Äreu^2lf$ unb Xob ©ergeben." 

SMe Sföuerin fdjjlug flumm oor SJerwunberung bie £änbe 
jufammen, ber SßeiSljofer aber war gum %\fä gerannt, Ijatte 
ben $ad Saninoten gufammengerafft unb ftopfte iljn jefct 
bem Ufjrmad&er in bie 9todftafc$e. „35as mujjt nehmen," fagte 



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ftfff*«|. 71 

er ein über baS anbete SRal, „ba8 mufet nehmen, ba* ^afl 
©erbient, ba8 geb 1 i<$ gern." 

3Wd&t, bafe bet #aufcner*aRid&el fM> etwa geffrauBt $ätte, 
aber wie er fo bte beiben Seute betrachtete, Rupfte er t>or 
Vergnügen immer von einem gufee auf ben anbern unb ijielt 
nid&t ftill, fo bafe ber Sauer feine Slot $atte, t$m bad ©elb 
in bie £afdje ju Bringen. 3efct ftanb er mit einmal rutytg 
unb liefe ben 2Bei3$ofer machen. 

„3Rufe idjj'3 nehmen/ fagte er, „fo ne^m' {#*. Säfet 
fid^ bodjj ein ©oftor jaulen, wenn er aud& md()t3 rietet unb 
idf) ^ab' ba me!jr gerietet ate ein 3)o!tor. 9hm, Säuerin, 
n>a8 tft'8, t>erinterefftert f 8 bic$ nit? 3$ faB* bir ja audfr 
oerfprodjjen, idfj Ü)äV bir Äartenlegen auf meine 2Beif\" 

,,®d) i^ u faß** M« 2Beis!joferin, „meinft, tc$ möd&t' 
nod^ bran glauben?" 

„3$ tanf felBer, bafe bu bir baoon nid^td me§r oerlangft. 
2t6er reic$ mir nur ba8 oerfd^mierte ©piel bort aus ber 
£if$lab v |er, \$ §aV% oorfyin rooI)l barin liegen feljen. ©o, 
banF bir fdfjön! £at uns genug fernere ©org* gemalt! SBor* 
Seit ift es roofjl nur ju einem unfd&ulbigen SettoertreiB auö* 
erbaut roorben, aber, wie mit melen SMngen, tyat ber 9Renfc$ 
a\x$ bamit angeloben, 3JtifeBrau<$ ju treiBen, unb 'S ift über* 
genug, bafe baä ©agarbieren mele SDtänner arm madjjt, foH 
ba3 Äartenfd&lagen audjj nod& bie SBeiBäleut' bumm mad&en? 
®u üerlaubft fdjon, bafe \ty% in8 ©erbfeuer wirf, ba fällt 
feinem ein 93latt, fonbern Bleiben i!jm für atfjeit alle jroei* 
unbbreifeig fem, unb ba« ift bie Befte SWanier, Äarten &u 
legen. 9tad} bem, rote ftdj ber 9Renf<$ aus- unb imoenbig 
üerijalt 1 , red&tfd&affen unb aufrieben ober läfftg unb begeljrlidfj, 
lann man Ujm roofjl fagen, oB er auf ber 2Belt glüdfli^ fein 
nrirb ober nit, ein anber' SBaljrfagen aber gibt'8 nit. @8 
Reifet, be8 3Renfd(jen ©dfjidffal fte|t in ©ottes £anb, i$ raufet' 
nit, mie e§ oonba unter oerbredfte Startenblätter unb fdfjmufcige 
SigeunertoeiBer fämM fjreili($ Bei bem, roaS an aller 2Belt 
©nben unb ßdfen in einem 2ltem fd^marg unb meife, falt 
unb roarm jufammenprop^egeit wirb, lann wotyl unter 



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72 ßalenberöefdjtdjteu. 

taufenb einmal gufättig eins gutreffen, unb oon bem einen 
Ijörft bu bann taufenbmal, von ben neunljunbertneununb* 
neungig »erf elften nit ein eingig' 9M reben; alfo, wenn 
bidj jemanb gu fo was etnlab't, fo fudjt ein @fel einen Stamt* 
raben, unb bu braucht nit gu fürchten, bafj man bic§ für 
Ijodimütig augfdjreit, wenn bu bi$ für bie C^r' Bebanlfil 
2lmen, fagt ber Sßfaff, wenn er nidjtä meljr weife!" 



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Su fromm. 

(1879.) 



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|n einer Keinen Drtfd&aft, mag jte SHifelbSborf Ijeifjen, 
Ratten ftc einen neuen Pfarrer Belommen; ba er 
erft brei $age unter feinen Sßfarrfinbern weilte, fo 
wußten btefe üBer i^n nid&tä auäjufagen, afö bafj er für 
fein Sinti ein „frisier tjerwunberftcl}" junger £err fei. 60 
jung Ratten fte no<$ leinen gehabt. @tKd&e meinten, baä 
märe redfjt, ein junger oermödfjt' ottjeit mefjr oor fid^ ju 
bringen afö ein SKlter. Slnbere hingegen fd&üiteltcn Bebenf* 
ftdfj bie Äöpfe unb meinten tfjrerfeitä, Sugenb ^ätt* bie <Sr* 
fajjrenljeit aus jroeiter £anb unb Brächt' fie brum aBgeftan* 
ben unb teuerer auf ben Sölarlt. 

@3 mar eben am Stadfjmittag be8 britten £ageö, Sung* 
(Styrmürben fafc gerabe Be^agltdjj im Seljnftuljl, Blies au8 feiner 
Saufenpfeife SBoßen gegen bie ©tuBenbedfe unb falj mit an* 
fdfjeinenb großem Sntereffe ju, wie fte affmä^Kd^ jerftoBen; 
ba pod&te es an ber 23jüre unb herein trat ber £err Sürger* 
meifter von Slltfelbäborf. 

Sßtfe&sborf mar, wie gefagt, ein Heiner Drt unb 
lonnte jt<$ ben SupS nidfjt geftatten, wie anbere Beffer 
fttuierte Dörfer unb SWarftfledten einen reiben Kaufmann, 
einen ©rofjgrunbBejtfcer ober gar einen Sßwofaten jum Sürger* 
meifter ju mahlen, von ber ©orte führte e§ nidjjtS, ber 
Sürgermeifter, ben e8 Ijatte, mar ein grunbetjrlicljer £auer, 
ber ein paar 3o$ SBetngärten unb ein paar Sot SBerftanb 
meljr fjatte afö bie anbem. 3)a3 erfte liefe jtdfj grunbBüdjjer* 
fic$ nadfjweifen unb für baä jweite fpradjj feine öftere SBieber- 
empfang, ©offte etwa irgenb ein Sefer baran 2(nftojj 
nehmen, bafe bie UeBerlegenfjett ber 93erftanbes!räfte be8 
#errn SJürgermeifterä nadfj altem ©erntete Bewertet erfdfjeint, 



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76 ßalenbergefd)icf)tert. 

fo fteljt es tljm ja frei, fte in ba3 neue umzurechnen; ju 
wahrem 2)an!e aber wären wir einem foldfjen ©erpflidfjtet, 
ber fic$ auc& gleich ber SWülje unterzöge, alle gang unb gäben 
9teben8arten unb ©prtdfjroörter alten ©emidfjte8 in baS 3)e* 
jimalfpftem ju übertragen, fo bafj wir eine Slrt StedfjnungS* 
faulenger belämen unb nur nadfoufdfjlagen Brauchten, um ju 
toiffcn: fjreunbe in ber SRot geljen — in ber unb ber 2ln* 
jafjl auf fo unb fo oiel ©elagramm.' 60 unb fo oiel 2)efa* 
gramm ©lud feien meljr wert ate fo unb fo oiel Äilogramm 
SJerftanb u. f. ro. u. f. n>. 

Sllfo ber £err Sürgermeifter, ein langer, fnodjiger 3Rann, 
fa§ faft engbrüftig aus, mad&te an ber £ljüre feinen Srafc* 
fufj unb fagte: „©ut'n Slbenb, £od&n>ürben." 

„®uVn Slbenb, £err Sürgermeifter," fagte ber Sßfarrer. 
„■Jörnen ©' ftdjj bo$ einen ©tuljl unb fefcen ©' ftd&. ©i§> 
gerab ba fo fommob." 

„D, fdjön' Sanf, £odfjwürben," fagte ber Sänge, jog ftdfj 
einen ©tuljl Ijeran, fefcte ftdfj bem Pfarrer gegenüber unb 
badfjte: „3fefct fann'ä losgehen. @r will mi$ auäljolen, ba- 
mit er ftdj mit und auSroeijj unb ic$ foK tljn ausholen, ba* 
mit wir \m% mit tljm auSmiffen. gein gemad^. @rft foH 
er garbe befennen." — £ro$bem er ftdfj bcrgeftalt auf ben 
SBorftdfjtigen unb ©flauen IjinauSfpielte, überlam tljn bodfj 
eine Verlegenheit, bie einen efjrlidfjen 9Jlann bei folgen Sin* 
läffen ftet8 befällt, weil er füljlt, bafs all feine ©c|laul)ett 
unb 23orftd(jt nidfjt lang oorljält, wenn ber, ben er au^olen 
foll, nur ein wenig geriebener ift. Slber nidfjtä reben, baö 
tljut'3 fürä erfte. @r duftete alfo ein paarmal, legte babei 
bie §anb beteuernb an feine Sruft, gleid^fam: „ba ftfct'ä." 
Sann begann er feinen §ut abwed&felnb balb auf baä redete, 
balb auf ba8 Knie Änie gu ftülpen. „#m, Ijm," madfjte er, 
als näfjm' e8 iljn wunber, bafc er nid^t ftfcen wollte. 

©er Pfarrer lädfjelte. ,,©ie lommen woljl, 33ürger* 
meifter, um bei mir, fo waä man fagt, auf ben ©trauc$ ju 
fragen?" 

25er Slngerebete beugte ftdfj oerlegen auf feinem ©tu^le 



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&u fromm. 77 

etwas vornüber unb inbem et es ©erfucpte, bieSmal beibe Äniee 
unter ben einen #ut ju bringen, murmelte er: ,,2Berb' mid^'d 
bo<$ nid^t unterfangen?" 

„3$ neljm' es au<$ für fein Unterfangen auf, wenn 
meine SPfarrfinber nachfragen, woran fte mit mir ftnb. Unb 
wie xä) midjj ju tfjnen ju (teilen gebenfe, baS fönnen fte alle 
wiffen, baS fag' tdfj offen unb frei l;erauS." 

„©dfjön, fdjjön, $odjjwürben," fagte ber Sürgermeifter unb 
fal) babei fefjr erfreut unb banlbar aus. „SDa reb't man 
p4 ^ oc 5 flki$ «n gut* ©tüÄ leidster;" bann bewölfte ftd& 
aber feine fpifce ©ttrne ein weniges wieber, er warf einen 
beforgten SJlitf auf ben jungen Sßriefter unb fragte etwas 
unftdfjer: „2Bie fjalten'S alfo bamit, §oc$würben?" 

„SSorab §alt' idjj barauf, meiner $fltd&t als recljtfdfjaffener 
©eelf orger nadfoufornmen, eu<$ mit £roft unb Stat beiju* 
fpringen, bafe mir leinen ein Seibwefen gar ju Soben brüdft, 
ober ein ©tüdtsfatt ifjn übermütig mad^t." 

„@i, bu mein, §odfjwürben, 's te|t' ©tu* Arbeit bürft' 
©ie ba bei uns wenig befdfjweren." 

„3ft aber auc$ 'S fdfjwerere, Sürgermeifter. £roft im 
Unglücf nimmt ber 3Renfd^ unbefdfjaut, guten SRat in lieber* 
mütigleit wenb't er ein bufcenbmal gegen 'S Sidfjt, ob er leine 
Südte entbedft, wo er i^m auSfdfjlupfen fann." 

„SBatyr, waljr, $od&würben. ©abrum is aud& auf einer 
gottSelenbigen SJJfarr 1 allemal ein leidfjtereS ©eelforgen als 
auf einer mit lauter teilen Slnwefnern." 

„9tun, nun. 3$ wollt, iljr wäret lauter reid&e Slnwefner, 
bie mehrere 3Rü§' follt mi<$ nit reuen. 3m übrigen bleibt 
alles, wie td&'S auf ber Sßfarr' angetroffen $ab'; ba bring' 
id|j ntdfjtS auf unb bring' nichts ab. 2Bte es bisljer gehalten 
worben ift, foH'S aud& für weiter gelten, um leinen S3itt* 
gang, leine 2lnbad)t, leine SBallfa^rt meljr, aber audjj leine 
weniger, ©eib iljr fleißige Ätrdfjengänger . . ." 

„'S geljt an, £od)würben, 'S ge|t an. ©onntagS einmal 
fteljt wo^l jeber bie Äirdjje oon inwenbig, aber unter ber 
2Bod6e, ba Ijab'n $alt nit alle allmal Seit." 



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78 Äalenbergefd&idjten. 

„6s ift recljt, bie SBodjje über arbeiten unb Sonntags 
rulj'n unb ©ott bie ©fir 1 geben. @S §eif$t ja aud>: ,83ete 
unb arbeite!' 3$ befdjeib' midjj gern, unter ber SSodjje meine 
SfRcff* für bie gu lefen, bie nur meljr beten iönnen, für bie 
alten SWütterln unb SWanner, bie g'woljnt fmb, nad& 'm ffcüfc 
läuten in bie Äirdfje gu gepperln." 

„£odjjwürben fein fo ein grunbg'fd&eiter unb babei wotjl* 
tneinenber #err, wie man'S feiten unter ben Sßfaff — unter 
ben Pfarrern finbV 

„Sterben©' nidjjt oerlegät, Sürgermeifter, weil 3§nen baS 
IjerauSgerutfdfjt ift. Sßfaff ift nid&ts weniger als ein Hebel- 
natne unb wer ber Ausbeutung nadfj als wa^after Sßfaff 
gelten fann, mag es woljl gufrieben fein. @S gibt ©orte, 
bie fo oft gebraust werben, bafj man nur i§re SlnfangS* 
budfjftaben Fjinfe^t unb boc& weif* jeber, ber gu lefen oerfte^t, 
Sefdjeib. 2lu4 Titulaturen $at man in gang gleicher SBeife 
abgefürgt. Stuf SSifitlarten oon 3Kilitärperfonen fteljen oft 
^int'na(| bie beiben 33udfjftaben ,a. ©.', bie finb nun frei* 
lidfj nidfjt, wie ein ©ulenfpiegel gemeint $at f gu lefen für 
,auS ©resben', fonbern gelten für ,aufcer SMenft*. Stuf 
ben Äarten oon 9tecl}tSgele§rten lommen manchmal bie SBudfj* 
ftaben ,J. u. D.' t>or, baS Reifet beileibe ntd&t ,3ub', fon* 
bern juris utriusque Doctor' baS ift, SDoftor beiber 9ted(jte, 
unb fo mag man wotjl, aSerbingS nid&t auf SSifttf arten, 
fonbern lang oor ber ßctt, e^' es SNjttf arten gegeben, auf 
©rabfteinen ber Sßriefter bie 33ud(jftaben ,P. f. a. f.* gefunben 
unb fte fpäter au<$ frifdfjweg ^eruntergelefen §aben, iljrer 
Seit aber begeid&neten fte ben, ber barunter lag, als ,Pastor 
fidelis animarum fidelium', baS Ijeifjt auf beutfd^ als ,ge* 
treuen #irten getreuer ©eelen*. 3$ beule, baS ift juft ber 
befte Stadfjruf für unfer einen unb foweit an mir liegt, 
will ic$ t&n oerbienen. gür einen gewiffenljaften §irten ift 
es aber t>or allen Singen notwenbig, bajj er bie i&m an* 
vertraute £erbe genau fennt unb babei muffen ©ie mir an 
bie £anb getyen, Sürgermeifter." 

„D ja, o ja, #oc$würben, re$t gern. 11 



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£u fromm. 79 

3ung*®(>rwfirben neigte fu$ etwas t>or gegen ben 33ürger> 
meifter unb fragte mit t>ertraulidjem Säbeln: „$aben wir 
audjj einige Staubige barunter?" 

„9?o, räubig möd^t* idjj juft nit fagen, t>on wegen, weil 
lein' ©efafjr is, bafj fte bie anbem anftedfen; aber einfd&warjes 
©tücft Ijaben wir woljl unb ein gefprenfettS*)." 

„3)aS fd&warje?" 

„©elb* is 'm £obinger fein Änedfjt, ber SKatljieS; ber 
glaubt auf gar nichts, burc& Ijarte ßrlebnuS foK er fo 
worb'n fein, fonft ein braoer, fleißiger 3Renfc$ unb gibt lein 
SlergerniS, er is nit vorlaut unb wirb nur ftreitig, wenn 
ein anbers anfangt, i^m baoon ju reben, was er nit 9leb f 
Ijaben will." 

„Unb baS gefprenlelte?" 

„D, baS tS gar bunt unb narrifd^ gum Sfofd&au'n, fd&ier 
gum Sachen. 2)ös is ber junge Äramer im Drt. Stadfj Saterg 
Sob iS er aus ber gftemb 1 g'rudffommen, Ijat *n Äauf laben 
übernommen unb gleidjj ang'jjob'n, wie jefct in ber 9Rob' is, 
mit fein* Unglauben grofjg'tljun. ,Äramer/ Ijat ber frühere 
Pfarrer gefagt, — ber ein mefjr bifftger als freunblidfjer 
#err war — ,Äramer', Jagt* er, ,er fann ^erumfd^rei'n, 
wie er will, bafc ein g'fdfjeiter 9Renfc$ ni| glaubt, befitwegen 
glaubt bodfj niemanb t)on ifjm, bafe er g'fd&eit is unb wenn'S 
barauf anläm', mufft* er ber gfrömmfte im gangen Drt fein/ 
— 9Kt lang aber war er ba, fo mad&t unfer Äramer £od[js 
geit, brei aWonat* brauf §at er fein* jungen ©^ilfen weg« 
geben unb bie ärgfte 3Sogelfd&eu<$en, bie er Ijat auftreiben 
lönnen, ins ©'fdjjäft g'nommen, neugeit aber geljt er gar 
mit feiner jungen Äramerin in bie Äirc$\ benn, meint er, 
bie 2Beiber müßten l>alt bodjj a Sieligion tyaben." 

®er Pfarrer lädfjelte. 

,,©leid&wo§l," fuljr ber »ürgermetfter fort, „tafit er für 
fein $eil 'S greigeiftern nit unb is nur fein SBetb auswärts, 
fo fann man tyn fo laut räfonnieren Ijör'n, wie in fein' 



*) Gteffedt, föedKg. 



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80 Aa(enbergef$tc$ten. 

lebigen Sfagen. Sefctjett Ijat et ftclj roieber in ein'm neueren 
£irng'fpunft verfangen unb will jebem eingeben, bafj mofjl 
a ganj a mögliche ©ac$' fein fönntf, bie ©eelen würben 
immer weiter oon ©tern ju Stern oerfefct, Ratten auf jebem 
gute Seiten, fo bafj brüBer bie ganje ©nrigfeit redfjt unter* 
jjaftfam »erging 1 , ©er 3Ratl)ie3, von bem idfj früher gWt 
f)aV unb ber ttjn nit auSfteljn fann, Reifst i§n brum ,ben 
©ternfjupfer*. 

„ginben ftdS> benn Seute, bie baS anhören?" 

„(lin ganger ©d&roarm, ^ocfjroürben. 3)enn wäljrenbbem 
er fi$ von ©tern ju ©tern im SBeltraum verliert, fd;ön 
langfam unb vorfufjtig, roie ein SuB' oon ©tein ju ©tein 
über *n S3ac$ balanciert, faufen bie ©afermenter ©djnapS — 
er fjat 'n Beften toeit unb Breit, — unb finb't er {\$ bann 
mit einmal roieber hinter fein 1 Sabentifd(} j'redfjt unb fommt'S 
^um $cif)hn, bann weift nie leiner, wie viel er trunfen Ijat 
unb wirb attmal nur bie $a!Bfd()eib ang'fagt; er Brauet 
BI0J5 bie SReige gegen'« Sidfjt ju Ratten, fo muft er merlen, 
wie er ang'fctymiert tS, weit aBer bie #alunfen groft oer* 
wunbrig tljun unb ben ©eift, was er in fein 1 Kopf führen 
tljät', toBen, fo lafet er ben aus ber ftlafd&e breingeljn." 

,,©," fagtc fopffd&fittelnb ber Sßfarrer, „ba fürdfjt' idf), 
er richtet mir mit feinem SBranntwein meljr ©d&aben an als 
mit feinem ©ereb 1 ." 

,,©o arg tS'S nit, #odjjwürben. Unb B'fonberS, feit bö 
Äramerin ©pur baoon |at, werb'n bie Hein' #erjftärfungen 
immer f eltner, unb wann'S gar, wie if;r Staaten geljt, bie 
glafdjjen unter tljr'n 33erfd(jluj$ friegt, bann fjat'S mit feine 
naffen Sßrebigten ein @nb' unb trodfen bringt er fein' Sauer 
audjj nur auf 'n nädfjften ?ßfanetftew. Sraudjjen nit g' forgen, 
£odjwürben. ©org* machen uns nur bie üReumaperfdjen 
ß^leut. 3a, bö mad&en uns ©org', um fo größer, weil nur 
a geiftlidfjer £err bö aBfteffen fönnt' unb weil juft a §eilfige 
©a# is, baf mer ein* geiftlid^en £errn brum angebt." 

„9hm, was ift'S benn mit ben Seuten?" 

„&' fromm fein f!" 



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Su fromm. 81 

UeBerrafdjt leljnte ber Pfarrer feine pfeife in ben gfenfter* 
winfel. „SBürgermeifter." 

,/3<*> $od&tt>tirben, madfjen ©' nur grofce Slugen, aBer, weife 
©Ott, xä) fann'S nidfjt anberS fagen, als bie finb ju fromm. 
@S ift eine lange <3efdjic$te unb id& JjaB 'n fjodjwürbigen 
$errn woljl Ijeut fd^on genug aufgehalten; metteidjt ein 
anbereS 9M ..." 

„Stein, #err 33ürgermeifter, nur gleich IjerauS bamit, es 
intereffiert midfj unb wir ftnb einmal babei." 

„2Ufo, weil'S ©erlaubt iS, Bin id& §alt fo frei unb t>er* 
j4$l\ 'S Steumaperfd&e Slnwefen tnäffen Ijodjjwürbiger #err 
Bemerft IjaBen; nodfj aufcer 'm Ort, jiemlidfj abfett oon ber 
©trafje, fteljt baS £äuferl inmitten oon bö bajug'Ijörigen 
Siegenfdjjaften. ©uter ©runb, fd&öner Soben, aber öerwaljrs 
loft; mo fonft a ganjer Sufd^en #alm' g'ftanben iS, ba 
fiebern jefct a paar ©tammerln im SBinb unb Ijtnt' bie 2ln* 
jjöl)' fj'nauf, ba liegen gar a paar Sldfer Brac§ unb g'wtffen* 
lofe 2eut' IjaB'n bort ©teiner, 2luSleljric$t unb ©djjutt tytm 
g'leert, 'S iS a Sammer! 

„SJor paar Sauren nodjj iS baS ©ütel red^tfd^affen Be* 
treut worben unb Ijat feine Seut' audj ernährt. 3Kit eins 
aBer lommt fo a SKiffton, wie f bamal im Sanb Ijerumjog'n 
fein, aud& Ijer nadjj unferm Drt. SSor ber Äirdjj' fte^t Ijeut 
noc$ baS grofce Äreuj, was jur Erinnerung ba bran auf« 
g'rid&t worb'n iS. Äommt alfo Ijer, bie SKifpon, unb 'S @r* 
Bauen, Sitten unb feparterte Sßrebigen ejtraid^ für 3ung* 
frau'n, für Swngg'fett'n, für 3Rannerunb für SBeiBer fjeBt an. 
SJlir IjaB'n ftc$ benft, es fd&abet nij, wenn man Bei ben 
gottlofen Seiten ben Seuten ein biffel bie £ött' §eifj mad&t. 
9lun, 'S Ijat audjj alle ganj g'ljörig gepadft, — baS rnufe mer 
ben Ferren 5Kifftonari taffen, ba brauf wrfteljen fte fid& — 
unb felBe Seit üBer unb nodjj a paar Sßod&en !jintennad|j is 
a jebeS oott SReumütigleit unb gute SBorfäfc' Ijerumg'laufen 
unb aufcer ber gförfterS Sirn', — bie in' SBalb auSg'rennt 
iS, lautfjals nad& 'm fjimmlifdjjen Bräutigam g'rufen unb alle 
SKannleut', bie tl)r fremb waren, attadfiert &at, — tyat audj 

Uttiettöttt^ef, ©ef. ©cv!c. Y. 6 



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82 Jta(eriber$ef$t$tett. 

feines ©<$aben genommen; bie, freiließ, §at ber SHte ins 
SrrenljauS fdfjidfen muffen. 

„Nun, ber eine ©dfjaben mär' tuo^l burdj 'n SRu^en auf * 
g'roog'n g'toefn unb b* erfte Seit bamats Ijat 'S 'n 2fafdf)em 
g'ljaBt, als Bleibet'S audfj bei bem ein 1 . 2Jtit einmal aber 
merf'n mer an ben Sleumaperfdjjen ßfjeleut'n a Stenberung. 
SiSfjin Ijab'n uns bö atttoetl ©pafj g'mad&t. SBar ein luftig* 
SSolf , bie reine ÄeffelfKdferroar' , tags breimal auSeinanber 
unb breimal tmeber g'fammg'flidft! @s Ijat g'ljeifeen, oor ber 
#odfoett Ijätt' er iljr eins unb 'S anbere nadjg'feljn unb fie 
ifjm eins unb anbere banac§. äfl&er ©lüdf fjaBen f g'ljabt, 
too f auä) g'frodfjen unb g'fc|loffen fein, bös mar, als ob ein 
Jurjg'fd&or'ner sßintfd&er burdfj b'ÄIettenftauben ging, es is 
tfjnen nfe anhängen btieb'n unb a üBleS Seifpiel Ijab'n f 
au$-mt geb'n, bös tljut nur einer, ber ganj in ©leidem 
mit ben anbern ftefjt unb ungleiche ©tud angibt, wenn fiel) 
aber eigene Seut' ganj eigen betragen, fo bebenft ju$ jeber, 
bafc er tfynen'S na<$tljut, weil er rooljl in ad^t nimmt, maS 
bei benen gut ausgebt, fönnt' Bei i|m übel aBlaufen. 'S 
ganj* Sa^r tiBer waren bie SReumagerfdfjen rührig Bei ber 
Arbeit, j'famm^alterifdfi in ber 2Birtfc|aft, im gfafdfjing 
aBer IjaBen f all's ©rfparte braufgefjn laffen, unb es in ber 
UeBermütigfeit ben Süngften juoorgetljan. 9hm, roas fte 
oertfjan tyaBen, bas mar tfjr redjtlici} ermorben ©igen, 
linberloS waren bie jroei Seut' aud[i unb fo Ijat mer baju 
ladfjen lönnen, oljne bafj ein'm eine 9Jtü<fe ins SDlaul fliegt. 

,,©af$ id& alfo fag', bamal, wie bie SWifjton im Drt 
mar, is alles jur Seidjt 'gangen. 3)er unfre fjieftge Pfarrer 
iS ben Ferren Stiffumart gur ©eit' g'ftanben, bie ijab'n 
felber oon bö SMenftboten mandfjeS über bie $errenleut' in 
Erfahrung g'bradfjt, ober umg'fe^rt, oon bö ^errenleut' über 
bie ©tenftboten, fo bafe fte oon manchem oor^inein meljr 
g'nmfjt fjaBen, als er im Seidfjtftutyl angeB'n §at unb iljn, 
gu f ein'm SSerrounbern, jur ootten SBaljrljett Ijab'n oer* 
mahnen lönnen. 9hm unb fo ge§t . Ijalt an ein' SBeiBer* 
tag bie 9teumat}erin unb 'n SWannertag brauf ber 9teu* 



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&u fromm. 83 

mager, ©ut. S)a jur fcIBen Seit alle teils in einer 33er* 
jüdftfjeit, teifö in ber Serfnrcföunfl fy'tumg'rennt fein, Ijab'n 
wir'S gar nit adfjt g'Ijabt, bafj unfre jwei luftigen ©orffpafcen 
mit eins fopfljcmgerifdj) worben fein. 3** einer *>on bö legten 
^rebigten ift ben Seilten anempfohlen worben, ein'm redfjt 
Derbtenftüdjjen ©ebetoerein beizutreten. 3d^ lann mid[j nimmer 
entftnnen, wie ber SSerein geljeifjen Ijat, ober wofür unb um 
was gebetet werben foHte, aber #odjjwürben fennen ja bie 
2trt, jeber, ber einfielt, oerpfKdjjtet jtd^ für fein £eil, bie 
unb bie ©ebete, ©tüdfer fo unb fo oiel auf ben £ag, ju 
beten, unb baS weife id[), für ben %aU war'S bie fernere 
Sföeng' unb Dorm ©djjlafengeljn nod[j eine Sitanei baju. 
9tun mag woljl einer, ber Seit bafür fjat, bie nit gott'S* 
wohlgefälliger anwenben lönnen, aber einer, bem ©Ott ein 
redjtfdjaffeV ©tücf Arbeit auferlegt fyat, ift bod[) — mit @uer 
§od^wtirben SBergunft — ein Sapp ober ein ©pifcbub', wenn 
er, anftatt bie arm ju rühren, unferm $errgotten 'S SJtaul 
madfit. 

„2Bie b'r wölT ! *) 2>te erften, bie beigetreten fein, waren 
bie -Keumaijerfcljen; — aber es jtnbja iljrer meljr beitreten 
unb wir fyaVn glaubt, bie ganje ÜJttffton bö wurb' über uns 
weggeben wie *n Sßetterregen überS $elb, wo fid^ b'$alm 
erft fein nieberbudfen, in ein' Hein* Sftanberl brauf allfamt 
wieber aufridjjten unb alles iS wie eljenber j'oor, nur frudfjt* 
famer! 3<*, proft 3Ra^eit! SBte'S nad&ljer jum 3lufrid^ten 
fommt, bleib'n uns bie SReumaperfdfjen lieg'n. Sa! 

„@in ©ebetoerein Ijat benen fein ©enüg'n tljan, nodfj 
in ein' ^weiten unb britten Ijaben jte jtd[j einf ^reiben laffen; 
jum fjafd^mg waren f mit fein' 2hig' j' feljn. 2>ö SluSfaat 
geljt vorüber, bö 6rnt' fommt na!) 1 unb auf ber §5^ Ijaben f* 
brei gelber bradjj liegen unb 'S ©elb für b' ©teuer muffen f 
beim Suben aufnehmen. 

„2Bir lad^en nod[j brüber, benfen, aus unferm ©adf 
geljt'S nit unb es war' nur für baS eine 9Ral g'weft, benn 



*) ©ei bem, wie eS wolle. 



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84 5ta(enbergefdj)id)ten. 

wenn fic ftclj bcn ©d[jaben genauer befdjjau 1 n, müjjt 1 üjnett 
ja felber t>orm gwetten 9M graufen. 916er es fommt b' 
näd&fte (Srntf; bö brei gelber lieg'n fo brad[j wie f * im vorigen 
Sc^r g'legen fein unb auf bö anbern ftefyt alles fo fdfjütter, 
afö Ratten b'^Käuf* Sföufterung galten. @s mufe wteber 
©elb aufgenommen werb'n, böSmal tS aber ber SRaufdfjel 
fo f<#Iau unb lajjt *S 2)argelieljene grunbbüdjjerltdjj oor* 
merfen unb fo Ijab'n bö mit einmal 'n guben auf 'm SDadjj 
fifcen. 

„3)öS tS uns bod^ naljgangen unb bie Seuteln fyaVn 
uns erbarmt, benn g'mö^nlid^ bauert'S nit lang, fo friedet 
fo a Sub burd[j bie ©djjtnbeln, tS er nur erft auf 'm SBoben, 
bann lommt er aud[) über bie treppen unb g'lefct in bie 
©tub'n unb wirft b'Seut 1 Ij'nauS. 9fa>, brum jjat'S äff* 
gemein greiften, id[j fofft' gu bö SReumaperfcfjen Ijingeljn 
unb fofft' iljnen a wengerl Vernunft einreben. 

»3$ gdj' #> §m. Stuf 'm $of mar nij SebenbigS 
j' feljn als ber Äettenljunb, ber aber lebig Ijerumg'rennt ig, 
mid& Ijat baS SSielj fennt, Ijat mer brum nfe anwollen, mar 
aber fo herunter, bafe's wofjl um ein ©tücfl Srot 'm legten 
SSagabunben jugangen wär\ 3$ will a wenig näfjer ju- 
fdjjau'n, gel) 1 nadj ber ©taHtljür unb probier 1 bran; is bö 
oon innen ju unb ein SBetbSbtlb t^ut ein' ©djjrei unb a 
Sflannftimm' betft Ijinterljer: ,©ö fein in ber ©tub'n!' 2fl) 
mein, benf tefj, was f auf bem $of für a Ijetmltdjje SBiefj* 
judjjt betreibt, weil fte fld^ gar baju einriegeln! 

„3$ &V #> m $ *> er ©tub'n, ti)\i' bie £ljür auf, ba 
fummf S unb brummte brein, ft^en bö jwet ba mit Stofen* 
fränj 1 in bie $änb' unb beten, was 'S Seug Ijält. 3Ber bie 
Seut 1 t>on früher fennt I)at, $at ftdfj erft auf fte beftnnen 
muffen. SDte ^Keumaperin l>at gern g'faffen, er Ijat audfj auf 
ftd^ was g'ljalten, nie Ijat eins oon bö ein unfaubem gaben 
auf 'm Seib ober ein t>erwtrrt' $aar auf 1 m Äopf glitten. 
3e$t fein iljr bie £aar in ©träfjn 1 überS ungewafdjjene 
©ftcfjt g'ljängt unb was fte für ©dfjlumpelwerf an iljr fjat 
^rumfdjjlottern g'ljabt, weife'S nit; Sßetfjjeug war'S feinS. 



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&u fromm. 85 

9Kt Braaer mar er jum Stnfdljau'n, üBer bie $aax Ijat er a 
«Stpfelmüfcen jog'n unb ein Setbel Ijat er ang'fjaBt, b'SRüfcen 

mar amal weife, '8 SeiBel blau, jefct fo bös ein garB 1 

8'roeft. 

„Sßfo Jag' idfj: ,@etoBt fei Sefuä S^riftuS !* 

„»SWüfefS warten/ faßte fte. 

,„3n ©wigfett/ fagt er. 

,„9to/ fag 1 idf>, ,böö moc&t 1 mer bodf> a weng j 1 lang 
bauern.' 

,„2lmen/ fagen f affjroei, wie f wieber mit ein 1 ©/fe^el 
fertig war'n unb: ,2Ba3 wofft'ä benn, Sur'metfter?' 

,„5Ko nig weiter/ — fag' id&, — ,reben roiK id> mit eud[j, 
man fteljt eudfj ja ninbafdfjt*), fo mufe mer eudf> ins $au8 x 
fommen. SBaS tS'S benn, werb'n mer nädfjften gafd&mg 
wieber luftig fein?' 

„®ie Säuerin madfjt a ^nnberS ©efid^t unb er fagt: ,®i 
mein, bö ©ummljeiten §aB'n Bei unä für alle 3«*en 
Derttjan!' 

„,2Ba8 nit gar/ fag' td[j, ,fo alt feib'3 nodfj nit, um nis 
meljr mtt^madfjen unb mann'ä meinte , bajj mer bös , maS 
ö§ jefct angeBtä für ©'fdfjeitfietten Ijalt 1 , bo feib'S auf ein* 
irrigen ©lauben. ©dfjaut'S boefj nur felber, wo böö fjinfüf)rt. 
SDrei gelber liegen eud& Bradfj.' 

„,8a, bö liegen Bracfj/ fagt er. 

,„©ie anbern ftef)n nit B'fonberä/ fag' ic$. 

,„©dfjlecljt g'nug/ fagt er. 

„,Unb ber 3>ub fo auf§ #au§ ang'fdjjrieB'n/ fag 1 idfj. 

„,3a, ber fo ang'fdfjrieB'n/ fagt er. 

,„SeuteIn, Seuteln/ fag 1 idj, Mattete Settier feib'8 fcfjon, 
nrie weit IjaBt'ä benn nodj ju ganje?' 

„,2Bie ©ottä Sßtff fo/ fagt bie SReumaperin, ,er Ijat uns 
bie Prüfung auferlegt, er wirb fdfjon forgen für un§/ 

»7%*,* fcigt ber Sleumaper, ,fletb't er bodjj bie Silien auf 
bem gelbe unb nätjrt bie 9la6en in ben Süften/ 



*) ÜRirgenbS. 



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86 Jtalenbergefdjidjjten. 

w £odf>rofirben, ba iS mit bcr ©ebulbsfaben g'riffen. ,DeS 
ljimmelfafermenttfd[)en Xagbteb' / fdjjret idjj, ,roarum g'roanb't 
benn ©Ott bic Sitten auf bem gelb, als weil fte ftd& t»on 
anberer ©eit' fein ©'roanb fd^affen fönnen?! 2Barum näljrt 
er benn bie Stäben in ben Süften, als roetl f ' ninbafd&t anbers 
roofjtn ju %xfä gefjn lönnen?! S)em SRenfd&en aber Ijat er 
bie Sirbett gegeben unb auf bie legt er feinen ©egen. 
2Bo legt er 'n benn I)in bei eudj, öS nigf$uerif$e gfaulpelä'? 
3)a mujjt er 'n freiließ im ©aef blatten. SegtS öS lieber 
bie — ber Herrgott t>ergetlj mer b 1 ©ünb' — bie Stofen* 
fränj 1 weg unb nef)tntS bafür b'Sßflugfd&ar , b'Senfen, 'n 
Sieben in bie $anb, traut'S überhaupt roieber 'n anbern 
SDtenfdfjen gleidfjj'fdfjau'n, bös wirb roett gottmoljlg'fälliger 
fein als euere fromme ©c$mu$fmfen*2Btrtfd)aft ba!' 

„9hm fjätten ©' bie SBäuerm fe^n fott'n, $od[)u>ürben, 
jnnfdfjen bö gaarflr&^n 1 burdfj Ijat f midi) mit tljren Slugen 
angebltnjt, bagegen f)at ein ©rad>* ein treutyerjtgeS ©efdjjau, 
bie 2lrm' Ijat f in bie ©eiten geftemmt unb mit bö $üfe 
Ijat f aufgeftrampft, einmal mit bem ein* unb 'S anbere 9Jtal 
mit bem anbern unb mann f banadf> aufg'legt mar, gleidjj 
mit alle jroet. 

,„2)u Sumpenferl von ein'm Sur'meifter/ belfert f\ $at ftdj> 
'S Drt fein ©'fd^citcr'n g'nmjjt als bidjj? Sur'meifter mittft 
fein? 'S Teufels Sfo'fat bift! fromme Seut 1 wtUft bu ah 
reben t>on ifjrer Slnbadjjt unb Sufefertigfeit? Sur Sßeltluft 
unb Sitelfett miUft bu f uerlodfen? Sefct madf> fort — jefct 
fdjjau nur, — ' 

„2)amit roar'n mer audfj fdfjon in ber ßudjjel, fte allmal 
mit ein ©prüngel uorroärts auf mid^ ju unb idfj mit ein'm 
hinter mid&. SDort langt f nur gletdf) a eiferneS ©'fd^irr t>om 
©imS. ,Dljo/ benf id&, fielen gilt, aber werfen mV $$x 
aber mar umS treffen. Reffes unb Sofepfj/ fd&reit ber 
SReumaper. 3$ buef mid^ nur fd&nell, bafi ic^ ja nit im 
2Beg fte$', wann 'S eiferne $äfen aus ber 23jür nriS, unb 
rote bös braufe' mar, §aV idfj aber fd&leunig g'fd^aut, bafe id> 
roieber auf bie ©trafen trefft 



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gu fromm. 87 

„greiUd) §aBen f tncr jug'reb't, idfj fottt'S nodf> atnal t)er* 
fudfjen. (Sinmal war' f einmal. 216er id^ §ab' g'fagt,. tum 
fo mag Jjätt' td^ mit einmal juft uottauf g'nug unb id) wollt* 
nit, bafc etwa ber -Jieumaijerm it>r eifernd ©'fcfjirr an mir 
©dfjaben näljm'. 216er mit 'm Pfarrer wurb' t<# reben. — 
35öS §aV tdfj aud^ getljan, bod& ber fjat bie Sldfjfel g'fdjjupft, 
g'meint, er fönnt 1 ftdjj ba nit einmengen; wenn uns redjt 
wär\ fo macfjet er bem Äonfiftori bie Stnjeig' batwn unb 
t>ielleidf)t mödjjt' mer uns a anbere 3Jfiffton jufdfjtcfen, bö 
ba bajufdfjau'n fönnt', wie bös wieber aufgleidf) j* Bringen 
wär\ 

„3)anadjj Ijab'n wir aBer fein Verlangen g'ljaBt, weil . . . 
9lo, mit @uer £ocfjwürben SBergunft, nadfj att bem SBorljerigen 
is es uns fjalt bod^ a biffel ju rtSfant oorfommen unb fo 
iS'S mit bö SReumagerfdjen beim alten 'blieben, Ijeifjt, von 
un§ aus, von fö aus leiber nit. 2)ö fein t>on $ai)t ju 
3>aljr läfftger worben unb von Saljr ju Sctljr Derfdjulb'ter. 
3e$t will aber ber $ub' md&t länger warten, er bro^t fd&on, 
bafc er 'S 2lnwefen unter 'n Jammer Bringt; wir fönnen'S 
feiner faufen, weift ber £immel, werbrauf j' fifcen fommt! 
3Kit 'm guten SOBtffen ber -Keumagerfdfjen fdjnetb't 'm SKüUer 
fein' ©d;leufen unb a eingleifig' gajjrftrafjel ber ©'meinb' 
ben ©runb, witt'S ber ©rfteljer nit leiben, fo fperrt er bem 
SKüffer 'S SBaffer unb uns 'n 2Beg. 3)u lieber ©ott, was 
gibt'S bann für Quälereien, Äoften, ©treitigfeiten, Dielleidfjt 
gar $rojeffen unb oBenbrein muffen mer bann bö jwei Un= 
glücfSmenfdjen, weil f fertige SSettelleut' fein, audjj nod(j Der* 
forgen. DB mer '3 tum 3^it auf 3eit, $auS um #auS, einer 
bem anbem als ©inleger jufdjjieBen ober anberS für ifjr'n 
Unterhalt auffommen, is ein Teufel. 3fa, 'S is a fd^öne 
©'fdjidjt, £odjwürben! 2Ruf$ nur um SBerjeiljung Bitten, baj$ 
idj) mi$ fo lang babei verweilt l)aB\" — 

„SaS war mir eBen ganj lieB, £err Sürgermeifter," fagte 
ber Sßfarrer, inbem er fid[) oom ©tuljle erljoB, „fo weijj id& 
um fo Beffer 33efdjjeib. ©ie fragen gar nit, was id& baju 
mein*?" 



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88 Jta(enbergef4t$ten. 

„GS", bu lieber ©Ott/' feufjte ber SBürgermeifter. „%$ 
möd&t' midf> woljl gern unterfteljen, ober i<| fürd&t* nur, idjj 
J>ör' etwa wieber was Dom Äonftftort unb — " 

Sung-@^rn)ürben runjelte leidet bie ©tirne. „©orgen ©' 
nidjjt, ic| weiß auf meinen eigenen grüßen ju fteljen. @3 
läuft burdjjauS nid&t meinem ©ewtffen juwiber, baß id& ben 
SScrfud^ madjje, ben armen Seuten ju Reifen, unb fo werbe 
tdf) iljn mad&en." 

„SBergelt'S ©Ott, $od&würben, für uns unb für bö." 

„Üb mtr'S aber audfj glüdfen wirb, bas fann tdfj md&t 
wiffen unb barum bleibt uorberljanb alles unter uns, Sürger* 
metfter." 

,/S bleibt, £odjjwürben, lönnen ftdf> brauf Derlaffen." 

„33or allem aber, fonft tft'S blinb gefdjjoffen, muß ber 
Sub* bewogen werben, baß er nodfj eine SBBcilc ^wartet. 
SBenn ©' tljn ju ©eftc^t friegen, Sürgermeifter, bitten ©ie 
tljn ijer ju mir." 

„©djicf i$n fd&on." 

,,©4ön; nun b'^üt ©ott, #err Sürgermeifter." 

„ßüff b'£anb, £od[jwürben." 

SllS er bas Sßfarr^oftljor hinter ftdfj fdjjloß, fagte ber lange 
Sürgermeifter ftill bei fidf): „3)aS iS Ijalt bod[) ein anberer 
als ber frühere, ber Ijat ftunb'lang jug'ljört unb nadfjtjer is er 
etn'm mit ber SPfeifenfptfc' über bie SBeftenfnöpf g'faljr'n — 
trrr — ,3a, ba fann idjj mid^ nid^t einmengen.' fertig war'n 
mer — ,unb jeftt gelj, $annS*Äaft>ar!' 2)er jefctge faßt bodf) 
ju unb gleidjj beim richtigen <5nb' faßt er an." 

@r mar doH Vertrauen, ber £err Sürgermeifter, unb 
es !am iljm Ijart genug an, baß twrberfjanb alles — unter 
uns bleibt. 



@in paar £age barauf flanb in ber namlid^en Sßfarrftube 
t>or bem geiftlidjjen #errn ein Heines SWännlein in jiemlid^ 
fd^äbigem Äaftan, unb bie jwet langen Sorfen, bie es betb* 
feittg an ben ©$läfen trug, waren faft weiß. 



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Su fromm. 89 

„(Sin' untertänigen 2>tener, @uer ©naben! SBeil mer 
ber $err Sürgermetfter gefagt Ijat: ,3lron, bu fottft geljen 
3um £errn Pfarrer/ bin id& gefommen. SBaä werben ©ie 
l;aben ju Befehlen?" 

<5r fagte ba§ anfdfjeinenb feljr unterwürfig, aber eS war 
it>m anjumerfen, bafe er gerabe nid&t gewillt war, ftdjj tnel 
befehlen ju laffen. 

,,©d()ön, baft ©ie gefommen fmb," fagte ber Sßfarrer. 
„©efcen ©ie fidfj, £err Slron — Slron?" 

„Sßolf, ju btenen." 

„Stlfo, nehmen ©' $lafc, $err 2Bolf." 

„®anfe. ©naben, geiftlid&er $err, werben benfen, was 
for ä gefährlicher 9lam\ 2Bolf, grab a§ £öw', waä adfj 
öfter uorfommt bei unfere 2eut\ 3<*> mer fein von be 
reifjenben Süben. Slnbere fein von be Vegetation, Stofen* 
jweig unb 33eigelftodf, — lauter $ierpflan}eit — unb wieber 
ein* au§ 'm 3Rineralreid[), ©apljir, Stubinftem, Srittiant, 
— aS ©e lönnen merfen, — lauter ©belfteiner! 3)odf> xotö 
fdjjwäfc* id[j, — womit !ann id& btenen?" 

,,©ie Ijaben ben SReumaijerfdjen Seeleuten ©elb geliehen?" 

„Sdfj lab 1 tfjnen geliehen." 

„3)ie |aben aber mdfjt surüdfgejaljlt." 

„Äetn' ©rofdfjen t)om Äapitat. Unb von be 3infen Ijab* 
tdjj nij bie §älfte ju feljen gefriegt." 

,,©o fjat ftdf> ba§ bie ftcfyxt |er aufgefummt unb ©ie 
Ijaben ftd&'S an ba3 ®ut fdjjreiben laffen." 

„faaV e§ auftreiben laffen. ©id)er ift ficfjer. 2Ba§ wollt' 
idfj madjjen? S3erfcf;enf idj> mein ©elb? SRein, tdf> Derlei^' 
e§, alfo uerlang tdfj'S jurütf nad[) bie $t\t unb mittlerweiP 
mufc idfj leben Don be 3infen. SEBie tdfj §aV gemalt baä 
erfte ©efdjjäft mit bem SReumager unb er fommt gu lehnen 
©elb af a Safjr, weift ©ott, nur lebenS* unb fterbensfjalber 
f)aV tdjj mir geben laffen ä ©efdjjrtft, benn for'S ©reifadfje 
unb 33ierfadfje te mer ber SJtann bamafö gut gewefen. $ätt' 
idfj gewußt, was er ftdfj Ijat geänbert, Ijätt' tdfj gefunben ju 
ft|en bie jwei Seut* taglang in bie $änV mit bie ©ingerä — " 



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90 Jtalenbergefdjidfjten. 

„SRofenfränje, 1 ' Ijalf ber Sßfarrer ein. 

„3Rit bc 9tofenfränä\ — auä meiner Safere Ratten fe 
nfe ein* geller gu feljen gefriegt; gab' adf) lein' von meine 
©laubenägenoffen ä Pfennig, was afferaeil fifcen möd^t* mit *m 
©ebetriemen. jtommt über ben -Btenfd&en ä graufam (Slenb 
ober ä graujjmädjjtige gfreub', bann ringt er bie lebigen 
§änb* ineinanber unb Ijebt fe auf jum #immel, was brauet 
er ä SBerfjeug ätmfdfjen be Ringer? 3Reint er, er fönn' 
unferm Herrgott bamit ju Seib geljen? 'J @ebet ift fein' 
3Rafd^in'arbeit." 

„2Bir fommen ab." 

„©ntfdfjulbigen 6', ÜBürben, geifttidjer £err! SHteSeute 
fc&mäfcen gern." 

„63 ijetfet, ©te wollen nun Störe Storberung ein* 
Wagen unb baS SReumaperfdfje @ut unter ben Jammer 
bringen?" 

,,3Rein', was will idj grojj? 3Rein ©elb will idj, was 
brein ftedft in bem ©ut, fann es nur IjerauSfdfjIagen ber 
Jammer, nu, fo mufj es unter ben Jammer." 

„Saffen ©ie barüber mit ftd& reben, lieber £err SBolf." 

„Sieben ©e, geiftlic&er $err. Sßarum foll idf) nij reben 
laffen mit mir?" 

„©ie lennen ja bie SBerfyältniffe ber Sanbleute Ijier in 
ber Umgegenb. Äeiner !ann ©ie überbieten. 3)a3 Slnwefen 
wirb 3$nen juf allen, aber ber $anbel wirb böfeä 93Iut 
matten. @ä wirb Ijeiften, ©ie Ratten bie SReumaperfd&en an 
ben »ettelftab gebraut." 

„Stein*, wirb es fo Ijeifcen, mufe td& fe reben laffen, be 
£eut\ Sin ben Settelftab mären bie Steumaperfdjjen ge* 
fommen unb wenn nie lein Slron SBolf gemefen war'! SWö^t* 
td^ nodjj weiter rufjtg juwarten, madfj' idJj'S benen nfe beffer 
unb mir nur fdjjledjter. ©eb' idf> lein ©elb meljr — unb 
idjj geb' f ein8, — werb ä anberer ftd& fxnben , ber gibt unb 
mir ftnb bann jroei ©laubiger. bringen mer fe in ßum* 
panie an* Settelftab." 

„Siegt gljnen benn waä an bem äfawefen?" 



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£u fromm. 91 

„Sin bem Stnwefen? SBaljrljafttger ©ott, m$ Regt mer 
bran. 9Rein ©elb tt)iU idfj IjerauS unb td& n>ei^ redjt gut, 
was cS miclj werb' foften for 3Jlü^ unb Sorg' unb Quälerei, 
bis tdjj bring* bc St'alität an* Wann. 2BaS werV tcfj alles 
fragen muffen ju bc Äoften? SBofjl adjj ä Soften, was 
mid^ entfdjjäbigt bafür, baj* af minbeft* ä brei SSterteljaljr 
fid& jeber Sauer werb' fersten, mit mir ju machen ä ®e« 
fdfjäft. ©df>limm, mnn fe nij meljr von mir nehmen, aber 
idj> tnufj nodfj Ijaben ä Slngft, baf$ tdfj t>on fe Weg', worüber 
fidfj feiner a Quittung verlangt." 

„9tun, fo arg wirb'S bodfj nit werben." 

,ßi xoati), getftlidjjer $zxv, ©e fennen be Seut' nodf) nfe 
fo genau, wie tdfj fe fenn', be fein von be ärgfte Staufteufels 
ba in ber ©egenb. ©e fdjlagen ju auf ein', was ftdjj wefyrt, 
folang' ber fidfj tüljrt unb af ein', was ftd) nfe weljrt, fo* 
lang' fe fid[) rühren fönnen." 

,,©ie fennen äffe bie Unannefjmlidfjfetten unb ©efaljren, 
benen ©ie ftd& ausfegen, mnn ©ie 3{jr 33orfjaben ausführen 
unb bleiben barauf befielen? #aben@te benn etwas gegen 
bie SReumaperfdfjen Seut'?" 

„galten ©e mid& for fein* ©raufamfeit. 2Ba3 foff tdfj 
Ijaben gegen bie? Saffen ©e midfj offen reben, mer fein alle 
SJtenfcfjen, ©naben, geiftlid^er $err, werben fiel) nfe baoon 
auSfdjIiefjen. $ätt' tc| em'^afc, war* möglich, bajj tdfj fatt* 
in SSerfucfjung, ju ruinieren ein 1 $einb, es is baS ein 93er* 
gnügen wie ä anbereS unb fönnt* fein, bajj tdf) mer'S möd^t* 
was foften laffen. ©egen be Seut aber bringt'S mer fein' 
SSorteil unb madjjt mer fein' Vergnügen, ©e SReumatjerS 
— foff'n fe ljunbert Sa^r' leben unb gefunb fein, — aon 
mir aus fönnten fe adf) fo lang af tljrem Stnwefen ftfcen. 
$<$ {job* fein* geinbfd&aft gegen fte, aber ä SBorlieb' for fte 
bärf mer adfj nit t)on mir verlangen, bärf ad) nfe verlangen, 
bafj idfj foff warten oljne ä StuSpd^t." 

„SBenn fte aber wieber jum arbeiten anfyhm möchten?" 

„SBenn fe baS motten, war' ja feiner froljer wie idj! 
35ann wart* id& ju, weil es Ijat 33erftanb, weil eS l;at meljr 



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92 ßalenbergefd)id)tett. 

SJerftanb, als t<$ laff' ejefutter'n. Unb Billig möd^t' idjj'S 
tßnen adjj magert." 

w 5Run alfo, ba fmb wir ja, wo wir fein wollen unb 
foffen. £err 2BoIf, tdf) werbe Sfjnen etoaS fa8«t> aber im 
SBertrauen." 

„SOBfirben, geiftlid&er $err, reben von ein' ©efdfjäft gu ein' 
©efdjjäftsmann, icß werb' nidfjtS weiter fcßwäfcen." 

„3$ wtff es Derfudfjen, bie Seute gu Bewegen, bafc fie ftdfj 
wieber gur Slrbeit anfd&tdfen. 3*$ wei| nun freiließ m<$t, ob 
es mir glürft ober feßif dalägt; aber bis baS entfd&teben ift, 
möd&te i$ ©te Bitten, mir guguwarten." 

„Sott midf> (Sott [trafen, SBürben, geiftlicßer $err, rein 
mefd^ügge mufft* icß fein, wenn t<$ S^nen möd&t' madjjen 
burd[) foi ä fd&öne Segnung a ©trtdfj." 

„®anU." 

„Äein* Urfadjj', baS is Don meiner Seite for be gütige 
Snteroenierung in be ©ad&\ ©Ott geb', baft fte näßm' ä 
foldfjen StuSgang, wie ißr gu geben wünfdfjt ber geiftltdfje 
#err." 

„SBir woffen'S ßoffen. ©Ott Befohlen, §err SBoIf." 

„(Sin* untertänigen S)iener, @uer ©naben." 

©ieSmal war ber Pfarrer twff SBertrauen, wie oor ein 
paar £agen ber $err Sürgermeifter, nur ßatte er es bejfer 
wie biefer, ber niemanb mit hineingießen burfte, weil es 
„unter uns" war. S)er Pfarrer fonnte es bem Sürger* 
meifter fagen, bajj ftd^ ber SIron gum Sparten gerfteße unb 
ber Sänge fonnte ftd& wäßrenb ber Mitteilung, wie eine 
Sßagobe, oor lauter freunblicßem Äopfnirfen gar nidjjt be* 
rußigen; bann fagte er gu fteß mit großer ©enugtßuung: 
,,©ag' icß'S nit? SDer oerfteßt'S!" 

Sa, wem fagte er'S benn aueß? 

9htr ©ebulb, eS fann ja nießt ewig unter uns Bleiben. 



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gu fromm. 93 

SBieber nad[j ein paar 2togen war eS, ba würben bie 
SReumaperfdfjen ©Eheleute, bie tum Pfarrer Befdfjieben waren, 
t»on biefem fefjr freunblidE) empfangen, er brücfte betben bie 
#änbe, mit weldfjen fie nadfj ber feinen langten, um jte ju 
lüffen. 

,,©e$t eud[j, Seuteln, fefct eudfj," fagte er. „SBerbet 
mübe fein." 

„£att ja, tjalt ja/' fagten fie. 

@S mar fo bie Saljre Ijer iljre Slrt geworben, bajj fte ftdj) 
erft mübe fafjen unb bann wieber bur$ ©ifcen erholten. 

„3$ ^ab' bas Sefte über eueren ©ebeteifer gehört," 
fagte ber Pfarrer, „unb es freut mid&, fo redfjtfdjjaffen fromme 
in ber ©emetnbe ju finben." 

wS^, ja," fagten Beibe. Sefd&eiben waren fte juft nidfjt. 

„9lo, weil'S £od&würben, $err Pfarrer, nur felBer fagen," 
meinte bie Sleumaperin, „ba Bin id& frol). gförmltdSJ üBel 
Ijat etn'm bös bumme SBolf bie Stnbäcfjtigfeit g'nommen. 
©er 33ürgermeifter felBer l)at gar bagegen aufbegehren wollen; 
bem IjaB' idJj'S aBer g'wiefen." 

„3d^ Ijör', Sljr hättet ifjm ein eiferneS Äodfjgefdfjirr nadfj* 
geworfen." 

S)ie Söuerin würbe rot unb ber Sauer jog iljr ein feljr 
BebenftidfjeS ©eftcfjt. 

„3l\m, nun," Begütigte ber Pfarrer. „Slud^ ber ©eredfjte 
fällt ftebenmal be§ SEagS, nur mujj er babei feinen SReBen* 
menfdjjen nid^t ju §art mitnehmen wollen, eine ^jöljerne 
©djjüjfel ^ätt'S bamal audfj getrau." 

9l\m erlunbigte er jtd^ eingeljenb nadj) all ben ©ebet* 
t)erpfKd^tungen, weldfje bie beiben Seute auf ftd[) genommen 
Ratten, unb ba falj er woljl, baft jte backten, bie 9Wenge muffe 
es madfjen, baft babei t)on wahrer gfrömmtgfett leine Siebe 
war, fonbern alles auf eine gewiffe 3Raulferttgfeit anfam. 

„3ft redfjt, ift red&tfdjjaffen red&t," fagte ber Pfarrer, 
nadjjbem er mm allem unterrichtet war, was er wiffen wollte. 
«3$ Wt *> a§ fötbctt fdfjon, bamit gefjt'S vorwärts. SBären 
nur nit ijeuttags fo gottlofe $txttn . . ." 



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94 Äalenbergeftljidjten. 



„3a, btc wären, leibet ©otteä," fagten bie Beiben. 

„3)ann gab' baS fdjjon ein gutes Setfpiel," fuljr ber 
Pfarrer fort. „SIBer fo eifert euefj ja feiner nad&, btc Seute 
reben ftdfj auä, fte fämen barüBer mit ber SlrBeit nit jured&t." 

S)ie SReumaperfdfjen lächelten mitleibig. 

„StBer wenn tljr mir Beifteljen mödfjtet — " 

3)a3 wollten fte unb gern auclj nodf). 

w ©o lönnt* id&'3 iljnen rooljl anberä weifen. 3Wan lann 
ja audfj unter ber SlrBeit Beten." 

,,©o? ©o? 3a, ja." 

„3!J* arbeitet bod&, Seuteln, will idfj hoffen?" 

3)a faljen ftd^ bie Beiben frommen erft eine Heine 2Beir 
fragweif' an, bann fagte bie SBäuerin: „@t freiließ. 2Bot)l, 
wotjl, baS t^un wir fdfjon, fowett baburdfj ber Slnbadfjt fein 
3tB6rud[j gefc|tef)t." 

„©dSjön," fagte ber Pfarrer, „fo ift eS red&t! SDer 31ns 
bad&t fein SlBBrudjj burdij bie SlrBeit unb ber SlrBeit fein 
SlBBrudjj bur<$ bie Slnbadfjt. SDamit Bin tdfj ganj einher* 
ftanben. 3*)* &<*Bt J^ar fein Hein SCeil ©eBet auf eudf) 
genommen unb baju fd&afft tu$ euer Slnwefen ein gut 
©tücfl SlrBeit, baä weife id&, aber baä pafct mir eben. 3f)r 
mfifjt mir ^alt ben ©efaHen tljun unb müfct untermeUen 
ber SlrBeit Beten ober unterteilen beut ©eBet arBeiten, wie 
tljr'S bamit galten wollt, bann fönnt tljr mir bodf) ganj 
genau 33efc§eib fagen, wieweit einer mit Beiben juredjjt 
fommt unb für bie anbern gibt'S bann weiter feine SluSreb 1 ; 
idjj fann ben läfftgen SRadfern fagen, fdjjaut nur bie SReu* 
maperfdfjen an, bie Beten bodf) ifjr f<#ön 3TeiI tagüBer, aBer 
unter fo unb fo t>tel SSaterunfer unb Slt>e*3Karia aefern bie 
ein gelb um, unter fo unb fo tnel mäfj'n f eine SBiefe, unter 
fo unb fo ml ftedfen f Stuben. 5Rit? ©agegen fann boefj 
feiner auffommen?" 

3)a3 meinten bie SReumagerfcfjen woljl felBer unb ber 
Pfarrer fagte, er mürbe eä iljnen nie genug banfen fönnen, 
wenn fte ifjm Reifen motten, in ber SBeif* bie Unfrommen 
in bie (Stfe ju treiben, benn fo märe am Beften £üljner 



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3u fromm. 95 

fangen, fte foKten nur Don ©tunb* aB Beginnen, tmterm 
Seten gu arBeiten. 

3)arauf gingen bie Betben inmitten ber ©trafce mit Breiten 
©d&rttten, n>ie roelfd&e £al>nen, burdjj ba3 2)orf, benn fte 
faf)en ftdf> fdjjon als leudfjtenbe Setfptele. 

2ld^t £age fpäter ging ber Pfarrer tiBer gelb, ftanb 
eine SBetle Bei ben SReumaperfd&en ©rünben ftiff unb fafy 
ben Beiben grommen arBeiten ju. $löfcltd[j Begann er ben 
Äopf ju f Rütteln,- jog bie 8td[)fel in bie £öl)e, roanbte fic!j 
aB unb ging fdjjnetf fjinroeg. 

„2Ba8 er nur IjaBen mag, ber Sßfarrer?" fagte bie 
Säuerin. „SJtüffen morgen bod[) gleidfj Ijinfdjjau'n, roaS er Ijat." 

©o faf)en fte benn fjin, bieämal aBer mar ber (Smpfang 
burdJjauS nicfjt aufmuntemb. 2llä fte ftd[j nähern wollten, 
roinfte iljnen ber geiftlidjje §err ju, an Drt unb ©teile ju 
bleiben, roo fte ftanben unb als fte, baburdjj ganj DerBlüfft, 
ftottemb bie grage t)or6ra<$ten, ma3 ifjn geftern fo in (Sile 
Dom gelbe getrieBen, ba fprang er t>om ©t$ in bie £ölje, 
rannte bie ©tuBe auf unb nieber unb fafjte ftd& geitroeilig 
mit Beiben $änben nadf> bem Äopfe. 

„SBarum id&'S nid&t länger mit anfeljen fonnte?" rief 
er. „SBetrs fo nid&t geljt, meil ba8 nidjjt fledft! ©a8 mär' 
mir ein Seifpiel, ba| ©ort erbarm 1 ! 2Ba3 j' gut tfjun 
wollt' id[j mir auf eud[), grofc rooHt' idf> mit eudfj tljun, ja, 
proft 9Ra^ljeit, nit mit bem ginger barf idfj na$ eud& wei* 
fen! SWerlt itjr'3 benn nit, Derblenb'te Seut? 2Bie iljr bie 
©adj)' anfafet, jagt iljr mir ja no$ baS Steftel gromm^eit 
t»on ber $farrM" 

„Reffes, *3 wirb bodfj nit fein?" fd^rie bie Säuerin. 

„3a, mie benn bod& audjj nur, £o<$n>ürben?" ftammelte 
ber Sauer. 

„SieBe Seuteln," fagte ber Pfarrer um t>iele3 ruhiger, 
„tljut mir bodfj ba3 nit an, Bei bem ferneren ©tanb, ben 
idjj ofjneljtn l)ab\ baft iljr, anftatt' midjj ju förbern, mtdj 
oBenbrein nodfj Beljinbert. £eiftt iljr benn ba3, roaä iljr 
auf htm gelbe treibt , mag mirfen? Äann idj benn — 



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96 Jtalenbergefdjtdjtett. 

wie meine SlBftd&t war — fagen: ,©df>aut bie Sieumaper* 
fd&en an, bie Beten meljr als euer einer unb fommen 
bodf) mit aller SlrBeit guredjjt?' 5Rit mudfen barf idjj, benn 
jeber geBetfaule ÜJla^ möd&t' mir fagen: ,3)ie Steumaperfdjjen 
gelber fteljen aber audf> banadjj, bajj man merft, benen Seuten 
gefjt 'S ©ebet von ber £anb unb bie SlrBeit vom SRaul!' Unb 
auf bie £e$t madf)t mir gar nodjj ber SRtebergang eurer 2Birt- 
fdfjaft gang SlltfelbSborf geBetfd&eu, brum t^ut mir ben ®e* 
fallen unb fefjrt ben Sieben um, lajjt '3 arbeiten unterm 
Seten fein unb Betet lieBer unterm SlrBetten, aBer fe^jt baju, 
bafc was Dorn gledf gel)t." 

„SIBer, £oc|u>ürben," Bemerfte fleinlaut bie SBäuerin, 
„ba lommen mir nit auf bie DorgefdJjrieBene &aty." 

„SDa BleiBen ©eBete im Stütfftanb," fagte ber Sauer. 

„2Ba§ tagüBer 9teft BletBt, lönnt xi)t ja t>orm ©dfjla* 
fengefjen in em'm ©tüdf weg twrneljmen," meinte ber 
Pfarrer. 

„2)a§ fdfan, baS fdjjon," fagten bie SReumaperfdfjen unb 
fte modfjten'S woljl perfueljen, benn fie möchten um alles in 
ber 2Belt nit, ba| ber geiftltdfje £err ifjretwegen ©org' ober 
Ung'legen^eit t>ätt\ 2)amit gingen fte. 

Sine Seit banadjj madjjte ber Pfarrer wteber einen ©ang 
über gelb unb ba er baBei — ganj jufällig — auf einen 
©teig geriet, ber bie SReumaperfc&en Siedler burcfjfd&mtt, fo 
fonnte er an felBen unmöglich wie Blinb vorüber unb mufete 
bodfj ein wenig jufeljen, wie bie ©adfje ftanb. 

S)ie 9leumaperf4en blirften von ber SlrBeit auf unb 
grüßten. 

2>er Sßfarrer banfte feljr freunblidfj. „SBj,'' fagte er, „id[j 
IjaB'S ja gewujjt, iljr feib meine Seute unb auf eu$ fann 
idjj mtdf> Derlaffen. 8e|t lajf idfj mir'S gefallen, wenn baS 
alles ba in £alm unb Äraut gefd&offen fein wirb, bann fticfjt 
bodfj ber reine ©otteSfegen ben ©pottoögeln in bie Slugen 
unb ic§ !ann j|ebem fiberS SWaul fahren unb fagen: ,©df)aut 
bie SReumaper, bie ^aben lein £almerl weniger wie i^r auf 
ben ©rünben, aber wie&ftl ©eBete meljr im ^immel!"* 



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8« fromm. 97 

„2W& ©ott, ^odfjroürben, £err Sßfarrer," feufete bie 9leu* 
mapertn. 

w3^/" fctgtc ber SReumaper, „mein SDBeib ängftigt fid& tff 
fd^on in tjjr'm ©emiffen. SxeiKdj, freiließ ^ baä SCrBcitcn 
tfjät'3 jefct fdfjon, bö gelber fteljen fdjjön, fo fd&ön, baft mir 
bte 33rac|en bort auf ber Sln^ö^ tiöHig leib t^ut; fjeuer 
ridjjt' td& nij mef>r, aber 'S näd&fte Safjr fott tner ber Sßflug 
brüber. 3a, ja, nit roaljr, fjod^mürbiger $err, felb mär' 
altes fdfjon redjjt? 316er, aber, /S anbere @nb* lommt na$' 
Ijat ber 2>ieb g*f agt # wie iljn ber ©djjanbarm am ©trieft 
g'füljrt Ijat. ®ö erfte S^it ba Ijab'n mir red(jtfd[)affenerroeif 
nad^t^inem ba§ SCagreftcI t)on ben ©ebeten nadfjg'ljolt, bann 
aber fein wir por 3Rübtgfeit allmal brunter eing'fdfjlafeu 
unb auf bte Sefct f)aV idfj in ber gfreub* brüber, baji mer 
fo alles red&t oon ber §anb geljt, aud[) unter tags aufs 
33eten oergeffen. Qe^t fjat ftdfj baS aufg'fummt, mir b'erbe- 
tenS unfer Sebtag nit unb wenn mer tjunbert* Qlaljr alt 
werben!" 

SDer $err Pfarrer fd&üttelte ben Äopf mie einer, bem 
gang unoorgefe^en roaS über bie Duere fommt. „@i, fd&au, 
fd&au, ba mären mir ja mit einmal in einer ©aigajfe, bafc 
i$ nit baran gebadet ljab'1 3a, liebe Seuteln, jurüdfgeljen 
lönnen mir nimmer, baS mär* ein Jammer unb ein ©djabe, 
ein Sammer unb ein ©d&abe für bie lieben gelber unb für 
baS gute Seifpiel, mit bem iljr eben angeloben Ijabt unb 
obenbrein brächt* euefj bie Umfeljr feinen SRufcen, benn menn 
iljr gletdjj an ber ©telT bie Sßerf jeuge aus ber #anb legtet 
unb alle eure gelber Derbrad^en liefet, roaS mödjt'S Reifen? 
3Jlit bem, rooju eudfj jeber Stag t>erpfltdfjt't unb bem ©ebet* 
rüdfftanb ba^u fämt i^r bod[j nimmermehr aufgleid^. Svoax 
mir mödjjf baS nidjjtS Derfd&tagen, benn menn üjr — ganj 
ol>ne SBerpflid&tung — nur fo red^t fleißig beten mödjjtet, fo 
gäbet tyr fdjjon baS gute SBeifpiel, an bem mir liegt. Sdfj 
|ätt' eudfj $alt audjj gleidf> fagen foHen, ein ©ebetoerein ift 
thm ein Sßerein mie ein anberer unb eingetreten ift nidfjt 
angeheiratet unb fann jeber mieber austreten, menn er es 

Hnjenatu&er, ©*f. 5Berfe. V. 7 



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98 Äalenbergefdjidjten. 

für btenlid^ eradjjtet. S^r hättet cud^ bann banadjj richten 
lönnen, aber wie bic ©a($c jefct ftetyt, fc^ idjj rooljl ein, 
mit bcm ©eroifjen mufe es uorerft ins reine imb ba benf 
ic§, fo oft Ijalt fo ein gaff eintritt, if;r lafet eine ^eilige 
SHeff lefen, emSteils als Sanlfagung für ben ©egen, ben 
©ott eurer SBirtfdjaft fdjjenft unb anbernteils in ber guten 
9Remung, baburd^ eurer 2tnbad>t geredet ju werben, -ttun, idjj 
^off\ baS fommt bod& bafür auf!" 

kf) rooljl, eine ^eilige 3Keff fäm fd&on bafür auf, baS 
träten fte fetbft meinen, bie SReumagerifcijen. 

„9hm feljt, bann fommt nur fleißig, bie Ätrdjje roiff ja 
audfj xf)x Seit. 33'Ijüt ©ott, Seuteln!" 

„SBir lüften b'£anb, £odfjroürben." 

Unb als iljnen ber Pfarrer ein gut ©tüdE aus ben SCugen 
mar, ba fagte ber Sauer gur Säuerin: „©u' SHutter, ber 
^odfjroürbtge, baS ift aber a fjeiner!" 

„3la ob", fagte bie Sauerin. 

„©dfjön §at er uns b'ranfriegt, baS mufe roafjr fein; je$t 
lönnen mir frei nit anberS, als mie er meint." 

„3a," fagte bie -Keumaperin, „es föaut oöffig fo aus. 
2lber mir bleibt Ijalt bo<$ 'S auSerlefene SBeifpiel fürs Drt, 
baS l)at er g'fagt." 

„gretlidfj, baS Ijat er g'fagt, er Ijat aber auc& g'fagt, mir 
fofften nur ja fleißig fommen, bafe b'ßird^ iljr £eü Iriegt." 

„9to, feto' mufft' mer iljr fjalt audjj geb'n, SSater." 

„Slber es iS ja nit affeinig oon baSmal bie Sieb* unb 
mie ein öften fann fuij'S fd^iden, bafe mir mit bie ©ebete 
im Slücfftanb bleiben? SBenn mer bann jeb'mal rennen 
fofften unb 'ne ajlcff* lefen laffen, baS reifet ins ©elb, 
3Wutter." 

„@i mein, freiließ reifet bös ins ©elb. ©öS mufe \ä) 
fdfjon fag'n — feiner ^eiligen SBeilj' unbefdjjab't, — er fommt 
mir frei oöffig mie ein $affobri t>or." 

©er SReumaper fniff bie Slugen jufammen unb jog bie 
SDlunbroinfel ein Hein wenig empor. „$aft au<$ re<|t auf* 
g'merft bei feine Sieben?" 



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3u fromm. 99 

„3HJ moljl, ja, ja." 

„SDann gib adjjt, wie mer 'n fangen! £at er nit g'fagt, 
a ©ebetoerein mär' a SBerein rote ein anberer, angeljetrat't 
mär' met nit unb es fönnt' jeber austreten, mann'S ifjm 
taugt?" 

„S)aS Ijat er g'fagt." 

„3la, fo treten wir Ijalt aus." 

„8tter, SSater." 

„3Rad(> lein SBefen! SBaS $at er benn fetter g'fagt? 
©efjtroegen bleiben mer bodjj '8 leudfjtenbe SSeifpicl fürs 
Drt." 

„Sllj moljl, baS tljät'n mer moljl bleiben." 

„5Ra alfo! SBir treten aus. $>a rieten mir'S billiger, 
©anj umfonft Ijab'n mer'S. 'n ©ebetrudEftanb teifn merunS 
ein, nehmen *n feijön Iangfam t)or, merb'n iljn fdfjon jmmgen. 
SJraud&en lein* SWeff' lefen j' laffen. £ef;elje! ©o fieljt er 
fein Kreuzer von uns unb mir fein bie ©cjjtauern!" 

SDie beiben Seutdjjen fdjjtugen t>or Sßergnügen in bie 
$änbe. 

3$on bd an falj man bie SMeumagerfdjjen mteber roie in 
iljren beften Seiten rotrtfd&aften unb von einer fjeilbietung 
iljreS 2tnmefenS mürbe es gar balb gang ftitte. SDie 3Kt* 
felbsborfer freuten ftd& über biefe ermünfdjjte SBenbung ber 
3)inge, fidf) barüber ju aerrounbem, Iie& iljnen ber S3ürger- 
meifter leine Seit, benn jefct mar bie feine gelommen, mo 
er es laut merben laffen lonrite: ,/S ©anje ift 'S Pfarrers 
fein SSerbienft. SMe 3Beir Ijer §at'S unter uns bleiben 
muffen, aber, jefct, mo alles moljl geraten ift, barf id^ fd&on 
fagen, maS iclj gletdjj von 3lnfang an gefagt Ijab 1 : ,SDer fafct 
'ne ©adfj' beim richtigen @nb' an, ber t>erftel)t 1 S, Seuteln, 
ber uerfteljfS!" 

gragte man iljn aber, mie es benn eigentlich ber Sßfarrer 
angefaßt Ijabe, fo jog er bebeutfam bie SCugenbrauen in 
bie $ölje, als xotyte er'S moljl, <&** *> aS n**' *> er Sßunlt, 
ber nodj immer „unter uns" ju bleiben §ätt\ S)a mar es 
nun freiließ, als tljäte mm iljm gebranntes ßerjeleib an t 



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1 00 ftalenbergef d&icfjten. 

rote eines £age§ ber SReumaper fetöft mit ber ©efdjjicljte 
IjerauSrüdte, wie e§ ber Pfarrer angefaßt Ijätte, affeä |aar* 
Kein erjagte unb ftdjj afö ben ©flauem rühmte. 

2)er lange 33ürgermeifter bliefte ratlos um fid>, nicf)t ein 
©tücf ber $erbe naljm ftdjj be§ £irten an, nein, äffe Möften 
ganj refpeftroibrig auf Soften besfelben. S)a fam unoer* 
hoffte $üfe, ba§ gang fdfjroarje ©tüd, bem $obinger fein 
ßnedjjt, ber SDfcatljteä, erljob ftdjj, er Hopfte bem -tteumaper 
auf bie ©c&ulter unb fagte: „Safc bir fagen, bu warft juft 
fo fdfjlau, rote bidfj ber $faff Ijat Ijaben rooffen unb bift ein 
g'roeiften 2Beg fo fd^ön felbftänbig g'laufen, rote ein Stoft 
im ©öpel. SDrum fei fein befdfjeiben unb bö§ nimm nodj 
gum SSermerf unb tafc bir'3 a Sid^tftür^e iiberS leud&tenbe 
35eifpiel fein: es mag einer fein, roie erroiff, nur barf er'S 
nit übertreiben, eljrliclj foff er fein unb mein'troegen aucl> 
fromm mag er fein, aber ju eljrKcf) unb &u fromm mad&t 
anbern Seuten Ung'Iegenljeit." 



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3>ie 

"Klarheit öes 6femftfo;pfer§atttts. 

(1874—1875.) 



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Jic breite ©trafte lief eine geraume SBeile neben 
gelben Äornf eibern Ijin, bis iljr bie Slugen roelj 
traten, ba mar fie redjt frolj, bafc ber Sannenroalb 
bis ju iljr Ijinrüdfte unb fie eine anbere SBetle im ©rünen 
unb im ©Ratten laufen lonnte. $>ie gelber bogen aber ba 
tum ber ©trafce ab unb jogen weithin an bem grünen Sßqfie 
unb baS Äorn fagte ju ben Pannen: f/ 9BaS fo ein SEBalb für 
ein unnü$* $>ing ift, Ijdd&ftenä umgehauen mag er bas ju 
6nbe führen, roa§ mir begonnen, mag baden Reifen unb bie 
Seute wärmen, benen mir Seib unb ©eel' jufammenljalten." 
3)ie Ijoljen Sannen f Rüttelten bie fiöpfe unb fagten: „9Ruf$ 
fid^ einer nie einbilben, er riet'S aHein auf ber SBelt; mir 
fielen Ijier auf ber 2Bac$t, bafc nicf)t ber falte SBinb über 
bie SMieberung roeljt unb eudj oerbläft, bafe tljr bie grünen 
#alme oerfroren auf ben SBoben ftnlen lafct, unb mir sieben 
ben Siegen Ijerbei, ber eudjj tremft, unb lafct uns einmal aus* 
genauen fein, bann roädfjft bie meite SRieberung Ijinab nidjt 
jjatt fo Dtel unb ber ßieS unb baö ©erdlT unb bie nadEte 
@rbe rüdfen gegen ba§ SDorf, um bem Sauer gute 9lad)t ju 
fagen." 

Db bie S3auer8leut' manchmal fo bauten oom SBalbe mie 
ba8 Storni £eute traten fie e§ nid^t, fte Ratten big an ben 
SDtittag gefd&nitten, jefct mar'S Ijeijj gemorben, laum ju ertra* 
gen, nun foffte Slaft gehalten merben unb ba lobten fte ftdjj 
ben Sßalb, festen ft$ in feinen ©djjatten nieber, ajjen unb 
tieften ftdfj'S bie Heine SBeile ber Stulje rooljl fein. 



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104 Äalenbergefd&td&ten. 

Suroeilen fafeen audfj ein 33urfd> unb eine 2)irn' obfeita 
von ben anbern allein, eg ift fonberbar, bafj ftdjj bag oft 
trifft, unb bajj äffe Surften unb äffe ©irnbln fic§ faft immer 
bag nämliche S*ug oorreben, eines wie bag anbete, feit 
uuoorbenflidjien Seiten unb nriff bag 2)ing nid^t anberg wer- 
ben bis Ijeut. 

©egen bie ©trafee gu fafeen au<$ ein $aar fo SBerltebte, 
beibe nidjjt me§r gar gu jung, aber red>t f aubere, ftramme Seute. 

„9Jtein ©ott," fagte bie SDim', — toie benn bie SBeibg* 
leute immer bie ©adjje oon ber praftifdjjen ©eit* anfaffen — 
„mein ©Ott," fagte fie, „jefct ge^n wir fd&on als Äned&t unb 
©im' fieben SaJjr' miteinanber, menn'S nur gu wag führen 
tnödjjt', fo war 1 ja affeg gut." 

S)arauf fagte ber 33urfc$ mit einem fdjjweren ©eufeer: 

„fjfreilicl) mär 1 bann affeg gut, aber baß mir Ijalt fo oiel 
arm fein muffen." 

„•äRem 1 alte Saf näljm' ung prob'roeip alg Sßfleger auf 
i^r Hein' 2lnroefen," fagte bie SJirne. 

„Sßrob'roeify fagte ber Surfdjj unb ftridfj fu$ bie #aare 
aug ber ©tirn^prob'roetf freili<$ roo^l," babei ftfd^tc er mit 
bem Soffel einen Srocfen aug ber ©d&üffel, bie er auf feinen 
Änieen Ijatte, „glaub'g fd[jon, gibft bu ben ©pa$en in ber 
§anb für bie ftaub'n am 3)ad^? SBenn bie $rob* übel aug* 
fällt, fo ift affeg »erfahren. @S Ijat ber Sauer bieroetl fdfjon 
anbere Seut', — mir möchten ung nit ein 1 2)ienft auffinben, 
bu mödfj'ft ba, weife ber liebe ©ott roo, bann ein* Unterfunft 
pnben . . ." 

$>ie 2)irne langte jitternb ben Söffet aug ber ©Rüffel. 

„#aft Ijalt red>t, bafe grab mir fo oiel arm fein muffen." 

3Rittlern>eile fdfjafften oon ber ©trafee herauf oon Seit 
ju S c ü einige £ammerfdjjläge. 

,,©ie fd&fag'n roieber ©teine für bie ©träfe'," fagte bie 
SMrne leife, unb fal) jur ©eite, fie moffte gerne oon etwas 
anberem reben alg oon iljrer gemeinfamen 5Rot. 

„3)a ift genrife audjjber ©temflopferljanng nit weit," meinte 
ber 33urfdj. 



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$te 2Jtärd)en beS ©temffopferljanttä. 105 

2)a fang es unten auf ber ©trafee: 

„'3 ©ata t§ut ma a'bröfeln 

Unb gibt'8 in ein gajj, 

Unb bie Serg t$ut ma j'brötfeln 

Unb ftreut'S auf bie ©traf*', 

©o muffen fö alle, 

Slucij b' tmrne^mften #erro, 

Of> y roöITn ober nit roöITn, 

2)oc$ Sergfragler roerb'n; 

$em ein' oerreifjt'ö bie ©tiefein unb 

$en anbern fc§upft'8 in SBagen, 

3)a3 fd&aut ftd^ fo triel luftig an 

Seim ©teinerfd&lag'n! — 3u§e!" 

$>er Äne<$t unb bie 2)trne oben im SBalbe waren auf* 
gefianben. 

„3>öS tS er felber," ladete ber S3urfd^. 

2>ie ©irne fieberte. 

33eibe traten in bie Sidjtung, an ber ein f djmaler 2Beg 
in SKannS^ö^ über ber ©trafje führte, unb faljen l)inab. 
Unten ftanb ber ©teinf lopf ermann« , baS mar ein lebiger 
SRenfdjj, fdjon nafy an bie ©edfoig, er trug einen ftiljljut, 
weift ©ott, n>o er ben einmal gefunben l)atte, für ben Siegen 
mochte er gut fein, benn in ber ßrempe waren t)iele Södfjer, 
burdj bie baS SBaffer fogleidjj ablaufen fonnte, unter bem 
$ut fiel langes, fdjjon etwas grau gemifdfjteS £aar bis auf 
bie ©dfjultern fjerab, baS Ijätte iljn, ben $annS nämlidf), nid[)t 
ben $ut, redjjt eljrwürbig erfdfjeinen laffen fönnen, l)ätte ntd&t 
ein wahres ©pi^buBengejid^t barauS Ijeruorgefdjaut; einen 
SJart trug er, ber mar t>or nid[)t gar lurjer Seit einmal rafiert 
gemefen unb fal) ftdjj an wie ein ©toppelfelb; einen geroal* 
tigen SSruftfledf tyatte er um, — eine SBefte modfjte iljn ju 
fe|r fpannen bei ber 2lrbeit — unb geflidEte £ofen Ijatte er 
unb ©<$ul)e nidfjt von ben feinften. 3c^t futyr er fid& mit 
bem §embärmel überS ©eftdfjt wegen ber §i$e, bamitmad&te 
er'S aber nid^t beffer, benn ben ©d&weifc wifc§te er woljl weg, 
ben ©taub aber ftridj er fid& com Slermel ins feud&te ©efidjjt. 



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106 ßalenbergefd&icJjten. 

„©teinHopfer!" riefen bie oon oben. 

@r falj nadj ben beiben hinauf. 

,,$*W (ad^te er, „bie ewig' Stebsleuf, grüfe eng ©ott!" 

„■Stufet §eut nit befetweg'n fpotten, ©teinflopfer," fagte 
oben ber 33urfd[), ,/S Hegt uns grab fdjjwer auf 'm £erjen, 
bafe'S fo ts unb wir, wer weife wie lang, ,V ewig* StebeSleut" 
foffen Jjeifeen muffen, '3 iS fyalt nit anberfd^t, wenn man fo 
oiel arm iS!" 

„5Ro, no," fagte ber ©teinflopfer unten auf ber ©trafee 
unb legte ben ferneren Jammer jur ©eite, „t!>ut ^8 b'gfrofc« 
lerei auf einmal wel)? £ätt'S nit benft/ fotft'S fdjjon g'woijnt 
fein, benF idfj; wollte nit ,b* ewig* SiebeSleut" fjeifeen, malt'S 
a @nb\ t§ut 1 S eng a'famm', is bo<$ 'S ©ereb', öS fottts als 
Pfleger auf ber S3af iljr Slnwefen fommen." 

„3a, prob'wetf," brummte oben ber 93urfd^. 

„3s amal a Sauer g'weft," fagte ber unten auf ber 
©trafee, „ber $at ftc& einmal was an bie Änöpf abjagen 
motten, fyat aber brei^unbertfünfunbfed^jig SBeften g'ljabt unb 
§at oon ein* SfKorgen jum anbern g'wart', was bie anber 1 SBefte 
baju fagt, f)at 'S ganje Igaljr jäljlt unb nid^tS j'weg'n bracht." 

©er Surfte oben ftampfte in ben ©oben. „SKeinft bodj) 
nit, id[j bin a Setfeig'n!" 

„@ar nichts mein 1 \ü) t " fagte ber ©teinflopfer, „was oer* 
trittft benn bie ©rasljalm' mit *n güfeen, bie ijaben bir bo<$ 
nid&ts getljan?" 

„©elj, £anns," fagte bie $>irne, „fomm 'rauf in £ann! 
Serjä^r was, Staft is nodjj a 2Seil', bu arbeitet ja elj'nber 
jefct aud^ nicf)t." 

„SDöS war* redjjt," fagte ber SBurfdjj, „oerjä^Fn fann er 
fo triel fdjjön." 

„5Ro," fagte ber ©teinflopfer unten unb ftredte ftd& fyifyvc, 
„bös mein' ic$ woljl felbft, idjj mag eudjj fd^on was uerjä|lV 
S)amit ging er ein ©tü(f bie ©trafee hinunter, wo ber fdjjmale 
2Beg hinanging, unb trat in ben 2Balb ju ben „ewigen Siebs* 
leuten". ©ort ftredte er pdf) nieber ins ©ras, fe|te feine 
furje pfeife in 93ranb unb fagte: „%$ will eng oerjäljlen." 



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2)ie aWärdjen bes ©temffopfer^annS. 107 



1- IPot» «Aamts nttb fre* gteft. 

$>ort, wo bcr SBalb meberge^t unb ein' ©ptfc tote eine 
SRafen ins Sanb ftredft, bort is oor unbenfltdjjen S^ten einmal 
a £äufel g'ftanben, brtn !jat a fluge grau gewohnt, '8 liegen 
bort in ber SKälj' brei Dörfer, bie war'n in ber Seit, oon 
ber t<$ reb', au<$ fd[jon ba, 's mag '8 eine meljr Käufer 
g'ljabt Ijaben, als baS anbere, '8 eine mag mit ber Seit oon 
ber ©traft' j'rucf gangen fein, unb '8 anbere bis Ijeroor ju 
tljr, baS tnadfjt nfe. — 2)en Dertern geht'S wie ben Seuten, 
fic oerfterben unb laffen eins baljinter, baS tyren Slam' fort* 
füljrt unb ift lein Sröfel oon ilpen felber meljr auf ber 
Söelt, als toaS fo baS Äinb oon iljnen überkommen Ijat; fo 
ift woljl wenig meljr oon bö alten $>örfer ba, als ba| neue 
$öf fteljen an ber ©teil', too einmal bie alten geftanben 
ftnb, unb ein ober ber anbere ©tein mit Ijinem oermauert 
ift. SRa, fo war'S Ijalt, auf ber SBalbnafen Ijat bie weife 
grau g'tjauft unb runbum waren brei Dörfer, in ein' 2)orf 
war ein Änedjjt, ber t;at #annS greiften, in anbern a ®irn, 
bie Ijat ©retl greiften, unb in ber 3Kitten is baS britte 
3)orf g'legen. 3>a8 britte SDorf war baS retdfjfte unb 'S Ijat 
oft bort im 2BirtSljaus %ani unb Unterhaltung geb'n unb 
ba Ijat ber $annS bie ©retel fennen g'lernt, aU' jwei war'n 
arme Teufeln, Ratten gern g^eirat', aber Ijaben'S immer 
überlegt, müßt' amal a ©lud fommen, baft fte'S risfier'n 
fönnten, fjaben f beult. 'S ©lud is jaljrlang ausblieben, 
fie fein b'Saljr' lang miteinanber gegangen, unb ba Ijaben 
f Ijalt bie Seut' — iljr müßt eS nit in Uebel aufnehmen, 
aber bie Seut' war'n allemal fo boSljaftig unb nfenufcig wie 
Ijeut — ba Ijaben f tyalt bie Seut' au<| bie „ewig' Siebs* 
leut'" g'nennt. 

Einmal aber nimmt ft<$ ber £annsl ein £erj unb fagt, 
fte lönnten bo<§ audjj bie weife gfrau um 9tat frag'n, benn 
warum mt 1 ! Siele |aben'S fd&on getljan, fein'm feine ©adfj' 
war' baburdfj fdjjled&ter worb'n, im ©egentetl* fjätt' fte bei ben 



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108 Äalenbergefd&tdjten. 

meutern ben Slagel auf f n Äopf g'troffen — na unb fo — 
freiließ warum benn nit? 

greilicl), meint bic ©retl, ein testet Stat mär* bodfj immer 
roaö SRed&t'S, unb mann f einem ju roaS Sßag^aljigem oer* 
leiten motff, müfjt' man'S ja bo<$ nit tljun unb fönnt'8 
bleiben laffen. Unb fo oiel mirb'8 ja audj nit foften unb 
eö wirb jum b'erfdjjnringen fein. 

9ltcf)tig, foften mirb'S au<$ mag, meint ber $amt8. Um- 
fonft ift ber £ob, unb ber foft'S Seben — leben roiff fo a 
Äuge grau bodjj auc$, unb mann man'3 oerljungern lieft, 
tl)ät* man oöHig allen guten Stat im ganjen ©au aushungern. 
2Birb net fo mel fein. Sljr guter 9tat fyat' bodjj gleidfj fein* 
2)ienft unb brauet man net fo lang g* roarten, rote aufs liebe 
£immelreid!>, für baS ftdjj bie geiftltd^ §err'n bo<$ audjj jaljl'n 
laffen. Unb bie ©retl follt' nur auf bie nädjjfte SSoHmonb* 
nadjt tyingeljn. 

3)a§ taugt aber ber ©retl nit, benn fte t^ät* fidjj fo oiel 
fürd&ten, unb ber £ann§l mar bodjj a aRannäleut* unb ber 
Äurafdfjiertere. 

„2)ö§ fd&on," fagt ber £annS unb wirb um gtoei ginger* 
breit Ijöljer, fra|t ft($ aber gleid[) nrieber Ijinterm D^r unb 
wirb a £rümmerl Heiner, nne er eljer mar; „aber," fagt er, 
„toeiftt ©retl, allein fann td&'S nit b'ertljun." 5Ro, er ijat fein' 
Soljn ftar! an'griffen g'ljabt bie 2BodSJ\ auf 35ier ober £abaf 
— mann f auc& fd^on g'rauc&t Ijab'n oor bie unbenfßd&en 
Seiten, oon bö iti) oerjäfr? — 2Ba§ roeift \ä)\ 

S'lefct fommen f Ijalt überein, baji jebeS bie £albfd|jeib 
oon bie Soften tragt unb bafj ber £ann8l Ijinge^t. 

SDer §ann§I i8 Ijalt fo oiel furafdfjtcrt g'roeft, unb mie 
ber nädjjfte SSoffmonb fommen i§, madfjt er ftd^ auf 'n 2Beg; 
burdfjä 9)orf an bie gelber oorbei Ijat er \id) nodj ein§ 'pfiffen, 
mie er aber auf bie oerrufene SBalbnafen jufommt, ba is er 
ganj ftab morb'n, ber 3Ronb fyat fo burdjjs ©ejroeig g'fd&ienen, 
baft ber ©Ratten oon bie 2teft f mie foljlfcijroarje ©ammet* 
banbeln über 'n 2ßeg g'legen te unb ber §annS §at jid) ein? 
g'reb't, er Rinnt* über eins ober '3 anbere ftolpern unb $at 



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$ie aJtärcfjen be3 ©tein!fopfer$cmn§. 109 

fletjstg auf bic @rb' g'fd&aut, — burr, fliegt tljm ein' SRct^t* 
euV eine ©panne über 'n $ut weg — na, er war aber redjt 
furafdfjiert unb rote er erft g'nmfet Ijat, roas e§ mar, Ijat er 
nadj einer SBeiF über ben ,,9MefijsS3ogeI'' ein regt'S 3RauI 
g^abt. 

©o fommt er jur SBalbfrauljütten. ©ort Ijat er erft ftdj 
ein biffel b'fonnen unb $at ftcij eingerebet, wie er fo fdjjneH 
mufft* gegangen fein, weil ifjm ba8 £erj fo fdfjtägt. Unb 
wie er fc|on baS britte 9Ral fein* gtnger foumm mafyt — 
nie iä er üjm red[jt ang'ftanben — unb will anllopfen, ba 
tljut fidjj bie Sfjür t>on fetter auf unb bie fluge grau fteljt 
oor iljm unb fagt: „5Ra, bift einmal ba, \$ Ijab' bidj) fd^on 
lang erwart'!" 

„3efu§," fagte ber £annä — idjj roeife jraar nit, ob bie 
Seut' in bö unoorbenllicfen Seiten, toooon ic| VerjäljP, fdfjon 
3efuS g'fagt Ijab'n, aber baS tljut nfe. „3cfuS," Ijat alfo 
ber $annS g'fagt unb ftdfj x>ernmnbert, bafj bie SBalbfrau 
toeifc, baf* er ju iljr roiH. Unb er ljat'8 bodfj fdfjon bie ganje 
SBod&en im 2)orf auSg'fdfjrteen, too er mit nädfjftem Soll* 
monb Ijingeljt. 

S)ie Iluge grau fjätt' alfo nit g'fd^eit fein muffen, mnn 
fte ba8 nit g'nmfjt {jätf! ©o fagt fie ju iljm: „Komm Ij'rein!" 

3)er $ann8 geljt alfo in bie §ütte, bort brennt auf *m 
$erb ein großes geuer, unb wie er fo feitmärtS Jjinblinjelt, 
ift am S3oben ein großer ßreis oon iotenbeiner unb £oten* 
löpf, unb ba ljat'3 iijm ein* Hein* SRudfcr naclj ber £ljür 
Ijin 'geben, unb er Ijätt* redfjt gern ,,©ute 5Rad[jt" g'fagt, 
mnn üjm nit auf einmal gar fo trodfen im $alä roorben 
mär', unb fo oljne „93eljüt bidj ©ott" baoonrennen, baS 
war' bodfj unfdfjitffam, b'fonberS gegen a fluge grau, mit 
ber man'8 fcljon gar nit oerberben barf. 

„9?a," fagt bie Sßalbfrau, „ba markier Ijinein unb fefc 
bi<$!" Unb meint in bie 3Kitten tum ben £oten!nod[jen, 
n>o ein ©djjemel g'ftanben i8. 

Das war eine redete Slot, Ijat fid[j bo<$ ber $ann8 ge* 
fürdjjtet, er tritt fo ein' £oten auf 'n Äopf, unb roer roeifj, 



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110 ßalenberßefdjidjten. 

mo bie SUte bie flöpf aufg'lefen Ijat, es Ijaben bie fdfjönften 
Seute barunter fein fönnen, bic tljr'n Slefpelt »erlangen, 
üieHeic&t fein eigener Urgrofrmter. 

©o tappte er Ijalt in ©Otts 9tam' hinein in ben Sauber* 
freiS unb 'oor er fidj) auf ben ©<$emel fefct, meint er: @S 
würb* jtc$ bod) ntd^t redjjt f (Riefen, unb er iS net fommen, 
um Ujr SBefdljwer ;u machen unb will er ftdjj Ijalt bodjj ein 
Hein wengerl nieberfe|en, bafc er ber flugen grau f n ©d&Iaf 
nit austragt, unb miß iEjr fdfjneK fag'n, mag er eigene 
li<$ min. 

„SDaS wetji idjj fd[jon," fagte bie Sßalbfrau unb gibt iljm 
ein großes ©tunbenglaS in bie $anb, geljt bann t>on tljm 
weg, langt ein 1 Saib 33rot t)on ber ©teilen herunter unb 
fd&netb't bie ©otteSgab an . . . 

S)er £anns fyat biemeil bie Sfotenlöpf ang'fdjjaut unb 
bie tyn, unb beult jtclj ber $annS: „2BaS bas für a Seit 
fein mirb, mo bu auä) wirft feine SRafen Ijab'n unb fo uiel 
grofee Slugen unb b<4 ™Z fäw bamit?! Unb wie lang 
mirb mofyl §in fein?" 

„3e|t bift noc& ftämmig unb rüftig unb bie Senf nennen 
bi<$ ,fein uneb'nen 33ubW. S)ie ©retl ift audjj fo ein 
morbfaubereS Strubel. S)ie SaJjr' Ijer, bie idjj mit iljr gel)', 
iS f nur fäubriger morb'n." 

r/^ W$" faß* bie ©retl, „bu fd&meidjjlerifclje ßafc\ 
fieljft benn nit, bajj idjj bodjj fdjjon biffel abfalT, unb auf ber 
©tirn fommen fd^on bie galten, wenn f au<$ nodjj fo fein 
fein mie bie ©pumenmeb'n." 

„5Ka," fagt ber £annS, „laji gut fein, bu taugft mir 
befctroegen no$ attemetl, meinft, mir bleibt aus, was bir 
blüljt? Unb fo iS'S gut unb fo iS'S red&t, fo §ab'n mir 
unS boc& bie Unfäubrigleit nidjjt oorjuroerfen." 

„3lber, £annS," fagt bie ©retl, „bas alles mär* fd^on 
redjjt, aber bie Äräfte serlaffen ein* bodjj aud[j." 

„Teufel $'nem," fagt er, „freiließ, an baS §ab' id|j nit 
beult, aber jum x>erfpür'n fang* tdjj'S aud[j fdjjon an." 



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3)te aWärc^en beS 6tem!fopfei;§annä. 111 

„9to, no," fagt bie ©rctl f „bann tS'S 9teß, wann mir 
nimmer arbeiten fonnen roie früher, bann iS'S gar, gar!" 

„@8 null nimmer weiter/' fagt bie ©retl, „mein Sauet 
fjat g'fagt, ic& taug' tfjm nimmer, idjj oetbienet nimmer '8 
SBaffer mit meiner Arbeit, i<$ foßt' fdjon lieber jum Setteln 
föau'n." 

„D, bu mein ©ott," fagt ber^anns, „baSfelb' Ijat mein 
Sauer §eut audfj ;u mir g'fagt." 

,,©o, na fdfjön," fagt bie ©retl, „ba !omm nur gleich 
wnb lafc uns jur Ätrdjtljür IjerftelTn." 

,,©ut — gut — Ia — la," ladfjt ber alte $anns unb 
ftefft fic$ jur fiird^t^ür. „£il)t, ©retl, nrie bu auSfd&auft!" 

„S)u alter ©d(jüppel," fagt bie ©retl, „meinft, bu fd^auft 
lieber aus? Zautf id) bir 'leidet nimmer? — ©elt, als 
jung' SMng mar iä) bir redfjt, bafc t<$ bie Saljr' tiAta bir 
Ijerlauf? — D bu!" — SJabei gibt fie tym mit ber ge* 
ballten $auft ein' Slenner. 

„3)u SiSgurn," fagt ber alte £annS unb Ijebt fein' 
©totf. 

S)a faljrt tljm baS roüfte SBeibSbilb in bie £aar' unb fie 
balgen fi<$ x>ox ber Äirdjj' unb bie Seut meinen aus unb 
fc&hnpfen unb lachen. 

„©retl," fagt ber £ann8 feud^enb, „lajj gut fein, bu 
wrreifet mir mein roenig £aar, — frallt Ijaft mid^ au<$, bu 
milbe Äa$' — mir fein red[jt nette Settelleut', in bem Äirdfj* 
fpiel galten f uns fd^on für wrfoffen, ba geben f uns nfe." 

Unb bie alte ©retl fd^Ieid^t mit tljm roeg von ber Äircfc 
tljür, unb jie festen pd^ äff* jroet auf ein ©rab nieber, roo 
ein großer ©tein batwr in ber Äirdjjmauer mar unb brauf 
ein großer Stotenlopf mit Seiner übers ßreug; „3efu8," 
fagt ber #ann8, „nrie lang mtrb'S nodjj bauern, fo fdjjau'n 
mir audjj nit anberft aus!" 

S)ie ©retl trodfnet iljm mit 'm £üd&el 'S Slut x>om ©'ji<$t, 
roo'S Ujm nad& iljrem Äraren Ijerg'Ioffen is. „3$ woKt', 
'S mär fdjjon am @nV," fagt f, „voann nur früher a fdjjöner 
Seben g'wefen mär'." 



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112 Menbergefdjtdjtert. 

„D bu mein, 1 ' feufet ber #annS. „SBoljl, woljl, wir 
Ijab'n un§ Ijalt aerpajjt, was liegt brau, wann'S audj am 
6nb' fo fomtnen war* unb nit anberfier, fönnt* mer bodj 
fagen, mer ^ätt* g'lebt; Äinber lönnt* mer Ijab'n, bö was 
taug'n unb 'n alten ©Item jeitweif was oergunnen unb gu« 
lommen fielen, unb wer weijj, Ijätt'S grab fo lommen 
muffen? $ätt* ber $immel not fönnen fein' ©egen brein 
geben, wann wir iljm oertraut unb auf unfere arbeitfam' 
^emb' Baut Ijätten?!" 

„D freitid^/' fagt bie ©retl. 

»Sa," f a 9* b** $annS, „bei fünbigem gffirneljmen geljt'S 
,§üft unb §ott* unb bei redjjtfdjjaffene SSorfä^ ift'S ,Delja!' 
SWit Ijätt'n uns aH bie ©pottreb'n uerfpar'n unb a g'fdfjeit 1 
Seb'n füljr'n fönnen, fo Ijab'n wir alles oerpafct! 3Bie rutyig 
fönnt* mer bafifc'n auf 'm ©rab unb frag'n: ,2Bann fimmt 
bie Steil)' auf uns? SBann werb'n wir fo auSfd[jau'n wie ber 
SSoanerbartI bort an ber Söanb?' SBann wir fo g'Iebt Ratten, 
wie anber' SeutM ©o Ijab'n wir uns nie j' leben traut unb 
Ijifct fott'S ans ©terben geljn, — wann f uns mal aus* 
grab'n, mir muffen ganj oerbreljte ßöpf Ijab'n! 3m £immel 
lagt ftdjj aud[j nis einljorn, ber Pfarrer fagt, bort gibt'S 
leine SfRanb'ln unb SBeib'ln, wir Ijab'n'S für Seit unb dwig- 
feit wrtjaut. D, Herrgott, gabft, bafe wir normal jung 
würben, i<$ wtifjt', was id[j t|ät'!" 

„D bu mein §err unb £eilanb," fagt bie ©retl, „bös 
wirb Ijalt nimmer fein," unb babei weint bie 2llte, bafe 'n 
£annS, fo wie er neben iljr ft|t, auclj mit beutelt. 

„SDu bift boclj a gute ©eel'," fagt ber £annS, unb wie 
er mit feine jittrigen $änb f Ijinüberlangt, bamit er bie Sllte 
um bie Sldfjfel nehmen unb tröften lann, fallt iljm fein ©tod 
aus ber £anb . . . unb . . . 



„$>u ©afra, bu," fd^reit bie SBalbfrau, „wrbrtdjj mir bie 
©anbuljr nit!" 

Unb er fdfjaut auf, ba ftfct er auf 'm ©dfjemel, neben 
iljm auf ber @rb' liegt bie ©anbuljr, bie er Ijat fallen 



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$te 30tär<$en beS ©temfropfer^amtS. 113 

laffen, unb tunbum ftnb bie Stotenf öpf er tft tri ber 

$ütten ber SBalbfrau unb alles war nur fo ein etnroenbtg'S 
©'fid&t. 

£>ie SBalbfrau aber tS grab mit 'm 3Keffer um 'n gangen 
Srotlaib Ijerumfommen; — nit länger Ijat'S ©anje bauert, 
afö fte tyr ©tüdfel »rot g'fd&nitten tfat. — gefct nimmt fte'S 
in bie eine £anb, beifct ein red&tfd&affen' ©tüdf ab, unb Ijctft 
bie anbere $anb offen Ijin. 

2)er $annS fud^t mit jittembem ginger aus all feine 
©ä<F feine Äreujer gufamm', nit ein' Ijat er- blatten, alte 
Ijat er ber Rügen grau geben, ©ang aufregt tS er ba* 
g'ftanben, afö ob er bas 35ad^ von ber £ütten traget unb 
mär' tljm nur a ©paft! 35ie 3lugen Ijab'n tfjm geleudjjt', 
unb bie S^W W er übereinanber gebiffen. 

Unb bie Sßafofrau Ijat 'S 3RauI aoff g'ljabt unb g'faut 
unb gefd&ludft. 

ÄeinS tjat ein Sßörtl g'reb't. 

2)er ^annS ift fortgangen unb bie ÜBalbfrau Ijat hinter 
tfjm gug'rtegelt. 2)ann iS es lang ftiff blieben brausen in 
ber Haren 5Kadjjt, bis einer beim legten Saum, wo bie Söalb- 
nafen aufhört, ein Sudfjeger 'tljan Ijat, bafj bie Slatteln auf 'm 
Saum unb 'S ©efträudfj auf 'm 33oben gitternb roorb'n fein 
unb brüben Ijat er einen fdjlafenben 33erg aufg'medft, bafj 
ber audf) mit ein'm ©d^rei munter roorb'n iS. 

3)ann ift ber eine auf baS 3)orf gutrabt, roo bie ©retl 
Ijauft; — an ber ©trafen finb bie ÜBegfdfjranfen Eingelaufen, 
ba Ijat er ftdfj ang'ftemmt unb einen Saften auSg^oben unb 
über bie 2WjfeI gefd&ultert, rote bie SRiefen mit bie SBieS* 
bäum* getrau Ijaben f offen, er ift ftdfj roofjl fo »orfommen, 
als mär* er Ijeut fo ein IjalbgeroadSJfener SRiefenferl unb roie 
er gur ©retl ifjr'm genfter fommt, tupft er gang fäuberltdfj 
mit fein'm SBieSbaum an bie ©djjeiben an. 

3)aS ©las mar gefdfjeiter unb fjat nachgegeben unb ein 
IjanbgrofjeS ©ttidf iS auSgebrod&en unb im 2Konblidjjt, roie 
eine ©ternfd&neuge, ins ©raS herunter gefd&offen. 

Unb oben ^at bie ©retl g'fd&rieen. 

Ungenotubft, ©ef. Söerle. V. 8 



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114 ßafenbergef d&tdjten. 

Unb unten Ijat ber #ann§ gelacht. 

Unb n>ie ftdfj bic ©retl erholt ^at t>on i§rem ©d&redfen, 
fragt fte, toaä bic weife grau gcfagt tyat. 

„©'fagt f)at fte nfe," fagt bcr $ann8, „aber geljetrat 1 
wirb!" 



„Unb ge^eirat' t3 toorb'n unb au% tS bie ©*f<^i^t/' 
fagte bcr ©teinHopfer!jann3, Köpfte fein ^feifd^en au§ unb 
machte 2lnftalt, tmeber na<$ ber ©trajje Ijtnab ju fteigen. — 

„33'fjüt eud& ©ott/' fagt er, unb geljt ein paar ©dfjrttt, 
bann bleibt er fteljen. „3ft bodfj fdfjab', baf* eS tyeuttagS 
fein* SMbfrau tnetjr gibt!" 

SKittferroetfe Ijatte audf) auf ben gelbem bie 3lrbeit roieber 
begonnen unb bie „ewigen SiebSleut'" beeilten ftdfj, auf ityren 
2lrbeit8p(a£ ju fommen. 

35er Surfdfj fpudfte in bie gäufte unb nadfjbem er ben 
erften ©enfenf^wung getljan, fagte er über bie Sfd&fel hinüber 
nad& ber £)irne, bie in feiner SRälje arbeitete: „Sdjj l*V bod& 
prob^eif!" 

3)ie beiben f pradjjen ntd&t ein SBort weiter, aber bie 
3lrbeit ging iljnen fo flinl t>on ber §anb; fjätte fte bie alte 
SSafe feljen fönnen, fie Ijätte iljre IjeKe fjreube über btefe 
^robeleute l>aben muffen. 

SRun, bie tyatte fte audfj balb. 

„Unb ge^eirat* i§ toorb'n unb au§ iä bie ©'fdjjidfjt." 



Stöenb war'S geworben. 35er ©teinftopfetfjannS tljat ben 
legten ©djjfog, warf bie fd&roeren §ämmer über bie 2ldfjfel 
unb madjjte ftdjj auf ben ßeimroeg; burclj baS 35orf ging er 
nidjjt, aber an ben testen Käufern, bie an ber ©trafce tagen, 
mufjte er vorüber. $)te lefcte $ütte \af) gar armfelig aus 
unb wenn üjr Snwoljner, ber „©rufcgfranjl", wie jefct nadjj 
geierabenb, t)or berfelben auf ber fernen S3an! fafj, fo 
fa^ bieg wie ein gerechtfertigtes ÜJHijjtrauen gegen ba§ ®e* 



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£>te 3Jtöt$en beS ©temffopferljamtS. 115 

tnäuer aus, baS, ftatt ©df>ufc ju Derfjetfcen, im ©egenteile 
burdfj feine 3)ad&Iüdfen mit aller Ungunft beS SßetterS im 
33unbe ju fielen faxten unb mit feinen Sprüngen, SRiffen 
unb ©enlungen jidfj fo bebroljlidfj ausnahm, als wollte es 
feinem @igner bie wenigen Sftemjüge in ber freien Suft no$ 
geftatten, um bann nadjts über tfjm jufammen gu ftürjen. 
Db er baS woljl redjjt übel genommen Ijätte?! 

6r fa!) felbft verfallen unb oom SBetter unb ©djjidffal 
Ijart mitgenommen aus. Sr Ijiefj ber „©rufcgfranjr, weit 
er im ©ebraudjje Ijattc, jebermann, ber bie ©trajje oorüber* 
jog, er modjte tfjm befannt fein ober nid&t, bemtttig mit 
abgenommener 3Hüfce ju grüben; baS fotfen nun oft grembe 
mifjoerftanben tyaben, unb fie liefen ein ober bie anbere 
lanbeSübfid&e 3Rünje in bie vorgehaltene SKüfce gleiten; bie 
Seute im £)orf fagen es bem „©rufcgranjr naclj, bafj er 
ftdj nie bie 3Rülje naljm, btefeS 3Rifjt>erftänbmS aufjuRären, 
fonbern bie f leine ©abe lieber in feine Stofdfje fdfjob. SReibifdfje 
Seute! @r fjatte redjjt, er mar ein IjöfKdfjer SKenfd^ unb 
wollte ben mitleibigen ©eeten bie Verlegenheit erfparen, 
einen eljrtidfjen Arbeiter, ber feine artige 2lngewoljnljett Ijatte, 
für einen Settier angefefjen ju tyaben. 2Bie leicht f)ättzn 
bann biefe brauen Seute audjj bei wirftid&en SBetttern nur 
banfenb an ben §ut greifen fönnen, um nidjjt einen gleiten 
SBerftofi wie bei iljm ju begeben?! 2)arum liefe er jegltdjje 
2lufflärung unter 2Bege. *%a, bie leibige SKufflärung, fte 
mar ljier fo befdjjämenb für ben dürften, wie abträglich für 
ben SBettler! 

@r Kefj großmütig bie SBelt in iljrem Sretume. 

@r mar allerbmgS ein efjrlidjjer Arbeiter, er Ijatte nidfjtS 
als feine #ütte, We gelber ringsherum gehörten anberen, 
unb wollte er oon benfetben etwas genießen, fo mufcte er 
btefeS . frembe ©igentum bearbeiten Reffen. 2llj, baS trug 
fpottmenig ein, unb es naljm ben -Kenfdfjen redjt mit, an 
Äraft unb aud& an 9Rut. 

Unb fo, mit ber Seit redjjt jagljaft geworben, auf ftd& 
fetbft gar wenig meljr bauenb, Ijatte ftdjj ber „©rufc^ranjl" 



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116 ßatenbergefd&id&ten. 

angewöhnt, alle SDBelt ju grüben; bie um iljn lebten unb 
bic er fannte, bamit fte fym freunbtidjj bleiben unb Ujm nichts 
in ben 2Beg legen motten, unb bie gremben, weil er bie 
Seute gar fe§r benmnberte, bie fo in ©efdfjäften ober ju 
ifjrer Suft in aller SBelt Ijerumfamen! 2Bie achtbar war 
i§m ber Ärämer mit ber Äraje auf bem Stüdfen, bem flinfen 
gufc unb bem nodfj flinfem -Dtaulmerf ! 35er 3Rann mujste 
ßourage Ijaben, bafc er ftd^'ö getraute, fo auf ftdf) allein ge* 
ftcHt in ber SBett fjinjuteben. 35em Suftreifenben, ber rüftig 
ben Reitern Sergen jufdfjritt, btidfte er immer fopffdjjüttelnb 
nadfj; wie gut mufjte e§ fo einem getjen, bafj er in fyUem 
Uebermut nadjj ben £öljen ftetterte, wo ber „©rufcgranäl" 
boclj fro§ war, wenn ifjn biefe „Sefd&wer" nid&t oft im 
Sa^r traf. 3a freiließ, afö Sub' !)at e§ iljm oben gleidjj* 
wo§I gefallen, aber baS ift lang |er, feitbem ift fo triel 
anberS geworben unb ba broben ift'8 immer gleidfj geblieben, 
wa§ mar baran ju fefjen? 

2ludjj ber Settier auf ber ©trajje mar ein redetet -Kann; 
ben Seuten mit bem 2Raul bie ©rofdEjen auä ber £afdfje 
langen ift feine Heine Äunft. gfreilidjj, am Saljrmarft, in ber 
Sterlette, ba !)at er einmal ein Untier mit langem SRüffel 
gefeljen, ba§ madjjte audfj baS Äunftftüdf, was aber ber ©ro- 
fdjjen wert mar, ben es bamafö einem reiben Sauer aus 
ber Stofd&e jog, baä wuftte es wotyl nidjjt. 

3a, ja, alle Seute, wie fte bie ©trafte t>or tjjm twrbei* 
liefen, waren ifjm leeren StangeS, barum grüßte er fte, unb 
wenn ftdfj ja einer baju oerftieg, tljm ein 3llmofen ju reiben, 
fo fanb er, bafi bie SKenfdjjen bod& nidfjt fo fd&tedfjt feien, 
als bie SBelt fte auSfdjjreie, unb er Ijabe es ja gemußt, bie 
fo in ber 2Belt herumlaufen fönnen, bie Ratten leidet fc^cn* 
fen, ber $au3gefef[ene fei ber etgentlid^e 2trme! 

2Bie alle SBelt, fo befam audjj ber ©teinllopferfjannö, 
ber jefct, wie jeben Sföenb, an ber #ütte oorbeigtng, feinen 
©rufj. 2)aS mar audfj einer oon ben ßouragierten, bie {u$ 
allein für ftclj ju leben getrauten, oljne na$ ben anberen 
Seuten ju fragen. 



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$te SRärdJen beS ©tetn!fopfer|annS. 117 

w ©uten Slbenb, ©teinffopfer^annS." 

„@uten Slbenb, tfcangl, tuÄ ju auf bein' 33anfl unb 
lag midjj tyerfefcen, Ijab 1 Ijeut redfjtf Raffen gejammert, tyab* 
mxd) tneffeidjjt btffel übernommen; wenn bie ©tetner gar fo 
tyart t)on 'nanb* geljn, ba Hopf idf> tote toütig brauf loa! 
(Sin ftein'B menig mag idfj fdfjon gern raften." 

„SRa, fürs ©ifcenbürfen fönnt'ft fd&on maS b'erjäljPn. 
SBJetfet nt£?" 

„SBaS fragft benn? %$ faUV nt| jum ^erjä^n toiffen? 
3dfj? 9ia, fönnt' feiner meljr maS oerjäljrn, mnn tdjj net. 
3$ * au f ' n ©dSJulfeljrer aus mit famt feine Sudler. 6r 
meint gleidjjrooljl, 'S mär 1 alles roaljr unb oerbrieft, was 
brin ftunb', aber mein* Seel 1 , mein lefct'S ©täuberl SCabaf, 
roie tcIj'S jefct in bie 5ßfeif* [topf, fe|' \d) bageg'n, bafj feine 
©'fd&idjten nit a #aar beffer fein als bie mem\ a bifferl 
maS SluStipfelf S, a Srodfen £ug' unb a SSroferl ©aljr^eit 
unb fertig ift bie SBerjctylung. ©oll freiließ fagt ber ©d&ul* 
meifter, alle« oorjett pafftert fein; na, wer $at'S benn g'feljn, 
rote'S ba jugangen tS? SSon uns leiner. Unb bö von ba- 
mal Ijab'n aud& feiner me§r g'fagt, als f gemußt §aben; is 
moljl audjj oiel SluSbenft'S babet, roie'S Ijätt' fein fönnen, 
tottm man grab nit g'nmftt Ijat, rote'S g'roefen iS? 2)er 
SRüHer im Drt Ijat aud> fein Süngften, 'n Safoberl, g'fragt, 
toie er 'S erft' 3Ral in ber fttwy mar, maS er g'fel>n !)at. 
©agt ber: ,<&m' SWenge fteinemeunb aufg'mal'ne 2eut', 
oor bö man ftdf> nij j' reben 'traut Ijat, unb bann Ijab' 
tdjj g'fefyn, maS mir ganj flein in ber Äammer $ab'n, 
grofjmädjtig, tdf> $ab'S glettfc b'erfennt, roeijjt, mie bie gwei 
Seut' com Stäben fommen, unb 'S 23telj $at i^nen ber« 
roetl bie Stepfei oom Saum g'freffen/ $oI)a t 's mar aber 
Slbam unb @oa im SßarabieSl — Unb ber %ub' $at'S g'fagt, 
mie'S tljm e^plijiert morb'n iS, für 'n Slbam unb b'@oa mar 
er 'n ©Itern nod& j* Jung. — 5Ro, maS foH it£ bir benn 
b'erjätjl'n?" 

„SBetfjt, #annS, maS aftojlreidSJ'S, wo gut brauf 
j' fdjjlafen iS." 



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118 Jtorenbergefd&tdjten. 

,,©o? ©o merb 1 td& btr Ijalt b'ergctyfn, mte'S mir am 

jüngften £ag 'gangen is." 

„9io, ts bodfj ntt fdfjon ber jüngfte £ag oorbeig'meft?" 
w 3)ö8 ntt, aber träumt Ijat mer baoon. 2of nur gu. 

#ab'S nod(> fein'm ergäbt." 



2. J>ie g'MW vom ifingffen $ag. 

2)a fein mir fo atte nadjjeinanber Ijerg'feg'n, mir 2toten, 
brunter unb brüber, etnfdjjtd&tig, paarmeif 1 , g 1 britt unb g 1 t)iert 
unb mie ftdfj'S Ijalt 'troffen fjat, — id^ meifj nit, marVS 
8000 Saljr 1 — 2000 Saljr 1 , fedfjS 2Bod&en, ober maS für a 
Seit mar, nadjj mein'm 3Serfterben, bie afferälteften, miebie 
jüngften £oten füljr'n fein' Äalenber. Sfaf einmal tS mir, 
als rourb 1 'Hafen — aber fdjon mie! £)u meijjt noclj, mie 
bie böfjmifdjen SKuftfanten bei uns roar'n im Drt unb fein 
in§ (S'meinroirtSljauS in bie Hein 1 ©aftftub'n fämma, mie 
ba, fo oft ber Keine 35idfe mit ber grojjen Slcdjjblafen 
ang^ob'n Ijat, bie Sßänb 1 gum gittern ang'fangt tyab'n, 
juft a fo mar 1 *, tief bis in bie Srb 1 ^nein Ijat ftd(> alles 
'beutelt. 

3ta, bu meifct, unfereinS fdfjinb't ftdjj gehörig unb man 
f)at fein g'funb'S ©tüdft ©dfjlaf. 5Ra, fo benf' td& mir, is 
böS bumm, is g'roijj mieber fo a SMefigbatf beim SBirten 
im 2)orf unten, ba| man fein* 3Ju^' Ijat -- unb mitt mir 
bie Slug'n reib'n — Ijeüige SDKutter 3lnna, mar baS a 
©dfjrodfen, mie idjj mir mit bie bürren Seiner in bie teeren 
Slugen einifatyr' — unb am gangen Seib gum ©d&eppern 
anfang'ü — SeffaS, benf idjj, bu bift ja oorlängft t>er* 
ftorb'n — unb Ijifct bürft etroa gar fdjjon ber jüngfte £ag 
fein. SBann idfj nur g'fdfjroinb 1 mein 1 $ofen gum §'nein* 
fdjjliefen bei ber ftaub fjätt 1 — ! ©o fannft bodjj nit unter 
bie Seut 1 geljn! — 

3$ tapp 1 Ij'rum, greif 1 aber nur bort unb ba ein 1 Änopf 
oon ber £ofen, in berer fte midj) oorgeit betg'fefct Ijab'n, unb 



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SDte 2Rorc&en beS ©tetnflopferljannS. 119 

roo id) an midfj cmfomm', g'fpür 1 idj^S beutlidjj, td& mufj aus* 
fdjjau'n roie ber ang'mal'ne £ob an ber Äirdjfjofmauer. 
Sraudfjft gar fein ©'roanbftudf, benf tdf) mir, ^aft ja e{j' 
nt£ UnanftänbigeS an bir, roenn bidfj aber nur nit ber 
©pobtumbrenner aus ber ßreisftabt b'erglengt, ba gang'S 
bir übel! 

3$ überlegt nodfj, foHft I/nauS ober nit? 216er es is 
fo a £unbSmübtgf eit über midfj fämma, baft tdjj jum Fünfen 
ang'fangt Ijab 1 . Unb rote tdjj mtdfj fo auSftrecF, gefpür 1 iä) 
nodjj, bafj ftdfj an bte Seiner roaS anfefct, nit anberft roie 
ber gfeuerfdfjroamm an bie Säum 1 . 

35ann fd&faf td& roteber. 

3Bie iclj munter roerb 1 , fdfjeint bie ©onn* in mein* Stoßen, 
runbum tS bie ßrb 1 aufg'roüljft, als toie oon einer üRiKion 
aJläuf unb SWaultoürf ; tdfj fc^au 1 midfj an, o %\t Ij'nein, ba 
tS berroeil ber geuerfdjjroamm runbum fauber nad(jg'roadfjfen, 
idfj bin a morbfauberer Surfdfj roorb'n, idfj tyV midfj, tdfj 
gudf Ij'rum — alle ©ruben fein leer! SejfeS 3Baria, Ijab* 
idjj bir 'n jüngften %a% oerfdjtafen g'fjabt. 

Sdfj mar bir ganj oerjagt. 

©djau 1 in mein 1 ©rub'n, fiel) nodfj bie ferneren $ämmer, 
nimm f auf bie 2WjfeI, ben!' mir, gitfS ober gilt'S net, 
fdfjauft Ijalt, too bujum eroigen Seben beut 93rot $ermmmfit; 
xoann fte *S Ijimmfifdfje Serufalem bauen, roerben f roo^I 
audfj a ©trafen Ijinfüljren, müfjt'S bodfj im £unmel mit 'm 
SCeufel gugeljn, roann'S ba feine ©teiner %\xvx Ätopfen 
gab 1 ! 

9Bie tdfj nodfj fo fpinttfter', lommen jroei ©ngerln baljer* 
g'flog'n, fiebern um midfj Ijerum. 35öS mar fo fauber , bafj 
idfj mein 1 guten §amur roieber Irieg 1 unb fag 1 : 9ta, öS 
Ijimmlifd^S ©ejiefer, roaS pfnurrtS mir benn um *n Äopf? 
23aS rootttS öS? 

©ag*n f : #annS, bu foHft jutn ©ottoatern lommen. 

©ag 1 tdfj: Sauber mufj tdfj midjj boc$ a roeng roafdjjen 
unb anjieljn. 

©ag'n f 1 : 2)öS gibt'S Mt unter bie ©elig 1 n. 



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120 Jtalenbergefc&tc&ten. 

©ag' tc$: ©08 t8 ungeniert: aber öS roerbS und bod|} 
nit *8 ewige Seben neiben, wann mir im ©djjmufc b'erfttdfen, 
roaS nufct unä bie gange Seligfeit?! 

©ag'n f, id> fott feine UmftänV machen unb mitfommen. 

@iner padft meine Jammer unb tragt mir f nadfj unb 
ber anbere fütyrt midfj, unb mir fommen jum ©ottoatern. 

Unb wie er \m% fteljt, Ijebt ber ©ottoater bie $anb mit 
ben brei auSg'ftredften Ringern in Vfiby, wie im 33ilb am 
£odjjaltar, unb fagt: ©rufe bidf) ©Ott, £annä! 

©ag 1 idfj: ©rufe bid& ©Ott, ©ottoater! 

9to, fagt er, tote g'fattt bir benn bie aufg'toärmte 
SBeft? 

©ag' idjj brauf: Sieber ©ottoater, bu mufjtfä für fein 1 
oorlaute SReb 1 nehmen, aber tdfj fenn' midf> !)att eben ba 
nodf) nit auä. £)ie frühere SBelt mar audfj fein fdjjfedjjt'ä 
©tütfl Arbeit — ©ott bewahr 1 — a jeb'S tyat roaS brein 
g'funben, roaS i^m g'fatfen Ijat, unb bie meiften Ijab'n g'meint, 
bie Siirnbl roär'n bir fo oiel gut g'raten. 2lber a bijfel 
Seit Ijätt'ft bir fdjon laffen fönnen, — roaS rtd&tf eins in 
fedfjä 2tfgen? @ä war ja fein 1 g'friemte ©ad&\ bö auf 'n 
£ag tyätt 1 fertig fein muffen! 3$ fjab 1 mid^ audf> nit redfjt 
mit allem abfinben fönnen — fo tljat td(> bid& redjjtfd&affen 
bitten, wann mirt ettoa ba audf) roieber nit anfteljn fotft, 
tlju mir ben ©'falTn unb madjj 1 , bafj td& auüf im eroig'n 
Seben roieber oerfterb'n fann. t 

StäfonmerljannSl, fagt ber ©ottoater unb Iadf)t, fyu roie's 
V roittft. 3<*> faW aber gleich geftem g'merft, wie id^ eng 
©'lump aufg'toedft §ab\ öS fetbä nit anberft roorb'n, bie 's* 
g'roefen feibS; feib'8 nod& attetoeil nit g'fdfjett! 

3Rein ©ott, fag 1 \%, ijätt'ft un8 g'fdfjeiter g'mad&t! 

©agt er: 3a, ö^ubft, idfj Ijab 1 mein 2TOmadf)t tf\to1)Vn, 
roofftö ö8 gar ni| baju tfjun ? 3« V taufenb unb taufenb 
Saljr' fdfjau idjj eng fdjjon ju, unb fetb'8 nod[j atteroeil fo 
bumm! SBötttS öS nit 'leidfjt a ganj anbere 2BeIt unb 
ein' ganj anbern ^errgott'n? Sauget grab ju eud(>! — £e, 
liegt ba unten nit audj noc$ ber ©rufcgtowj* unb fdjnardjt 



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$te 3Jtörc$en beS 6temffopferl)ann8. 121 

in jüngften 2tog Ij'nem? 9ia, bem is ba audjj '3 ©rüfjen 
oerfpartl 

Sieber ©ottuater, fag* idjj, bös legt ber nit ab. 

#erob'n trag'n wir feine £aub'n, fagt er. 

35a nimmt ber eljenber 'n Äopf 'abe, als er'S fein lafjt ! 
Sdjj fenn 1 tfjn, fag> idfj. 

3k, fo fagt es ber ^eiligen Seronifa, jtc fotf tym was 
priemten für fein Äopf, ladjjt ber ©ottoater. 9ia, was fug' 
it£ benn, mufj ber nit fein 2Rüfcen Ijab'n, bajj er im ewigen 
geben fortgrüjjen fann, unb bir mufj idf) wofjl aud& bein 
pfeifen b'erlaub'n, bajj b* bod& metnft, bu bift eS!? 2BaS 
^alf eud& bie g'fd&ettefte Sßelt? Sefct mad&, bafe b' Ij'nunter 
f ommft, gum ©rufrgfrangl unb fag i^m , tdjj nefjm 1 eng nis 
in Uebel auf, bie anbern, bie ftdj's ba unten meift fyaVn 
woljl fein laffen, bie Ijab'n freiließ a leidet 9 Sluferftefjn g'ljabt, 
bie war'n auSg'fdjjlafen , öS IjabtS aber auf ©rben ferner 
gearbeitM 2Kfo fag i!>m, es mad&t nfe, wenn er 'n jüngften 
£ag oerfd&laft unb im ewtg'n Seb'n fott er audf) fein* Ijimm* 
lifdfje üRüfcen l&ab'n! — 

„2)a mär' idjj redfjt frolj," fagte ber ©rufcgranjl, „mann 
ber £raum fo ausging 1" 

„SBarum fottt' er nit? ©ute 9tad&t!" 

2)er ©teinHopferljannS ging feiner SBege. 



n. 

Sßaren fte Ijeute neugierig gewefen im Drt! „#ord(>, 
nws ift baS?" unb „#ordjj, n>aS mag'S fein?" l>ie|j es fc^on 
früty morgens, benn überm S3erg brüben Ijat es fo ge* 
pfuftert unb geräbelt, als ob eine Sifenba^n mär* — fo 
jagten nämltdjj einige, bie fdfjon eine foldjje probiert Ratten. 

©er Drt lag im 23>al unb hinter ben Sergen fing ein 
f)übfc$ grofe 1 ©tücf fjlad&lanb an, bort mar es , wo es !)eut 
nidfjt redfjt geheuer fdjien, aber wie grofi audj bie Neugier 
fein mod&te, es ging eben ans ,,©c|neiben" unb ba $atte 



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122 ßalenbergefd&idjten. 

feincä 3 e ü f ü * e "* en §aI6ftünbigen SCuffticg ober gar um 
btn 33erg Ijerum anbert^alb ©tunb 1 nad& ber ShtSmünb' ju 
rennen unb in bie @bene ju gaffen. 

Um SKittag jur 9taft$ett erft famen ein Sßaar gurütf, bie 
eljer iljrer Steugier ein Dpfer Bringen fonnten, ba jte gar 
nid&ts ju fdfjaffen wußten. 35ie alten 3luSneljmer, ber „Seo* 
polb" unb fein SBeib waren fdfjon frü^ morgens bie ©traße 
bafjingeljumpelt, wobei fte ben 2Beg mit ityren ©tödfen fd&lu* 
gen, — waljrfcjjetnUdj} weit es ifjnen nid&t naclj SBunfcij t>or* 
märte ging, — ber aber lehrte fidfj gar ntd^t baran, blieb 
ritfyig liegen, fo lang er mar, tljat woljl gar boSljafterweif 
manchmal unoerfefjenS ein Sodfj Dor ben alten Seuten auf, 
in baS fie fobann mit finbifdjem „§opperla" regelmäßig 
Ijinetnftolperten. 

Unb als bie beiben enblidjj bodfj, abgefjefct unb ljunbe* 
mübe, baS £ljalenbe erreichten unb t)or jtcfj in bie weite 
glädjje Ijineinlugten , ba fannten fte fidf) nodj weniger aus. 
SDenn bort unb ba ftieg über ben gelbem foljtrabenpedfj* 
fdfjwarger 9taucfj auf, es gab aber feinen gfeuerlärm von all 
ben Kirchtürmen rings in ber SBeite unb bagu pfufterte unb 
räbelte es fort unb fort. Sifenbafjn war über SRadfjt feine 
in§ Sanb gefommen — nein, nein, baS getyt nidfjt fo fd&netf, 
baS Ijat i^nen einer gefagt, ber fefbft an einer folgen mit* 
gegraben unb gefdfjaufelt Ijatte. 

„9hm, unb was ift'S benn?" unb „was war'S benn 
nadfjjjer?" fragten bie Seute, nadfjbem fte ben oerwirrten S3e* 
ridfjt gehört Ratten. 

3)a waren tljrer gwei am Drt, bie jtrf; Ijeute fdjjon oft= 
mals mit einem überlegenen Slinjeln angefetjen Ratten, unb 
baS war ber reidfjfte SkuerSfoljn unb bas ärmfte S)orffinb. 
3)er eine fo reidjj unb ber anbere fo arm, baß tljnen baS 
an ityre Stufnamen angehängt würbe unb fo $ieß ber eine 
„ber reiche SoiS" unb ber anbere „ber arme 3Mdjjer". Unb 
fonberbar, ber arme 2Reldfjer wußte es fo gut wie ber reidfje 
SoiS, was ba überm 33erg vorging unb wenn er'S aus 33e* 
fd&eibenfjeit ober S)emütigfeit t)or ben anbern nidfjt auSfagte, 



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$ie aWärd^cn beg 6teintfopfer$ann8. 123 

fo war bodfj ber reiche SotS, fo gern « M au $ f on f* ü & crj: 
Ijeben mochte, bteSmal auf bie Sefräftigung feiner SBorte 
burdf) ben armen 3Reldf)er angeroiefen. 

3HS es Dorm Saljr tytefc, „m SBten Ratten fte alles, was 
in allen oier ßnben ber SBelt gearbeit', geljanbett unb gebaut 
würbe, unter ein grofjeS ©ad^ gebraut unb ba fömtt 1 jeber 
fjineingeljn unb ftdfj'S anfdfjau'n," ba litt es weber ben 
reiben Sois nodjj ben armen 3Md[jer mefjr baljeim, ber eine 
liefe ftd& Don feinem „Sitten 1 ' bas SRetfegelb unb einen frönen 
S^vpfennig geben, ber anbere Ijat ft$ bis 9Bien burdfjge* 
bettelt unb bort SBerwanbte — ber $immel weife woljl wie* 
Dielten ©rabeS! — aufjufinben gewußt; ob es benen gur 
großen greube gefd&al), tljut nidfjts jur ©adfje, eine SBod&e 
|erbergten fte tljn boc|. 

„SBaS wirb'S fein?" fagte ber reidfje Sois unb ftredfte 
fidfj fo t;od^ er n>ar, unb falj ftolg um ftdjj. „2BaS wirb'S 
fein? ®er Defonomifer, ber £err ©raf enter 'n SBerg fdfjneib't 
mit ©ampf — nit waljr, 3Mdfjer?" 

ÜKcId^cr niefte befräftigenb fo leidem mit bem Äopfe, 
als märe baS „©djjnetben mit ©ampf" ber geringften 
Äleinigfeiten eine, bie er ju beftätigen wüfete, loljn' fidfj 
faum ber 3Rüty unb wüfete „tyrer einer" nod& gar anbere 
©adfjen. 

,,©o, fo," fagten bie, bie ins Stogwerfen gingen. ,,©o, 
fo," unb fdfjüttelten bie Äöpfe. „Äämen f rid&ttg fdfjon mit 
ben 9Mefijmafdfjinen angerücft?" 

©ie gwetfelten gar nid&t an bem, was ber reiche Sois 
auSfagte, fte fjatten fd&on lange gefürdjjtet, baoon Ijören gu 
muffen, unb nidfjt nur, was ber aJtenfdjj Ijofft, audfj was er 
fürchtet, glaubt er leidjjt! 

„©d&netben mit 2)ampf?" fagten bie anbem, benen bie 
©adje nid&t fo nalje ging, unb fdjjüttelten gwetfelnb bie 
ßöpfe. 

©as war bem reiben Sois an bie @l>r' gegriffen. „Sfjr 
%wn, feib tljr babei gewefen, tote unfereinS, bafe ifjr fo 
reb't? ©d&netben mit ©ampf ? — 2Barum nit? Wlan pflügt, 



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124 Äalenbergefdjidjten. 

man fäet, man fdjneib't; man brifdjjt mit ©ampf! 3Reint 
man bodfj mt, man fönnt' feinen eigenen Slugen trauen, 
wenn man'S mit anfielt, mag man alles betreibt mit ©ampf! 
©ptnnt unb webt man nidjjt , wäfdfjt unb maljlt man nidjjt, 
unb weift was fonft nodfj, alles per ©ampf? ©elt, 3Md(>er?" 

3Mdjjer nidfte wteber befraftigenb unb fagte aus: „man 
pflüge, fäe, fdjjneibe, brefdjje, fpmne, webe, wafd|}e unb mafyle, 
unb weifj was fonft nodj, alles per ©ampf." 

„©dfjaut man fo eine 3Jlafd&in7' fufjr ber reiche SoiS 
fort, „glaubt man erff, baS fei ein wahrer $öllenfpuf, aber 
fteljt man näfjer gu, Iriegt bie ©ad^ £änV unb güf$' unb 
Äopf obenbrein. ©eljt, obenaus gefyt ber Stauclj t)on ber 
Neuerung in bie #6V" — SoiS geigt babei nadfj feinem 
$ut, um ben Seuten ben ©djjlot ber 3Rafd&me gu oerfinn* 
lidfjen — „unb IjintenauS entweicht ber ©ampf." — Sitte 
brangten fidfj Ijergu, um bie ©rflärung redjjt würbigen gu 
fönnen, als aber gar ber SoiS iljnen geigte, wie gur ©eite 
redfjts unb linfs an langen ©tangen bie ©enfen ins Äorn 
hineinfahren unb wäljrenb bie 3Kafdf}tne langfam vorwärts 
fulj bewege, Ijerumfufelten, folange nodjj ein ^alm auf bem 
Steter ftünbe, unb als er bebauerte, tfjnen baS nur mit feinen 
gwei alleinigen SKrmen oormaeljen gu fönnen, ba ber ©enfen 
runbum wo!)I an fünfgtg ober fjunbert, wenn nidjjt gar 
meljr waren, unb als ftdjj in biefer SRot ber 3Relc$er i|m 
anfdjjlofj, unb beibe gar beleljrenb mit ben Sirmen fudjjtelnb 
über baS fjelb Ijmf dritten, ba gweifelte leiner meljr, bie 
aRäfjmafdjjine ftanb leibhaftig als unantaftbare SCfjatfad&e oor 
iljnen. (Sang unbeftritten wie ber £etegrap!) unb ebenfo ein* 
leud&tenb wie ber, fo was SlfftäglidjjeS, baft eigentlich feiner 
gu fagen wuftte, warum tljm baS nid&t fd&on längft felbft 
eingefallen fei, obwohl feiner feinem Suben wiberfpradjj, 
wenn ber gelegentlich bie Sflieinung an ben £ag legte, bafc 
an ben langen ©rätjten gegogen würbe unb bie ©epefdjjen 
bemnadj aus lauter Keinen „Sludferln" beftünben, bie ber 
SSeamte am Slrm ober gfufc, wo ber ©raljt eben befeftigt 
fei, t>erfpüre. 



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2)ie Hflärdjen bei ©teinflopferljannS. 125 

2Bar baS 33efd[jeibenljeit, um t>or bcn eigenen Ätnbern 
nidfjt mit bem Seffermiffen gu prunfen? Sldfj, bie meiften 
Seute laffen fidfj nodf> (jeuttagS bie ungereimteften SBunber, 
bie niemanb unb nirgenbS erlebt, als gtaubmürbig einreben 
unb an benen, inmitten beren mir leben, geljen jte gleich 
gültig uorüber; ba feljt gu, benn ba jtnb (auter begreif tidjje 
Sfißunber, unb ba gießet fromm ben #ut, tenn & a§ W *> et 
ÜJHenfdjjengeift erbaut unb errungen, unb baS ift ©eift t>on 
eurem ©eifte, unb ber Ijeitere ©tolg, ber eudf) befdfjleidfjt, 
roenn i^r [tili uor eud& Ijinfagt: „2)aS Ijat ber 3Henfdfj er* 
badfjt!" 2)aS ift ber ©ruf* ©otteS an bie ftrebenbe, ringenbe 
SKenföljeit! 

aRittterweite aber ging es gar fonberbar auf bem gelbe 
gu, wo ber retdfje Sois unb ber arme 3Mdfjer ben Seuten 
bie -Dtäljmafdfjtne oormadfjten , benn nidjjt lange mährte es, 
fo füllte jeber grojje Suft, gu getgen, bafi an tl)m bie S3e- 
leljrung ntdfjt nufctos aufgeroenbet roorben märe, unb baft 
er baS 35ing jefct fdfjon „weg" Ijabe, unb fo fd|jlof$ ftdfj erft 
einer, bann ber anbere bem uoranfdjjreitenben SoiS an unb 
balb fd&ritten alte SRannleute in einer langen Äette hinter 
bem gü!)rer baljer unb fuchtelten alfo anfdfjaultdjj mit ben 
3lrmen, unb ba roaren jefct roirfliclj runbum mo^I an fünfgtg 
ober ljunbert, roenn nidfjt gar metjr ©enfen in Sirbett unb 
fo mähten jte über baS leere gelb, baft es eine greube mar. 

8a, roenn einer roaS SReueS lernt, fo oljne 9Rüf)\ baS 
gibt t)iel Suft unb greub' unb geljt nichts über einen roadferen 
Seljrmeifter, etroa roie ber reidje SoiS einer mar. 

SlbfeitS ftanben bie SBeibSteute unb mußten mdfjt, fottten 
jte lachen ober erfdfjredft tljun, benn bie 3Ränner arbeiteten 
pdf) gang redfjtfd(>affen ab, freilid^ oljne SRufc, unb taftroetf 
roar'S immer ein ©tretdfj, roenn ifjre 3lrme burc$ bie Suft 
fuhren, unb feiner geigte eine gälte im ©ejtdfjt — ber SKugen* 
blidf mar gu emft. 

§immel, mie erfd&rafen jte unb mie fuljr bie Äette aus* 
einanber, als plöfcltdjj ein greller $fiff ertönte, als follte es 
ber SKafdfjine an gar nichts fehlen. 



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126 ßalenbergefd&td&ten. 

2)a mar mit einmal bie ganje SDKafdjjine tyüBfdf) in alle 
£eile gctlcgt. — 2)ie SBeiBer Iahten rote toll, unb ber lefcte, 
ber ftdj unBemerft bem Suge angefdjjtoffen, ber fudfjtelte nod|} 
fort unb fort mit ben 2lrmen, f^naubte unb [tiefe bann 
roieber jenen fdjjredKid&en Sßfxff aus. 

Sefct aber Iahten alle unb riefen: „©er ©teinf lopfer* 
$annS!" 

2)er mar es auc$, er liefe jefct bie 2lrme ftnfen, [teilte 
bie SlrBeit ein unb [agte: „©rufe eng ©Ott! 3$ ^V fdfjon 
g'meint, öS fetbs alle miteinanber narrifdj) roorb'n." 

„211) na/' [agte einer, „roaS b' g'feljn lja[t, bog mar nur 
bie 3Rä|ma[(^in , tum brüBen, som $errn ©rafen, wie f uns 
ber reidje SoiS erflärt Ijat." 

3Jlan fldjt, Unbanf i[t ber SBBett Sofyt; bafe ber arme 
■Dteldfjer fie mit aufgeftärt Ijatte, baran backte feiner metyr. 

„211)," [agte ber ©teinf topferfjannS, „bös mar alfo bie 
^äljmafdfjinM? SRa, tS a fdfjön'S ©'fpiel!" 

„%<$ finb 1 nis Suftig'S an [o einer 9Rafdfjmy [agte ein 
SCagroerfer, „bös Bringt uns nodjj um unfer Srot; roaS 
oerbteiBt uns Ijernad&er? 2)em feurigen Untier nad&rennen 
unb bie ©arben Binben. ©elB' werben f a Biffel SKü^ 
nennen gegen früher unb a nur a Biffel Soljn jaljPn rooITn 
bafür." 

„$reiltdfj rool^/' fagte ber Sefjnerferbl, baS mar audfj 
einer oom Stogroerf unb neBenBei im ganjen Drt als oer- 
roegener Surfte Bef annt, mar feine Stauferei ober fein Unfug 
oljne üjn. „§reilid[j rooljl/' [agte ber, „fo fommt'S unb an- 
berfdfjt nit. 3$ roüfet\ roas man tljun fofft', aber öS [eibs 
lauter Setfeig'n unb eins allein ridfjt 1 ba nfc. hinüber foHt' 
man, mit beS ©rafen Stogroerfern fott? man reben, mit 
ifjnen üBereinS roerben unb bie fjölltfdjjen 3Jtafdjjinen $er* 
ausholen aus 'm ©tabel unb Juristen, bafe f fein Teufel 
metjr aufgteidjj bringt." 

„Unb b'©d[janbarmerie?" roarf einer Bebenfltdjj ein. 

*§*" f a 9* *> cr Sefjnerferbl, „wegen ber fiejmn' iä) mid[j 
nit lang, Bis fte fommt, ift bie ÜEenne rein, bö SlrBeit 



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$te Wäxtyn beä 6ieinftopfer§ann8. 127 

oorbet; folgt'S mir, bö fott'n bie wenigften t>on uns er* 
tmfdjen. 3Rir rooIPn feine SKafdfjinen, Ijifct tS'S Seit, baft 
man ein 1 SBetfer gibt, et/S ju fpat roirb unb & 1 t)iel fdjon 
in ber ©egenb fein, als bafc man f auf ein' ©tretet ab* 
tf)wx fönnt. Stit wir Stogtöfjner allein, a SauerSleut* vom 
alten ©djlag mögen bie 5Wafdfjinenn>irtfdfjaft net. airbett 1 
fo ein ©rofcer billiger, fo brucft er alle Älem' mit 'n 
«Preis." 

„SBoljl, rooljl," fagten mehrere, bie Heine SBirtfdfjaften 
Ijatten. 

„2Ber roeifc, maS uns fo a aJlafdjm'jeit alles nod[j 
brädjt 1 ? $at'S bodf) ber reidfje SoiS f eiber g'fagt, man traut 
fein* eignen 3lugen faum, was man Ijifct alles mit 3)ampf 
betreibt.' 1 

„2BaS frag 1 idjj banadjj," fagte ber ©teinflopferljannS, 
„eins lönnen f bodfj nid&t mit ber SDKafdjjtnM" 

„2BaS?" fragte ber Seljnerferbl. 

„Seut 1 in b'SBett fefcen," fagte ber ©teinflopfer. 

„2)u bift allroeil ber unjeitig 1 ©pafjmadfjer," fdjjrte ber 
Seljnerferbl. „2Ölmal! 3Kit bir fönnen f 1 audj nodfj fertig 
werben, bie ©teiner mxVn f 1 bodfj mit Stampf oerfdjjlagen 
fönnen?" 

„S^äten'S oieHeidjjt e^ fdjjon lang/' ladete ber ©tein* 
flopfer, „mann ftdfj nur bie Äofjlen bafür ausbluteten. SVaRa* 
fdfjin 1 fann bodj nit, rote id^, nebenher betteln ober ins 
,»afteln' unb Aushelfen gefjn?!" 

„9to fpafj bu, no fpafe bu," ärgerte ftd(> ber 2luf* 
Ijefcer. 

„Seffer ein luftiger ©pafj als ein trauriger @rnft," 
fagte ber §annS, „roie einer is, tn ben bu bie Seut 1 hinein- 
Ijefcen mö<|'ft! 2)ir mär 1 bodfj nur ju tljun um ben SBirr- 
roarr unb um baS ©aubium, wenn alles brunter unb brüber 
ging, fo weit fenn 1 idjj bidfj, unb roenn bu fagft, bie ©dfjan* 
barm 1 follten bie roenigften fangen, fo mein 1 idfj felber, bafc 
fte nur bie g'ringften errotfdjjen motten, bu roärft fdfjon lang 
überS @df. Unb roaS mär 1 'leidet bamit geriet 1 ? Äämen bie 



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128 Jtalenbergef$t$ten. 

3Raf deinen befctwegen ntd^t ins Sanb? 3t wo^t, wer f 
brauet, ber ruft f, unb ba fmb f. §alV einer ein' Sifen* 
BaJjnjug auf! 35er Bringt f Ijergefüljrt, unb wollt 1 f unfer* 
einer Ijab'n fo a SKafdjjtn 1 , mö^t' f fein'm g'fallen, wenn 
man tym'S möd^t' in Uebel aufnehmen, bafc er fein ©elb 
brein legt. 9ffier 93ltfc Ij'nem, was reb' idjj eud|), mir liegt 
fein 1 aRafdfjin' net auf unb eud& tljut fte'S aufy nit. Des 
Saffi, oerftunb'S was baoon, fo wüjjt'S, felb' fann 'm ©rafen 
brenten von SRufc' fein, aber ba für lein' Sauer gibt'S a 
9RafdS>in', bie überm frumpen ©rbboben, über bie Seinen unb 
2tnftieg' hinauf unb hinunter was ausrißt*. Äinb unb ÄmbS* 
finber t>erleb'n woljl nodf) euer Stogwerferleb'n, für bös od 
eng fo weljrtS, ejj bös anberfd^ter wirb. Stber nad^ater 
ftmmt a Seit, wo nodjj fein 3Renfdjj a Sfoee f)Qt baoon, als 
wie i<#, ber ©tetnflopferljannS, benn mir iS'S bie »ergangene 
2Balpurgt8nad|)t auf gangen wie bös Sudjj mit bie fteben 
©tegeln; no, öS wifct'S, idjj bin a SReufonntagSfmb, für 
unferetnS IjafS fein ©eljehnnis in bie Staunädfjten, 8' gange 
3>aljr über unb banadjj a nodjj net." 

©nige fitefeen fidf) Ieife mit ben Sffbögen an unb ladeten 
einanber ju, anbere aber, bie nod|j abergläubig waren, 
BKrften beinahe eljrfürdjjttg auf ben ©teinflopferljannS (jin, 
ba er oerftdjjerte, bafe es für iljn fein ©eljetmniS Ijabe, „'S 
gange Sa^r über unb banadfj a nodjj nit". 3)a aber ber 
$annS wäljrenb biefer Seit beS ehrfürchtigen ©d&weigenS 
baS SKauI guthat, als ob er'S nimmer aufmalen wollte, fo 
fiel biefen gläubigen ©eelen ein ©tein vom #erjen, als 
ein vorlauter Surfte aus ber &al)l berer, bie meinten, 
ber $ann8 foCte eigentlich SßrafylljannS Ijeijjen, mit ber gftage 
loSbradjj: 

„SRo, unb was war benn ju SBalpurga?" 

„S3ift red^t oorlaut für bein Stlter," fagte ber ©tein-- 
flopfer. „2Ba8 geht'S bi<$ an? 3 mag'S feit ber Seit nit 
leiben, bafe man über b'3Raf($m' fd^impft." 

„SBergäljl bod&, ©temflopfer, t>erjäl)l," rief es jefct oon 
allen ©eiten. 



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$te SJtördJen be« ©teinflopfer§ann3. 129 

„SDöS Ijab 1 i mir c^ benft," fagtc ber angerufene, „bafc 
58 mir mieber eine von meinen maljr^aften ©'fristen 
'rauSbrateln möKtS, um ijmterbrein j 1 fag'n, es mär' alles 
b'erlog'n unb auS'ttpfelt. ©leidfjmoljt liegt mir nfe bran. 
Soft'S ju." 



3- 5>ie $'fW von bet Waftyn 9 . 

Vergangene SBalpurgtSnad&t mar'S — natürlidjj erft mie 
ber Sag vorbei mar, tagüber ift'S aber laut Vergangen, 
ein'm gabrifsljerrn in ber ©egenb fein feine Strbeiter j'roiber 
morb'n, er Ijat ftdjj an iljrer ©teff* 3Raf$inen ang'fdjjafft, 
bie Sännmadfjer fortg'fdjiicft unb bö brauen Seut* ju bö 
3Jlafdfjinen g'ftefft. ©öS mar am Vormittag. SRadfjmittag 
aber fein bie Stö'banften alle von bö 2Birt8ljäufer, mo fte fw| 
„$roft im Seiben 1 ' g'ljolt Ijaben, aussogen, ber gfabrtf ju; 
[jinter iljnen Ijer unb mit iljnen £agbieb\ #aufterer, £ag* 
roerfer, furj atterljanb ©'fmbel — idfj mar a babei. 

2öie mir ju ber gfabri! 'lommen fein, fein mir ganj fedf 
hineingegangen, bö brauen SeutV bie nodjj brin in Strbeit 
maren, Ijaben uns jroar bös öerroeljr'n molTn, aber mief 
g'feljn Jjab'n, bafc mir bie meljrem fein, unb mief 1 gum 
SJerloften a nod& a paar Sßuffer 'friegt Ijab'n, ba fein f auf 
baS, maS nacfjfommt, nimmer neugierig g'meft, fonbem fein 
gutwillig bawng'rennt; ber #err unb fein 33ud$alter fein 
berroeil t>orS £auS g'rennt unb Ijaben balb bort, baß) ba 
ein £räuperl Seut' mit fdfjöne Sieben befd^mid^tigt. 3)ermeil 
bö brausen gu bö Ung'fctyrlidjjen f<$ön gWt Ijaben, Ijat'S 
brin im £auS tum fragen unb poltern ang'fangt — bös 
maren mir von brinnat, mie mir uns über bie 9Wafdfjinen 
^crg'madjjt Ijaben. 3 bin fo a SßeiP babei g'ftanben, Ijab' 
jug'f<#aut, unb mie'S grab mieber über fo ein 3)mg gefjt, 
ba reifet'S mt<# — tljuft a mit! — unb i ^eb' ba fo a 
Stamm ßifen auf, IjoP aus unb Jjau 1 ju, bös SMng mad^t 
no ein Äeud^ejer, unb Ijin mar'S! 

9(n|tngrufcer, ©ef. SDOetTe. V. 9 



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130 Jtofettbergefdjidjten. 

2)a{* i<§ fag\ b38 mar fo ein flotter SDurd&etnanber 
etroa nod|) a SSicrtelftunb', bann ^eifet'ä auf einmal: 2fa8* 
galten unb t>erfd|)n>mben, von ber ÄreiSftabt fommt a ganj'3 
33ataiHon Söger. D bu fdSJmerjljafter ©eBaftian! Äaum 
fagt baä einer jum anbern, fo Ijör'n roirf a fdjjon Blafen! 
3to, jefct ift ber SBirrmarr anfangen, '8 treten unb 3)rucfen, 
'8 Sfrretieren, ÄolBenftöfe' — t$ roetjj nur meljr, bafe iclj 
mit genauer 9tot burdjgerutfdjt Bin; mit ein* S^ger, ber 
midfj $at aufljalt'n mott'n, Bin id|) in 'n ©raben l) 'nunter* 
'fugelt, unb wie mir uns äff' groet aufhelfen, fommt iljm 
bie SBajonettfdjjeib', bie langmädjjtig' SeBerrourft, groifd&en bie 
gfüjj', unb et)' er ftd^ no$ roieber aufgleicjj jappeft $at, 
mar id|) fdfjon lang im SEBatb. 

Unb im SBalb mar'8 fcfjon nacfjtig unb roie idjj mir grab 
fo benf : Seuft Ij'nein, jc^t Ijaft nod^ a gut ©tu<f SBeg 
Ijehn, fallt mer ein: $eunt t8 SBalpurga! 3Rir roirb ba glei 
nit redfjt g'ljeuer, no fein 6'funberS ruljig'S ©'miffen IjaB' 
i grab a net g'fyaBt, roa§ idfj in ber $aBrif brin 'tljan 
IjaB', mar ja a grab fein B'funber'8 red|)tfdj)affen'8 ©tu<f 2tr* 
Bett unb bafc idj gulefct bie DBrigfeit ftclj naefj mir IjaB' 
aBegappeln laffen, mar audfj nit fdfjön; aBer ba Ijat mid^ bodf) 
eins 'träft 1 : warum 1)at a bie DBrigfeit fo ein langen UeBer- 
fdjjroung g'ljaBt. 

©ottft auf 'm gfaljrmeg DerBIeiB'n? ©eljfi bie einfamften 
©teig'? ©eljft lieber gar auftf au% 'm SBalb auf bie monb- 
fjette SBiefen? 3Ba3 t§uft, mad i8 g'fdfjeiter? ©o IjaB' trf; 
fpintiftert. Unb mie t<# miefj nodfj fo Bebenf , fomm' id£ 
oon freien ©tttefen au8 'm SBalb aufter, roifcts ja alle ben 
glecf enter ber 9tie8lermül)P, wo redfjtä unb Knfä bie SBeib* 
pläfc' in ber $o^ lieg'n unb mttt' burdfj füljrt ein Heiner 
$o^Imeg naclj ber ©träfe'; t>on weitem Ijat man bie ÜRü&l' 
g'ljört, fonft mar alle« mäuferlftiff, bö Säum' fein Bocffteif 
bag'ftanben, fein Süftel, aBer ber SDtonbfd&etn, tc$ Jag' eu<#'8, 
ber war anberfd&tet afö fonft, ber Ijat fo aufbringt g'leudjt, 
als roufjt' er üBer jebes ©teinbl am SBeg was ju fagen, um 
bie ©ra8$alm*, mie f ' am #o$lroegranb $erunterg'§ängt fein, 



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$te SR8rc$en be* €>teinriopfer§annS. 181 

fyii er g'fpielt, unb bie ©chatten $aben DöKtg gittert in fein' 
©lang, es war frei ein laut'S £t$t! 

Unb grab, wie mir bös jum g'falPn anfangen triff, 
wirb mir auf einmal idfj weife nit wie; inmitten t>om £ol)l* 
weg mar idjj, fonft mär' i<# glet lieber roieber g'ruÄg'rennt. 
3)a fommt'S a fdjjon von weitem Ijer ÖU f m i^ j U _ ^ n 9 
mächtig grofe 5Ding, glfinjt, bafe ein'm t>öffig bie Slugen 
we$ tljun, au§ fein £ut tS Staudj aufg'ftieg'n, auf ber ein' 
Seiten Ijat'S mit ein* Slrm in ein* eifern* ©tiefel g'langt, 
unb tS babei affweil $in unb Ijer g'fa^ren, grab wie wenn 
unfereinS in einer Saften nadj ©elb fudjt unb lann feinS 
pnben unb gebärb't jtd& wie net g'fd&eit, unb auf ber anbem 
©etten Ijat'S ein Stabl g'&abt, ba mar ein mäd&tig langer 
©djjwungriem' bran, unb wie*« fo auf midj gurogelt, unb 
idj fdjau' fo auf ben©appermentSrtem', ben!' ü$, jefct tS'S 
le^t 9 <5nb', wenn b'etn' fo ein' 2Bfeer friegfi, tljut bir fein 
Sein meljr welj! 

#t$ten fteljt bas SDrng auf einmal {IUI, pfnauft SDampf 
aus, unb lafct ben ©djwungriem' fallen. SDa tS mir glei 
leidster g'wefl. Unb fagt bas S)ing ju mir: Äennft bu 
mi(|? 

©ag' i<$ brauf: Stein, aber mir war'S lieb, für ein 
anberS ÜRal, wenn'S fein fömtt', benn $mt is mir nit recfjt 
gut unb tdj bin ju folgen {Dummheiten nit aufg'legt. 

£>rauf fagt bös S)ing nit ein' SMflen, fonbem tljut ein 
Reu^ejer unb fleljt ftiff. 

SeffeS unb Sofeplj, ba I>ab' id&'s b'erfennt — war bös 
bö feiige SRaföut', bö tdf> Ijeunt in ber gfabrif um'brad|)t 
f)aV\\ 

Des fennt'S eng beulen, wie mir ba war, allein, in ber 
SBalpurgiSnadJt mit fo ein'm ©puf. 'S £erj Ijat mir t>öllig 
aus 'm Seib $erau8 wollen vox Ängft. 

©agt bie aJtafdjjin' no<$ immer fo rau$ unb ßofewetf 
wie twrljer: gfttrdjt' btdj ntdjt. 2#u,wa8 t<$ bir fag', ba 
hinten an mir $ängt ein Äanbl mit Del, furnier midj. 

©o triel qh$ meine §&nV gittert $aben, was mir jeber 



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182 Aalenbergefd&td&tett 

glauben fann, fo Ijab' tdf) bodj bie Äanbl Ij'runter g'nommen 
unb $ab' §alt, fo gut id^'d troffen Ijab', bas 3Raf<$in'gefpenft 
gefdfjmtert. 

Unb nrie'S gefeiert war, Ijat'S auf einmal mit milber 
Stimm' ang'ljebt jum reben: £annS, $at'S g'fagt, bu roarft 
$eut a\x$ einer von bö bummen Simpeln, bö fid& nidfjtS 
©'fdJetterS 8* ^ un g'wußt Ijab'n als anberer Seut' ©ad&en 
ju ruinieren, unb bie lein* SRefpeft Ijaben für baS, roas von 
braver Arbeit unb red&tfd&affenem ©tubteren in mir liegt! 
Slber böd t>erftel)ts öS net unb ba muß man ftitfljalten 
unb ftdjj jerfd^Iagen loffen. Des mottt'S Ijalt nit t>erftetjn, 
nit begreif n, überhaupt nij lernen, es „glaubt" ft<# Ijalt fo 
t)iel leidet unb es „weiß" fi<# $alt fo otel fd^roer, unb fo 
fong'S a fo bleibt, geljt bie ganje Sfofflärerei wie a Ätnber* 
tanj um 'n SDtatbaum aUmft runbum unb otjne baß man 
eng g'fd&eit machen fann, fag mer eng nur attroetl: „2Bie 
öS bumm fetbS!" 

Sa fag' i<§ brauf: SBergelt'S ©Ott, aber baju braud^' 
mer fein SRafdjin', bös fag'n mir uns f eiber untereinanber 
aU' 2tag. 3ßj|, fo g'fd&eit fein mir fdjjon, baß mer bumm 
fein! — 2>enn roie tjorfjin ber©puf fo freunbliclj unb eim 
bringlidj g'reb't Ijat, Ijab' i<$ mir a #erg g'faßt g'ljabt, is 
mir aber glei nrieber abig'rufd&t, wie '8 3Rafdfjm'g'fpen|t an* 
Ijebt: £i$ten fteig auf mein' SRutfen, bu mußt mit! 

3df> nritt grab alle ^eiligen ju geugen anrufen, baß idfj 
feit ber Äaaafrerie fein SRoß meljr ang'fd^aut §ab', baß tdfj 
3Jlafcpn'reiter fdfjon gar feiner bin . . . 

Slber ba ftoßt bös SDing fud^tig fein' eifern 1 Sfcm in ben 
©tiefet auf ber ein* ©eiten unb braljt 's Stabl auf ber anbem, 
baß ber ©d&nmngriem' fliegt. 

Sn ©ott'S SefuS 9tom\ $ab' t<$ mir benft unb bin Ijalt 
aufg'ftieg'n, unb wie i<$ ftfc', geht'S a f<$on fürt, baß mer 
ber Stern unb bie ©inn' ausgeblieben fein, i<# fönnt' eng's 
brum a nit fagen, roo^in midj ber SDtalefiafpuf g'fltyrt Ijat. 

'S mar mir aber fo, als faß* t<$ auf 'm $öd&ften Serg 
oon ber Sßelt, wie er Jjeißt, fönnt 'S ja 'n ©djulmeifter frag 1 n, 



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Sie SRärdJen beö ©teintfopferljannS. 133 

g'nug, baß id& broB'n war in bcr SBalpurgiänad&t oergangen'3 

Unb wie i<$ fo §eruntergu<f auf bö Sßelt unter metner, 
fagt bie aRaf^in*: ©o ift'S jefct! 

3$ fdfjau', ba fommen f baljer in ein* langen #ug, Sir« 
Beitdleut' aller Art, alle oerlrüppelt, Breftljaft ober »orgeitig 
alt unb ausgemergelt burdj *n ftrengen @rwerB, burc§ bie 
ung'funbe £antierung, bur<# ftruBfal um iljre alten Säg* 
— unb wie tdfj fo in ber SRunb' fdjau 1 , fe^ id& bie anberen, 
bie no<# gefdjjaffen IjaBen, ftclj Ijmunterracfem wie bie Sieger 
mit ber ferneren 2lrBett, jtd& 'S SBlut oergiften mit ©tauB, 
unbfo garb', unbanbere Sßafceret'n unb wieber oöllig j'famm** 
f krumpfen auf ein' %hi, von bem f bie ©org 1 umS Srot 
nit weglaßt, nit a wengerl in bie frei' 2uft, faum im 
%a\)t amal! SBie t<# fo baS @lenb ba oor meiner ftel>, fc&lag' 
idf) bie £änb' j'famm* unb fag: #immlif(fjer SSater! SDu 
triffft bo<$ allmal bie redete SKifd^ung gwifdjjen £ergloab 
unb £ergenSfreub', baß *m SRenf^en nit g' gut unb nit 
g' übel wirb auf ber Sßelt unb er 'S SeBen aushalten fann, 
benn UeBermaß von ein'm ober 'm anbem tljut niemal 
a gutl SBie magji benn a fo oiel ÜRüljfal auf ein' ftlzi 
g'famm'trag'n?! 

©agt bie SKatd^n': ©trapagier bi<$ nit, möd&t* ber £err 
allen gragern g* ©*$ör fein, oerBraudJert er fein* gange 
ßwigfeit gum antworten. Verweil wir ba reben, geljt bie 
2Belt wieber iljr StuÄerl weiter, ©<$au lieBer, wte'S einmal 
fein wirb. 

3df) fdjjau 1 wieber. 3» bie gange Sßelt wie »eränbert 
g'wefen, alle«, was man beulen unb ftnnen !ann, baß nur 
möglidj ift, es rü^rt ber 3Renf<$ nit fetter mit feine £änb* 
bran, baS IjaBen SKafd^inen gefd&affen, unb an ben 3Raf<|inen 
fmb jte g'ftanben bie neueren £eut', unoerfrfippelt, unoer* 
lümmert, fdfjön groß, ftarf, unb Ijat i^nen bie ©efunbljeit 
unb bie ©'f^eit^eit' aus b5 äugen g'leuc$t\ ift jeber wie 
ein ßönig an ber 3Raf$m' g'ftanben, bie er gemeiftert fyat 
Bis aufs lefcte 9tobl. 



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134 Ättlenbergefd&idjten. 

Unb über bie Sßelt war ein großer Arbeitstag mit lauter 
faubre luftige SlrbettSleutf! 

Xtnb wie tdfr baS |ted^% ba Ijab* t$ mtd& in bie §Vty 
g'ftredft unb ^ab' g'jud&gt: 3uc$e! £ifct ig '8 SrotförM 
meber, unb ba« fein meine 2eut', b5 galten boc$ ein' Sßuff 
aus, unb fo fteljn f mir an\ 

Xtnb wie td& fo fdjrei', oerfdfrwinb't bös ganje ©'ftdjt, 
b*9Rafd&in padft mi$ wieber auf unb fefct tmdj nähert 
ab, no 58 fennt'S ja bös SJJlafcl, enter ber StteSletmüljP 
inmitten vom $o§lweg; unb wie'8 midfj ba (od tS, fagt'S: 
©erouS! 

34 fag': S3'$üt bidj ©Ott unb $alt §alt a fein 3Bort, 
aJtafd&in'I 

Unb fort mar f ! 

9ta alfo, bös mar ju SBalpurga twrig'S Qaljr, unb {tber 
ber 3«it ntag id& fein' SKafd^in 1 fd^icf anfd&au'n, 'S tljut 
mir völlig fd&on um a Sid^tf^neujen leib, mann f a Heiner 
33ub' oerbri<#t. 9to, wo tS benn ber Seljnerferbl §tn'f ommen, 
föau, t$ Ijätt' grab g'metnt, ber wurb 1 midji gern Sugen 
[trafen mögen! SBT&üt ©Ott miteinanber, $ifct muf i$ wieber 
l'nauf nadj mein* ©tembrudj! 



m. 

@S war ein abfdjeulidjes 3Serbred&en, baS ba brausen, 
eine ©tunbe SBegeS com Orte, in ber einfamen SDtüljle ge* 
f<$a$. 5Det alte SDtfiller, ber barauf faß, war t)or Sauren 
oerwitibt unb Ijatte eine junge ÜRagb in 3)ienft genommen, 
bie tym feljr gefiel; als er nun merfte, fie werbe in gutem 
ttjm nid&t ju SBUIen fein, fo brauchte er ©eraalt. 6s Ijätte 
i|m übef befommen fönnen, wäre bie ©irne bamalS in bie 
©ertöte gegangen, aber was getraut ji<$ fo ein armes 
©efdjöpf ? ©ie bemütigte ftd& cor bem Sitten, befdjwor üjn 
um gefu willen, fie mdjt in ber ©<$anbe ju laffen; baS 
war es, was er fjaben wollte, er machte fte ju feiner 



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$te 2JtärdJen beS ©teinffopferljannS. 135 

3Jtü&erin, bie Beute fanben baS für ganj auSneljmenb Brat) 
geljanbelt unb lobten unb rühmten i^n r — aber es Befam 
i^m übler! 

2Bte ftd& ein ©mg antöfjt, fo mädjjft ftdjj'S audf> aus, 
maS mit ©d&anbe, Slngft unb £eimtüdfe Begann, fonnte 
ntdjjt mit QH)t\ grieb 1 unb Offenheit enben. @S lam ba 
ein junget Äne<|t auf bie 3RüljIe, unb ben modfjte bie 
SKüttetin leiben. Um iljre Qugenb mar fte Betrogen morben, 
aber baS junge Slut Behielt fein Siedet. 2Bol)l mußten betbe, 
es mar nidjjt redjjt, maS fte ba im geheimen fpannen, fte 
xovfyttn es, gleidj rote es anljoB, bie Müllerin muffte es, als 
fte bem Surften julädjjelte, unb ber Surfte raupte es, als 
er verlegen baS Säbeln jurüdfgaB, aber baS fa^ fte boclj 
ganj unfdfjulbig an unb man fonnte ftclj ja Ijüten, aBer fo 
blieb es Bei jebem ©dritte, mit bem fte ftdjj meljr unb me^r 
nä^er rfieften, unb julefct erfd^ien ben Beiben felBft baö 
Slergfte unverfänglich. 3$re Siebe mar freiließ nid^t rote bie 
anberer Seute, fte burften nidSJt ftolj aufeinanber fein, fte 
mußten barauf adjjten, bafj man rii^t merfe, mie gut fte 
einanber feien, unb baran mar nur ber 2Hte fdjjulb, fie 
Ijofften, er werbe bo$ Balb t)erfterBen. ßinmal mallfaljrte 
bie SKüHerin, ein anbermal ber Äned^t nadjj einem naljen 
©nabenorte unb Baten bie SRuttergotteS , fte möchte fte er* 
föfen, fte Beteten — um ben £ob eines ÜRenfd^en! 

SfBcr bie SBaCfa^rer Ratten fein ©lücf , ber 2Kte BlieB 
räftig unb gefunb, als fotttc er emig leBen. 

35aS mar Ijart für fte ; mie lange foKten fte benn nodfj 
märten unb Ijarren, um es ju gleichem @nbe mie anbere 
SieBeSleute führen ju fönnen? Smmer unleiblid&er marb 
. i&nen ber S^ang unb baS ©eljehnttjun unb fo fielen fte 
benn in einer Stacht gemeinfd&aftlidfj über ben 2Üten Ijer unb 
liefen nidfjt aB t)on tym, Bis er tot mar, bann festen fte 
bie 2JtüljIe in ©ong — baS flapperte plöfclid& meitljin burd|) 
bie ©tiffe ber SRadfjt, als moCte er baS ruljenbe Sljal aus 
bem ©d&lafe fdfjretfen, aBer iljnen taugte baS ©etöfe, es 
liefe fte nid>t Kar werben über baS ©eföeijene unb nidjt an 



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136 Jtolenbergefd&tdjten. 

ben fommenben SRorgen beulen. SDen Seidjnam warfen fte 
in bas fretfenbe SRab. 

3>ie ©onne, bic fte wecfte, war eine anbere als bie alte; 
was war baS für ein abfdjjeulid&eS Sid&t, baS in aKeSBinfel 
fpäljte, bur$ jeben Sretterfpalt fiel?! 3)ort ftaijl es fid^ 
burd|) bie vergangenen fünfter in bie leere Äammer unb ein 
wirbelnber ©treif tanjte über bie Sßolftcr beS SBetteS, fanb 
aber nid^t, wie fonft, einen ©d&läfer ju wedfen. äßie gitterte 
baS SBaffer am SWüljIrabe unb — o, wer ft<# IjinjufdUauen 
getraut ^ätte! — wie es ben toten SDtann mit jeber Um* 
bre^ung Ijervor an baS £id&t fd^feifte! 2Iber ba galt lein 
©äumen, Iebenbig wirb eS föon ring« im £ljale, bie Seute 
werben lommen, bafs fte audf> fommen muffen, bafs boclj bie 
2Bett biefe Stadjjt über auägeftorben wäre! 2BaS fagen? 
3Ba8 tljun? 

SDie ÜRüljIe würbe geftettt, bie ÜRüCerin ftürjte mit 
Sammergefd^rei, verwirrt unb entfefct in baS 2^al na<# ber 
näd&ften £ütte, um ben Seuten jujufd&reien, bafc Ijeute nadjjt 
Ujr 3Jtann verungtüdt fei. 

2tber bie ©onne, bie böfe ©onne mit t§rem aufbringlid^en 
Sichte ging nid&t unter, oljne alles an ben Sag gebracht gu 
Ijaben. 

3)er ÜRonb fanb bie SKül)Ie leer, bafür fa$ er bort, fern 
in ber ÄreiSftabt, als er bie ©Ratten ber ©itterftäbe in bie 
©efängmSjeKen warf, ein junges 2Bcib mit verweinten 
Sttugen unb einen Surften mit ftieren, glanjlofen Süden 
fd&IafloS vor ftdjj Ijinftarren. 

S)aS war eine Aufregung im Drte, als man bie beiben 
feftnaljm, baS wogte ab unb ju nadfj ber UnglüdfSftätte unb 
nadf) bem ©emembef otter , wo bie Später unb bie Sanb* 
jäger, bie fte ju bewadfjen Ratten, auf eine ga^rgetegen^eit 
warteten, unb als fd^on lange ber unbeholfene Seiterwagen 
über bie ausgefahrene ©trafje baljingepottert war, ftanben 
bie Seute noc| überlaut rebenb vor iljren £ljüren. £)as 
©emetnbewirtSfyauS war überfüllt von erregten ©äften, bie 
ft<$ burclj ben £runf noclj meijr ins geuer brauten; was 



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$ie SWärdjen beS 6tein!lopfer§annS. 137 

wollte ba jeber f<$on lange gefel^n unb gehört Ijaben, baS 
iljm bebenflidjj öorlam? 3)a war feiner, ber es nid&t fd^on 
früher gemerft Ijätte, rote in ber 3RüI)le nidfjt alles richtig 
gemefen, unb fdjjier alle Ratten es oorfyerfagen mögen, 
baji baS lein gutes @nbe neunten fönne. SDa war leine 
übte SRad^rebe, bie nidfjt il;re jufttmmenben £örer gefunben 
Ijätte. 

Unb es war allwege nid^t benttar, bafj an bem SBeibS* 
Bilb unb bem Surften jemals ein gutes $aar gemefen märe, 
bie mußten von Äinb auf uerberbt unb verworfen gemefen 
fein, waren gar niemal wie anbere Seute gemefen, benn 
red^tfd^affenen Seuten — jeber fd&meid&elte fu| ju benfelben 
ju jaulen, — fönne fo eine gräftlidüe %f)at gar niemals Bei- 
fallen. 

3n einem Sßinfel ber ©tuBe tranl aud& ber ©teinflopfer* 
tyannS fein ©lösten unb raupte feine pfeife, jefct mar fte 
it;m aber ausgegangen, er Ilopfte bie 3lfc§e in berfelBen an 
ber Sifd^fante aus unb fagte:„DeS feibs red^t d^riftlid^ — 
red&t d&riftßd&!" 

„SBerb'n mir'S boclj nid^t gegen fo SKorbgefeUen fein 
follen?" 

„SBarum mt," fagte #annS, „mer ftcfj für djjrtftlidSJ aus* 
gibt, foff allezeit babei bleiben unb mann idjj midjj retfjt be* 
ftnn', fo fte^t bod& gefd&rieBen: Stiftet nidfjt, ba| Ujr nid&t 
geriet* merb't!" 

„®S mirb au$ lein e^rlid^er ßjjrtftmenfdfr ein'm anbern 
maS nacijtrag'n, aber fo ein 3Rorbgefmbel jäljlt bod& nit 
bagu!" 

„2Bar woljl auclj a 3eit," meinte ber ©teinllopfer, „mo 
fte lein 93röfel anberS maren als eins ton uns ba!" 

„9ia, ^ör auf, #annS, baS is lein 3leben, fo ein ©tütf 
brächt' wo§l leiner, mie mir ba fein, überS £erj, baju mujj 
man fd&on ganj gottoerlaffen auf bie SBelt fommen, baju 
mu$ eins fd&on beftimmt fein." 

„S)ann is audf) baju beftimmt, mer Ijeut ftd^ ein' SRaufdj; 
trinlt! 3§r betet bodfj aHtag paarmal 'S SBaterunfer unb bei 



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138 Äalenbergefd&tdjten. 

bev Stofenfeanjanbadjt fd&on gar, wetfc nit, tt)ie oft, aber 
roo^I weil'S unferm £errgottfn oermeint ig, leiert'S öS l>er* 
unter, bafe'S fein Seujel oerfteljt, öS fetter ober auc§ nit; 
fonft mödjjt' euclj bodf) bei einer SJitt' einlenkten, felb' war'S 
g'fd&eitefte %tim, waS'S jemalen af berer 2Belt geb'n Ijat, 
bö Sitt', was id> mein', ^ei^t: gftiljre uns nid&t in $er* 
fud&ung! @S tS fdjjon fo, bafc ftd& einer red&t brao Ijalt't, 
wann tljn fein 1 SBerlodhmg betrifft, unb geljt mancher als 
eljrltdfjer -Kann fein' 2Beg, weil iljm bie SSerfudJung nie be* 
gegnet. Äommt'S aber einem über bie Duer, fo gibt'S ein 
jjart' ©tüdf Arbeit, ba fott ftc$ feiner aufwerfen unb t>er* 
meinen, er wüfct', was ba aus tym wurb'; often fommt'S 
rucfroeip unb fü$rt 'n Srittl für SCrittl, er benft fidjj's babei 
felber nit aus, woJ)in. Dften fommt'S mit ein'mmal unb 
er tljut, was er augenblidte brauf not für möglidjj Ijalt't, 
es mär' fein 2^un unb $at woljl audjj oor furjer SBetl' 
g'fagt: ©o a ©tücf bräd&t' wo(jl feiner, wie wir ba fein, 
überS £erj! — 'S 3Renf<$en*®inwenbige mufj mer fennen, 
Reifet, mer mufc ft$ fagen, mer fennt'S eigentlich net, bann 
iS mer fein ganj bleiben ru^ig unb ftnb't a SRttleib audjj 
mit bö*), wo man nit meint, ftc oerbienen'S, bie'S aber 
j'notwenbigft brausen, foff*S mal mit bö befferen Seiten an* 
$eb'n, wo man oon Äinb auf fdjjon ber Setbenfdjaftltd&fett 
auSbeugen unb 'S ©'fd&eitfein lernt unb ftatt: fei fromm, 
fagt: fei brao!" 

„£ört'S 'n ©teinflopfer! ber $at wieber a neu' ©oangeli 
in' Stopf. 41 

„3s e$' a rechter #eilanb, nimmt @^'bred^er unb SKörber 
in ©tyifcr 

„3n ©<$ufc neljm* td&'S nit," fora$ £annS, „baß i$ etwa 
faget, es war' red&t, aber i$ fag', einftmal war'n'S net anbere 
5Dtenfd&en wie wir unb wann'S uns bö gleiten SBeg führet 
wie fte, mödjt' woljl feiner fagen fönnen, ob er t>eut nit 
ba ftünb* wo bie jwett" 

*) $ö = bie, benen. 



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$ie SRärdJen bc3 6tein!fopfer$atttt$. 139 

„Sil), felC fann man rooljl fag'n, was man nie nmrb' im 
ftanb fein/' riefen etliche junge Surften. 

„31a/ 4 ladete oerfdjiimfct ber ©teinflopfer, „mir fte^t mer'3 
woljl audfr nit an, nodj ^ätt' id^'ö f eiber g'laubt, aber bodfr 
$ätt' td& balb ein 1 um'brad&t." 

,,©el> ju - was b' fagft!" 

„9ta wo§l, war'8 a fo." 

„SBerjäp - oerjctyl!" SUTe* rüdfte ju. 

„5Ra loflV) ju. Eerj^r itf* $alt." 



4. |)ie 3tofit<9tmg. 

Salb tS'8 gar nimmer waJjr, fo lang tft'8 $er, aber td& 
befmn' mi(fj nod&, e8 mar ein ferner $erbfttag g'roefen, mir 
Ijat er aber nit ju ©hm molTn, benn bamal id'd mir grab 
grimmig fd(jle<#t gegangen, was brauet mir audjj b'©unn' 
fo freunbtid^ in' leeren ©aÄ unb in* ljungrigen SKagen j' 
fd&einen, Ijab' *% mt* ^ en ^r roa8 ^ ^ baoon? 38 a 
boSljaftig'8 5Ding! SMeStaudJ' ^ab'n mtdjj geärgert, bie aus 
bie ©cfcornftein' grabauf g'ftieg'n fein, '3 Dbjl af bö Säum* 
— mein roar'S net — unb af ber ©'metnnriefen ^^tt' idfr 
mögen 's ganje ©ras ausreuten, na, i<# mar ja fein' Au!;, 
bafc i$'S §ätt' mögen freffen. £eufi §'nein! 

3$ mar fro$, wie bie ©onn' ein' Sfoftalt madjt jum 
Unterge^n unb bin no<# fort inö ©ebirg, btnburd&©cljlu<|ten 
ang'ftieg'n, bafe t<$ oor tljre legten Sinter fidler bin, Ms 
'3 SWonab**) 'raufümmt, was nit fo aufbringt t8 mit 
fein Sid^t. 

Sie t<$ fpäter fo forttapp', benn '8 fa!rif<$e 3Ronbf<$ein 
t8 hinter bö SEBolfen blieb'n, riegelt ftd^ was in ber gfmftero, 
fommt Ijeroor aus 'm ©Ratten unb fteljt a fdjjmäd&tig'S Surftet 
vor mir, fo wie man 1 « fteljt auf ber Sßanberfdjaft. 



*) S«* ^ = Stören. 
**) '8 SRonab = ber 3Jtonb. 



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140 Äalcnbcrgcfdjidjten. 

®r fragt na<$ 'm Drt, was überm Serg entcn liegt, 
©'fd&etter'S mufft* id^ mit grab tut gu tljun, benf i$ mir, 
fü^rft i^n 6id §in, trietteid&t galjlt er bir bafür bod& a ©laSl 
2Bein. 

©ag* idjj atfo gu iljm, mann'S iljm redfjt war*, lönnten 
mir ein* SBeg gefjn, id& felbft möd&t' nad& Stoppentljal. 

6r fleljt, fd&aut mid& eine 2BeU* an, auf einmal fagt er, 
ed mar' itjm lieber, idjj gäbet iljtn bie ÜBeifung, bafe er fid^ 
affein Ijmftnben fönnt\ 

SKjan, benf ic!>, felb* iS a notiger Äerl, ber fürd^t' ftd^ 
g'meg'n einer Hein' ©erlenntlid^feit unb fag* beSroegen gu 
ttjm: 3$ iW a f WS nö * an r ty W*' cn 9 f$ on umfonft. 

35a fagt baS Sürfd^el gang megmerf erif $ : 3$ ijab' ett Ö 
gebeten, mir 'n SBeg g* bef ^reiben, tooUt'3 net, fo fudjj 1 i<| 
mir 'n Ijalt felber. 

2luf bös fag* id& not freunblid^: 3la, na, wo id& g'mtber 
Bin, bring* id& midfj not auf! — 2Beif iljm bie ©tetg\ Jag', 
oon ba geljt'S a fo unb von bort a fo nadj ütoppentljal gu, 
Ijalt, ba| er nit irr* geljt, brefj' miefj bann um unb b'&üt 
©Ott! 

9io gibt er mir bö $anb, bebanft fid& red^t fd^ön unb 
meint, id> föllt'S itjm not in Hebel aufnehmen, aber er mär' 
no$ in taufenb 2lngft unb ©dfpedfen. 

U mein unb mie er baS fagt, fd^au' tdjj tym mS ©'ftd&t, 
er mar fäfroeifj. 

3e, je, lieber £err, fag' tdf), roaS iS eng benn gug'fiofien? 

9io erjagt er mir, es Ijätt* fidfj iljm Ijeut auf 'm 2Beg 
a milber Äerl ang'fdfjloffen, ber mär* fd&on *m Slnfd&au'n 
na$ gum fürdjjten unb nit von ber ©eit* g' bringen g'meft, 
nue'S aber in pnftern SBalb fämma, fallt ber Äerl über üjn 
Ijer unb mann not a alte $olgflauberin ba^ertappt unb gum 
f freien unb gettern anhebt, mer meifj, maS g'fdjefjn mär'! 
SRöt gar meit von ba unb vox a Hein' ^alb'nftunb* Ijätt' 
ftd& bös gutrag'n. ©elb' Ijätt 'n gang f<|eu unb t>ergagt 
g'madfjt, er mu|t' ftdjj faum aus in fein ©inn, gern möd&t' 
er allein geljn, bodjj noclj lieber mit ein' e$rli$en üRenfdjen. 



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J6ic SJWrdJen beS ©teinttopfer^annS. 141 

9to, fag* idjj, ba feib'S fdfjon redfjt, idf) Bin, fomeit idjj 
tDorm Bin, a etjrltd|)er Äerl, t>on roaS nit mein mar, Ijon 
idfj all mein SeBtag nit roaS fd^roarj unterm ÜRagel tS weg* 
g'nomma! 

So, tacfjt et, freilief), um roaS fdfjroarg unterm SKagel iS, 
galjlt ft#S net aus, in ber Sßeif ftedft bie gange SBelt t>off 
lauter ef;rlid^e 2eut', aBer mann'S meljr giß, ba probiert fic^ 
bö ©IjrKd&feit. 

Äreujfafra, Jag* tdj, not um *n Äaifer fein ©'fdjjlofc tljat 
iclj a ©$Ie<$tigfeit. 

©lauB'S rooljl, meint er, a ©'fdfjlofj fann mer Ijalt roieber 
net leidet in* ©a<f fdjjieB'n, roaS j' g'ring ig, ober maS einer 
nit auf|eB'n mag*), tagt a jeber Keg'n, um j' wenig unb 
j' t>iel BeloBt ft<# a jeb'S ber (Sntljaltfamfeit t)on frembem 
©ut, aber, mein KeBer #anns (t<| nmf$t roaljrljaftig net, 
rooljer er mein* SRam' g'nmfet Ijat, aBer g'nennt ijat er *n), 
mein KeBer $annS, es tS ganj a anbere ©adfj', roann'S um 
a fd^roermäd^ttg ©tüdf ©elb Hergang* unb bös funnt eins 
nel;ma unb war fidfjer uor Älagen unb fragen unb raufet 
lein* leBenbige ©eel' brum. 

9ia, na, fag'id^, efjrlidfj roffl&rt am Kngften unb roann'S 
roottts, id^ fott weiter nodfj mit eng geljn, fo tfjut'S ein' 
anbem £>ifd|)furS anlje&'n, fonft müft 1 i$ frei glaub'n, öS 
IjaltS mid^ net für Beffer tme ben ©<#ubjaf, ber eng t>orfjin 
Ijat auSrauB'n roött'n. 

2Hj, fagt baS Sürfd^el unb lad&t babet fo frotttg, baft tdfj 
iljm Ijätt' eins oerfefcen mog'n. üfy, BeileiB 1 , £annS, td> roeifc 
fd^on, bu Btft a ganj a anbrer 3Rann. UeBrigenS iS 'S a 
©lüdf für midfj, bafe ber SRauBer t>on uorljin ft<| rooljl audfj 
beult i)at f es ja§lt fttf; net aus, jjjätt' er g'roüfet, roaS td& 
roeife, tefj mein', er mär 1 babei 'BlieB'n unb Jjätt' miclj unb 
bö alte £olgHauBerm fpebiert. 



*) »lögen, im Sinne »on »ermag, ba$er bie fomtföen SRifr 
»erftänbniffe, roenn einem §o$beutfc§en gegenüBer ein SBauer er* 
Kart: 3 mag nit, roaS aBer $eißt: 3$ vermag eS nidjt. 



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142 Jtalenbergef$tc$ten. 

9to, waä iä'S beim nadlet, was öswtfctä? brumm' idfj, 
bajs id|) nur was reb\ obgleich i<# oon bcm bummcn SMfcljfurS 
gern IoS'lommen war*, aber idfj mag net fo j'neben ein' $er- 
torfeln unb mein' ©ebanfen nadj^emga. 

SRo, fagt er, was td^ Bei mir füljr\ war* fd&on ein* SKorb 
unb ein* afotfdjjfog wert g'wefen. SBaS meinft? 

3BaS weift benn id&, um was ftdfj ein SDtorb unb £ot* 
fdjjfeg auSjap, fd&rei' u$, glaubt *S, tdj) bin a g'lernter Stauber? 

9to, fagt er, £annS, a breifcigtaufenb ©ulben fein bodjj 
a ©elb! 

©retfsigtaufenb ©ulben! Siebe Seut', wie er bös fagt, 
tS mer oöttig fc^roinblid^ worb'n, benft'S, fo oiel ©elb unb 
id& not ein ©rofdjen im ©adf, au$ lein' SluSftdSJt für morg'n 
ober übermorg'n unb nodfj weiter, baft tdf) ju a biffel was 
fomm\ 

©reiftigtaufenb ©ulben, fagt er, unb alles in Heine SBanfa* 
noten, was ftdjj leidet oerjetteln laffen unb wo fein* gfrag* 
is, wie fommft bagu? 

Sei ber Sieb 1 lommen wir über 'n ^od^en Äamm, ber 
2Beg tS faum für jwei, turmljodj, fteilauf fteigen ba bie 
greifen überS 33jal an; bort bleib'n wir a 2Beir fielen, 
benn baS Surftet fd^nappt a wen'g nadj Suft, bann $ebt er 
wieber an: 

Sreijngtaufenb ©ulben, £ann8, lein grofj'S Sßapier babei, 
wo bid^ ber Äramer ober ber SBirt brum grofe anfd^aut; 
langfam, wann Saljr brüber Ijm'gangen fein, lann mer'S nadjj 
unb nad& junt SBorf <$ein bringen, mer gewinnt in Heine $änbel, 
eö wirb meljr unb me$r, bd Seut 1 fönnen ein'm bodjj nit 
jeben Soften nachrechnen, auf einmal, alle SBelt mufc meinen, 
eS t* mit redeten 3>ingen ju'gangen, fifct mer af ein Säuern- 
gut, fujontert fein ©'finb, is wer unb fteCt wag oor, fyat 
®rünV unb Siegenfd^aften, ©elb im Äaften; all bös, was 
foft'S? @in ©triff nad^ meiner £afdf>en unb ein' 3tu<f, bafc 
t$ ba ^mmterfKeg — unb morgen tS weiter lein Sieben 
brüber, als bajj a armer £anbwerfsburf<$ t>erunglü<ft is. 

£öllteufel, oerfludjjter! fcfcrei tdjj auf. 



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$>ie SJtät$en beS ©teinffopferljannS. 143 

S)a lad^t et unb fagt: Unb wann b' nodjj weiter wfifjt'jl, 
#annS, baS ©elb alles Ijon i$ no$ baju fetter g'ftofjlV, 
xä) bin in einer grofeen #anblung g'weft, ba iS'S mir g'lungen. 
SBär 1 bo$ a SRarr, ber in bie ©eri^t' rennet, fann er midfj 
bod& fetter betrafen unb fanb' mer mi$ morg'n ba unt* lieg'n 
unb b'erfennet midfj audfj, mer beulet, idfj §ätt' all bös ©elb 
fauber burdjj 1 bradf>t. 

S)u elenbiger 3)ieb, fdfjrei idfj, bu $aft Soljn unb alles 
gTjabt, id& f)aV nfe, gar nfe als 'S nadfete Seb'n, teil bein 
g'ftoljlen'S ©ut mit mir, ober — 

Äein' 9teb\ fagt er, alles ober nfe iS mein' Sßaljll 

S)a Ijab' i$ midfj nimmer auSg'wüfjt, ber £eujel l>at miclj 
Bei jebem #aar g^abt, — fein' ©eef weifc'S, was bu ttyuft, 
— es fann gar nit auffommen, — Siegenfdjjaften, — ©elb 
im Äaften, — bift mer, auf Sebjeit geborgen — ! 3)aS geljt 
mer burdf> 'n Äopf wie a ©pinnrabl fd^neH. Sitebann nij, 
fdfjrei' i$ unb ftürj* midjj af iljn, reife 1 tym bie ftafdjjen weg 
unb gib iljm gleidfjjeitig ein' Slenner. 

ffia ladjjt er wie ber leibige ^eu^el auf, unb not wie a 
anberer 9Kenfd& fopfüber abifauft, langfam, ganj langfam 
wie a fjebem fallt er hinunter unb babei ladf>t er fort unb 
fort unb fd&reit: #annS, bu eljrlidfjer SWann, bu! Unbunten 
fallt er fdjjwer auf unb normal l)ör' idf> tum unt' ganj tief, 
wie aus ber $öK' auffer, fein* Sad^er: £annS, bu efjrlidjer 
5Wann, bu! 

3<$ W**' a & er ÖU f : 3«f[** unb Sofepfj! unb fall' — 
aus 'm SSett. 



„3fa> iS'S §alt wieber a £raum g'weft," fagten bie 3u* 
$6rer. 

ßannS jwinferte mit ben Slugen. „2HS a SBadfjer bracht 
id& ja fein ßenbel um*), freilidfj war'S a Straum, aber 
Seuteln, es is mir lieb g'weft, bajj'S nij SBtrfltd^'d war, unb 



*) ms ein SBadJer, b. i. wad&enb braute t$ ja fein $uf)n um. 



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144 5talenbergef<$t$ten. 

idfj mein', es bärf jebem lieb fein, er Ijätt' an metner ©telT 
au<$ nur 'träumt." 

„9fa> unb mag bemeift bös af bog heutige?" fragte ein 
junger Surfte. 

„®ie 9RülIerin unb ber Änedjjt," faßte ber ©teinHopfer, 
„bös fein oerlorene 2eutf, Iafjt'S bö Stifter mit bö fertig 
merb'n, fein wir fro§, baft mir fro§ fein fönna, aber über* 
Ijeb'n mer uns net; freu'n mer uns, bafi mir g'funb fein, 
forg'n mir aUfort für bie ©'funbfjeit *on Seit unb ©eef, 
aber oergeffen mir not, bafi bodf> unfer jeben ein Uebel an- 
falPn fann, unb fofft* uns oor ein ©ied&tum audf> graufen, 
fo bürfn mer bodj mit bö Äranfen a SSarm^erjigfeit §abV 



IV. 

SBeit aufcerm Drt in einer armfeligen #ütte, bie an 
eine $elSmanb angebaut mar, unb fo redjjt befd&eibentlidjj 
itjrem Erbauer bie ©rridfjtung einer werten 9Rauer erfpart 
Ijatte, moljnte ber alte Seljnerfranjl unb führte ein redjjt 
befdfjauK<$eS Seben. 2Bie lange fdfjon? 3e nun, b5fe Seute 
im Drt — es gibt aber bodf> überall böfe Seute! — meinten, 
gar fo lange märe baS nidfjt §er. eben biefe böfen Seute 
behaupteten, bafj fein ©o|n, ber gerbl, bem SBater ooffig 
nachgerate; ber fei einmal gerabe fo einStaufbolb unb ©tören* 
frieb gemefen, $ätte feiner Seit gleidjj tief in baS ©las gegutft, 
mie berjeit fein S\xn$t unb jjätte es audfj gern mit ben 
Dirnen gehabt, menn eine fo unoorftd^tig mar, iljm ben 
i leinen Junger ju jeigen, fo naljm er glei$ bie gange £anb; 
aber baS märe ni<$t fo fdjjlimm gemefen, bie eljrlidjjften Surften 
galten ja um bie £anb iljrer SJläbeln an, aber er najjm 
etmaS meljr, unb liefe bann bie $anb ber betrogenen fahren 
unb biefe mufjte redjjt frofj fein, menn fidfj fpäter nodf> ein 
gutmütiger Surfte fanb, ber nidfjt nachfragte, maS ber Seljner* 
franjl etma oormeggenommen. SBoffte man ben böfen Seuten 
alles glauben, fo fannten bie Sägerburfdjjen gar gut au$ ben 



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$ie 3Jtör<$en befi 6temffopfer§ann3. 145 

„aBilberer" Seljnerfranjl, bcr aber ftets fo gerieben war, ber 
ßljtc einer gar )u naljen SSefanntfdjjaft auSguweidfjen unb ft<$ 
nie erwifdf>en liefe. 

Sttet ba fam benn bie Seit, wo ber bisher im Stufe 
ber Unbejwinglid&feit ©teljenbe nidjjt meljr gefürchtet würbe, 
wo man i§n fpottweife fd&on fragte, „in welkes @<f er 
gefd&upft fein wolle, unb ob er lieber rücflingä ober fopf* 
über borten fiele". Unb — o ©dSJmerj — man fteffte 
nidjjt nur biefe beleibigenben anfragen, fonbern man löfte 
audj bie in broljenbft abweifenbem £one erteilten Aufgaben 
auf ba3 gltidflid^fte, „prompt unb billig", wie bie Äaufleute 
fagen. 

3a, es fam bie Seit, wo iljn ein Storni über ben ®urft 
jum ©efpötte ber Sungen ma<$te unb wo bie wiffigften ®irnen 
beä ÄirdjtfpielS nimmer ben fleinften gfinger iljm reiften, 
fonbern — einem anbem. (Sine Seit, wo fein 2luge ni<$t 
mttjx fd&arf auslugen unb fein 2lrm nimmer geljor<$en wollte, 
je nun, gar fo lange war baS nidjjt Ijer, aber feit biefer Seit 
war iljm bie SSefd^auIid^f ett eingefefjoffen, unb feit es auf biefer 
SOSelt nid&t meljr redjt mit iljm fort wollte , verlegte erftdjj 
auf baS „anbere Seben" unb ba er nidjjt jweifelte, bort in 
©naben angenommen ju werben, natürlich auf bie „ewige 
©eli&feit". 

©onberlidjj tffö fdjjon, bafc Seute, bie oft für bie SBelt 
)u fdjjle<$t, ober wenigftenS gum übelften Seifpiel waren, 
fidf) nodjj immer gut genug für ben lieben ©Ott galten; ober 
bajj anbere, fo unverträglich unb grillenhaft, bafe fein 3Kenfdjj 
ifjrer begehren modfjte, ftdj in ein Älofter t>erfperren, gur 
„fjimmlifd&en 33rautfd&aft". SRur fott nid&t bamit gefagt fein, 
bafj nid^t in lefctgenannten 3Kauem mandjj £erj Suffo<$* 
gefugt, bem in all feinem #offen unb träumen bie SBelt 
nidjjt SBort gehalten Ijat, aber fommt bie entfagenbe ©emut 
wofyl ba ju bem gleiten ©efpann, wenn fte jur geiftlidjjen 
£odjjfaljrt fommt? 

3$ m5$te woljl ein fol<$eS §erg fragen, aber es würbe 
fd&weigen unb — brechen. 

«njfttflru&f?, Cef. Söerfe. V. 10 



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146 itolenbergefdjidjten. 

Sttct bet Seljnetftangl fdfjroieg nid^t *on offen ben 
^errlid^f eiten f beten er ft$ ftd&et glaubte; et Befugte 
ffeifjig bie Äitd&e, et las in allen 33fi<$etn, beten et §ab* 
jjaft werben lonnte unb in benen etwas ftanb *om „lieben 
£immelteid&", unb fd&liejtfidfj raupte et jebem, bet es Suft 
gu ijöten §atte, me§t baoon gu fagen, als felbft bet £ett 
SPfattet. 

9lun ge^t ed abet nodjj fonberlid&et gu auf bet 2Belt, 
toeijs ni<#t, roo^et es lommt, abet es ift einmal fo, baS föfct 
fu$ nid&t abftteiten; wie einet einmal feinen $immel fidfj 
re$t faubet etbaut unb auSgegimmett Ijat, ba leibet es tyn 
nimmet allein btin unb n>ät' bet #immel audf> fo fdfjmal 
geraten, bafi et nur einen Settgeljet barinnen aufzunehmen 
aetmödfjte, fo nritb et roenigftenS ben fud&en. ©tötete Sta* 
bliffements werben natürlich mit meljt Äomfott unb größerem 
Selegraum auSgeftattet unb gibt eS ba au<$ me^t ^fitfte^et 
unb DtbnungSma<$et. 9hm weij* man groat roiebet nic^t, 
roo^et ba« fommt, abet eS ift einmal f o, gleichwie bet SRenfö 
mdjjt getne allein ift, nid&t einmal im £immel, fo ift es aud& 
ein menf<pd&eS ©efttljl, bafc ein jebet auf feine Soften 
fommen will, unb ift et etft einig, bafi et etwas von feinem 
ßimmeltetdjj gu vermieten gebeult, fo fommt et anä) auf 
einen getroffen 2toiffafc unb fo Diel loftet bann bet mit 
SBolIen gepolftette ©ift unb fo oiel bet otbinäte ©tufjl. Unb 
nun toitb jeber eingelaben, jt$ baS ßimmelteidjj gu betrauten 
unb eingutteten; foroeit roäte alles gut, abet, wie gefagt, 
jebet miH auf feine Äoften fommen unb ba toitb einet 
ntdjjt lange gefragt: SBtllfl bu ins £immelteidf>? SRein, ba 
Ijeijit eS: 5Du mujjt in baS Himmelreich unb baS ift oom 
Uebel. 

©S ift te<$t nuftbtingenb auf biefet SBelt, bafc bet 3Renfdf> 
aus allem , mag man weift unb triff en fann, feinen Sotteil 
gie^t unb ba^et feinen Setuf nimmt, oom Sltgt bis gum 
£unbeboftot, oom gotftmann bis gum ^olgfäHet, *om 33erg* 
mann bis gum ©teinflopfet, vom aJtafdjjutiften bis gum 
Sdaftelbinbet, ja *om ßljemifet bis gum Sumpenfammlet u.f.to., 



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$te 2ßärd)en beS 6teinfty>fer$annS. 14? 

aber baj$ ber 3Kenfdfj audfj SBorteil aus bem jieljt, was man 
nii;t weife unb wiffen fann, baS ift meljr fdfjarffinnig als 
nufcbrtngenb unb war twn jeljer metjr betrübenb als er* 
freulidfj. 

2BaS foBf mit bcm allem gefaßt fein? SBenn'S fo ift, man 
weife jwar nid&t warum, aber es läfet ftdjj einmal ni<$t ab- 
ftreiten, bafe jeber, ber ftd& mit bem #immel abgibt, gugleidjj 
ein Heines irbifdjjes Unternehmen bamit oerbinbet, fo wirb 
bodjj nidljt ber alte Seljnerfrangl eine !jimmlif<$e Äleinfrämerei 
betreiben?! 

Unb warum nidjjt? $eber tn feiner SCrt. SDa mar im 
Drte eine Säuerin, gehörte als ©irnbl audfj ju benen, weldfje 
bem Seljnerfranjl ben Keinen gtnger gejeigt; ber mar es fo 
gut geworben, einen gutmütigen Surften ju fmben, ber fle 
ijetmfüljrte, unb baS mufete man ber Salfcerliefe nadjjfagen, 
fle ift ein braoeS SBetb geworben, unb er |at'S bis auf feine 
lefcte ©tunb f nid&t bereut, bafe er fie genommen Ijat. ©eine 
le$te ©tunb' war aber twr furjem, faum brei SRonate Ijer, 
unb fo war fte SBitwe geworben. 

©<$limmer tiodjj war'S, bafe fie, obwohl bie @lje lange 
Satjr' unfruchtbar blieb, gulefct oor fed^S 3Wonaten nieber* 
fam — bei iljrem Sßter woljl baS erfte unb lefcte Äinb — 
unb jefct mit bem armen SBürmlein uerlaffen in ber 2Selt 
ftanb. 

S)aS arme Äinb, baS ofjnebieS etwas ju fpät für bie 
SJlutter jur SBelt fam, fam alfo audj) jur fdjlimmften Seit. 
S)ie Säuerin Ijatte feine Slugen für ifjr ©lüdf, feine £änbe, 
ju fdfjaffen für baS fletne SDing. ©ie brauste bie Sfagen 
jum 2Beinen, bie £änbe jum Stingen, unb als man i^r 
£roft jufpradj von allen ©eiten, ba Ijob fte Slugen unb 
£änbe jum #immel, gebadete beS Seligen, unb wenn ja 
einer fte auf baS arme, oerlaffene, t>erwaljrlofte Äinb auf- 
merffam madfjte, ba fagte fte: „©er arme SBurm! 3$ fann 
iljm wenig meljr Reifen, benn id& werbe balb Ijinaufgeljn ju 
meinem Safob in baS I)immlif<$e SReidfr, Ijier bin i$ ju nichts 
me§r nüfce." 



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148 Äatenbergefd&tdjten. 

SDaS war gen>ijs redjt fromm gefprodfjen, aber bie Scutc 
ärgerten fic§ barüber. Unb wenn midfj einer fragen würbe, 
fo würbe i<# fagen: ©ott Ijatte gemift feine fjreube an biefem 
Slerger. 

Snbeffen t>erwa§r!ofte baS arme Äinb unb nebenbei bie 
Heine, aber bodjj einträgliche SBtrtfdjjaft, bie Seute waren ge* 
ärgert unb jogen ftclj oljne wettereg Sureben jurüdf unb baS 
war wieber nidjjt gut getrau uon ben Seuten. Sflur einer 
!am jefct in baS #auS, erft ein paarmal in ber Sßodfje, bann 
£ag für Sag, ber alte Seljnerfranjl. 

2Bär' fonft gu einer SBitwe im Drt ein früherer Siebljaber 
fo Ijäuftg auf 33efu<$ gefommen, bie Seute Ratten baS gewifc 
re<$t fünbüdf> unb fd^anbbar gefunben, aber ba beibe über 
bie Satjre ber „Söffelei" IjinauS waren, fo badete man att« 
gemein, bie Säuerin würbe baburdj auf anbere ©ebanfen 
fommen, man wollte es felbft bem alten Seljnerfrangl gönnen, 
wenn er mit xf)x bie 2Birtf<$aft erheiratete uno redfjtfdfjaffen 
barauf Raufen unb arbeiten wollte unb baS alles, bamit es 
mit bem armen Ambe anberS würbe. üBaS bod^ fo ein Hein 
unfd&ulbig' S)ing über alle Säftermäuler t>ermagl- Unb wie 
bie „böfen Seute" oft gut fmb, wenn ftdfj'S nur ber SBtülje 
loljnt. 

9lber bem alten Seljnerfranjl Arbeit jujumuten, baS war 
wo§I ein wenig ju weit gegangen, tyx lieben Seute! (Srfam 
ja nur, weil er |örte, bafe fte fo gottfeliger ©eftnmmg ge* 
worben fei unb balb ba hinaufgehen wollte ju iljrem feiigen 
3afob in baS Ijimmlifdjje Sftei$, unb ba er ba oben fo gut 
Sefdljeib wujjte, fo wollte er fte nidjjt oljne SBeifung laffen. 
©o tarn er benn in ber erften SBod&e ein paarmal gu plau* 
bem *om l)tmmlifc$en Sletdjj unb nebftbei etwas Äudjjen ju 
effen unb ein ©lassen ©ein ju trinfen. Unb als er falj, 
bafi feine ©efprädjje Seifatt fanben, bafj er als „SBegweifer 
in baS neue Serufalem" bereits unentbehrlich geworben war, 
ba fam er alle Sag*, um bie einzelnen Stationen ber großen 

Steife eingeljenb burdfoufpredljen unb ftd^ ausfüttern 

ju laffen. ©o gut war es i|m fd&on lange ni<|t geworben, 



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2>te 3Rärc§en be8 SieinttopfedJannS. 149 

aber bafi ftd& alles aufteilt, wo nidfjtS gearbeitet wirb, bafi 
et'* einet Sßitme unb einer Sßaife von ber ©Rüffel fräjje 
unb ber £ag naljeju oorljer ju beftimmen war, mo er mit 
einem fceud&lerifdfjen „Sergelt'ä ©Ott" von ber leeren ©Rüffel 
megge^en mürbe auf 9timmermieberle§r, unb mie bann bie 
©Rüffel attnädjjfiter £age leer bleiben mürbe unb SRutter unb 
Äinb ljungemb baoor jtfcen mürben, ba8 befümmerte ü|n 
menig, ober, menn mir iljm oiel @ljre antljun moKen, ba8 
oergafc er über betn frommen @ifer gottfeltger ©efprädfj* unb 
©ebetftunben! 

9lun mar ben Seuten bie ©ebulb geriffen, fte Ratten ein« 
mal auSnaljmSmeife, mie jte meinten, ©nabe für 9tedf>t er* 
geljen foffen — Ratten baä Seffere über iljre Stebenmenfdjjen 
gebaut unb gefprodjen unb fa$en jt<$ jejjt getäufd&t. ©ie 
fd&ämten jtdfj förmlidj iljre8 guten #erjen8, nannten e8 eine 
©d^ma^eit, unb mürben, mie ed in foldfjen hätten geljt, 
ärger mie je, ja einige oerfdjjmoren e& fogar im ftttten: 
Einmal gut gemefen unb nie mieber. 

916er hoffentlich merben fte alle mieber einmal eibbrüdfjig 
unb bann Jollen bie Heben Snglein, xotö idfj iljnen fonft 
immer, ber Braoen Seute auf @rben megen, nur Ijödftft un* 
gern geftattet Ijabe, über einen t>on iljnen mefjr gfreube Ijaben 
bürfen ate über neununbneunjig ©eredjjte, unb tdjj mttt felbft 
mitten, menn jte miclj früher untermeifen motten, mie jt<$ 
(Sngel freuen. 

Sfefct aber mar ber Xeufet los an allen (Snben unb @dfen, 
bie 2Birtf$aft mürbe mit ben unfauberften Warnen belegt, 
bie ©efprädfj* unb Setftunben in iljrer „©ottfeligleit" arg 
beanftanbet, bie Säuerin alles, nur feine braoe grau, unb 
ber Se^nerfranjl bafür atteS gereiften, xoa% ftdfj an mort* 
reiben Sufammenfefcungen Ijaarfträubenber ©genfdjjaften er« 
fmnen liefe. 

S5iefe3 ©emitter mit feinem oerntdjjtenben ©rotten unb 
}ornigen aufleuchten fonnte nidf>t unbemerlt über bem Raupte 
ber SBäuerin megjie^en, unb afe ber Seljuerfranjl, ber für 
betfei eine härtere $aut §atte, junäd&ft gu einer ©efprädfj* 



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150 5tofenber0ef<$tdjten. 

ftunb* wieber bei üjr ehtfpradjj, fanb er fte mit uerweinten 
Äugen auf tyrem ©tuljle unb gugleid^ ju feinem 3Rij$t>er* 
gnügen ben ©teinflopferljannS, ben „Äefcer unb ©pöttler", 
neben ilir ftfcen. 

,,©rüf$ ©Ott . . . miteinanber!" fagte bet fromme 
mit einem aufrichtig böfen ©eitenblitf auf ben unerwarteten 
©aft; bann falj er ft$ in ber ©tube um, ba mu&te etwas 
vorgegangen fein! — S)a war ja aufgeräumt, unb audfj ba« 
Äinb in ber Sßiege fal> fo frifdj barein, baä war offenbar 
einmal nadj langer Seit wieber gewafdjen unb geftriegelt 
worben, unb bie Säuerin fa$ au$ nid^t fo »erfubelt aus, 
Ijatte wenigftenS in ber @if einen reinen 9tocf übergeworfen 
unb ftd) bie wirren $aare glatt geftridfjen; war ba ber „@eift 
ber ©telfeit ber SBelt" wieber eingejogen? S5ann abe, bu 
lieb* #immelreidf> unb abe, bu fdfjon fo l)übfdf> angewöhnte 
tägliche Slfcung famt bem erfreuten £röpf$en 2Bein! 

35er gromme t§at einen wehmütigen ©eufjer. 

2Bie ba8 Sorn* unb ©djjimpfgewitter gerabe im Drt am 
ärgften tobte, fam audfj ber ©temflopfer wieber einmal beä 
2Bege3 baljer unb mufjte jt$, ba er ft<$ früher nidjjt barum 
befümmert Ijatte, bie gan}e ©abläge oorfäimpfen laffen. 
3)a3 ©dfjtcffal be8 armen SBeibeä ging tljm nalj, er unb itjx 
oerftorbener üJtatm motten einanber gut leiben unb bei ftdj 
bad&t' er, getröft' ift fie worb'n, erbaut ift fte worb'n unb 
ni£ genügt ^at'S, gelad&t §at fte aber no$ ntd&t! 

Unb fo fann er Ijin unb §er, wie er'3 aufteilen mödfjte, 
i$r ju Reifen, oerfiel aber auf ni<$t3 SRed&teä. „8% 3)un* 
nerftreic|, l/ fagtc er, „jerftnnt ftdjj einer, fommt er erft red&t 
auf nij. S)a faft' idj Heber grab an; §(&' \ä) fte nur fo 
weit, bajs fte mir ladfjt, fo ift'3 rid&ttg, ein lad&enbeä ©eftdjjt 
oor mir oerfpart alle SWü^', ba fällt mir '3 närrifdfjfte unb 
rid&ttgfte geug ein." ©o ging er fd&nurftradfö oor bie £ütte 
ber SBitwe, flopfte an unb trat ein. 

Sin Slidf jeigte tljm bie garqe ©d&mufcfmfwirtfd&aft, bie 
bort eingeriffen war. 



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$te SWärdJert beä ©teinffopferljanna, 151 

„©rufe bid^ ©ott, Safyerlieä," fagte er, „einmal, §ab* 
i$ mir benft, müf$t' id& bt<$ bodfj §eimfu<$en." 

©agte fte: ,/3 ift fd&ön uon bir, ©teinflopfer, bafj b* 
bid& au$ einmal umfdjjauft, mein Sßter Ijat nod(j bie lefcte 
Seit oft t>on bir g'reb't." 

©agt ber fiantö brauf : ,,©ott träft* i§n, bös freut midf;, 
mir Ijab'n uns attjeit gut j^amm' oertragV 

ffirauf fangt bie Stäuerin jum SBeinen an. „3)aj$ b' 
Ijeut fommft," §at f unter ©d&Iud&jen Dor'bradjjt, „baö jeigt, 
bajj b* mir greunb gefmnt bift. D, mein ©Ott, mein ©Ott, 
was T über mi<$ für Sieben füljr'n . . ." 

„Sßenn nur nij SBaljr'a bran ift," troff fte ber ©tein* 
Hopfer. 

„Äein Xipferl/ fagt fte unb legt bie ^anb aufs #erj, 
„aber oöllig verfemben ttjut ftdj> jeber mit bie 2cut', ber mit 
mir reb't — unb bodjj bift gu mir lommen, »ergelt bir'ö 
©ott. ©ag aber, £annä, roaS ^alt'ft benn bein £ut in 
ber Suft unb legfi tfjn nit af 'n %i\d) unb mag fefct bi<$ benn 
nit meber?" 

„31a, roetfet 33äuerin," fagt ber £ann3, „t>iei iä an mein' 
#ut net j' ruinieren, aber mutwillig riäüer* idfj 'n bodfj nit 
unb leg 'n bo in ben ©<$mier Ij'nein." 

S)a §at bie Säuerin fein SBörte! g'fagt, iS rot roor* 
ben unb f)at mit ifjrem SSortudfj bie abplatte fauber ah 
g'nufdfjt. 

„Seicht mö#ft mir 'n ©effel a a biffel abftaub'n," fagt 
ber $ann3. 

©ie Säuerin tljut auc§ baä unb ber ©teinflopfer fefct ftc§ 
unb roie er ftfct, fo faljrt er fo mit 'm gufe über 'n unfaubern 
©tubenboben, ba iä gleidfj ber ©taub aufg'ffogen unb ber 
3Kift Ijat unter feinen ©o§Ien gefniftert. „3$ fa^ fäw," 
fagte er, „bu bift §eut nodjj nit jum Slugfetjr'n fommen, 
la| bi<$ nit aufhalten, bermeil V mit 'm Sefen ^antierft, 
lönnen mir afrat fo gut reben, afö ob b' neben meiner 

fäeft." 

Sa §olt bie Säuerin ben 33efen unb fe^rt au*. 



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152 ßatenbergefd^ten. 

„3?o," fagt ber #ann8, „u>a3 bu riegelfam biß, bu gep* 
pelft um wie a iung'S Steij, nimmt man bidfj oon rüdfwärtS, 
lönnt* man glauben, b' jüngft' ©im' f<$n>ängelt bur$ bic 
©tub'n." ©a mar'S bcr Säurin bod&, trofc aller ÄümmermS, 
ate mufft' fte gang [tili t>or ftdfj l)inla<$en, aber fte unter* 
brüdt'3 unb fagt: „£>u bift a narrif<#er 3)mg." 

„3)58 fag'n elf 1 b5 meiern," fagt ber ©teinHopfer. 
„Slber, SieSl, mein'^reu', bu warft attmal a redfjte ©djjafferin, 
felb* $at bir a bein 3Wann bei Sebjeiten tnel taufenbmal 
nadjjg'fagt unb bidfj brum belobt unb roie er fein' groeite 
^jätt' ftnben fönnen, bie iljm '3 ©eine fo tfarnm^alt'. ©rum 
Ijat er rooljl a in ^rieben feine Sfagen gu'tyan, mnn er gleidfj 
fein arm'3 SBaferl ba g'rudflaffen mufft', benn bu wirft i^m 
nij tjerairten, e^enber bleibt iljm amal meljr, ate ber SSater 
Ijinterlaffen Ijat." 

SDa war ber Säuerin, afö ging iljr ein fdfjneibigeä SKeffcr 
bur$ bie Sruft. w 3effe0 unb Sofeplj," fagt f, „na, na, 
©teinflopfer, er i3 gur Ungeit t>erfturb'n, i<$ taug' auf berer 
SBelt gu nfe meljr." 

„2Bar nit übel/' fagt ber £annä. 2Bie er aber bas 
befperate ©eftdjft ber Säuerin fteljt, benlt er, ba mufft um* 
fatteln, fonft lommft t)or Sfraurigfeit felber nit auf. ©agt 
er: „Stber fag mal, Säu'rin, roo Ijaft benn bein Älein'3, 
möd&t' bodj feljn, ob's bem ©elig'n a meng gleid&fd&aut." 

3)a fdfjaut tyn bie Säuerin groft an. „Slber g'neben beiner 
fteljt ja bie SBieg'n, wo'3 brein fd&laft." 

„SeffeS, Seffeä!" fagt ber ©teinflopfer unb bücft ft$ tief 
Ijerab, wie einer, ber nidfjt roeifc, ob er feinen äfagen trauen 
barf. „3)a3 mär'8? 3$ fyaV fd&on lang ftnniert, mag baä 
fein mödfjt', unb $i$t te bö3 bein Äinb! SDlöd^'ft eä nit a 
biffel fäubern, bafc man'3 anfd&au'n fann?" 

S)a ^at bie SBäuerin erft ein trofcigeä ©eftcljt gemalt, 
bann Ijat fte gefagt: „5Du fd^affft aber fjeut mel an in meiner 
Bütten!" 

,,©ang mir a ferner, mann tdjj'3 in ber meinigen foHt'," 
ladfjt ber ©teinflopfer. „2Beil mir aber grab babei fein, 



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$ie SWärdjjen be$ 6teinffopfer§antt3. 153 

mSdjj'ft mit nit a ©Iafel Äornbranntwein fdjjenfen, a biffel 
£erjftä'rfung funnt' ein'm net fdjjaben, bu Ijaft woljl lang 
'3 Äleine t>erabfäumt unb bös ijat jtd& nit (rat) aufg'füfjrt, 
es riegelt ein'm b'©eel auf." 

gefct tft bie SBäuerin ernftli<$ bös worben. „SBann b* 
mi$ blofc Ijeimfudjjft, bafj b* mi$ ^runtermad&fi, war' mir 
glet* lieber, bu warft nit fommen." 

©agt ber fiantö brauf: „33egefjr nit auf, gemimtem' 
#erjftärfung, fo mafy id) bir a Ämbäbirn* unb mafdfj* bir 'S 
Ätane." 

3)rauf Ijat bie SSäuerin wieber lachen muffen unb wie 
|tdfj ber ßannS bann na$ ber $erjftörfung übers Äinb Ijcr* 
madfjt unb ^afft mafd&en motten, wie man ein' $oljfübei 
fdjjeuert, unb mie baS grünblidfj böä geworben ift unb ge* 
greint unb geftrampft Ijat unb mie tfjm ber #ann8 wieber 
jugerebet Ijat mit bem ©prudfj twm feiigen SSater: Db b' Ijaltft 
ober net! ba (;at bie Säuerin bodfj lachen muffen unb gan} 
taut nodf; baju; twtfig erfd&rodfen ift jte barüber unb Ijat um 
ftd^ geflaut, ob es niemanb Ijört, aber ba8 Äinb Ijat fte bem 
©teinflopfer aus feinen Rängen genommen unb §at'3 felbft 
gewafdfjen unb mie baä bei ber 2Jtutter mar unb ber ©tetn* 
hopfer Ijat iljm immer im ©yafy gebroljt, bafj er mieber mit 
bem ©triegel fäm\ ba Ijat baä Äinb gefaxt mie toll unb 
bie ÜRutter Ijat gelabt unb ber ©teinflopfer Ijat bie närrtfdjj* 
ften ©eftdjjter nadfj beiben gefdjjnitten. 

Unb mie baS abgetan mar, ba Ijat ber ©teinflopfer fidfj 
im 3immer umgefdjjaut, Ijat gefagt: ,,-Jta, fytyt fteljt'ä bo<$ 
brao unb mamerlidSJ atö unb braucht ftdj fein anftänbiger 
Söefudfj ju beflagen, menn V je|t nodjj ein* faubern SRodf über* 
werfen unb a biffe! Drbnung mit beine £aar madjjen möd^'ft, 
— benn bu tragft a ffrifur, SBäu'rin, wie bie ©unn' im 
Äalenber aufg'mal'n iä — fo Ijätt'ft mir alle 6fjr* an'fyan, 
unb idjj war' j'frieben." 

5Rad(jbem audfj ba3 gefd&eljen, fagte ber £ann8: „9la, fo 
meint man boclj wieber, man ift bei eng wie uorjeit unb 
funnt' ber Sfafob — ©Ott tröft 'n — gletVbei ber 3^ür Ij'rein 



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154 Äalenbergefdjidjten. 

lommen unb fag'n: „#eim fein mir wieber, ob'8 $alt* 
ober net." 

„So, mein armer Safob!" fagt bie Säuerin, unb wie |te 
unb ber ©teinflopfer wieber nieberftyen: „gefct reb aber 
von mag ©'freiten!" 

»3^ ja," fagt ber, meint aber, 'S mär üjm lieber »on 
allem anbern eljer ju reben, als was etwa bie Säu'rin g'fd&eit 
nennt. 

Unb alT gwei jtnb lang ftitt gefeffen unb gerab jur 
Seit ift bie tyüv aufgegangen unb ber fromme iß herein* 
gefommen. 

„©rüfi ©Ott . . . miteinanber!" 

„2lud& fo t>iel," Ijat ber ©teinflopfer g'fagt unb fyat ben 
SBittfomm' red&t eljrlid& gemeint, benn mefjr jur Sted&tjeit 
{jätt* i^m feiner fommen fönnen unb lein @rwünf<#terer fdjjon 
gar nid&t ate ber alte Seljnerfranjl. 

35a Ijat ber gfromme wehmütig gefeufjt; warum, §aben 
mir twrljm gehört, ©ann aber ift er jornig roorben unb 
$at barfdjj ben ©teinflopfer gefragt: „2Ba3 mad&ft benn 
bu ba?" 

„33iffe! Drbnung!" l|at ber gefagt. 

,,©e& 8 U benen, bie bidjj rufen," !)<** *><* 3Hte brauf 
gefagt. 

Unb brauf ber ©teinflopfer: ,,©rab bö mid& braud&en, 
rufen midfj oft not." 

SKittlermeir war bie SBitib wieber meland&olifdfj worben 
unb Ijat ftd& jeftt ins ÜJtittet gelegt. „Sßartelt'S nit mit* 
einanber," |at fte gefagt, „08 feibä mir äff* jwei lieb unb 
wert, mein ©eliger war immer mit 'm £ann3 gut, bu (ben 
Setjnerfrangl §at fte gemeint) barfft mer *n nit in mein' $au% 
oeruneljr'n. @r i8 a billiger 9Kon, unb wenn i<# bi$ bitt*, 
bu fottft mir oom ewigen Seben wag b'erjäljlen, fo fennt er 
fdjjon a a Slrt unb fjort manierli ju." 

S)er Se^nerfranjl warf einen Slidf, ber befagte, bafc er 
bas feljr bezweifle, auf ben ©teinflopfer, fd&üttelte ben Äopf 
unb fagte: „Unb fpott Ijalt, unb fpott nadj^er!" 



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2)ie SWärdfren beS 6teinffopferl}ann$. 155 

„Stadler, möglich, aber a erft nad&ljer. gang nur an r 
Beim wietnelteften ßimmet feib'S benn lefctljm fteljn bliebt?" 
fo fagte ber ©teinflopfer unb lehnte ft$ in feinen ©effel 
jurücf. 

©er alte Seljnerfranjl faltete bie £änbe, blitfte fatbungS« 
t>ott ju ben Saßen auf, bie querüber an ber Seele ber Stube 
Einliefen, unb verfiel in tiefes 9tadj>fmnen. 

@r badete aber in biefem Slugenblicfe nidjt an baS 
£immelreidfj , fonbern nur, wie er ben ©teinflopfer weg* 
bringen tnöd&te, unb ba §atte er einen frommen 2Bunf<§, 
ber meljr an baS ©egenretd^ ber ©eligen gerietet war, 
bafi nämlidfj jenen ber Teufel §olen mödfjte, natürlich mit 
Sulaffung ©ottes. 

3)er ©teinflopfer aber mar im Siwern wm ben freunb* 
fdfjaftlidjjen ©eftnnungen beS Se^nerfranjl gang burd&brungen, 
unb roiCrbe burdfj ben ftiffen oerjtoeiflungSooffen Slerger beS* 
felben in bie §eiterfte Saune oerfefct. ®r fing an, ft^j ^öd^ft 
bebenffidfj hinter bem Dljr ju frauen, faltete gleichfalls bie 
$änbe unb falj ebenfalls falbungSoott in bie Suft unb fagte 
in biefer Stellung: „Seljnerfranjl, fag mir einmal, um 
weldjje Seit Ijerum Ijaft benn bu bie legten 9tadf>ri<$ten aus 'm 
£unmel friegt?" 

Äeine 2lntwort. 

S)er ©teinflopfer aber fuljr, oljne ftdjj ju rühren, fort: 
„Sßeifjt, idjj mödj>t* nid^t gern, bafj einer roiber SBiffen unb 
SBitten bie Senf irrfüljrt unb ©ad^en fagt, roo er freilidfj 
felbft ni$t weift, baft fte fdfjon lang nimmer waljr fein. 33on 
was für ein* ^immel tjerjäljlft benn ber 33alfcerin, com alten 
ober t>om neud&en?" 

SDieSmal brummte ber Seljnerfranjl in bie Suft: „Stammt 
®'reb', 'S gibt bo$ nur ein 1 : Dom alten, natürlich ! 3Jtöd&tS 
öS Äefcer leidet gar ein* neu'n einfüljr'n?" 

„SRo, fo iS'S richtig fo, wie idfj mir benft ^ab'," 
fagte ber ©teinflopfer, „bu weifct fyalt nfe bat>on, bafc 
vor etwa brei SRonat' alle alten #immel fafftert worben 
feinl" 



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156 Äalenbergefdjtdjtem 

5Da judfte bcr Seljnerfranjl gufammen, tücfte bie fromm 
gefalteten $änbe ooneinanber unb Ballte fte )U fe^t mit* 
l\d) friedfertigen gauften unb richtete ben ©lief, aber nidfjt 
falbung$ooll, auf ben ©pred&er. „3)u ßöllenbraten!" fd&rte 
er, „too fteljt baS gefd&rieben, wo is'ft geoffenbart? #alunf! 

m\ u 

„2Ba3 brauet'« gefdfjrieben }u fteljn, 1 ' fagte feljr ge* 
laffen ber 6teinflopferI>ann3, ,,§ab' idjj'a bo<$ oon ein', ber 
babei war. 11 

„S)er babei war? S)u Starr, wer lann babei getoefen 
fein, ber*S toieber ^ätt 9 auf ber SBelt auSfag'n lönnen? 
2Ber benn?" 

„©ebulb btdjj a biffel, alleä nadfj ber 9tei§\ nfe burdjj* 
einanber, fo geht'S nadj ber Drbnung. SSor a brei SDtonaten 
ift ber 33aIfcer*3<rfob — ©ott l»ab 'n fefig — oerftorben, unb 
lurj brauf f toie'3 eng erinnern toerb'ts, i3 a armer Teufel 
oon ßanbtoerfsburfdjj in« Drt fotnmen, fte$ unb elenbig, 
unb ben §at man fo Ij'rumfugeln laffen — um ,©otte& 
loljn' — in ein* #eufd>ober (fo wie bamal midj> auf *m 
©teinbrudj}, tote mir gleidf> übel 'gangen te) unb f;at ftdS> 
!ein Steufel um ifyn umg'fd&aut unb fo ffat er a paar Sag 
Ijin'gog'n unb is oerftorben. 2bn britten Sag Ijat man $n 
eingrabt tooIPn, na, öd toerb'ts eng nodfj auf ben 6<$ro<f en 
entfinna, toie er ba auf einmal toieber lebenbig wirb. Sann 
bat er ftdf> na<$ unb nadjj j'famm'Ilaubt unb toie er toieber 
ganj bei'nanber mar, iä er fortgog'n aufi ber ©egenb. 9ia, 
ber toirb bo$ bort g'toefen fein? SSon bem Ijab id& bie 
©'fd^t', unb toar audfj a Auftrag oom feiigen Salier babei, 
— aber mir fjab'n 'S immer oerfdfjob'n, s'roeg'tt, 63 lonnt* bie 
Sßitib 8* ftarf angreifen." 

„93on mein 1 3afob?" fagt bie Säuerin l)alb freubig §alb 
ungläubig. 

5Da §at ber Se^nerfranjl laut aufgefdjjrien: „Sief, lafi 
bi<$ nit betljör'n um bein Seelenheil, bad ift toieber eine 
oon bö ljöllif<#en Sugengefdfjidjjten, mit benen er bie 2eut* 
oertoirrtl" 



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SMe SJtär<$ett beS StemHopfetljannS. 157 

„SKödjj'ft em'm nur bu nit ins £anbwer! pfufdljen mit 
bic fjimmlifdjjen ©'fdjjid&ten, wobei bir weniger um bie Seut' 
als um bas 3^e ig! UebrtgenS iS mein' O'fd^id^t* woljl 
a net beffer unb a net fd^Ied^ter als a anbere unb fann 
man f wo§l anljör'n. Unb was bie 33otfdj>aft an bie Salfcer* 
lies angebt, fo mein idfj, bu wart'ft 'S ab, ob fte meint, es 
war' t>erlog'n unb aus feiner 2lrt, ober ob fte'S bafür nimmt, 
es {jätt* i|r feliger SWann gu ifjr g'rcb't. Unb no Iufc§ 
bidj>, loS gu ober laffs bleiben, für bid^ reu't ein'm bie 
3Kü^, bafi man fu$ eins ausbenft, unb für bidfj tS'S a net." 



5 - 3>i* $'MW t,0tt M attett Zimmern. 

Slämlid^ Ijat ber £anbwerfsburfc!j g'fagt, wie er uon 
fein' SegräbniS als a Sebenbiger wieber g* #auf kommen iS 
in fein* #eufd(jober. ©rufe bid(j ©ott, bucflete SBelt, Ijat er 
g'fagt, Ijon fdfjon g'meint, mir wär'n fertig miteinanber, unb 
faljr 1 a grab nit t>or 3freuV aus ber £aut, bafe mir Ijifct 
wieber weiter miteinanb' fortwurfteln föH'n, aber um bös, 
was i alf er£oter erlebt ljab\ reut'S midjj not, bafc i$ auf 
ber SBelt war, not 1 , baj$ i<$ tjerfturb'n unb a not, bajj i 
wieber lebenbig worb'n bin. 9tur luftig. galt'S ober 
Ijalt'S nit! 

©ilra Ij'nein, fag' id&, wo^er Ijaft bös ©prüdfjel? 

©agt er: SBon ein' Säuern, ben idjj ba brent* troffen 
Ijab 1 , Sal^er^alob Ijei&t er, adjt %ätf oor meiner war er 
oerftorb'n. 

3s alles rid&tig, Jag' id^. Jßaft 'n im £tmmel troffn? 

3a, £immel, fagt er, wann'S metjr ein* gab! 

S)u £öllenbraten, fag* idjj, warft bod^ felb' brenten unb 
bringft foldjje Sugen aus. £alunF! 

©agt er: #alt 'S 3Kaul, lafe bir oerjä^fn unb nad&ljer 
reb! 2Bie t$ ba tibri fornm', §ab' idfj gleidjj g'merft, ba 
iS was loS; bö ©eel'n — es war'n lauter frifdjj oerftorbene, 
von a adfjt, Ijöd&ftenS mergeln 2flg §er, alle oljne Unter« 



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158 Jtalenbergef$tc$ten. 

ftanb, — fein burdjjeinanb' g'rennt wie 2lmeifen, wenn man in 
tyren Raufen Ij'nemftört. 3$ faß' nadf), roaS g'fdfjeljn war', 
fagen f, ber Ijtmmlifdfje #err §ött* bie #immel infptjtert unb 
ftber geftert toär'n f alle t>erfperrt. 

©o rote man Ijalt im ©ebräng* leidet a SCnfptad^ 9 ftnb't r 
fo bin idfj auf f n Salbet 'troffen unb ber ijat mir Bereit, 
nrie böä alles tyer'gangeu ig. 

SBor unbenllidfjen Seiten, manche meinen gar gleidj) nadf> 
ber ©djjöpfung ber 2Belt, $ätt' ber liebe ©ott a Steif* g'mad&t; 
bö fo fag'n, berufen ftc$ brauf, wie er bie 2Bett fo forgltdfj 
eing'rtdjjt' $ätt\ bafe fic ftdf) t?on felbften fdfjon a SßetP fort- 
helfen fönnt'; na, i8'8 fo ober nit, g'roifj wirb fein unb 
grunbg'fdjjeite Seut* fein fdfjon lang brauf fäma, bafj unfer 
lieber £err a auf bö anbern ©tern' roaS ju fdfjaffen unb ju 
©errieten Ijätt' unb fo te er ^alt a gute SBeil auSg'roefen 
unb wie er toieber Ijetmfommt, fo finb't er äffe ÜBolfen an- 
geräumt mit lauter £tmmelreidf>er; wie ftdfj'S bie 3Renfdfjen 
berroeü erriet 1 Ijaben. 

9to, er fd&aut nadfj in allen #immeln; in türlifd&en Ijat 
er tyinein'fdfjaut, wo bö 9RufeImänner fleißig g'raudjjt Ijaben, 
fein babei in bie SaSminlauben g'fcffcn unb fyaVn ftdjj ba 
gleidfj bö Sßfeifenröfjrln fdfjneiben fönnen, unb i8 äffe £ag 
ju ein 1 jeben ein 1 Jungfrau auf S'fudfj 'fommen. 

5ßfui Teufel! Ijat ber ©ottoater g'fagt, is ba8 ein £immel? 
Unb, fagt er jum ©rjengel aRidjjel mit *m feurigen ©djjroert, 
bafj b* mir bö 3Renfc|er gleich auäjagft, idfj $ab ba3 Säppeln 
unb Stöppeln bodfj nur g'ftift' unb ©erlaubt, bafe mir bie 
Seut nit j' roeni toerb'n auf ber Sßelt, fo a Söffelei oljne 
Stoti jhmb' mir an. 

®ann fdjjaut er Ij'nein in unfern £tmmel, roo bie ©elig'n 
auf bö Sßolfen herumliegen unb Sobgefang unb £arfenfpiel 
mar. ©agt er, ba iS'S fdjon foliber, aber langweilig, bös 
Ijalt' lein' GJjriftenfeef auf bie S)auer aus. 

Unb fo i8 er äffe #tmmel burd&'gangen, aben Ijannafifdjjen, 
roo bie Säuern an ein* Sad^ t>off 3Ret g'Ieg'n fein, unb 
über 'n Serg Ij'runter fein tljnen baju b'Änöbln in3 9Raul 



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$ie SKärdjen bed etein!lopfer^ann3. 159 

g'rotft. äuij, bcr ©ottoater tyat g'fagt: ©ein bös ßtmmeln? 
SBann f ma unt 1 a Btffcl g'fdfjeüer roerb'n, verlangt fid^ elf 
fein* ©eel Ij'nein, bö8 i* alles aRenfdjienroerl unb folgüdj 
nit eroig! Unb alfo fyat er bie ^immelreidjjer jug'fperrt. Urtb 
bann Ijat er g'fagt: Sllfo fott es fein, bö 3Jtenfdf$eit foH 
fidjj oljne £immel Behelfen. Seber fotf feine Sßflidjjt Doterft 
auf @rben reblid) erfüllen, elj' er. nachfragt, roaS nad($er 
lommt unb mit iljm gefdjted&t! Unb roer ba gelebt Ijat 
freujbrao unb grunbe^rlid^ auf @rben, ber brauet mein 
©eridfjt nid&t gu fürchten unb mein' Sotyn nit ju erbetteln, 
ber wirb aud& im guten SBertrau'n bie 3lugen fdjliefien, baft, 
wie audf) mein S'fd&lufc ausfallt, id&, ber Sttfoater, roeif, 
roa8 mein' Äinbern frommt unb taugt. 

®aju fcaben bie (Sngel „2faten" g'fagt. — 

60 Ijat mir ber $anbroerf$burf$ vergällt, bajj il;m ber 
feiige 33atycr ucrjä^It fcättM 

Unb wie f no fo reben, fommt ein Ijimmlifdfjer 33ot' unb 
fagt }u bem Surften: 3)u mu^t'8 nit in Uebel aufnehmen, 
aber ben SBtrrroarr groben wirft g'feljn Ijab'n; ber £obe8* 
engel $at ftdjj an bir ©ergriffen, ma« fein Sßunber i«, benn 
bu Ijetfjt „£uber", er I;ätt f ein* anbern nehmen foffen, fd&au 
alfo baju, baft b' roteber auf bie @rben Ij'nunter fommft! 

©a Ijat fu$ ber £uber aufmalen »offen, ber feiige 
Stoiber aber Ijat g'fagt: ©<$au $uber, bei ber Gelegenheit, 
mann b' roieber abi fimmft, t^uft mir ein* ©'fallen, ^alt'* 
ober $alt'3 net? 

©3 Jjaft fdfjon! tyat ber #uber g'fagt. 

©elj ju mein' SBeib, Ijat ber feiige #uber brauf g'fagt, 
unb fag', i<$ laff' f fdfjön grüben unb fag iljr, roaS mein' 
Hoffnung i$. ©ag Ujr: idfj Ijoff', rote fie roar, roirb f a 
für i$r Sebjeit oerbleib'n, fte fott um ©Otts roitt'n auf i$r 
#au8roefen fdjjau'n roie früher, bamit'8 nit Ijeijjt, idjj fyätV f 
triettei<$t erft }ur Arbeit unb Steinlidfjfeit antreiben muffen, 
roo fie bo$ mein' braoe #au$roirtin roar, fo iljr ©ott t>er« 
gelt unb i|r roeiter Äraft unb ©tärfe gab'! Unb nur red&t 
foE fte roirten unb fürd Äinb fott f forgen, bamit ba3 nit 



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160 Jtafatbergef$t$ten. 

an ber SRutter irr wirb, funbern ftd& benft: $aV fo a Braoe 
SWutter, wirb xoofjl ber SBater a Brat) g*rocft fein! SBaä 
mid& ütö ©rab Ijinein g'freun tnöd^tM Unb aufjic^n foH 
ftc bad Äinb bur$ iljr 93eifpiel unb ba§ mar bisher unb 
fo foU fle'S aucf) fetner befielen laffen: reblidjj bie ^ßflid^t 
auf ©rben erfüllen, oljne 5Wa<$frag\ mag nad&ljer lommt 
unb g'fdfjiedjjt, Ireujbrao unb grunbel>rltd&. #alt'8 ober 
^att'd netl 

3)a id ber £uBer lebenbig roor'n — i weif* nit, ob fi$ 
ber Safyer feiig auSg'reb't Ijat . . . 



„'3 ijalt' fd&on," fagte bie SJäuerin, roeldjje bem Stein* 
Hopf er bie eine freie #anb reifte, benn am anbern STrm 
trug fte baS Äinb. 

„Äefcerlump," fagte ber Seljnerfranjl, „taugt bir fein 
£immel? 3)ie #ötP mit iljrer emig'n Dual wirft bu fetyon 
oerfpür'n. 3)u bift 'm Teufel ftd&er." SDamtt rannte er auf 
unb baoon unb fyat ju$ aucf> fpäter nimmer blidten laffen. 



SufäUtg ober nid^t trafen ftdfj ber ©teinflopfer unb 
ber alte Se^nerfranjl gegen ätöenb im SBalbe; ber ledere 
fjatte es fidler nidfit barauf angetragen, benn cö mürbe 
iljm nidjjt gang rooljl bei biefer Begegnung. 3)er jeljnte 
mag'S nidfjt leiben, bafs man iljn fo mir ntdfjtö bir nichts 
bem ^öUifd^en ©rbfeinb jufprtc|t, unb roenn'ö in feine 
3Wadfjt gegeben ift, fo tränlt er'3 geroifj bem ©elegentyeitä* 
machet be3 Teufels ein, unb wer wollte baö rool>l jefct 
bem ©teinflopferljannS oerroeljren? 3a, roenn nur ber 
gferbl bageroefen mär', ba Ijätte feinem alten Sater leidster 
umd #erj fein mögen, aber ber „&immelfafermenter" fafe 
um bie Seit für ftdjjer im ©orfmirtsljau* ober . . . roe$ 
ber #immel, wo fonft! 



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$>fe 2Jtötd&en beö ©tcinllopfcrJaitnS. 161 

Sttdjjt umfonjt ging ba§ im ©eifte bem alten Seiner 
t>or, benn bet ©teinffopfer §attc jid& richtig vorgenommen, 
ejtra für iljn auSjutipfeln. 



6. $in* von gettfef. 

„Seljnerfranjl," fagte ber #ann§, „i8 mir Heb', bafe idj> 
bi$ treff — " 

„$m" brummte ber 2llte, mag ebenfo gut fjeifcen 
fomtte: „3Rtr audjj," ober gteid&rooljl bas gerabe ©egenteil 
bat)on. 

„@r mar bei mir," fuljr ber ©teinflopferljannS fort, 
„unb lagt btdjj fdjön grüben." 

„2Ber?" fragte ber Seiner. 

„SRa, ber fteufel," fagte ber ©temflopferljann3. ,,©eit 
b' t>ertmdfjen ju mir g'fagt ^affc, wann mir lein £immel 
taugt, murb' mir b'^ött' mit tfjrer ewigen Dual nit aus* 
bletb'n unb idfj roffr 1 'm Teufel ftdfjer, Ijab' idfj fein* ruJjtg' 
SRadfjt meljr g'ljabt, fo fürdjttg iö mir bis in bie ©eel* 
lyncht roorb'n." — 

©ott fei S)anl, Ijat fid^ ber Seiner benft, er »erjagt 
mir nur mieber eine oon feine bummen ©'fdjjid&ten. 

SBergang'ne SKadfjt mar'3, tc^ ftfc* auf mein 1 S3ett, bie 
22)ür mar nit verfperrt; na, bu weifjt, id^ uerfperr* niemal 
bie 2$ür, forttrag'n fann mir fein SKenfclj roaS, 'leidet trifft 
ftdjj'S bodjj einmal unb bringt mir einer mag Ij'retn. 

9$ fifc' alfo auf mein' ©tro^fadf, tljut ftd& bie £l>ür 
auf unb fommt ber £öttifdfje Ijerein. 9Ragft bir benfen, bafi 
idf> net wenig erfdfjrodfen bin unb g'meint f)ai\ Ijifcten iS'S 
vorbei, er Ijoft btdj unb abi geht'S in* ©rbboben, metfj rote* 
oiel taufenb SUleilen, roo ber fiebige ©<$roefel brennt. 

Stber ber §öffifd(je «Sufprudj t^ut nig bergleidfjen, nimmt 
ftdf) mein breitete ©todferl atö 'm @df füri, fefct ftdjj an 
mein Sett, unb nrie er ba ftfct, fagt ber Steufel: 
©Ott! 

«njenötuBet, ®ef. «Berte. V. 11 



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162 ftatenbergef$t$ten. 

©t!ta Ij'nein, rote id& g'feljn Ijab, bafe ber ©eernframet 
fo Ijöfffreunbli war, benf i, ba mufet auf bet £ut fein, ber 
fü^vt nmS im ©d&ilb. 

©er aber lad^t unb fagt: Sraudfjft fein #irnfdfjmala auf- 
j'roenben, td& fenn' ja beine ©ebanlen, unb mufjt mid> ntt 
fo bumm galten, ba b' mir elj' ftdjjer btft, bafe idjj mir no 
t)iel 3Rü§' um bid^ gab. 

©elb' ijat mid& g'margerft, fag' idfj: ®er Teufel is bir 
pdfjer, net i! 

33itt' bidjj gar fdfjön, fagte er, laft bö ©ponponaben 
unb macf> bidf) net grofi, ba fein no ganj anbere Seut', 
weifet, ©roftfopfete, V6 mir a net auSfönnen unb bö tnel 
weniger ©'festen madjjen, als urie bu, g'ring'S SRanbel. 

SBann i bir j' g'ring bin, fag' i, fo ftel> fyalt nit auf 
mi an. 

©agt er: 3)oS ttyii i el)' net; aber 58 fönntS mir ja 
bodf) nit aus, öS armen #afd>er. ©eib'S ja bodjj alle brefftert 
t>om Äinb auf, bafc 'S Ijübfdfj t)ertraglid^ mit mir lebts. 
SWetnft benn, es mär* nad> 'm ©ottoatern fein ©inn, bafc 
öS äff' Dftern bie ©ünb'n abbeutelts wie ber #unb b'ftlölj, 
bafe banac(> nrieber neuere jufprmgen mögen; ober 'S Äir* 
führten in fd^ön* ©ummerSjeit, mo ba unb bort a Sftanbl 
unb a SBeibI j'rudfoerbleibt unb ftclj ins ©rüne verliert; 
ober mann alle fettigen anrufts, affemal in ein* Srummer, 
bafe man einfd^Iafen fönnt' brüber? Des arme SBaferln, 
bös g'lengt nit ba auffi, aber eS lebt ftd^ unfdfjemerter 
babei unb roaS verbleibt eng banacf> über — ba öS bod& 
fünft mnbafdfjt auSmüfetS — als bafe 'S mir in mein' 
§öff* renntS unb eng a biffel abroarmtS. 3Kan frtegt 
völlig a (SrbarmnuS über eng unb roann'S a nit redfjt er« 
laubt is oon ber l>tmmltfdfjen Sßolijei, fo mufi mer engS 
bodjj ftedfen, bafe'S mit ber #öff nit gar fo arg is, nrie'S 

bie Seut' machen ©agt er: ©reif mtdfj amal an, 

£annS. 

3$ fl^if jww S3ett Ij'rauS unb tapp 'n ah, §at ber Äerl 
a feine äBoff 1 unb is brunter nmfcerlfett. 



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$ie Wdxtyn beS ©teinlIopfer$ann*. 163 

9ta, fag f tdjj, bu btft fcft Betnanber, roaS ein' nmnbert, 
wenn man benft, bafc b' in ber eroigen 3Rarter unb in ber 
$Pein oi>ne 2fof§ör*n unb @nb' Btft. 

©fet, fagt ber Teufel, bös iS'S ja, bafc's aHroetl fo 
gletdjjmädfjtig fortgebt, btum g'möljnt man'S unb friegt a 
fyarte £aut. 

©rauf Ijat ber Teufel ,,33'ljüt ©ott" g'fagt unb is 
fangen, unb idf> Bin, roetl'S fdjon amal nit anberfdfjt fommen 
fann unb bodjj fo iS, alfer meng oertröfter j'rudf BlieB'n. 
2IBer, Ijat ber £eujel g'fagt, efy'nber er 'gangen is, ein' 
©'falTn fönn'ft mir bodfj erroeifen, mann b' ben Sump mieber 
fie^ft, bem idfj früher bie fünbigften ©tütfein IjaB nadfjfeljn 
muffen unb ber je$t fo ti&er mtd& fdfjimpft, ben alten 2e|ner* 
franjl, bann tlju mir bie greunbfdfjaft . . . 

3 e fc* f* n 9 c * ner i utn Saufen an, benn es fnadfte unb 
fragte im ©ejroeig, ber anbere mochte aBer mdfjt jurüdfge* 
blieben fein, benn baS Saufen Ijatte mit einmal ein ®nb' — — 

3n ber 5Radfjt fam ber gferbl Ijeim unb fanb feinen SBater 
im Sette liegen, ben Äopf &übfd& in £üdfjer gefüllt. „2BaS 
ift @udf> benn?" fragte er. 

„®er ©teinflopfer is über midfj 'gangen," fagte ber 2tlte 
mit meinerlid&er ©tunme. 

„©'fd&ieljt Sud& redjjt," fagte ber gute ©oljn. „3ft'S 
umS #immelretd& Ijer'gangen? S)enF tmr'S. 3$ t»oUt\ er 
tyätt' duclj 'S aus 'm Äopf oerfdjjlag'n, roeil %f)t bod& anberen 
nur jebe gfteub' bamit verleiben roolltl" 

'S fommt oor, bafc ein ober ber anbere $immeföoer= 
maijner baS tljut, aber es waren audfj nidfjt „unfd&ulbtge 
gfreuben", bie ber Seljnerferbl meinte, unb bod& mu&te ftdfj 
ber Sßte baS oon feinem Sungen f a 8 cn laffen; ber mar fein 
„Sugenbfpiegel", unb er gefiel ftdjj nicfjt barin; traurig ift 
nur, baft ber ©piegel, ber ben ©Item bie 23>orljeiten iljres 
SebenS jeigt, baBei felBft nidfjt rein t>erBIet6en fann! 

SWittlerroeil' ftieg unfer ©tetnflopferljannS, nacfjbcm er 
alfo bem XeugelSauftrag geredet geworben mar, ben ©teig 
ju feinem ©teinBrud> Ijinan unb er fang: 



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164 Jtotenbergefdjid&ten. 

„3$ fürest* net 'n teufet, 
3« fürd&t' net bö §5«'. 
3 bleib' mer fteiS greidfr, 
06 a fummt, was b'r wött. 

ßreuj&rai) unb grunbe^rU* 
Sfof all unfern SBeg'n, 
SQöaS frag* i t>te( weiter? 
(53 lann im$ nir. g'fdMjn!" 



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3)et; litxftyolUne. 

(1878.) 



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gn ber §anbfc§rift BnaengruberS lautet ber urfprünglid&e 
(fpäterburc$jtrid)ene)$ttel: ®efc$ic§ten auä jroeiter §anb. 
9cac$eraä(jlteS t)on 2. »naengruber. Baratt fd&lojj fic$ bie folgenbe 
(nac^ljer gleichfalls getilgte) SBorbemerf ung : 

„SJton $ört 9te unb ba manches, baS beS Slufteid^nenä wert 
iß, unb ba tljut man gut, nichts baran au fünftein, nichts burdj 
unnüfcen Slufpufc ju t>erberben, fonbem cS möglidjft fo wieberaus 
geben, wie man ed empfangen $at unb e8 einem nodj in ben 
Dfjren liegt, $itel fmb nie welche baau gefagt worben, fo mögen 
fie aud) wegbleiben. $at ber Sefer einmal eine <$ef$t$te btö au 
il)rem guten ober üblen (Snbe inne, fo mag er ftd^ ebenfo wo$l 
ein 33ilb auSben!en von bem, ber fte ersäht $at, als audj i$r 
einen tarnen geben, unter welkem fie i$m nodj beffer gefäHt, 
unb ba8 gibt vielleicht me$r Unterhaltung als Stätfelraten unb 
BebuSlöfen." 

«. b. $. 



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\a ifi »or S^cn einmal ein 3Jtann burd&S tiroler» 
lanb gegangen unb nimmer jum SJorfdjjein gelotn* 
mm. SRur ©ott raupte, maS aus t[;m geworben. 

mar t>on „ba brausen", wie man fdfjon tängft in Defter* 
reidjj fagte, xottin man 3)eutfdjjlanb meinte unb nun erft feit 
lurjem in aller SBaljrljett fo jagen mag. 

3)er SSerfd^offcnc mar jiemlidjj bei Sauren unb bei SBer* 
mögen. SRadj ber £erjenSmemung ber lieben Angehörigen 
Ijätte ber alte $err mo|l bleiben fönnen, mo es tljm taugte 
ober mdfjt taugte, wenn er nur überhaupt irgenbmo geblieben 
märe; aber fidj bergeftalt ins Hochgebirge ju oerfteigen, bafj 
man aucf> nicf>t mit bem Kempen ©tüd djen mefjr t>orfmbltdj 
bleibt, baS mar bodfj redfjt leid^tftnnig unb rücfftdjtslos gegen 
bie SBermanbtfd&aft. SMe Ileibete ftdj} freiltdf) fofort in ©d;mar 3 
unb ttxmb glöre um bie #üte, aber bas @erid|jt meinte, bas 
märe lein SemeiS, baft ber SJermi^te nimmer am 2^>tn fei, 
mefjr als ein S)u|enb falbierter Stedfjnungen für belogene 
£rauermaren jäljle in ber Angelegenheit ber einjige SCoten* 
fdfjein, mar ber nid^t gu befdjjaffen, fo muffte bie fd&öne @rb* 
fd^aft liegen bleiben, — id& glaube bie ©eridjjtsljerren fagten 
— breiig 3al>r. 6t, bu lieber ©ott, mas mar ba bem 
©ram unb £ergeleib für ein gar meiteS Siel geftedt! SRittler* 
meile tonnte manc$ einer, menn audjj nidfjt übers £odfjgebirg, 
ben gleiten 2Beg nehmen mie ber liebe, alte £err Dnfel, 
ober "maS er ber ©ippfc&aft eben mar. 

SBorerft Ijatte man bie ©efdjjtdfite in allen Seitungen t>er* 
lauten laffen, unb babei mar ber SBerfdfjollene angegangen 
morben, falls er nocf> amSebenfei, feiner tiefbefümmer* 
t^n gfamilie ttöftlidjen Sefd^eib jufommen ju laffen. 9hm, 



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168 5?afenbergef$t$tett. 

e& war bod& tröftKdjjer, bafj er be$arrHdjj fd&wteg. „$>er gute 
SRann tft tot/ 1 fagte bte 33erwanbtfd&afi. ,,©ie 2BaI)r* 
fd&etnlidjfeit fpridjt bafür," fagte baS@eri<$t, „aber wir 
(tauten bte ©ewifeljeit!" 

Dbwoljl unter einem jebermann ^öflid^ft erfud&t würbe, 
mitjutetten, was etwa über ben SSerbleib beS alten #errn 
2lufflärung [Raffen tonnte, fo Ijatte ftd& bocf> ntemanb gemelbet. 
®a tljat bte gfamUte ein übriges unb fdjjrteb einen SßreiS 
aus, ben ber gewinnen follte, ber für beftimmt fagen fonnte, 
weldfjes traurige ©djjidfal ben Bereiten SBerfdjjoUenen betroffen. 
SJlan ftcljt, es war ein e&rlidjjer #anbel. S)ie gfamilie *er* 
langte für ifjr ©elb ein „trauriges ©djjicffal", baS mod&te 
ftdfj jeber gefagt fein laffen, unb einen etwa nodjj lebenben 
Dnfel ein £auS weiter ju Äauf bieten. 

©o ein SßreiS locft Seute, bie ftdjj barauf t>erftel>en. 
„9$ab." — fagte ein Sßolijetagent, unb baS war einer ber 
geriebenften, — „unb wenn er fdjjnurgerabe ©ott jugelaufen 
wäre, fo mufj er babei ben 28eg bodfj mitten burdfj bie Seute 
genommen Ijaben. 3$ witf wi* bie ©adfje anfeljen." 

SDamtt fdfjnürte er fein Sünbel unb ging, ftdjj bie ©adjje 
anjufeljen. @r reifte ben nämlichen SQSeg, ben ber SJerfcfjoffene 
gegangen. 35a war fein SötrtSljauS, feine Äeufdjje, feine 
Sllmljütte, wo er nid^t emgefprod&en ^ätte, fein ©enner, fein 
2Bur$e(graber, fein ©eif$jung\ ben er nidf)t befragt fjätte; 
Don ber ©teile, wo ber alte $err baS Hochgebirge betreten, 
folgte er ©djritt für ©dfjrttt beffen ©puren. 

S)a traf er enblidjj auf eine rfenbe Äeufdfje, in ber ijatte 
ber SJerfdfjottene jur SRadjjt ge^erbergt unb am ÜKorgen barauf 
f;at man tljn in eine wilbe ©dfjludfjt hineingehen fefjen. S)er 
Äeufdjjler unb fein SBeib Ratten iljn gefefjen, ein ©enner 
wollte if)tt nodjj begrübt Ijaben unb einem ©d&afjungen war 
faft fo, als mö($t' er ft$ entfmnen, ba war 1 einer, ganj ber 
93ef<$reibung nadjj, hineingegangen. SPber auf bem gleiten 
ÜBege f;at tf;n ntemanb jurücffeljren unb am anbern ßnbe 
feiner Ijerausfommen feljen. %n ber ©djjludfjt bürfte er alfo 
verblieben fein. 



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2)er »erfdjollene. 169 

SDa ftanb ber Slgent auf bcm fd&malen, fteintgen 2öege, 
inmitten ungeheurer gfelfenmänbe. Snrifdfjen ein paar ©tein* 
blöden ftrebten mäd&ttg Ijolje Sannen empor unb beuteten 
f)ö§nifdfj gegen §immel: „'hex roeifc es!" ©in Heines SEBäffcr« 
djen fdj>o| eilig baljin, gurgelte manchmal an ben Steinen, 
bie iljm ben 2Beg verlegten, aber es fagte nidfjts aus. 

SDamalS fott audjj ein fdfjöner SWorgen geroefen fein, gerab 
wie Ijeute. ©er Slgent ging bie ©djjludjjt auf unb nieber, er 
beäugelte jeben ©tein, bie Heften tljn mad^en. @r ging ftunben* 
lang, benn er machte ben SBeg von einem jum anbern @nbe 
meljreremal, aber er blieb mutterfeelenaUein unb ba tonnte 
er rooljl merfen, bafj man fdfjnurgerabe ©Ott julaufen fann, 
of)ne babei ben SQSeg burdfj bie Seute ;u nehmen. (Sben mar 
es juft nidjjt ju geljen, aber um fu$ ju £obe ju fallen, baju 
mar 1 3 ntdfjt angetan, unb gefefct, es mär 1 bem alten SRann 
aud ©d&mädfje ein Unfall jugeftofcen, man §ätte ifjn bodj) 
aufgefunben. @S falj ganj banac§ aus, als mar' er einem 
böfen SJoten begegnet, ber i^m ben fürgeften 2Beg nadjj bem 
§immel gemiefen unb tljn budjjftäbltclj aus ber 2Belt gefdfjafft 
fjat. Unb roenn jefct fo ein riefenftarfer 2lelpler baljerläme, 
mödfjte es für einen jungen fräftigen SWenfcljen nid^t gar 
geheuer fein, gefd^meige benn für einen alten gebredjjlidjjen. 
35er Slgent fu|r mit ber #anb nadfj ber £afdfje unb füllte 
mit einiger Seru^igung, nrie ber Sauf ber Sßiftole falt burdfj* 
fd&lug, meldte er mitfüfjrte, um nötigenfalls ein paar Sö^er 
in eine frembe #aut ju f Rieften, elje es iljm an bie eigene 
ginge. 

SRun Ijatte er ftd& bie ©aelje angefeljen unb er geftanb 
fidjj, bie falj red&t oerbrtefjltdjj aus. 3n bw ©dfjludjt mar 
lein Unfall, fonbern ein SJerbredfjen gefdfjeljen unb ber Setcf}* 
nam oerfd&leppt morben. SDaS ftanb bei tfjm feft, aber bamit 
jugleidfj bie ßrfenntniS, bafj na|eju alle SluSftdjt, ben $reis 
ju oerbienen, oerfdfjnmnben fei. @r mar roctljrenb ber ©udfje 
rooljl barauf gefaxt gemefen, ben SBermtfjten als Opfer eines 
oerbredfjerifdfjen Angriffs aufjufinben unb er fjatte fcf>on ju 
mefyr als einem (Srmorbeten ben SWörber „ftelltg" gemalt, 



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170 Äalenbergefc$ic$ten. 

aber es war babei immer atfes — mie er fagte — unter 
Seuten ©orgegangen; roenngleidf) ber lofe gaben jjeljnmalrifi, 
eine nichtig fdjjeinenbe SluSfage, oft aus bem SDtunbe eines 
ÄinbeS, fnüpfte iljn lieber an, julefct würben bie Areife 
immer enger, mitten burdfj liefen alle gäben nadj einem 
Sßunfte unb ba fafe bann grofc unb breit, wie eine ©ptnne 
im 9te$, frei unb offen oor alter Slugen ber ©dfjulbige, bafc 
man ifjm auf ben Äopf fjtn fagen fonnte: „35u bift es!" 
£ier aber war nirgenbs anjufnüpfen unb ftünbe er fetbft 
t>or ber Seidfje bes ©rmorbeten, biefe fonnte t>on niemanb 
agnoSjiert werben als oon bem SRörber, oon bem geftänbigen 
Sföörber, benn Ijter fanb ber Serbad|jt leinen Soben unb 
bie 2tnflage !einen SeroetS. 

2lergerlidjj ftieg er t>on ben Sergen nieber, naljm ben 
fürjeften SQSeg nadf) ber breiten Sanbftrafce unb gebaute, 
baljin ju geljeu, roo^er er gefommen; baS toar aber bodfj oon 
etroaS ju weit fjer, um es in einem ©triefj unter bie güfee 
ju nehmen unb fo mufjte er jtdfj rooljl baju oerfteljen, jett* 
roeife Staft ju galten, ©egen Snbe beS erften £ageS feiner 
SBanberfdjjaft erreichte er ein größeres (SinfefjwrirtSljauS unb 
entfdfjlofi ftd), bafelbft ju übernachten. 2lm frühen SWorgen 
barauf trat er reifefertig in bie ©aftftube. 

„©dfjon roieber fort?" fragte ber 2Birt. 

„3a. Sin nidfjt IjerumftromenSljalber ins 2faoterIanb 
gefommen. 2BaS bin idfj fdfjulbtg?" 

„9Ht ber SRcb* wert." S)er SBtrt nannte einen geringen 
Setrag unb fdfjicfte ftdfj an, auf eine ^apiernote IjerauS* 
jugeben; er 50g bie ©elblabe aus bem SBanbf darauf e, twr 
bem er ftanb. 

©eljen ift eine Äunft. SRandfjer §oIt gleicfjfam mit ben 
2lugen aus einem SQSinfel ©tücf für ©tücf bie ©egenftänbe 
Ijeroor unb überfielt babei nodfj eins unb baS anbere, roäfyrenb 
einer, ber'S t>erftel)t, attes auf einen Slidf weg fjat. 

„Sitte 2Better, £err 2Btrt, toaS i>abt 3§r ba für eine 
abfd&eulidfje Sroiebel?" fagte ber 2lgent unb meinte bamit 
eine £af<$enuljr, bie in ber Sabe jwifd^en oerjettelten Sßapie* 



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$er SJerfd&oHene. 171 

ren !jert>orfta($, in einem tombafenen ©etyäufe, plump unb 
groft wie ein #üljnerei. 

3)er SBirt griff fte Ijerau*. „@i, ber (er gebrauste einen 
ÄraftauSbrudf) ärgert mtd&, fo oft idfj iljn anfefj'. @3 ift 
überS Saijr Ijer, ba ftnb an ber ©trafje bie Stefruten t>orüber* 
gejogen, $aben bei mir jugefprod&en unb eine fette ßed^e 
gemalt unb wte'S jum Sagten fommt f muft id& ba8 ®ing 
ba mit in ßauf nehmen; um fünf ©ulben Ijab ic| fte muffen 
brein ge^en laffen, leine brei frieg td& bafür." 

„SWein' es felbft," ladete ber ägent, „bem ©ewidjjt nadf> 
wirb pe feiner foufen; baS mär* noc§ ein £anbel, bei bem 
für @ud& was IjerauSfäy! Slber trieffeidfjt lennt 3^r ben, ber 
jte @uc$ aufgehängt Ijat unb mögt fte iljm nad|j ber Seit ein* 
mal umS ©letd>e jurücfftellen." 

„Äennt i$n unfer Herrgott ntcfjt beffer wie idjj, fo bleibt 
ber beim jüngften ©erid&t unaufgerufen." 

„2Bär* fdjjab," badete ber Agent, „ba tljn woljl audjj faum 
eines auf @rben wirb aufgreifen fönnen." ®r fragte ben 
SBirt nodj eines unb baS anbere. Db ber ftd& entftnne, an 
meinem 2toge bie Stefruten Dorüberjogen? SBieoiel iljrer 
woljl gewefen fein mögen? SBofjer fte gelommen? SBofjtn 
fte gegangen? Unb fdfjtief$ttd& erflärte er, Sefonberljeit falber 
bie Uljr anlaufen ju wollen, wenn fte um baS ©elb feil 
märe, wofür fte bem ©aftgeber aufge^alft würbe, er wenbe 
jebod& feinen ©rofd^en meljr baran. 

®er Sßirt rücfte bie Siedete mit ber Uljr bem Steifenben 
§in unb Ijtelt bie Ijo^le Sinfe iljm entgegen. 

®er £anbel war gefd^loffen, ber Slgent ging feiner SBege 
unb nadjjbem er nodfj paar ^greifen unb ebenfo tnele SRadjjt* 
lager hinter ftd& fcatte, traf er Ijeim. 

®a fajj er an feinem ©dSJretbtifdfje, twr ftd^ Ijatte er bie 
ttyr liegen, ber SDtantel berfelben war geöffnet, innen geigten 
ftd) bie Sudfjftaben J. 0. H. eingegraben unb aufsen war in 
ro^en Sinien einefjigur angebrad&t, wefdfje man bei genauerem 
Sufe^en für einen Säger galten fonnte, ber in bie Suft 
fd&ojj; baju würbe benn audj ber ©d&Iüffel gepajjt Ijaben, 



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172 Jtalenbergef$i$ttn. 

bet an einem formalen Seberriemd&en vom Sügel fyexafa 
baumelte unb am oberen (Snbe einen auSgretfenben Sagbtyunb 
barftettte. 9)iefer ©djlüffel aber fehlte, bagegen jeigte ber 
3ting am Sügel eine glattgeriebene ©teile, wo ber Seber* 
ftreifen ehemals befeftigt gewefen war. Äein Zweifel, ba§ 
war bie XXfyc beS SSermißtenl 

2fa bie SBerwanbten besfelben richtete nun ber Slgent ein 
langes unb breites Schreiben über baS Ergebnis feiner 9lady~ 
f Ortungen. ®r meinte, baSfelbe „ganj unmaßgeblich" als 
ein feljr trauriges bejeid^nen ju muffen, um fo trauriger, ba 
er bie Ueberjeugung Ijegen lonnte, nichts verfäumt ju Ijaben 
unb bafjer ein anberer aufy mit nichts Sejferem ju bienen 
im ftanbe fein bürfte. ©id&er mar ber SJerfdjjollene, SRamenS 
Sodann ©eorg £einecfe, in bem bewußten ©ngpaffe getötet 
unb fein Seidjnam verfdjleppt worben unb mutmaßti^ mar 
ber Später ein eben gum ÜKilitär aufgehobener, ber ju feinem 
£ruppenförper einrücfte; ber SBerfudj aber, benfelben aus* 
finbig machen ju motten, märe ein ganj auSftcljtSlofeS Unter« 
nehmen. 

2lfferbingS Rubelte es ftclj fax um einen jungen Iräftigen 
3Renfdfjen, ben man woljl berjeit no$ bei Seben vermuten 
lonnte unb faum einen Xagmarfc$ vom Tatorte mar eine 
©pur von tljm aufgetaucht, jebodj nur, um fofort roieber im 
©anbe &u verlaufen. SDer ©aftwirt fannte feinen ber an 
jenem £age bei i§m ©ingef ehrten, baS läßt vermuten, baß 
fie ficf> viele £agreifen weit von fernen SDörfem ober and) 
einzelnen SBeilern jufammengefunben, unb ber eine, wm ben 
es fidj tyanbelt, lonnte einen weiten SBeg jurüigelegt Ijaben, 
e§e er auf fein Dpfer traf. Sie 3le!ruten waren wo$l unter* 
fd>teblidfjen SBaffengattungen jugewiefen unb na$ verfdjjie* 
benen Quartieren einberufen worben, ba war feinem nad>s 
juge^en, ben man mdjt genau fannte, ba liefen alle ©puren 
bem Äreuj unb ber Duere na$ übereinanber. ®ie %f)at 
gefdfjalj ojjne Saugen, felbft ber ftumme Stnf läger, ber in 
foldjen gfällen bie menf<$Ii<$e ©ememe laut nadj ©tiljne auf« 
fd&reien mac$t, bie Seiche bes ©emorbeten, war beifeite 



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$er Serfd&oHene. 173 

gefdjjaffl roorben, ber Später ging aus ber £eimat in bic 
grembe; er verlieft ben Drt, roo er gegen 9la!jefte!jenbe rote 
©leid&gültige eine geroiffe äßertraulieffeit gewohnt roar unb 
roo iljn alles jur SRitteilfamfeit reijte, unb geriet nac$ einer 
©tabt unb unter SRenfcljen, roeld&e beibe er nid&t fannte unb 
mij$trauifd& unb tjerfdjjt offen abwartete , roaS man rooljl i!jm 
ju fagen Ijätte. 3118 aber lange banadjj ber alte £err *er* 
miftt unb i§m nachgefragt rourbe, ba war ©ras über bie 
©efd&id&te geroad&fen, über ein 3a§r ijatte ber SBtrt bie Uljr 
im ©darauf Regen, rouftte eS mdjjt, baft jte mit ber 33ef<§ret* 
bung übereinftimmte ober Ijatte nie ba*on gelefen nod& er* 
fahren. * 

Stuf ben $unb ber Vlty tljat ftd& ber 3Cgent am ©djjtuffe 
feined ©Treibens etroaS ju gute, benn er Ijielt \\<$) für bered^ 
tigt, biefelbe geroift als „ein teures Sfagebenfen an ben ebeln 
3}erbli<$enen" anjufefjen unb fragte an, roeld&em ber Jjo<$* 
adfjtbaren @rben er fie einjufenben fyaht, bafür rourbe nur 
eine geringe Vergütung, etwa baS fünf* ober fed^dfad^e bes 
©rftelfpreifeS, geforbert unb mit ber ergebenden Stnljoffnung 
gefd&loffen, man werbe in Slnerfennung gehabter 9Jlü^c unb 
Auslagen rooljl grofcmütigft eine entfpredjenbe ©ntfd^äbigung 
beifügen. 

3)ie 3lntroort auf baS ©^reiben beS STgenten lief balb 
ein. SJlan anerlannte in iljm einen ber geroiegteften Sßofijiften, 
bebauerte lebhaft unb rooljl aud& aufrichtig, baj$ feine Semti* 
jungen t>ergebtidjj geroefen. SRun !am aber etwas, baS roar 
ni<$t eljrli<$! SKan glaubte aus feinem ©^reiben heraus* 
gelefen ju 5oben, ba| iljm bie beroufcte Uljr, tuellei<$t als 
ein 8®fyn ber ©rinnerung, roert geroorben unb obwohl 
man ß$ von bem teuern 2lngeben!en an ben ebeln SSer* 
blidjjenen nur fd&roer trenne, fo roiffe man bodfj feine 2trt f 
im $)<ml für gehabte 3Rü§c unb Auslagen berebter auSju* 
brüden, als inbem man erroäljnte, audjj burd) iljr SCIter 
feljr merfroürbige £af<§enuljr iljm gefdjjenfroeife überlaffe mit 
bem tiefgefühlten SBunfd&e, felbe möge nur glüdflid&e ©tunben 
jeigen. 



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174 Jtotenbergefdjtdjten. 

3)er Slgent warf ben „t>em>ünfd}ten Änobel", wie er ftd& 
auSbrüdfte, in eine ©djjreibtifd&fabe, beauftragte ben Teufel 
unb feine ©rofcmutter mit ber nötigen Reparatur, ia ftdj 
gewifc fein jeitgenöffif<$er ttyrmadfjer bamit befaffen möchte, 
unb nannte bie jjod&ad&tbaren @rben ein fdjjmufcigeö ©efinbel. 



Saljre waren barüber vergangen, ©er SCgent Slnton 
SBtittf ert — mag einmal aud& fein 3lamt genannt werben — 
$atte injwifd&en mand&e ©efegenljeit wahrgenommen, ftd^ 
neuerlich afö gewiegter Sßolijift ju erweifen unb ba ftd& fein 
Slnlajj fanb, i|n ju erinnern, fo Ijatte er ben SBerbrujj faft 
wttig Dcrgeffen, ben iljm ber feiige 3o§ann ©eorg #einedfe, 
wie anjuneljmen war, freiließ ganj oljne SEBiden unb SBiffen, 
bereitete. 

@ine8 3toge8 ging ber alte ©purer unb ©d&nfiffler in 
einem ber SBororte ber ©tabt burd|j eine abgelegene ©äffe. 
Äinber trieben ftdjj auf bem %afo unb ©e^wege l)erum, 
fpielten an ben Stinnfteinen unb fafjen auf ben ©tufen vox 
ben ©ewölbt^üren. Sßüttfert blieb fielen unb fa$ bem 
treiben ju. SJtit einmal feljrt er ftd& ab, tritt in einen 
naljen Dbftlaben, fauft Äirfdjjen, beteilt bamit im SBorüber* 
fdjjreiten mannen fleinen ©d|jreiljafö unb !jält vox einem 
Keinen 9Jtäb<$en ftiffe, baö an ber @rbe fafc unb in bem 
fleinen £cmb$en einen ©egenftanb fpiefenb f)in unb Ijer 
f<$lenferte. Swifdfjen ben winjigen ginger<$en f<$wang ein 
fd^maleS SeberftreifdSjen unb baran Ijing ein Uljrfd&lüffel, ber 
oben über bem 9tinge einen Sagbljunb in DoUem Sauf nadjj* 
bilbete. 

@r bot ber Äleinen bie Äirfd&en, biefe griff freubig ba* 
nadjj unb von bem naljen £au8tI)ore fam eine 3frau mit 
freunblid&em Säbeln §erju. 

„2Bie Ijeifet bu benn?" fragte ber Stgent baS Äinb. 

,,©op$ie." 

„Unb wie nod^?" 



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2)er Serfd&otfene. 175 

„Äeljueber." 

„Äerneber," t>erbefferte baS Sßeib, „baS SR mag tyr fjatt 
no<§ nit von ber Stmge." 

„2Bie att iS baS gjiäberl?" 

„STOCtunbcin^alB 1 Iga^r wirb'S mit nädjjftem." 

„Sin ncttcä 5ßau£erl. 3a, feit bie frönen ßinber, bie 
taufenb SBod^en gaffen, mit fein ©eljör meljr f<§enf en, plauber' 
idfj fjalt mit itn ganj Keinen." 

SDie %xau lachte unb fdjjüttelte ben Äopf; fo arg werb' 
eS rooljl ni<§t fein, ber #err fei no<§ ganj riegelfam. 

„2lber," fagte 2Bütffert, „wirb ber SSater nidjjt greinen, 
roenn bu ifjm ben ©djjlüffel t>on feiner Uljr t>erf<§leppft." 

„3lc^, baS bürft 1 freiK<§ nid^t fein, aber ber ©djjlüffel 
roetfe von feiner Uf)r,' ben Ijat bie ©opfjerl aus 1 m ÄeJjrid(jt 
aufgelefen." 

„Steint ein uralt' ®ing ju fein. SBoIjer baS ftammt?" 

„@i, meine§ SfJlanneS Sruber, ber paar £age bei uns 
mar, ijat iljn weggeworfen." 

„6o. Sllfo *om Dnfel Ijaft bu baS? 2Ber ift benn bein 
Dnfel?" 

„$ebroebet," fagte baS Äinb. 

,£$*, gelbmebel mar er," erflärte bie SJtutter, „aber jefct 
ift er mieberbeim ßtoik unb j'tot fro§, bafe er einmal feine 
Seit beim SJtilitär auSgebient Ijat. Sflein, was fo ein ©olbat 
alles burd&madjjt unb ju ergäben weift, brttber muft man fid^ 
nur erftaunen! 9Bir Ijaben iljn paar £age bei uns gehabt, 
bis er in feinen Sßla$ f)at einfielen fönnen, er ift gelernter 
§leif<§er unb ein gefreiter Äopf ; ber mär' im ftanbe, einen 
Don ©adjjen abjureben, bie man *on ßinb auf für waljrljaftig 
gehalten Ijat, unb fo fd^arf unb einbringt mad&t er'S, baft 
man iljm fein SBort barauf ju fagen weift, aber man bleibt 
Ijalt boclj lieber bei ber SfJteinung, bie man einmal gewohnt 
ift. 3a, baS muft man iljm lajfen, reben t>erfteljt er, ber 
©d&wager SlloiS, unb ift aud& fo bem 2lnfe!jen na<§ ein netter 
3Jtenfd&, es wirb iljm nit fehlen. £)ie Äunbf d&aften, bie 's 
§leif$ bei feinem #etrn nehmen, motten elj 1 fd^on bemerft 



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176 Jtolenbergefd&td&ten. 

Ijaben, bafc btö Sßdfjterl an ber Äaffa nit unfreunbltd> nad& 
bem neuen Shtffjadfnecijt fdfjaut." 

„3a, ja, eö gibt mel)r afö ein Seifpiel, bafe mandfjer 
auf bie SBeif fein ©lud gemacht Ijat. 2Bie Ijeifct benn fein 
£err?" 

„getrauet ! SBiffen ©' ben Sfoton geilljauer? @r $at fein 
©eföäft . . ." 

„@i, mein ©ott, i<$ werb' bo<$ 'n alten fteityauer f ernten! 
®er l)at wirfRdjj nur ba8 einjige Äinb, nun ia fann ftd& 
ja fdjjidfen, bafe man einmal ben ,2tnton fjfeifl&auer' ober ber 
2abent§fir herunter nimmt unb ben ,2Koi3 Äerneber* hinauf* 
nagelt." @r fneipte bie Äfeine, bie eben ben legten Äirfdj« 
fern auSfpudfte, in bie SBadfen. „^at'ä gefdjjmedft?" 

,,©ag ja unb gib bein #anberl." 

w ©o. Sa§! 33e!)üt ©Ott." 

3)en U§rfc|tüffel muffte ba8 Äinb wrftreut fjaben. 

„2tu8 'm Siwmerfe§ri(§t fommt er unb tnä ©trafcenfeljridfit 
geljt er. Äomm, ©opljerl, t<$ geb' bir was anbereS jum 
©pieten, was ©djönereä, weifet bu !" 

©iefelbe 9toc$t fd&ritt 3foton SBüttfert in feinem Simmer 
erregt auf unb nieber, von feinem ©<$reibtif<$e Ijer tönte 
ba3 tidtenbe ©eräuf<$ einer Uljr, berfelben, bie jahrelang 
ntdjjt einen 3*iflw gerührt Ijatte, entweber jugleidjj mit bem 
#erjen beä ©rmorbeten ftitt geftanben, ober an bem beä 
9Jlörber3 abgelaufen mar. 

@in ®edfel fd&lofe über bem Sifferbfatte, ber Slgent 
rührte im SSorübergeljen am Sügel, ba Hang e3 in leifen 
©djfägen jwölfmal. 9Jlitternad&t! SEBüttfcrt 150g feine Uljr 
unb *erglid&. „Stodjj ni<$t fjalb," fagte er. „SBiffft bu bie 
Seit einbringen? ©emadj, eö eilt nidjjt. SJteffe iljm billig 
feine fjrift ju, t>iel (jat er nidjjt meljr, jebe ©tunbe brtdjjt 
i$m ab." 

S)ann gebadete er, wie etliche ©trafen weit ein 3Renf<$ 
woljl im beften ©djjlafe liegen mo<$te, in beffen träume 
nid&tä Ijineinftang von bem raftlofen SCidfen, ba8 Ijier im 
Staunte webte, von bem Reiferen ©d&lag, leine 39tal>mmg an 



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$er SSerfd&offene. 177 

bas Ijaftenbe SRudfen ber gctger, bcrcn größerer ben flehten 
ntit fortriß von ©tunbc ju ©tunbe. 

35er 2lgent füllte unwtffftirlidjj ein letfeS f^röftcln unb 
begab ftc$ rafdjj gu Seite. 



©emadj), es eilt nidjjt. 

SQBüBffcrt Ijatte iagS barauf eine Unterrebung mit feinem 
33orgefe$ten , erhielt einen längeren Urlaub bewilligt unb 
*erf<|manb aus feiner SBoljnung , meldte er ber Db^ut ber 
©auSbeforgerin anvertraute, niemanb wufcte wofjin. 



3« bem Keinen ©aftljaufe, bas affabenblidj) von etlid&en 
gfletfdjjerfnedjjten Befugt würbe, unter melden fidfj audjj SllotS 
Kerneber befanb, fteUte ft<$ um biefe «Seit ein neuer ©aft ein, 
von bem bie alten Slngeftammten nidfjtS ju fagen wufjten, 
ber aber allen, fonber!i<| bem SBirte, feljr wifffommen mar. 
3)er neue Sifd&genoffe nannte ftdj} SEobiaS S3reiting, Ijatte, 
feinen Sieben nadj, längere Seit als ©olbat gebient, bann 
im «Simle als SlmtSbiener Sßerwenbung gefunben unb fidfj 
feit furjem mit einer Keinen SJJenfton unb etwas (Srfpartem 
gur 9tu|e gefegt. @r mar ein überaus gut gelaunter alter 
3Rann, fonnte leine griesgrämigen ©efid&ter unb feine 
troef enen Äeljlen leiben, tobte ft$ luftige ©efellfd&aft unb 
guten £runf unb wufcte jur ©eiterfeit unb ju Peinigern 
ärinfen mit einem gang eigenen latent anjuregen. @s 
t>erbroft i^tt ni<$t, ftets eine ©uitarre mitjufcijleppen, womit 
er bie Sieber anberer begleitete unb ju weldjer er nodfj öfter 
felbft fang, er fannte äffe neuen ©affenljauer, alle Sieber, 
wetdjje bie SSolfSfänger in ben SßirtSljäufern „losließen", 
alle SouptetS, mit wetdjen bie Äomifer in ben Sweatern 
zien Furore matten, er wufcte ftierftimmen täufdfjenb nad&s 
jualjmen, ja, er gerftanb fogar etwas SSaudjjrebneret unb 

ttnaenotuter, ©ef. SBerfe. V. IS 



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178 Äalenbergefd&tdjten. 

führte, fjinter einem Dfenfdjjirm wrfteeft, ganje ©cenen 
jwifcijen jwei bis wer Sßerfonen auf, imb all baS bis jum 
Äranfladjjen brolltg, furj, wenn es je einen gegeben, fo war 
baS ein ausgemalter £aufenbfafa. 

33alb, baS *erftanb fid§ von felbft, burfte er leinen Stbenb 
wegbleiben. @r jeigte fi<| in mandfjem gefällig, was man 
twn iljm verlangte, nur in einem fünfte madjte er ©d&mierig* 
feiten, wenn er gebeten mürbe, etwas ju wieberfjolen. £)od|j 
audfj ba fanb man balb Stbljüfe, man merfte, bafs ber alte 
Sreiting nachgab, wenn iljm SlloiS Äerneber jurebete; benn 
ber märe ein SCiroter, meinte ber Suftigmadjjer, unb bie möge 
er gut leiben, bie feien aufrichtig unb gerabeauS. Sladjjbem 
man einmal baS wufcte, ftetfte man ficf> immer hinter ben 
SSroler, unb ber war nidfjt wenig ftolj barauf, baft, nädfjft 
bem Sllten, Ujm bie SBirtSljauSgäfte mannen guten unb 
fd^Ied^ten Byafy ju t>erbanfen Ratten; er fuc|te baljer, tro$ 
ber Sßerfcljiebenljeit beS SllterS, fidfj näfyer mit bem penjto* 
nierten Slmtsbiener $u befreunben unb fanb i^n, obwohl 
ber fonft wenig ßinreben unb gar fein 2lnorbnen »ertrug, 
fet)r nachgiebig, baS mufjte benu^t werben! Sin einem be* 
fonberS luftigen 3lbenb tranf Äerneber mit bem Sllten 33ruber* 
fdljaft unb |atte von ber .ßeit (^ baS beneibete SBorred^t, 
baS Programm ber attabenblidjjen Unterhaltung frei beftimmen 
ju fönnen. 

@r war jtdfj audfj ber »ollen SBidjjtigfeit biefer Stellung 
woljl bewußt, benn es f oftete iljm nur ein 2Bort, fo gab ftdj 
fein unter^altenber ©ujbruber gar nimmer mit ber ©efeff* 
fdjjaft ab; er §atte ftd& fd|jon gewöhnt, benfetben wie etwas 
tym SugeljörenbeS ju betrauten, t>teHeid^t als eine Slrt 
Sßunbertier, baS er gejä^mt tyabe unb baS fi<$ nur auf fein 
Äommanbo mit feinen fünften feljen läftt. ®afür vergalt 
er aber htm Sllten mit »oller SBertraulidfjfeit unb weil)te 
benfelben in bie gan^e ©efd&idjjte feines SebenS ein, benn 
ein fo twrtrefflidfjer greunb Ijatte billig Slnfprud^, i§n gang 
genau, wie t>on Äinb auf, ju fennen. 

SJtittlerwette Ratten bie (Säfte im fleinen SßtrtSljaufe 



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$er SSerfdjoffene. 179 

breiig fro^e Slbenbe t>er6rad|jt; Don biefen vermag aBerBe* 
fanntli<$ feiner für ftd^ allein gu fielen unb muft ft<$ an ben 
bagu gefjörenben £ag anlehnen, womit alfo nur gefagt ift, 
baft ein Wtonat ©ergangen war, was man freilidj Bittiger 
mit einer Seite ridfjten fönnte, aber man will es bodj audfj 
fcljön madfjen unb baS muft man uns @rgäf>lern gu gute 
galten, fonft werben wir ungehalten unb legen bie geber weg. 

2)a fam nun ein 2l6enb, an bem wollte es m$t Reiter 
werben. SJtan mar woljl gewöhnt, immer einem baS grofte 
SBort ju raffen, unb baS mar ber alte Sreiting ; aber bieSmal 
mar es ein anberer, ben man audj affein reben unb machen 
lieft, oBwofjl man ni<$ts Sefonberes erwartete unb iljn lieber 
brausen gefe^en Ijätte, was man jebodfj aus Bittiger ©cfjeu 
iljm BeileiBe nidfjt merfen lieft. 35er (Sinbringling war ein 
befannter $ßoligetbiener, unb ba man nur na<$ folgen Seilten 
ruft, wenn es nidjt re<#t geheuer ift, fo machen pe oft bie 
eljrlicijften Seute Bange, benen es auefy neben ben ungerufenen 
nidjt redjt geheuer werben will. 

2Buftte er'S, ober wuftte er'S ni<$t, {ebenfalls war er 
gegen bie ©efettfdjaft ebenfo rüdfidjtSooff, wie biefe gegen 
iljn unb lieft fi<$ nid&tS merfen unb tljat oieffeid(jt barum 
nur um fo gefpräd&iger. SlnfangS fpradfj er vom Sßetter, 
oon ber 9Robe, wie läfterltdj f\ä) jefct bie gfrauengimmer 
trügen, benn bie grauen jhnmer tjaBen ftcfj, wenn man bie 
SWänner reben Ijört, allerorten unb affergeiten läfierltdfj 
getragen, einmal, weil bie Äleiber gu wenig oerljüttten, bas 
anbere 9M, weil fte bie fdljöne ©eftalt, fo ©ott bem SBeiBe 
oerlteljen, gang ben Slidfen entgögen, furg, fte mögen'S machen, 
wie fte wollen, fte tljun nie redfjt. Sann rücfte er mit etwas 
©tabtflatfdjj IjerauS; als aber nid&ts redjjt verfangen wollte 
unb er oermutlid^ nichts anbereS meljr wuftte, gab er fidfj, 
als was er war, unb Begann oon SBerBrecfjen unb SerBred^ern 
gu ergäben, was er Bejfer gleid& anfangs fjätte tljun fotten, 
benn baS fanben bie Seute bod& Sluf^ord^enS wert. 

„■Bteine Ferren," fagte er, „Ijeute fjat ftdfj ein feltener 
%aU ereignet, ein SKörber Ijat fid& felBft geftettt." 



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180 ßatenbergef(§tc§ten. 

„©elBft gefteKt?" wie aus einem SJtunbe. 

„©elBft geftelTt ! 3$ war Bei ber SßrotofoffSaufnaljme, 
IjaBe auc§ als S^ge unterfertigt, es ift ber SJtüIje wert, bie 
©efdSjidfjte anjuljören, benn ba fteljt man wieber einmal 
beutli$, bafc ber alte ©ott nod) leBt unb ben Seuten bas 
©ewiffen wedft." 

<$r rütfte feinen ©tuljl näljer an ben üSfdJ. Äurj Dörfer 
Ratten ganj Beftimmt bie Beiben -ftadjjBarn redjjts unb finfs 
iljre ©effel ein wenig jur ©eite gejogen, aBer jefct fdjjoBen 
aUe biefelBen Ijerju. 

„©elBft geftettt, wie i<§ fage, meine Ferren. @S war 
l^eute gegen 3Jtittag, fommt ein langer, Ijagerer 3Renfd|) mit 
Bfeidfjem ©efid&t, eingefallenen äßangen unb f feuern 3Befen 
auf baS SCmt, fragt nadjj bem £errn Äommiffär; mir weifen 
ifjn ju bem; es t>ergef)t leine SBiertelftunbe, wirb an ber 
Älingel im Simmer griffen, mir laufen (jinju, muffen einen 
tum ben anberen Ferren als ©d&riftfüf)rer IjineinBerufen unb 
nun ift'S losgegangen, grag' um grage, Slntwort auf Slnt* 
mort, alles Ijaarflein. 35er Äerl $atte, erBfdJjaftSljalBer, feine 
letBlidlje SCante vergiftet unb §at baS mit ©efdfjidf unb @lü<f 
soHBrad&t, fo bafc es feiner Seit nidfjt aufgefommen ift; brei 
Igaljre ift'S Ijer mit bem gütigen £ag. SBie baS nun }u* 
gegangen ift, baft es bem SDlörber baS ©eftänbnis IjerauS* 
gejwungen Ijat, ba fpielt ftdfjtBar eine Ijö^ere gaigung hinein. 
3S<$ miß baS jefct erjagen, wie er es felBft ju $rotofott 
gegeBen !jat unb weldj aufterorbentlidjje ®inge baBei aud^ 
jur ©pradfje fommen, tdfj §aBe md&tS baju getrau unb nichts 
weggelaffen, bas t>erfic$ere idjj ben Ferren. 

„®er 3Renfd& !jatte feiner SCante bas ©ift nad& unb nadfj 
BeigeBradjjt. ©ie fränfelte erft eine SBeite, er Ijolte ben t)er- 
rufenften 2lrjt ins £aus, unb afs fie ftarB, Beftätigte biefer 
oljne weiteres, baft er fte ju £obe geboftert IjaBe, bas ge* 
fc|af) üjm mit ben meiften feiner $atienten unb er fyatte 
fomit guten ©rtmb, es aucij §ter ju glauBen. ®ie adjjtunb* 
mergig ©tunben üBer, als bie Seiche im #aufe lag, war 
bem fauBeren Neffen gar nidjjt wo^, er fieberte etwas, aBer 



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3)er SBerfd&oKene. 181 

als fte ju ©rabe gebraut war, ba atmete er auf unb badete, 
nun war 1 aKeS gut. @r trat baS @rbe an, war ein nettes 
©tücf ©elb unb ein Hernes §äu§djen, barin blieb er wohnen, 
nur bafj iljn nidpts an bie SBerftorbene erinnere, [teilte er 
alle 3i mme *8 e *äte um unb Kefc nichts an bem glecfe, wo 
es geftanben; bodp um fidfj redpt einzugewöhnen, fanb er'S 
für nötig, ftdf> ein wenig 9Kut ju madfjen, unb baju naljm 
er von Seit ab mandp guten ©dpludf, was ftdp benn audp 
bewährte, unb fo faft er unangefochten auf bem ungerechten 
©ut, bis ber SafyreStag beS 3RorbeS fjeranfam. @r oerliefc 
an felbem Sage bie SBoljnung mit frühem SJtorgen, blieb 
gut Dierunbjwanjig ©tunben weg unb lehrte erft mit nädfjftem 
gfrüljrot Ijeim, unb wie er in fein Stromer tritt, basfetbe, 
wo bie SSerftorbene aufgebahrt würbe, ba wirb'S tljm finfter 
oor ben 2lugen, bie SBänbe fmb fdfjwarj auSgef dalagen, bie 
$enfter vergangen unb inmitten ber ©tube ftejjt ber ©arg 
unb barin liegt leibhaftig bie feiige Xante; man lann ftd> 
wof)l benfen, baf* er ba hinter ftdjj fafjte unb nadjj ber Xljür* 
Ilinfe griff, aber langfam fybt fidfj bie Xante im ©arge 
empor, fe$t ft<$ auf, redft ben 2lrm unb brofjt tljm mit bem 
Ringer; ba ift er an ber Xljür gufammengebrodpen unb ge* 
legen, er weijj felbft nidpt wie lange. 2Bie er wieber ju fidf) 
felbft lommt, fdpeint bie ©onne ins Simmer unb ift alles 
gewefen, fo wie er'S fonft immer gefunben. 9lun benft er, 
was weiter? 3)u l)aft bidp eine ganje -Kadpt über Ijerum* 
getrieben unb oiel getrunlen, warft nidpt redpt bei bir." 
„2)aS benr tdj> audp," fagte SlloiS Äemeber über ben 

„2Bar falfdjj gebadet," entgegnete ber 5ßolijeibiener. 
„SKädpfteri Xag Ijielt er ftdjj nüdjtern, tljat nur ein paar 
©änge ju etli^en SBefannten unb lehrte mit einbredpenber 
Stadpt Ijeim. ©er 3Jtonb fdpeint IjeH ins Simmer, unfer 
Sßatron nimmt mdjjtS ©onberlidpeS waljr; wie er aber auf 
baS S3ett gufdpreitet, baS im 3Konblidpt mtldpwetjj baliegt, 
unb ftreift bie 3)edfe t>on ben Sßolftern Ijerab, ba liegt bas 
faljle Xotengeftdfjt ber Xante vox tljm, er aber madpt fdpleunig 



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182 Äalenbergefdjtdjten. 

,Äeljrt eucty' unb wifdjjt burcty bic Satire, ©erbringt wieber 
eine 9la$t außer bem #aufe, benft, es tyat mir eben von 
geftern nodjj im ©inn gelegen unb bas 3Jtonblidjjt Ijat mic^ 
genarrt." 

„@r war nidjt bumm," warf Äemeber ein. 

„SBar'S audjj ntd^t, aber unferm Herrgott war er bodfj 
nid^t gefreit genug. 3)aS war fo ein£)euter<$en: ,®u, gety 
in bidfj, maß es bidjj audfj foftet, madfj lieber freiwillig Drb* 
nung, ety' es gröber fommt!' Unb 'S ift gröber gefommen. 
3)aS Satyr barauf tyat er bie t>erftorbene £ante öfter &u 
@efid|jt gefriegt, als iJjm lieb mar. @r tyat baS fo ergäbt, 
plöijlicty in luftigfter ©efeHfdjjaft tyätt* ityn eine Unruty' be* 
fallen, eine gfardjjt naety £aufe ju geljen unb regelmäßig, 
fo oft iljm baS wtberfatyren, fei audjj baS ©efpenft gur ©teile 
gewefen; entmeber faß es an einem 5Rätytif(tyd^en beim genfter 
unb richtete fi<§ langfam bei feinem ©intreten empor, ober 
es lag im S3ette unb gehabte ftety wie bie ©terbenbe beim 
SBerfdjjeiben, tum öfteren faf) er eS wieber aufgebahrt, unb 
je nätyer ber zweite S^tyteStag beS SföorbeS lam, je tyäufiger 
mürben bie (Srfdfjeinungen. 3)a badete er'S mit einemmal 
los gu werben, fdjjnürte fein Sünbel unb ma<§te ftety auf 
unb baoon. ®as $äuScljen mit allem ba ty'rum unb barin 
ließ er burdj) einen 9Mler aerfaufen, reifte etliche 3Jtonate 
lanbein lanbauS burdfj bie 2Belt unb jog jule^t Ijierljer naety 
ber ©tabt. 3hm tyielt er eö f<§on für gewonnen. !gn ber 
oöllig neuen Umgebung erinnerte iljn nidfjtS an bie (Srmorbete, 
baS ©efpenft Ijatte ftety nimmer Miefen laffen, feit er oon 
bem S^atorte weg mar, unb fo faty er otyne Seängftigung 
bem britten SaljreStag entgegen, ja er oerfud&te es, je nätyer 
ber Ijeranfam, befto übermütiger ju werben, trat oft wr 
feinen ©elbfdfjranf tyin unb fagte in ber ©tille: ,2)aS fyaV 
tdfj nun einmal unb baS fannft bu mir nidfjt nehmen/ — baju 
fetylug er ein ©dfjnippdfjen — ,mad(j bir alfo feine Ungelegen* 
leiten.' — 

„©0 trieb er'S, bis nur metyr eine SBoctye auf ben britten 
SafjreStag fehlte, baS war 00m heutigen geregnet, gerabe 



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$er SterfdJoIIene. 183 

t>or adjjt SCagen. 3n legtet Seit Ijatte et fdfjmufcige ©elb* 
gefdjäfte unternommen, weldfje man gemetniglid& burdfj 3?er* 
mittler betreiben läßt, fo baß bie armen ©d&ulbner jwifdfjen 
©elbgeber unb Agenten eingeflemmt unb um fo grünblidjer 
ausgepreßt werben, ©elbe Stacht vox einer Sßoclje nun 
lommt er nad[j #aufe, befinnt ftd), er Ijabe einem Sermittler 
auf ben morgenben £ag ©elb jugefagt, getjt ju bem ©djranf, 
fd&lägt bort wieber fein ©d&nippdjjen unb lad&t eines uor fidfj 
Ijm, nimmt eine £aufenbgulbennote IjerauS, ge!jt ju feinem 
©djjreibtifd^ unb benft fie in ein 6out>ert emjuftegeln; ba ift 
es iljm, afö Inarrte bie 'üfyüxt in iljren 2lngetn, obwohl er 
fie gut *erfd(jlof[en wußte, leife !am es an ifjn Ijeran, eine 
magere eifig falte $anb greift nadjj ber feinen, in ber er 
fofort alle Äraft verliert, unb biefe gefpenfttfdjje £anb rüdt 
bie feine mit bem ©elbbrief in baS Sidjt, fjält fie bort feft, 
bis baS Sßapier *erfladert unb bie 2tfdje auf itn ©efretär 
langfam ^ernieberfällt. @rft als iljm baS 2i<§t bie ginger 
fengt, fäljrt er mit einem ©dfjrei jurüd unb fiel)t fidfj allein, 
aber baß er nidfjt geträumt Ijat, baS beweift iljm baS $äufdjjen 
2lfdjje auf bem £ifdf>. 3)aS ©rauen, baS ijjn befällt, fann 
er nidjjt wrwinben, er friedet unter feine Settbede, gie^t fte 
über ben Äopf unb liegt f<§taftoS bis jum SKorgen. 9Bie 
bie Sonne in baS Stornier fdfjeint, wagt er fidjj aus ben 
gebern. 33el)utfam, als fürchte er jemanb auf juftören, öffnet 
er ben ©elbfd&ranf, nimmt eine gleite SKote wie geftern, 
legt fie auf ben ©dfjreibtifdfj , brennt eine Äerje an unb be- 
ginnt ju fiegeln, ba f narrt toieber bie S^üre, leife mit 
trippelnben ©dfjritten Ijört er'S an ftd^ fjeranfommen , ber 
falte ©dfjweiß bricht tljm aus, rafclj will er ben S3rief aus 
ber £anb fallen laffen, ba tönt ein furjes Reiferes Sachen 
hinter feinem Stüden, feine ginger werben fteif, fneifen wie 
eine Sänge in baS Rapier unb werben bamit ins Stdjjt ge* 
rüdt; bis auf baS lefcte Stumpften, bejfen 93ranb iljm bie 
5Rägel aergtlbt, Ijält er es aus, bann öffnet er bie £anb 
unb fmft in ben ©tuljl jurüd unb unter ber $ljüre, bie 
ftdj jw f fließen fdjjeint, fie^t er bie oerftorbene Sante, fte 



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184 ßalenbergef$t$ten. 

ma<$t Ujm einen ÄntdfS, fo tief, mie man rooljl aus ©pott 
tljut, batet »ergießt fie aber leine SKiene, tyr ©efidfjt fteljt 
na<$ i§m Ijer, Ietd(jenfaf)l, mit gebrochenen Slugen unb ge* 
öffnetem 3Jtunbe. 

„S3on ©tunb* ab mar es aus. @r verfudfjte es, unter 
bie Seute ju gelten, aber es mar iljm immer, als ginge baS 
©efpenft hinter tym Ijer. SBenn er, um ein @efprä<§ an* 
äufnüpfen, auf jemanb jutrat, fo fa!j er bie @rf Meinung 
biefem jur ©eite fteljen ober über beffen JRüdfen gutfen, er 
merfte, baft feine SBerftörtljeit auffiel unb fd&lofe ftdj) in feine 
©tube ein. 

„@tne fieberhafte 2lngft trieb iljn an, bie $robe gu machen, 
ob er baS ©efpenft benn jebesmal herbeirufe, fo oft er ben 
©elbfdjranf öffne, unb es erfdjjien jebeSmal unb bann mar er 
genötigt, ©elb ju verbrennen, um es roieber loS ju merben, 
benn barauf verfdljmanb es, anfangs fdSjnelt, bann immer 
langfamer unb langfamer, fo bafc er in Serjmeiflung SRote 
um SRote aufgriff, fie in baS Sidjjt Ijielt unb ©d^ritt für 
©djjrttt bie fürchterliche ©rfd^einung mit gutem Sßapiergetb 
ausräuberte, bis fie meg mar unb er {t$ über ben ©cfjaben, 
im er angerichtet, mie rafenb in bie $aare fuljr. 316er er 
fonnte es nidjjt laffen, nadfoufeljen , mie fein 9teidS>tum t)on 
£ag ju £ag, von ©tunbe ju ©tunbe jufammenfd^molj. 
©djjranftfjüre unb 3iwmertl)üre Kappten jugleid^ auf, ber 
©puf mar mieber ba unb oljne 33efinnen griff er mieber ju, 
äfdfjerte ganje $änbe ooff guten (Selbes ein unb falj mit 
Ijimmelfd^reienbem ©ntfefcen ben StugenBKdE Ijeranfommen, 
mo er nidfjtS meljr im ©dfjranf Ijaben merbe, um bie gräfc 
Utfje ©eftatt megjubannen unb biefe bei iljm verbleiben 
mürbe. Unb bas gefdjjalj am borgen vor bem britten 
SafjreStag, als geftern; ftumm verblieb baS fürc^terKd^e 
®ing, baS nid&t lebenb unb nidjjt tot mar, tagüber auf feiner 
©tube unb als bie SWadjjt fjeranfam unb es jt$ in ben ftarren 
Sügen beS £otengefidjjteS ju regen begann, als moffte es 
aufblidfen unb ju reben anheben, ba ftürmte er IjinauS unb 
rannte im 2)üfter unb 25unfel fort, aber immer rücfte baS 



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$er SBerfd&oHene. 185 

©efpenft ^tntcr tljm Ijer, mit gleiten güfcen über ben 33oben 
gleitenb, als göge er es nadfj. Smei SHeilen von ber ©tabt 
brad(j er gufammen unb ein paar ©dritte vox tym ftanb ber 
©puf ftitt, ruljtg auf einem $ledfe auSljarrenb bis 511m %xüly- 
rot, ba raffte ftdfj ber 3Jlenfd|j auf, fdfjleppte fiel) nad) ber 
©tabt gurücf unb ftellte ftd; felbft auf bem 2lmte. 9?un, 
meine ©erren, maS fagen ©ie gu ber ©efd&id&te?" 

9Jian fagte t>erfdjiebene3. Einige behaupteten, fte fei gar 
erfdjjredftidd unb fie mürben moljl Ijeute nadjjt bat)on träumen, 
anbere meinten, fte fei ein rechter ^ingerjeig unb eine SSarm 
tafel für gottlofe ©emüter; baf)in aber einigten ftd& alle, 
bafc es unterbem fc§r fpät geworben unb Seit gum 3lafy 
fjaufegeljen märe. 

Unter ber £ljüre fragte SlloiS Äerneber ben SJJoligetbiener, 
ob au<# ein Slrjt babei geroefen. 

©er Sßoligeibiener fragte feinerfeits, maS ein fold^er babei 
Ijätte tfjun foffen. 

„2)en SMenfd^en unterfud&en," antwortete Äerneber, „benn 
es fteljt gefjn gegen eins gu metten, bajj ber Iran! ift, tnel* 
leidjjt nie im Seben einen £unb, gefd&meig* eine SCante, oer* 
geben fjat, baS ©ange ftd& nur einbilbet unb bie Ferren 00m 
ahnte nadj) furger greube ben SBerbrufj erleben, ftatt einem 
3Körber einen Starren gefangen gu Ijaben." 

„®a8 mirb fid& ja geigen." 

3Jtan trennte fidfj. 

„2tobi," fagte ber gleifd^erlned^t gu SBreiting, „mir geljen 
gufammen; idfj benf, Ijeut braucht mtd|) oljne|}in." 2)amit 
naljm er ben 2llten unter bem Slrm. ©er ©pafmtad&er fdjjien 
n>irflid|j nidfct gang feft auf ben Seinen. 

2llS bie ©dritte ber anberen oer^allt maren, fagte 
Äerneber: „famt abenb maren bie ©anstaut* moljlfeil. SBaS 
fagft bu bagu, £obt? 9Jlit folgern SeugS madfjt man $afen* 
föpfe fürd&ten, nidjjt Äerle, mie mir finb." 

„Uns ni<$t, mie mir finb," fagte fd&merfällig ber Sllte. 

„3$ will bir noclj eins fagen, £obi. SEBenn ber iKarr 
bie gange 3Korbgef<$id)te nidjjt blojj im lieber geträumt l)at, 



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186 5?alenbe?gef$t$ten. 

wenn er roirflidj) feiner Stonte ben ©arauS madfjte unb Ijinterljer 
gum Äreuge frodfj, bann ift er ber erbärmlid^fte geigling unb 
es gef<$ie|t iljm gang redijt; rnaS einer nid^t gu tragen *er* 
mag, bas foll er fid^ nid^t auf laben." 

Sreiting blieb fielen, gog feinen Strm aus htm feines 
gfüljrerS unb tippte if>m mit hm Seigefinger auf bem mitt* 
leren Stocffnopf: „SoiSl, baS fann feiner tragen!" 

Äerneber ladfjte auf, es mar nur ein Iura abgeflogener 
Saut. „Sßarum nit?" 

„2)aS mär' ein übermenfdjilidSJer $erl, ber baS gu tragen 
tjermödfjt 1 ! Sitten Stefpeft! 216er fo, mie ijeut ergäbt worben 
ift, fdfjnappt moljl jeber über. 3)aS ift eine gügung." 

„£obi, fei fein alter 6fel! £)u lebft bodjj fd&on lang 
genug auf ber 2Belt, bajj bu miffen fönnteft, es fpielt feine 
gügung ins Seben hinein. %f)\x unb treib, was bu magft, 
es fpielt feine gfügung hinein, fag* id(j bir, von feiner ©eite, 
unb mär* idfj an beS Darren ©teile gemefen, ntd^t gur Sßo* 
ligei, in bie Slpotljefe mär' idj) gegangen, Slutegel §ätt* i<$ 
mir fe£en laffen unb Satmergen eingenommen, baS füljrt 
bie ©efpenfter fäuberlicfj ab unb gie|t fie aus bem Slut, 
roo fie allein ft|en. 3)aS mufft 1 tdjj, {jätt' idfj'S audfj nie 
in einem 33u<$e getefen. 3$ lät' mi<§ nidjjt einflüstern 
laffen." 

„Söoljer foffteft auc§ bu foldjje Anfechtungen §aBen? 2BaS 
metjft bu bat)on gu reben? ©olange bu ©olbat warft, 
Soiöl, jinb gfrtebenSgeiten gemefen, fonft Ijätt' fic§ rooljl im 
gelb eine ©elegenljeit fdfjicfen fönnen, einen ober iljrer meljr 
auf baS Sorn gu nehmen. @S ift baS gruslig genug, 
bo<§ ba Ijeijjt'S, mas bu rodfjt millft, baft bir gefdfjie^t, baS 
füge ben anbern gu unb baS ift $flidfjt, aber roo es 25er* 
bredfjen wirb, mo id& IjerfalT über einen, ber mir roeljrtoS 
unb unbereit über 'n 2Beg läuft, baS iji bo<# gang etwas 
anberes." 

„$alj, es treibt ftdfj rooljl mancher in ber 2Belt Ijerum, 
ber feinen 9Rann auf bem ©emiffen I)at unb ben es nidjjt 
meljr befdjjmert, als Ijätt 1 er eine fliege erfd&Iagen." 



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Ser SerfdjoHene. 187 

„2)aS ift ein bummes Sieben twn bir, SoiSl. 2Bir lönnen 
uns nidfjt ^tnembcnlen, wie fo einem ju 9Jtut ift." 

SBieber Mang jenes furje Sachen. Äerneber legte feine 
£anb fdfjwer auf bie ©<§ulter SreitingS. „2llter, bu ^aft 
leine Sßjnung, wie gut td& micl) ba Ijineinbenfen fann." 

„Sßaperlapap , jroifd^en #membenfen unb £ineinbenfen 
ift ein gewaltiger Unterfdfjieb. SBor^er mad&t man ftd|j ©e- 
banfen unb Ijintennadjj fommen ganj anbere oon felbft, unb 
bann merft man, baft baS oorljerige nidfjt baS redete ©enfen 
gewefen ift. 2fi>, reb, fo ein* wie bu fagft, ben gibt es nit, 
fann'S nit geben/' 

„$annSnarr, wer fagt bir baS?" 

„SDen müfct man mir erft aufweifen, tif id&'s glaub'. 11 

„Slufweifen müfct' man bir 'n?" 

„£>aS müfct' ein f<$miebeiferner SWenfdfj fein." 

„5Run, bann bin \<f) fo ein fd&miebeiferner 2Renfdf>!" fagte 
ber gleifdjerfnedjit, ftdfj aufredfenb, fo lang er war. 

„D, |o$o, aus StedEjt^aberet wirft mir nodjj aufbinben 
wollen, bu fjätteft einen umgebracht!" 

„So fidler, wie bu midfj ba oor bir fteljen fieltft, 1)aV 
icty'S au<# getrau unb frag' nidfjts banadjj." 

,,£ab' td&'S nit gefagt?" S)er Stlte fdjjüttelte ftdfj oor 
Sadjjen, unb als er nadjj unb nadfj wieber ju Sltem fam, 
fagte er: „®u Ijaft woljl gemeint, i<$ würb' glei<$ uor ©djrecf 
5ur Seit 1 fpringen, baft b* mi<$ bxat> auSladjen lönnt'ft? 
5Rein, mein Sieber. ®en witt ic| auf 1 m Kraut freffen, ben 
bu umgebracht Ijaft." 

„SBenn idj i$n &ur ©telT $*tt\ bie Sieb 1 foUt' btd& reuen." 

„2Bie fjat er benn gereiften, ber nämlid&e?" 

„©einen -Kamen fyab* iclj tljm nidjjt abgefragt." 

„2Bo !jat man iljn benn feiner Seit aufgefunben?" 

„3)en finbet fein 3Renfcfj auf." 

„®aS benf idjj felbft!" 25er alte ©pafjmacljer brüllte oor 
Sachen. 

Äerneber padfte iljn mit einem garten ©riff am Ober* 
arm. „®u $unb, bu, wofür Ijältft bu mic§? SWeinft bu, 



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188 ßa(enbergefd)id)ten. 

idfj flunfere?" @r gab Ujn roieber frei unb fufyr fjalblaut 
fort: „%ty fag\ was waljr ift. SBte iclj als SMrut ^ab* 
einrücfen muffen , ba bin tdj bergüber Ijerab ber ©trafce ju« 
gewanbert. gud&SteufelSwilb war t<#, bafe idfj von §auS 
unb ©Item fort gemußt ljab\ obenbrein war ic| bamal juft 
fein ©parmeifter unb meine Seute finb fo arm gewefen, bafe 
fie mir nur ein paar ©rof dfjen Ijaben mitgeben fönnen; bie 
waren am erften £age üertfjan unb nod& einen Ijatte t<# ju 
geljen, bis id& auf bie ©trafee traf, unb bann lonnte tdfj, fo- 
lang ber 2Beg lief, neben überootten Surften [>ertrotten, 
unb midE> Ijänfeln unb nedfen laffen. 2)aS lag mir im ©inn, 
als idf) am nädfjften 3Rorgen in eine ©dfjludljt einbog, ©dE>on 
oon weitem fa| tdfj ein Heines SHännlein auf mid^ Ijergu* 
lommen, badete mir, ben gefjft bu an, ber fdfjenft bir mo^l 
ein paar ©ulben. ©o mär 1 mir'S lieb gewefen unb barum 
bilbete tdfj mir txn, fo mürbe es audfj gefdfjeljen. 2US ber 
aber Ijeranfam unb ii) tyn anrebete, ba näfelte er was, bas 
idfj nidljt aerftanb — es mar ein SJuSlänber — unb wollte 
an mir vorbei. 3jdfj vertrat i^m ben 2Beg unb ba griff er 
ein paar Kreuzer Ijeroor; mir f<$of$ baS 33Iut ins ©efidjjt, 
idjj fyatte woljl bemerft, nrie er babei ängftlid^ nad& allen 
©eiten umfalj unb bann nadfj mir Ijer, baS entfdfjieb alles, 
was werben foHte. ©ine Ijeillofe 2But überlam midjj. ©oHte 
idjj wie ein SSettler abfliegen, weil ber mir gegenüber ein 
Änaufer mar? gu 3Rorb unb £otfdf)lag mar td& ja aus* 
gehoben worben, unb bafteljt ein Äerl, ber für Seib unb 
Seben fürdfjtet unb baS felbft nidfjt Ijöljer anfragt als ein 
paar Äreujer. ^u* idfj tljm bana<#, bleibt mir allemal ein 
Ueberfdfjufe! ©o griff idjj iljn unb erwürgte tfjn mit feinem 
eigenen §alstudfj, leerte feine 2tofd&en unb jog ben Seidfjnam 
über einen Keinen S3adE>, ber bort floft. 3m grü^ja^r ift 
ber milbes SQSaffer unb wäfd&t am gufe ber $elswänbe form* 
lidfje ©ruben aus, in eifte folc|e jwängte tdfj ben Äörper; in ber 
5Räfje lehnte an einem gfelsblodfe, barauf Pannen ftanben, eine 
mädjtige ©teintafel, t»ieUetd^t unlängft §eruntergebrodE>en, 
bie ftanb fo, bafe t$ midjj nur anjuftemmen brauste, um fie 



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$er BerföoHene. 189 

fallen ju machen, jte fd^roang über, fdfjlug ©teingebröcfel an 
ben Äanten herunter, fdjjlofe bic £öljle btd^t gu unb als ftc 
lag, rief eltc ba8 ÜBaffer barüber weg; wie fte jefct eingefeilt 
liegt, bringen fte leine fünf 3Rann in bie #öl)e. S)ann 
ging idfj meiner SBege. 3)aS ift bie ©efd&id&te, wafjrfdjein* 
fidler als bie närrifdfje t)on oorljin. SDu magft jte nun 
glauben ober e8 bleiben laffen." 

„©laub 1 fte fdfjon," fagte langfam ber 2tlte. 

„9htn, bann glaub au<#, bafe idfj nichts banadfj frage, 
oietteicljt weil i<# gleifdfjer unb an Slut gewöhnt bin, ob 
oon SRinb ober SWenfdjj, ba8 gilt glei$. 3$ erinnere midfj, 
bafe idfj ein paarmal baoon geträumt Ijabe, wie benn alles, 
was man erlebt, einem im £raum oorfommen tatin, worauf 
aber wadf) lein oernünftiger 9Renfc$ etwas gibt, greilidj 
mufe man ftdf) ft<#er triften. SGBärft bu ein fo fcjjledjter 
©ruber, n)ie bu ein guter bift, unb woKteft jefct fd&nurftradfs 
aufs ^oltjeiamt rennen, idf> ^ielt btd& nid&t mit bem Keinen 
ginger; ba liefee ftdfj nichts erweif en, nidjjt, wie ber geljetfeen 
Ijat, nodfj wo er liegt ..." 

Sreiting richtete ftdf} auf, er fd&ien einen falben Äopf 
työljer als fonft. „©einen Flamen lann idfj bir fagen unb 
an ber ©teile mar idf}, Af idfj nodf} an bid& Ijab' beulen 
fönnen, jefct weife idfj mir audfj ben -Kann aufjufinben." 
@r jog eine Uljr Ijeroor, bereit ©d&Iüffel an einem Seber- 
rtemdfjen baumelte, er liefe fte- f dalagen, es mar brei Uljr 
morgens. „Äerneber, lennft bu bie? S)ie Ijaft bu bamals 
bem 2Birt an ber Sanbftrafee an galjlungsftatt überlaffen 
unb ben ©dfjlüffel §aft bu oor nidfjt ganj fedjjs SBod&en Ijier 
bei beiner ©<#wägerin oerftreut." 

2)er gleifcjjerfnedfjt mar oöKig nüd&tern geworben. @r 
ftanb ftarr, bann fdjjrte er auf: „£öllenljunb, elenber, wer 
bift benn bu?" 

„S)er Sßolijeiagent 2lnton SBüUfert, t)on bem bu tneHeidjjt 
fdfjon gehört Ijaft unb ber bidfj jefct, mit ober oljne gügung, 
baS gilt audE> gleidjj, in #aft nimmt. SllotS Äerneber, bu 
bift mein ©efangener!" 



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190 Äalenbergefdjtd&ten. 

33ei bicfen Sßorten traten au8 bem ©Ratten ber nädjften 
#äufer einige SWänner Ijeroor unb auf bie beiben ju. 2)er 
§leifdjjerfne$t madfjte einen raffen ©eitenfprung, lief ein 
paar Stritte; einen 2tugenblicf falj man in feiner §anb ein 
■Keffer blmfen, bann taumelte er unb fiel benen, bie iljn 
Ijafd&ten, ferner in bie 2lrme. 9Rit einem ftdfjeren, fräftigen 
©tofj Ijatte er fidjj itö §erj getroffen. 

SInton 2Büllfert tfjat es feljr leib, bafc ber „fdfjöne gall" 
nunmehr nidfjt jur SBerljanblung fommen fönne, aber er 
tröftete ftdfj bamit, bafe er jefct in ber Sage fei, mit ben 
Ijodjadjjtbaren ©rben beä feiigen Sodann ©eorg §einecfe eine 
erfolgreichere Äorrefponbenj anjufnüpfen. 

Sarin wirb er roofjl redfjt behalten f)abtn unb in anberm 
behält er'3 audjj, ob bie ©üljne für eine gefdfjeljene 3$at mit 
ober oljne Fügung ftdfj einfteHt, ba§ gilt gletdf), am rooljlften 
wirb immer bem ^u 9Kute fein, ber roeber eine Fügung nod& 
einen Sufall &u fürdEjten brauet, ber fid^ roeber mit S3lut 
nodjj mit frembem ©igen, roeber mit ©eroalttljat nod& mit 
©emeinljeitbefubelt unb bem man bereinftens auf bem ©terbe* 
bette über ber ftillen SSruft bie reinerljaltenen £änbe faltet. 



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3>er ÄoifeMoifet 

(1881.) 



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j[n ber SlmtSftube beS ©emeinbeljaufeS eines Keinen 
SanbftäbtdfjenS fdEjritt ber oielmögenbe Sürgermeifter 
auf unb nieber, ein no<# junger Wann, er Ijatte 
bie SRcd^tc ftubiert, ftdfj bann auf bie Defonomie »erlegt, unb 
war ein „redjt gemeiner £err", wie bie Sauem fagten, unb 
bamit meinten, ein leutfeliger. 

3m Stuf* unb 9tieberfd)retten wanbte er manchmal \m* 
gebulbig ben ßopf na$ bem ©emeinbefcljreiber, ber mit 
ftebernber §aft alle Saben feines ©d&reibtifdfjeS aufaog unb 
bie barin befmblidfjen Rapiere burdjjeinanber warf, offenbar 
fudjjte er nadj etwas, baS ft$ um fo weniger finben laffen 
wollte, je ängftlidjjer bana$ geframt, geblättert unb leife ge* 
fludjjt würbe. 

93er Sürgermeifter fjielt in feinem ©ange inne unb naljm 
wirllidfj bie 3Riene eines „©eftrengen" an, als er fagte: 

„©rumbadEjer, ©ie »erlegen bod& einmal alles. SDie 
lefcte fRummer beS ©DibenjblatteS mufc man bo$ jur #anb 
Ijaben." 

S)er ©Treiber fenfte ben ßopf, warf aber feitwärts 
einen feljr mifegünftigen S3lidf nadfj ber £ljfire, in bereu 
SRälje gan& gleichmütig ber 3Kenfdp ftanb, um beffenwiffen 
er ftclj alle biefe 9Rülje geben unb ben SSerweiS gefallen 
laffen muffte. 

@S war baS ein jiemlic§ alter Surfdfje in etwas »orge* 
neigter, bemütig*jutraulidfjer Haltung, bie Äappe §ielt er in 
ber Siebten, er brauste jte nur »orjuftrecfen, fo befanb er 
ftdfj in jener „$e<#terfteEung", in welker er gleichzeitig ber 
^arttjerjigfeit ber 9J?enfc§en entgegentrat unb fu$ ber 2lrmut 
jju erwehren fud^te. 3n ber Sinlen §ielt er einen Slangs* 

% n|e n t über, ©e[. SBetfe. Y. 13 



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194 Äalenbergefdjicfjten. 

pafr, ber itym nodjj md)t abgenommen roorben mar. @in 
fotdfjeS 3)ofument verpflichtet ben 33ejt$er, fi$ auf bem 
fürjeften 2Bege nadf} feiner £eimat &u Begeben, ganj abge* 
feljen baoon, ob er ftdj nad& berfelben fetjnt, unb ift auä) juft 
feine ©mpfetjtung für bort. 

„Nun, tjaben ©ic's enblidE}?" fagte ber SSürgermetfter, 
inbem er ein bebrucfteS Statt aus ber §anb beS ©dfjreiberS 
in (Smpfang nafyn. ®r begann auf felbem nadfoufuetjen. 

■äßandEje freut es, iljre SRamen in einer «Seitung ernmfjnt 
ju finben unb fte mögen beljagltdSJ jutjören, wenn iljnen ein 
anberer fotöjeS barauS oorlieft, baS ift aber bei bem (Stuben^ 
blatte nid&t ber gatt; benn biefes ift fo eine 2lrt SBoljnungSs 
anseiger für jene, roeldfjen bie Sßolijei ober i>aS GteridE>t ein 
ober metjreremat auf fürjere ober längere $eit ein freies 
Quartier »erfdfjaffte. ©o oft fo ein -Kante im Saufe bcr 
Satire roieberfeljrt, fte^jt audfj immer gemiffentjaft babei, wies 
oielmal ber Setreffenbe fd&on früher bie Sßoljltljat eines 
folgen UnterftanbeS genoffen, auf rote lange unb u>obur(§ 
er ftdfj berfelben roürbig gemalt, fo bafe julefct bie ßoibenjs 
Haltung eines orbenttidjen ©pifcbuben meljr Seiten erforbert 
als ein #eiratSantrag, in welkem ein alternber Sunggefelle 
ober eine »erblühte Jungfer ttjre guten ßügenfdfjaften fjerauS* 
ftreid&en, mag er nodfj baju in SSerfen abgefaßt fein. 3lu8 
bem ©efagten bürfte jur ©enüge ^eroorge^en, bafc nodf) 
feiner, bem ein ©icljerljeitsbeamter aus bem genannten Statte 
t>ortaS, babei ftdE> fonberlidfj unterhalten Ijabe. 

„3tun, SlloiS £oifet," fagte ber §err Sürgermeifter, t>on 
bem Rapiere aufblicfenb, „ba ftetjt ja eine ganj nette Steif/ 
t>on Stbftrafungen." 

„Sappereien, lauter Sappereien," fagte ber 3)emütige im 
Xone befd^eibenen ©inroanbeS. 

„§m," ber Sürgermeifter räufperte ftd^ unb Ijob ben 
ginger. „Staub!" 

„9ta, ja, ber Staub," roieberfjotte ber SBagabunb mit 
einem eigentümlichen, geringfdfjäfcigen Säbeln. „3)er Staub, 
bcr fteljt oben an, aber naeper ftnb't ftdjj nij ©dfjled&tes." 



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2)er $oife(*£oife(. 195 

„@i, bctXcujcl! 2)er §otfel=2oifel fd&eint ganj fonber* 
bare begriffe t>on ©utem unb ©dfjled&tem ju fjaben. ©o ein 
Äapitafoerbre<$en Ijat ©r ftd[> freiließ nimmer $u fd&ulben 
lommen laffen, basor Ijat @r ftd^ ge^üt' r aber fonft ift ©r §alt 
bod& ein um>erbef[erlic$e8 Snbimbuum." 

„5Rit 'm Seb'n nodfj 'm Eigentum gefäl>rKd[>," [faltete 
Soifel mit ©ad&t>erftänbm3 ein. 

„SReb'gr nit. Sin SWo^r lajjt ftc^ nit roeifj roafd&en, nodfj 
weift brennen. S)a ftefyt'8: Setteln, SBagabonbage, Steaerfton, 
galfdfjmelbung, ÜBad&ebeleibtgung, tfjätltdfje 2BadE>ebeleibtgung, 
2BiberfefcIic$leit . . . wieber^jolt unb wieberljolte 3M!" 

„211T8 nit gegen '8 Seben ober ©igentum." 

„So?" fragte ber Sürgermeifter unb foä laut unb mit 
SRadjjbrucI weiter: „33o8l)afte 33efdfjäbtgung fremben unb 
öffentlichen Eigentums . . ." 

„9to ja, ©trajjenlatern 1 , SBad&ftub'n* unb Setfeneinrid^ 
tung, wegen ber sbtejiplin Ijalt." 

„2Ba8?" 

„5Ro mein, bajj idjj Ijalt im ©iSjipfinarmeg g'ftraft worben 
bin, wenn '3 ©efängnis nit auSg'reidfjt fyat" 

„3Ba3 Ijeiftt benn ba8 wieber?" 

*3<*/ W« ©\ untert^änigfter #err Sürgermeifter, bie 
©ef<$idfjt ift §alt fo. gm ©ommer bringt mer ftdfj leidet 
fort, mann mer jt$ gleidfj nit bie paar ©rofdEjen für ein' 
SRad^t im 2Raffaquartier ^erbettelt, fo lann mer bo# bei 
ber grün' Settfrau — im %xt\tn — fdfjlafen, aber im 3Bin* 
ter, no mein, wa8 will mer benn ba anfangen? 3)a Ijab' 
idfj §alt allweil was ang'ftettt, bajj i<$ bie Ijarte 3eit über 
bin eing'fperrt g'weft, unb fjat bie ©traf nit aug'reid&t bis 
fj'nauä auf« $™i)iaf)r, fo Ijat'S fjalt ang'ftüdfelt werb'n 
müffV, ganj ofjne böfe Stbfxd^t §aV ii) mir bann mag au& 
benft, etwa *n 2Bäd&ter, ber m\$ Ijätt' com ©'fangenljauä 
jur Sßolijei überftett'n folTn, baft i<$ ben g'ljaut fyaV ober 
fo was, nig UneljrenljaftS net. 38 mir aud) no<| allmal 
g'lungen, bajj i<$ auf bie 2Beif ju mein* Sufd&ufc ©on *r 
paar SBodfjen ober SKonat fommen bin." 



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196 Äatenbergefdjtdjten. 

„5Ro, t<# merf , ba mar @r ja gar nit ungern ein* 
g'fperrt?" 

„D, bu mein, nrie ©' nur ba fragen lönnen, Suer 
® v fteengl 3freiKd[>, bas muß ein« nnffen, roie'S ba brin is! 
2)ie Sßfleg', wann ein'm roaS feljlt, bie redjtfdjaffene Se^anb* 
lung, bie regelmäßige Äoft, für 3, bie Drbnung ^alt, bie 
Drbnung ! 2)ie Ijat unfereinS ja gar nit fjerauft in ber ffr ei* 
Ijeit unb wann nit bie fdjjledfjte ©'feKfd&aft war', mö$t einer 
niemal losgehen." 

„9hm, tdfj fotft' bodf} meinen, baß beffer mär 1 , ftdjj burd& 
e^rlid^e Str&cit fortbringen." 

w ©ott fott mid& ftrafen, roenn idfj anfangs anberS ge« 
bad&t ljab\ aber mein e^rerbietigfter #err, es gibt audfj Um* 
ftänbe in biefem Seben. 2Bie t$ roegen bem Staub/' — 
roieber gudfte jenes eigentümliche Säbeln über baS ©eft$t 
bes SSagabunben — „yzfyx S^r 1 auf mid& g'nommen Ijab', 
baS mar eine fernere 2)umm§eit — ganj unbebaut" — 

„SBenn @r'S nur einfielt." 

„@i, ja rooljl, bös fd^on. 9to, wie bie jeijne abg'feffen 
roar'n, mußt' tdfj meine brei 3<*f)*' SKilitärgeit nad&bienen. 
Sßotjer i$ abgeteilt roorb'n bin, baS fjat mer g'roußt, i$ 
mar bead^t* unb bemalt wie ein roilb'S £ier an ber Äet* 
ten, wo einer mit 'm Äarbatfdfj* baneben ftetjt. ,3tüljr bidfj, 
fo furnier 1 id& bir eine überS §eK, baß bir bie SKucfen oer* 
geljen, wenn bir mieber ein* aufzeigen fotften!' SRo, idjj fyab' 
g'funben, baß'S ein ©olbat juft nit triel beffer Ijat, als 
idfj'S g'ljabt fyaV, tum wo i$ Ijerlommenbin; aber ab'gangen 
ift mir nfe, id& §aV midfj g'tjalten, wie ftd&'S g'^ört unb in 
meiner 3TOtIitcirs$onbuif Uften wirb ein IjoljeS SBürgermeifter* 
amt nfe SRadfjteütgeS ftnben." 

„2)aS ift rid&tig." 

„2Bie t<# aber 00m 9Rtlitär frei 'gangen bin, ba waren 
ein breijeljn Safjrl »orbet, lein ©tetoter bin td& net worb'n 
unb lein Sauer meljr g'weft! arbeit Ijab' idfj mir gleidjj- 
wofjl redfjtfd&affen g'fud^t, aber mann eine g'funben? #at 
mer bodjj einer g'fagt, — fagt er: ,2BaS, ©ie fud^en ein 1 



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3>er §oifeI=£oifel. 197 

Slrbeit, wo wir g'lewte Slr6cttslcut f nur ranbweif eine 
jtnben unb Swifdfjenjeit mit 2Beib unb Sinb ljungern muf- 
fen? ©ie fein ein alleiniger 3Rann, [teilen ©* was an, 
baß ©' ins gudjjtljauS fommen, 'n ©träflingen fdjjicft mer 
b'Slrbeit ju, eljrltdE}e Seut' gerauft pnben feine!' — -Kieber* 
fd&Iag'n Jjätt* tdfj 'n am liebften mögen, wie et bös fagt, 
war er nit tngleid&en ein armer #unb g'weft wie idfj. 3Rer 
muß nur troffen, wie bös tS, n>enn ber junger ein'm we§ 
t^ut unb mer niemanb Ijat, &u bem mer Ijtngeljn fann af 
ein* Söffet ©uppen, jieljet jeber bie ©Rüffel uerwunberig 
8'rudf: ,2BaS roittft benn bu ba? 3$ fenn' bid^ nett' — 
3)a fjab' i$ mir beult, fo und^riftlid^ werb'n bie Seut* bod& 
net fein, wann mi$ au<# fein einzelner von fö bei fetn'm 
%\fä leib't, fo f dienten mir bo<$ uieffeidjt iljrer me^r was 
auf ben Söffel ©uppen unb Ijab' mid& aufs Setteln Der« 
legt; ba war'n aber gleid& bie Slnftönb' ba, no unb bös 
f)aV td& g'wußt, baß'S ein* in ber ©traf wirflic$ beffer 
ge§t, fo ^ab' td> mir Ijalt bann fetter bie Sfoftönb 1 g'madjt, 
wie f mir ang'ftanben ftnb, aber wie g'fagt, nx% Unehren* 
$aftes nit!" 

,,©o, fo/' fagte fopfmefenb ber Sürgermeifter, „nun, 
ba werben wir woljl nit lang warten bürfen, fo wirb ber 
©oifel-Soifel bajufd&au'n, baß er wieber ein* äfaftanb $at?" 

„2fl>, nein, bös tS nit. SDa war' i<$ ja nit erft fo weit 
§er'gangen. 3$ $<*b* 'm £w™ Äommiffär mein SBort 'geben, 
baß t<$ bieSmal wirflidfj |eimge^ unb ^eimbleib 1 . 3$ will 
mic$ jefct gur SRu^ fefcen." 

„9lo, 'S ift wirfKc| fdjon $öc$fte Seit, baß (Sr einmal 
g'fdfjett wirb, alt g'nug baju war 1 @r!" 

„£alt ja, Ijaft fc * ©Ttteng!" 

„2lber, was wirb @r benn jefct anfangen?" 

w 3<*; fo glei<$ im oor^inein wüßt' tdfj baS woljl nit 
}' fagen; aber tdjj benf, aus alter greunbfdpaft nimmt mid^ 
fd&on eins als ©inleger." 

„3ft Biffel mel »erlangt, £oifel." 

„3la ja, es fommt §alt brauf an, baß t$ eins gur ©in* 



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198 ftalenbergef$i$ten. 

ftdjjt bring' unb §eut fann tdf> nodj| nij fugen, ober wir 
lönnen ftc| ja fpäter ganj ehrfürchtig brüber reben, $err 
Sürgermeifter!" 

„Sring er bod& nit fo t>erfeljrte 3teben8arten t>or," ladete 
ber Sürgermeifter. „3<fj batf' tat bran, bajj id^ mit 'm 
$oifel ganj ehrfürchtig reben werb 1 , forg 6r nur bafür, bajj 
idJ'S immer im guten fann!" 

„Sßj ja, freiließ, freiließ, — wirb nfe twrfommen! 1 ' 

„3la, unb jefct gel»' ®r mit ©ott!" 

„Df) mein, bö3 mär 1 mir e^ re$t, mann ber ftd> auf 
bö8 Äumpanieg'fd&äft eintiefe* unb mit mir ging, er mödfjt' 
SBuhber wirfen unb idj t|ät* mit *m XeKer abfammetn 
ge§n." 

„$oifel! «oifeCl tf 

,Mi für ungut! Slrmer Seut 1 ©'fpäfe nimmt ber #err* 
gott nit für übel, nur ber Steigen Uebermut mödfjt 'n aus 'm 
$immel jag'n. @in ©'fpafr nij weiter!" @r Ijob beteuernb 
bie #anb mit ber Äappe in bie $ölje. „Äeine Säfterung. 
33eroaljr! 2öo td& micij jur 9lu^ fefc', nfe not meljr, gegen 
fein* Paragraphen! D, nein! Äüfe' b'ßanb!" 

35ie 23}üre fiel hinter tljm in8 ©dfjlofe. 

„@in fonberbarer Äoftgänger," fagte ber Sürgermeifter, 
„fürd&f nur, er bleibt nit lang allein be3 Herrgotts feiner 
unb fallt ber ©entehrt)' jur Saft. 3)a8 fd^eint wirflidfr bei 
iljm ein ©jrenpunft geroefen ju fein, nidfjtS gegen ba8 Scben 
unb Eigentum anberer ju unternehmen, benn wn fernerer 
förperlidjer SSerlefcung, ©iebftaljl ober ^Betrügerei fommt in 
ber langen Sifte feiner Slbftrafungen lein einiger %aU oor. 
2Ba3 mar benn bad aber mit bem Staub, ift ber in ^ieftger 
©egenb oorgefallen?" 

w 3ft ^iejiger ©egenb," antwortete ber ©dfjreiber, „an ber 
jefcigen ftlofterfjofbäuerin." 

„@i, wa8 ©ie fagen! Sin ber?" 

,,©o §ab' td& mir erjagen laffen, £err »ürgermeifter, 
benn td& {job* bamate nodj ntdjt bie @ljre gehabt, ber lob« 
lidjjen Diepgen ©emeinbe ju bienen. ©d&ier ftebenunbjwanjig 



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$er $oifefcSotfel. 199 

Saljr' ift'S Ijer, bic Väu'rtn Ijat balb barauf geheiratet, ober 
jur 3eit war f nodfj als lebige SHrn auf iljrer ©Item ®e* 
Ijöft; ba ift einmal imSBalb ber33urfd& über fte Ijerg'falTn 
unb §at iljr, trofc ©efd&rei unb ©egenmeljr, ein ferneres 
golbenes Äreuj oorn £als geriffen, aber iljre gmet ©ruber 
unb ber Vater finb baju 'fommen unb Ijaben iljn ftettig 
g'madjjt. S)ie Väuerin ^at nit motten , bafe bie ©adfj' oor 
©eridfjt fommt, aber ber Sitte Ijat fein* ©pafj oerftanben." 

„2Bcij* mer nit, war ber £otfel bamals in SRot?" 

„3Jian fagt: nein. 2luS purem Uebermut Ijätt' er 'S ge* 
t$an." 

,,©o? SBenigftenS mad&t'S ber ßlofterl)ofbäuerm alle 
Gfyx\ bafe fte t>on ber geridjtlid&en Verfolgung §at abfegen 
motten. 3ft Ijalt in allen ©tütfen ein adjjtbareS 2Beib, baS! 
— SRun alfo, gut'n SKittag, ©rumbadfjer!" 

,,'r ©iener, $err Vürgermeifter!" 

9tod[j waren bie ©dritte feines Vorgefefcten nid^t oerljallt 
unb f$on §atte ber ©Treiber fämtltdfje Saben feines ©djjreib* 
tifdjjeS t>erfperrt, unb feinen Äangleirodt gegen einen anberen 
oertaufdEjt; er ging mit einer folgen @ile baran, baS ämts* 
lofal ju pertaffen, bafe mol)l ber Verbaut auffommen fonnte, 
er fähige bie &)xe, löblicher Ijieftger ©emeinbe ju bienen, 
nid;t gar ju f)od) an. 



3a, bie ßlofter^ofbäuerin mar in allen ©tüdfen ein adfjt* 
bared SBeib, niemanb mufcte baS anberS ju fagen. Vor ctma 
fedfjs 3at)ren mar fte SBitme gemorben unb obmoljl fte ba 
fd^on im merjigften Saljre ftanb, fo mar es nid&t allein ©elb 
unb ©ut, ober all ber trefJTicfjen ©igenfd&aften, beren man 
ftdjj bei iljr oerfal), bie eine ober bie anbere, maS tljr furj 
naäfj SDblauf beS Trauerjahrs mehrere „gar fdfjöntljulicije" 
freier jufüljrte, fonbern aud& iljre moljlerljaltene äußere @r* 
fdfjeinung, bie ^olje üppige ©eftalt unb baS etnnefjmenbe @e* 
ftd&t, baS in glatter Völle unb in ben frifdjen gfarben ber 



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200 Jlalenbergefd)i$t?n. 

©efunW&eit Blühte, tote baS einer ber jüngften 2)irnen. Sttet 
fte fd&lug alle Setoerbungen aus, inbent fte auf tljre beiben 
ßinber IjtmoieS, toeld&e bamalS fdfjon giemlid^ enoad&fen waten 
unb toooon ber Surfte nunmehr jtoeiunbjtoanjig 3a!jre unb 
bie SMrne adfjtje^n geilte, baburc| na^nt fte nur tn ber Sichtung 
ber Seute gu, benn bie 3Ränner, »erheiratet ober lebig, Ratten 
feinem ©nljeimifdjjen, gefdjjtoeige benn einem gftemben, «n 
foIdfjeS ©lud! gegönnt, bie SBeiber feljen es gerne, toenn eine 
tljreSgleid&en „bie £reue bis überS ©rab ^inauS" betoäljrt, 
toenn ftdj aud& bie meiften oorbeljalten, es für tyre Sßerfon 
anberS gu machen, ba leibet iljr ©eliger nid[jt banadfj toar, 
unb bie 3)irncn fanben es „grofe red&tfdfjaffen" oon ber 
Säuerin, baj* biefe, bie ja fd&on einmal an ber 3lei^ toar, 
es mit feinem jtoeiten oerfudfjte unb tljnen feinen Sebigen 
toegnaljm, fo baj* jtd& in ber ©tiCe nodjj jebe auf jeben, 
als auf iljren erften, Hoffnung machen fonnte. 

©o ftattlidfj unb fo grofe angefeljen toie feine Säuerin 
toar aud^ ber ifloftertjof. 3Bie leidet gu erraten, Ijattt baS 
Slntoefen feinen SRamen baljer, ba| es einft einem Älofter 
gugeljörte; aber au<#, als es nadE> 2lufljebung beS lederen in 
toeltlid&en Seftfc überging, blieb ber ©egen ©ottes barauf 
tyaften unb ber jeweilige Älofterljofbauer fonnte übergeugt 
fein, baj* er bie folibeften Sauüdfjfeiten unb bie fettefiten 
©rünbe im gangen SanbeSoiertel beft£e unb alle Urfac^e fyaht, 
für bie ©rrtd&tung ber einen unb bie äfaffpürung ber anbern 
ben geiftlidfjen Ferren ein banfbareS Sfagebenfen gu bewahren, 
benn fo feltfam es ft$ anhört, bo<# ift es eine ausgemalte 
@rfa!jrung, toie abgerieben oon allem toeltfid&en treiben 
unb abgegogen oon allem irbifdjjen £anb fold&e fromme 
DrbenSbrüber aud& ba^nlefcen, wenn eine Angelegenheit fte 
gtoingt, mit ber argen SBelt #anbels unb SBanbelS falber 
gu oerfe^ren, bann überfommt fte plö${i<$ bie ©nabe ber 
@rleu$tung, fo bafe fte tljreS Vorteils beffer als profane 
toalten, nur ©uteS gefd&enft nehmen unb nur SefteS taufen. 

Sin toafferreid&er SBad^, ber tooljletngebämmt mar, bur<#* 
fd&nitt ber Quere nadj bie toeitauSgebreiteten ©rünbe unb 



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$er $oifel*£otfel. 201 

über ben fefien ©teg, unter welkem er baljinflofc, ging ber 
Breite galjrweg, ber ferne aus bem Sßalbe Ijeroorfam, eine 
fange ©treefe inmitten t>on gelbern unb Sßiefen fanft Ijinan- 
ftieg unb Bei ben 2Birtfd[}aftSgeBäuben enbete; btefen jur ©eitc 
auf einem faum merflid^en #üget lag baS SBoljnljauS, ber 
woljlgepflegte ©arten Ijinter bemfelBen rücfte Bis an baS 
Söaffer jjinab; jwet weibliche ©eftalten fd^ritten bort jwifdfjen 
ben Slumem unb ©emüfeBeeten ba^in unb ergingen fidj in 
bem warmen ©onnenfdfjein, ber fjeute üBer bem Sanbe lag, 
bie eine war grofe unb ftattlidd, bie ÄlofterljofBäuerin, bie 
anbere um meleS Heiner unb runber, tljre £oc$ter. SIBfeitS 
in einer SauBe, für ftdfj allein, fafe ein ^üBfd^er Surfte, ber 
aus einer pfeife qualmte, ber junge Sauer. 

3)ie Beiben grauen ftanben ftitt. 

„3)u loft*), SWutter?" fragte baS 3Räbdf>en. 

„SBoljI," fagte bie »äuerin. ,,©<$on bie längft' Seit W 
id) eine 2tmfet pfeifen." 

„2)te f)ör' i$ eBen au$ unb benf nur wie bumm, irf; 
Bilb 1 mir ein, jte t^ät* faft, als wollt f ein' Sänbler pfeifen." 

„'S fann ja woljl eine jaljme fein, bie ausgeflogen ift. 
Sin ober baS anbere ©tüdft fann man fo einem Stier f$on 
einwerf ein. Saft uns einmal näljer ^tnjugeljen!" 

S)ie Beiben fetyritten nun IjinaB Bis an ben 3<tun, ber an 
bem 33adfje Einlief, fdfjlidEjen längs biefer ©nfriebigung ben 
%öntn nadj unb als fte hinter einem bieten Sufdj Ijeroor* 
lugten, ba nahmen fie wo^I ben SSogel waljr, ber fo gut ju 
pfeifen wufete — toie eine äfatfel; ber #oifeI war'S, ber 
ftdfj bort aufs ©ras geftreeft Ijatte, als er jefct ber Beiben 
grauen anftdjjtig warb, erljob er ftdfj flinf, rücfte feine SDtüfce 
unb ftreefte fte bar. ,,33itt' gar fdfjön!" 

2)ie Säuerin unb baS 2Räbd(jen Iahten laut auf, fo luftig 
fam es tynen t>or, wie ruppig ft$ ber SBogel in ber 9tä§e 
ausnahm unb bafe fte nun für ben 2tmfelpftff, ber fie $er* 
gelocft §atte, Bejahen fottten. 



*) Sofen = auf$orc§en. 



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202 ffalenbergefd&idjten. 

3)ie Säuertn roarf eine Heine 3Künje in bie Äappe. 

„Sergelt'3 ©ott/' fagte ber Sogel in ber 3Raufe. 

„©'fegVä ©Ott/' fagte bie Säuerin unb roanbte ftdfj 
jum ©eljen. 

w $te nod& mal Ij'netn/' fagte ber Settier, „rote bu aber 
fdfjön fauber geblieben bift, Älofterljofbäuerm!" 

3)ie Säuerin blieb fielen unb falj nidfjt unfreunblid^ baju, 
roenn'3 audfj nur ein Settier roar, ber iljr bas fagte. 

„2)tdfj lennt mer bod> gleidfj roieber/' fuljr ber fort, „roie 
lang mer bidfj audfj ni$t a'f e ^ cn $ a & en mtt 9- ©dfjauet xd) 
mir nur bie $älfte fo oiel gegen früher gleidjj, fo mödjjteft 
midj rooljl audfj lernten." 

„60? SBie Reifet benn?" 

©r oergog grinfenb ben SWunb. „S)er §oifel bin idfj." 

„3efu3!" 3Me Säucrin ftiefe einen fdfjroadfjen ©dfjrei auä. 
Äeiner in ber ©emeinbe l)ätte iljr ba§ oerbadEjt, einem 5Rcn= 
fdjjen gegenüber, von bem fte nur ju gut roujjte, baft er ein 
Stäuber roar. 

„SDu bift ba?" Ijaudfjte fte. 

„Sleib' audfj ba. Bfyön bin td& nimmer, rote V fteljft, 
aber g'fdjeit bin i<# roorb'n unb ganj g'fdfjeit, gegen ein 
anbevSmal, roitt idfj midfj audfj je^t mit bir reben, Säuerht." 

2)iefe roar blei$ geroorben. „Senerl," f<$rie fte bem 
SRäbdjen ju unb lief auf unb baoon. 

Senerl mtijjte nid&t ein Äinb beS Jtlofterljofs geroefen 
fein, bort geboren unb Ijerangeroacfjfen, roenn es fte nidjt 
grojj rounber genommen Ijätte, bafc ft$ iljre 9Rutter gegen 
einen Settelmann fo oiel »ergeben lonnte, fte folgte iljr ba* 
tjer nid&t nad&, bem 2lmfelmann mufjte bodfj erft feine Um 
gebühr eingctränlt roerben, fte ftemmte trofcig bie 3lrme in 
bie ©citc unb fdEjrie iljn jontig an: „SDu unnüfcer ©tromer, 
bu, roie fannft bu bir herausnehmen, Seut* ju t>erfd&redfen, 
bie roeit ober bir fteljn?!" 

§oifel lädjelte gutmütig, „®e!j, bu fett'S SBalperl," 
fagte er. 

„2Ba8 " 3)er S)irne oerfagte bie ©pradfje. 



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2)er $oifel*£otfel. 203 

„tJett'S SBalperf," wieberfyolte er mit freunblid&em 2JKm 
jeln. „2Ba8 witfft bcnn bu bidjj einmengen? 3$ u«b bein' 
SKuttcr rebcn ftd[j fdfjon nod^ ein cmbermal. SBenn f weniger 
g'fdjjredft iö, wirb f mer fdjjon ftanbljalten. Äannft tljr ja 
berroeü fagen, ber #oifeI verlangt ftdj nfe als ein 2Binferl 
jum Unterfdfjliefen, ein ^tafcerl bei 'n SEifdfj unb ^cittueif* ein 
paar ©röfdfjerln in ©acf. 33'ljüt bidjj ©ott, 3Korböbirnbl, 
aus ber man leidfjt jwei madjjt, oljne ba{$ eine bawn fd^Ied^t 
j f teil fommt ©eljelje!" — ©amit ging er. 

3)ie SBäuerin war inbes in ber Saube, wo ber Surfte 
fafe, jittemb auf eine Sani gefunfen. „5Ro, bu mein," fagte 
ber auf fpringenb , „was ift bir benn? 2BaS gibt'S benn?" 
6r fafy nadjj bem 5Bac$e Ijinab. „@s wirb bir bod> nit ber 
2anbftreic$er ba unt' fo ein* SCngft eing'jagt Ijab'n? @i, 
§immelfaferment, jefct begehrt er nodjj mit ber ©dfjwefter 
auf. SEBart, £alunir • 

„S)a Meibft, Äafpar," rief bie Säuerin. „Safe 'n geljn! 
3$ tPtlTs Ijab'n, bajj bu iljn gefjn lafct." 

©er Surfte judfie bie Steffeln. „3KeintSwegen! 2Radfjft 
ein Sßefen weg'n bem Sumpen! ©oH er geljn, trifft er eljer 
ins Sudhaus." 

SBebenb vox Sorn (türjte jefct Senerl Ijerju, erjagte, bajj 
xl)x ber nijnu^ige SBagabunb gar einen Uebelnamen gegeben 
Ijabe — welken fagte fie nidjjt — unb mag er fonft für 
feefe Sieben geführt. 

ffiieSmal (Heg ber Säuerin brennenbe 9töte ins @eftc$t, 
fie roanbte ftdjj fjaftig ab unb ging in baS #auS, bort fafc 
fte eine geraume 2Bei(e in iljrer ©tube, an bem £ifd;e, 
flutete ben Äopf mit ber Sinlen unb ftricjj mit ber Sterten 
über bie platte; plöfclidjj erljob fte ftdfj, jog eine Soppe über, 
fteefte ein frifdfjes Sudjj ju ftdjj unb balb fd&ritt fie auf bem 
breiten gfa^rwege hinter ben SBirtfdjjaftSgebäuben baljtn. 

@rft als fie ben fernen SQBalb erreicht §atte, fyielt fie 
etwas inne unb fdfjöpfte altem, elje fte in beffen ©Ratten trat. 
S)er 2Beg mürbe aud& bort befd&werlidfjer unb führte aiemltdjj 
[teil Ijtnan, fte verfolgte \l)\\ nun bebadjjtfamer. Stadlern 



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204 Äalenbergefdjtdjten. 

fte eine gute ©tredfe jurütf gelegt fyattt, bog ftc in einen 
fd&malen ©ettenpfab ab, ber nad[j einem £ljalgrunb führte 
unb Ijier überfam fte ifjrc frühere $aft unb fte eilte baljin, 
Bis ifjr eine ärmliche #ütte in ©idfjt fam, je meljr fie ftdjj 
aber berfelben näherte, t>erlangfamten ftd^ tmeber i^re ©djjrttte. 

©in paar ÄürbiSftauben, bie an ber @rbe fortfrodfjen, 
unb ein fdjjmaleS ^cferftretfdfjen, baS mit (Srbäpfelpffanaen 
beftettt mar, btlbeten bie bürftige Umgebung ber #ütte, ber 
felbft baS, roaä fte fdfjmüdfen fottte, jum fixeren SSerberben 
werben mufjte, bie 3tanfengeroäc$fe, bie rings an ben SWauern 
Ijinanfletterten unb tljre §aftftränge unb Suftrourjeln in jebe 
3tifce einbohrten. 

ffiie Säuerin Blieb einen Slugenblidf ^ordfjenb t>or ber 
23jüre fielen. 2Bar überhaupt mer in ber $ütte, fo war er 
allein, ©ie Köpfte an, innen erfd&aUte ber Swuf einer 
weiblidjjcn ©timme, ba öffnete fie bie ftfyüre unb trat bei 
ber 33otengänger*!£raubel ein. 



Sie 3mt>oljnerm ber $üttc ftanb mit bem Stütfen gegen 
bie 22jüre, fte beugte ftdjj über ben $erb unb blies ba§ §euer 
an. ©ntroeber fodjjte fte ftdjj einen Äaffee als ©rfafc ber 
3Ktttag§foft, ober fte mannte fidjj biefe jefct auf, nadjjbem fte 
nrieber einmal aerfpätet bagufam. 

Sn ber feudjjten bumpftgen Suft anrifdjjen ben nadften un* 
freunblidjjen ÜBänben befiel bie Ätofterfjofbäuerin ein leidster 
©d&auer. „©rufe ©Ott/' fagte fte leife. 

Sei bem Älange biefer ©timme rifj es bie Sraubel uölfig 
Ijerum. „$o, Älofterijofbäuertn," rief fte erftaunt, „bu bift'3? 
S)a foUt 1 mer bo<$ >n Dfen einf dalagen, aber ^aben müf$t' 
mer ein'; ber $erb tft baju g' feft." 

@3 ift eine gang unb gäbe 9teben3art,. bort ju Sanbe, 
roo biefe ©efd&idjjte fpielt, menn ein „feltfamer", foK Ijeijjen 
feltener S3efuc| bie ©tube betritt, bafc man fagt, man muffe 
ober foHe ben Dfen einf dalagen; gewöljnlidj bleibt es bei 



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$er $oifel*Soifer. 205 

bem freunblidjjen 33ornel)men, oorjcit wo alle aus Äadjeln 
beftanben, Ijätte ftdj> baS aud& t>erfjältntSmäj$ig ganj leidet 
beroerfftetfigen laffen, ijeutjutage aber, wo ber 33le<|ofen ober 
gar bcr aus ©ufceifen felbft in SBauernftuben fi$ t>orfmbet, 
machte biefe Siebes*®^ ober ffreubenbejeigung, es ift fdjjwer 
ju entfd&etben, was es uorftetten fott, wo|l einige Ümftänb- 
lidjjfeiten. 

®ie 33otengänger*5Eraubel war lein Igaljr früher ober 
fpäter auf bie SBett gefommen als bie Ätofterljofbäuerin, 
jefct aber, wo fte biefer gegenüberftanb, falj fte banadjj aus, 
als tyätte fte aeljn ga^re länger gelebt; bie SRot, beren fte 
fid^ in tfjrer Sugenb burdjj fyarte 2W6eit ju erwehren fudjjte, 
ber jte fpäter als SBotengängerin in ©onnenbranb unb groft 
ju entlaufen tradjjtete, ijatte fte gejeidjjnet. 

3)ie Älofterfyofbäuerin fdjjöpfte tief Sltem, elje fte Ijaftig 
bie grage $en>orftiefj : „SBar er fdjjon bei bir?" 

„2Ber?" fragte bie £raub I entgegen. 

„ffier #oifel." 

„®er £oifel? »ift g'föeit?" 

„@r ift aber ba unb will audj> bleiben." 

,,©o? 35a ift er unb bleiben will er? 9?o woljl, ba 
wirb *n ber Äucfutf f<$on audjj baljer führen." 

Seibe SBeiber bluten eine 2Beile fc|weigenb jur @rbe. 
Träubel Ijatte ftdjj auf eine §erbecfe gefdfjwungen, ba fafc fte 
unb breite einen fjöljernen 9tü!jrlöffel fpielenb in ben $än* 
ben, bie Älofter^ofbäuertn ftanb aufregt unb jerf nullte iljr 
£afdjjentu$, mit einmal aber beugte fte jtdf; oor unb ftreefte 
bie 2trme gegen bie SBotengängerin aus. „©ielj," begann 
fte mit jittember ©timme, „was gemalt jjat, bajj idfj bir 
all bie %afyx y fjer fdfjeu ausgewichen bin, baS fü|rt midjj 
jefct ju bir. 3<$ fonnf mir nit Reifen, idjj mufft' allweil 
benfen, bir fäm* bie ©efd&id&t* mit bem Staub nit redjjt 
ridjjtig t>or." 

,,©i wo$l," bie Sraubel ladete Reifer, „ba mär 1 bir audfj 
nit au Reifen geweft, wenn bu anberS gebadet Ijätteft, benn 
idfj weife um alles." 



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206 Äafenbergefc§id)tert. 

Sie Säuerin fdfjraf jufammen unb faltete bie £änbe. 
„Um alles, bu fagft, um alles, Träubel?" 

„Um alles," ladete biefe toieber. „3$ mufft' ja nit bir 
unb bem £oifel nac^gefdfjlidSjen fein, oft genug, wie id& ge* 
merft ljab\ bafc t§r beibe anfangt, falfdjj unb fd&ledjjt ju fein, 
falfdjj gegen midjj -— er, weil er midj um beinettoitten Der* 
lafet, bu, toeil bu iljn t>on mir abrebeft — unb fd&ledjjt, weil 
bo<$ alles jtoifdfjen eudjj nur in Une^r' »erlaufen fonnt\ Slber 
ifjr fyaBt nie gemerlt, wie oft idj eud& na{j' um bie SBeg 1 
toar., audjj an fettem StBenb, im SBalb, too'S ben ©peftafel 
j'toeg'n 'm SRauB aBg'fefct fyat, unb fo gut tote il)r jtoei (job* 
auc$ idfj g'toufct, bafe ba oon SRauBerei lein 1 Sieb' toar, toaS 
bir ber SSurfdfj ehoa $ätt' nehmen mögen, (fitf er im @in* 
oerftänbnis mit bir g'nommen; rote aber beine 2eut\ oB^ti* 
fällig, ober aud& aufpafferifdjj, baju 'fommen fein, ba toar'S 
ber £oifel, ber bi<$ felBer ang'lemt §at, ju fd&reien unb Mdjj 
jur 3Be§r' j' fefcen. ©elt ja, fo iS'S g'toefen? 3Bei^ td&'S 
'leidet nit? ©anj gehörig §aV idfj btr'S geneibet, bafe er bir 
j'lieb, otyne ju muefen, bie fernere ©traf auf ftdfr nimmt, 
roie bumm es toar, fo brao tft'S audjj getoefen! SDrum, toie 
idfj im ©efängnis mit iljm i'fatnm'fommen bin, $a6* ic$ iljm 
oerfprod&en, bafe id[j nt£ oerlauten laffen toiC, trofc idjj all'S 
SBatjre auSfagen fönnt\ @S follt* iljm toerben, wie er 1 « ge- 
wollt Ijat, benn idjj ljab' baS ©anj' für eine ©adjj' ang'feljen, 
alleinig unter eud) jtoeien, bie niemanb anbern toaS angebt, 
©o ^ab* idjj gebadet unb fo benf idfj Ijeut nodfj unb Ijab' 
idjj bisher baS 3Raul gehalten, fo toerb* id^S audjj für Zünftig 
tljun; er fetber bürff fidfj nit auf mid& berufen, wenn er 
fdjled&t genug mär', bie ©efdfjtdjjt' unter bie Seut 1 bringen ju 
wollen, aber baS barfft bu tooljl nidjjt fürchten, ift er bir 
redjjtfdfjaffen genug all bie Saljr' l;er fern 'blieben, wirb er 
bodj nit jefct mit einmal fein* ©inn änbern? SBofür wollt* 
er's benn t$un? 2BaS Ijätt' er baoon?" 

„güttem will er ß$ laffen," fuljr es ber Älofterfjof* 
Bäuerin grob IjerauS, bann fefcte fte iljre Siebe in flagenber 
Stimme fort: „®u fannft bir gar nit benfen, toie i$ er« 



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$er §otfel:2otfel. 207 

fd^rodfen bin, roo er Ijeut mit einmal oor mir fteljt, nrie aus 
ber ®rb* g'roadfjfen unb idjj 'n erfenn' unb er mir fagt, roie 
er gegen früher t>iet g'fd^cttcr roorb'n mär' unb berroeif jefct 
mit mir j' reben l;ätt'; grab nodfj, bafl mid[j biegfüfT trag'n 
fyab'n, wie idjj oor iljm auSg'rijfen bin. aber burc$ b'Sent 
l)at er mir 5J5oft fagen taffen, bafe mir uns fdfjon nodfj reben 
mürben unb er fid; Unterftanb, Äoft unb ©elb erhofft." 

„@i bu mein/' fopffdfjüttette bie Träubel, „ba fdjjau eins, 
wie ftdfj ein 9Wcnfd^ mit ber Seit änbern lann! greilid^ moljl 
audjj, e§ fommt oft g'nug nor unb b'fonberS 'S Slenb madjjt 
fein 1 brauer. 9to, aber bu Ijaft'S, bu fannft'S tljun, bafe 
b' bidfr mit il)m abftnb'ft." 

®ie Säuerin ftarrte mit großen Slugen uor ftdfj in bie 
Suft unb bie #anb mit bem Stofdjentudjje ljob ftdfj oorläufig 
bis jum ßinn. „®aS fann idjj aber eben ntt," fagte fte. 
„Ääm' iljm ber Uebermut, mär* id& nie ftd&er, bafe er nit 
meljr unb meljr begehrte, unb idfj fann iljm baS nit geben, 
roaS er ftdjj jefct verlangt, benn nadfj bem, mag bie Seut' 
bauon galten, bafj &tmfdjjen ifjm unb mir tjorg'fallen mär', 
glaubet bodjj feinS, bafc bie c^riftlidfje SRädfjftenlteb' fo weit 
ging', unb ba mödjjt' ein SSernmnbern unb ein ©ereb' an* 
fyeb'n unb ein SRadJjfrag'n unb ein Säuern, bajj nit einmal 
ein ©d&ulblofs baoor beftünb' unb nit eljer motten fte nac$-. 
laffen ju fpüren unb ju fünbeln, bis offen baläg', roaS all 
bie langen gaJjr' Ijer unter unferS $errgott§ gnabreid&ftcr 
gürforg' verborgen geblieben, bis mein* ©{jr* t>erfpielt mär' 
unb i<| in meinen alten Sagen bafttUtb' in ©dmnb unb 
©pott vox ben Seuten unb t>or ben eigenen Äinbern! ffias 
i>erm5$t' id[j aber nit &u überleben — idjj nermödfjt'S nit!" 
Saut auffdjjludfjjenb brücfte fte baS %u$ an bie Slugen. 

„33ift rooljt aud& ein arm'S SBeib, bu!" rief bie Straubel, 
inbem fie ftdj> t>on ber #erbecfe fdfjroang. „Unb id[j, idfj (äff* 
bidj> ba fteljn unb ftefjn." SDie SSotengängerin fd&ofj nadj 
einem Sßinfel, aus welchem fte einen ©tuljl ^eroorjerrte unb 
ber Säuerin jufd&ob. „35a, ftfc nieber." 

3)te Säuerin ftäubte ben ©ifc ab, baS modfjte geraten 



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208 ßafenbergefdjjidjien. 

fein, weniger aber, baS %uä) bann wieber an bie Slugen gu 
fügten, was fte fyat, als fte jefct fa{$ unb [tili vor ftdfj $in 
weinte. 

SDie Träubel ftanb tljr gut Seite unb fdjjlenferte verlegen 
mit Beiben Sinnen auf unb nieber. SJott unb ganj überfam 
fte baS 3Kttletb, baS ber ©ürftige für ben Steigen empfinbet, 
ber tljm in gleidj> gebrücfter Sage, fei es mit gebrochenem 
©tolge, ober verarmt am ©ute, vor Slugen fommt; er, ber 
all feine Sage #errifdfjt{jun unb 33eff ergaben gewohnt war! 
„2Bie bitter mu| bem erft fein, mitjumadfjen, was unfereinS, 
baS nij gilt unb nit gäljtt, fein* Seit von Kein auf mit- 
madjjt? Un§ gibt man leine @§r* unb mir Ijab'n fein ©ut, 
fann uns bie eine nit genommen werben unb 'S anbere nit 
oertoren geljen." SDaS fdfjofc ber Sotengängerin burdjj ben 
Äopf unb jugteidfj auc§, bafc fte nun boc| wenigftens irgenb 
etwas fagen fotte. ©ie legte linfifdjj beibe #anbflädjen am 
einanber unb begann fte ju reiben. ,,©ag einmal, ßlofterfjof* 
Bäuerin, weil bu gefagt l;aft, bu warft eben beffentfjalben ju 
mir Ijergefommen, was fönnt' benn woljl idjj für bidjj tljun?" 

3)ie SSäuerin fafcte fte Ijaftig an ben £änben. „3)aS 
werb' td& bir fagen, Träubel! 3$ Bin gewijj, ber $oifel 
fudjjt bi<| auf; bu Ijaft'S vorhin felbft gefagt, bu meinft nit, 
baf$ er bir wegbleiBt; wenn er fommt, fo reb tyn von fein'm 
Vorhaben ab, reb iljm gu, bafj er mein' gfrieben nit unter* 
grabt — " 

Träubel judfte bie Std^feln. „3a, mein 1 , mnn er wirflidjj 
ein anberer worb'n is, ba feljrt'n woljl niemanb meljr auf 
bie gute ©eite. SBaS gibt er ba auf ein Sieben unb gar 
auf mein'S?" 

,,©rab auf baS. Um 'S #eilanbS mitten, Träubel, fei 
d&rifttidj), lafc 'S Vergangene oergeffen fein unb fyaV ein @r* 
barmnis — " 

„3^u nur nit fo jammerig, S3äuerin, eS gefjt mer naty, 
— wer bift bu unb wer idjj? ©ag' i$ benn, bafe t$ nit 
will? 2tlTS was id& fann, will idjj ja gern t$un, um lein 
Sßort foll mir leib fein unb fo leidet laff iti) au$ nit ab 



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2)er $oifeI*2oifel. 209 

tum tym, guteben will idjj ifym wie ein'm franfen 9loj$. 3$ 
fag* ja nur, id& fürd&t', baft et nit auf midjj ^ört." 

„D, auf bi<$ woljl. £)u warft ja attjeit un8 jweien 
überlegen, aud& bamal warft bu bie 33raoere unb bie ®fd)tu 
tete. Unb, Xraubel, wenn bu mid[j aus betet 2)rangfal 
erlöft, baS will i$ bit gebenfen, laft bir fagen, idfj will bir'8 
gebenfen." 

,/§ braudfjt'g nit. 3$ »erlang' mer nfe bafür." 

„3$ ">"§' ^aubel, woljl weift i<$'3, baft bu bir nie 
oerlangft, aber lag mir mein' greub* unb Derfdfjmäf/g nit. 
2Bo id> jefct weift, baft bu ju mir Ijalt'ft, te mir fdjon leidster 
unb id& fü[)r midfj getröfter. 33'ljüt ©ott, Sraubel, f » ift 
Seit, baft id^ gel)', nit bei bir, nodj> auf 'm 2Beg mödjjt' id& 
von iljm betroffen werb'n." 

,,33'fjüt ©ott, ßlofter^ofbäuerin." 

2Üä bie 33otengang*£raubel allein war, rfiefte fie ben 
©tuljl an ben £etf> unb langte ben £opf Dom geuer. „2Ba3 
iljm nur mit einmal einfallt, bem alten Herumtreiber?" 
murmelte fte. „@S ift nit fdjjön unb ift ni^t redjjt, nein, 
waljrlidjj nit. %fyt Ijeiftt'S wo|l g'fdfjett fein ! 3uro Sereben 
g^ören allweil jwei: eins, baS 'S Sföaul braucht, unb ein 
anberS, ba8 brauf Ijört, unb fo mitten unter ftnb't fid^ woljl 
*8 redete SBort. ©d&lau unb fürfid&ttg muft mer brein geljn, 
nit mit ber 21jür ins $a\x$ fallen, fein warten, 6is*3 ber 
anbere fetter auftaut unb bann Jjtnemfd&tupfen unb iljm ju 
fein' eigenen genfter Ijerauö gufpred^en. ©3 foff mir nit 
geljn, wie 'm ©d^ulmeifter, wag ein Heiner gretgetft ig, bie 
2Begljuber*©e}){}ert uorn SBallfaljrten abreben wollt 1 unb 
glaubt Ijat, er füljrt fd^on '3 rechte SQBort, worauf ftdjj mj 
mefjr fagen laftt, fertig in feiner £afdjje mit. ,3Bq§ laufft 
fo weit/ — Ijat er g'fagt — »friegft wunbe gfüft' unb Der* 
fäumft brüber $au3 unb gelb? 3ft ber liebe ©ott nit 
überall?' ©abrauf Ijat bie Sitte g'fagt: ,@i mein, 'n §err« 
gotten geht'S ja gar nij an, ic$ gel)' ja ju unferer lieben 
grau af 'n ©onnberg.'" . 

tUiengiu&et, ©ef. Wextt. V. u 



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210 Jtarenbergefd[>tc§ten. 

®er 3Ronb war auf gegangen , aber nodjj ftanb er ni<$t 
^od^, juft über ben Sleljren ber Äornfelber. Süfdfje imb 
Säume am ©aume beS SBalbeS, an ben Stänbern ber füllen 
23jalgrünbe unb Sßiefenplane, ober jtt Betben ©eiten ber 
Breiteren ÜBege umfpielte nodjj Sroielidjjt; bte f<$malen Sßfabe 
aber verloren ftdjj, je weiter fte führten, in tieferes ©unfel, 
Bis fdjjliejjlidjj ber, welker fte Befdfjritt, von ftocfraBenftnfterer 
SRadfjt umfangen, innehalten unb ftdjj, einen %ü% oorftdfjtig 
vor ben anberen gefegt, mit oorgeftredten Rauben, weiter 
taften tmtfjte. 3e nadj ©emütSart fdfjicfte jtd& ber betroffene 
barein unb wenn es gar arg würbe unb 2lft um SCft iljm 
an ben Äopf fd;neffte, fo erleichterte er fein #erj entweber 
burdjj fromme ©tofcfeuf jer ju ©Ott unb all feinen liefen 
^eiligen ober burdjj meljr ober minber fräftige gfltidjje; baS 
lefctere tfjat ber §oifel. 

„©oll bodjj ein #eiligfreujbomterwetter barein f dalagen! 
2BaS für ein @fel mar idj, bajj idjj mir nidjjt, fotange nod; 
2icf;t mar, 'n 2Beg gefud&t IjaB 1 ? 2Bar eine Seit, mo idjjiljn 
fo oft gegangen Bin, bafi id(j midj> mit oerBunbenen Slugen 
äuredjt gefunben ^ätt'. beuget, 'S tS (jalt bodjj j* lang l)er. 
@elj idjj jefct irr, fo fontm' i<$ oielleidjjt j' tief ty'nein, ober 
j' weit ab unb ftatt 'm ©pajj, ber Sraubel ifjre großen Stugen 
unb iljr oermunbert' SBefen j' feljn, Blüljt mer was anbers ! 
©ternftjljagel, am ©nb' !ann idj nadjtüBer ba im Sufc$ unb 
Sann Ijerumfteigen , ober midjj mit ber SBilbfau auf eine 
©treu legen! #öllmentifd[j audjj fdjjon! 5Ro, fd&au, Ijo, ba 
mein* idfj, idj Bin bodjj red§t!" 

SDie Säume listeten ftdjj etwas unb als er jwifdjjen 
ben Säumen burdjjlugte, ba geigte fidjj gerabe an ber ©teile, 
mo er es erwartete, ein erhellter gftedf, baS genfter ber 
£ütte. 

©er alte Surfte fdjjritt auf bie £ütte 51t unb podjjte an. 

„2Ber tft'S nodjj fo fpät?" fragte es innen. 

„Wadjj nur auf, SCrattbel. ©oUt'ft audjj fd&on mein' 
©ttmm' oergeffen Ijaben; es ift einer, ben V fennft." 

2)te £l)üre warb aufgeriegelt, ber SWann trat ein unb 



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S)er §oifel*£oifel. 211 

ftetfte ftdjj, fo grofe unb breit er war, oor bie 33otengäm 
gerin §in. 

„6i, bu mein, wen fyaV tdj) benn ba?" 'fagte ftc unb 
leuchtete il)m mit bem irbenen Dellämpd&en ins ©eftdfjt. 

„®en £oifet aö ©anjer," lachte er. 

„3*fu8!" 3)ie Sampe gitterte in ben £änben be§ 2Beibe§, 
nidjjt in gefpietter Ueberrafdfjung über ben unoorljergefeljenen 
SJefudjj, ber oorauSgefagt unb erwartet mar, fte gitterte 
wirflidfj; ber SDfcann fa§ {jerabgefommener aus, afe Träubel 
ermartet Ijatte. ©in fjerbe3 Säbeln fpielte um ifjren 2Runb, 
ate fte fagte: „SRo, fdjön fauber l)aft bidjj aber ^rauSge-- 
wadfjfen, baS mujj idjj fd&on fagen, obwohl idf) meng Urfadfj 
Ijab', bafe td^'d bereb', benn tdjj mein' fdfjier, mir fdjjau'n eins 
'm anberen gleidjj." 

„@i ja, Träubel, bu bift audjj j'famm'gangen, Ijalt ja." 

„2Baö roiffft bu benn aber bei mir?" 

„SJaJj b* mi<$ af 'm ©tro$ im ©eijjftoll hinter beiner 
glitten übernachten tafet, wollt* tdjj btdfj bitten, für b' ijeut'ge 
5Kadjjt, oieHeidjjt audjj für b* morgige, ober nodfj ein paar, 
bann ftnb' idjj mir fdjjon ein 1 Unterftanb; bu mufet miffen, 
bafy id) Ijeim kommen bin, weil id& midfj einmal jur SRu^ 
fefcen will." 

„Sur 9lu^ fefcen Reifet nfe tljun," fagte Sraubel unb 
fteffte bie 2ampe auf ben ©erb jurüd, t>on wo fte felbe 
aufgegriffen Ijatte. „3a, bift benn bu fo reidjj?" 

„Äein' ©ebanfen. 3$ fomm' nadfj fteb'unbjwanjig Saljr' 
grab fo arm Ijeim, wie idjj 'gangen bin; aber bafür fein 
anbre reid;." 

„S)ie geb'n nig umfonft." 

„Umfonft oerlang tdjj audf; nfo 3$ weife fo gut, wofür 
idjj'ä Weg', wie bie anbem, wofür fie'ä geb'n. Uebrigenä 
ift ba§ eine ©adj>', worüber bu audjj tad&en wirft, wenn td& 
bir baoon fagV 

#oifel nafjm o$ne Umftänbe auf bem ©tufjle $lafc, ber 
por bem $erbe ftanb. Träubel fefcte ftd^ abfeit« auf einen 
©djjemel. „9ta, '3 neugiert mi<# fd&on," fagte fte. 



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212 ftalenbergef$i$ten. 

„9to fd&au, id& benf' Ijalt, wie 'S alte ©prid&wort gefjt: 
,2ang 'Borgt tft nit g'fdjenft!' 3Bie idjj mit ber Älofterljof* 
bäuerin ftc^% baS ift bir woljl bewußt. 2Ba3 ljab' tdjj alles 
auf midjj genommen, a'weg'n ber iljrer @fjr\ iljr'n guten 3tuf 
unb nodfj obenbrein ifjrer 9tul)' weg'n?! 5Ra unb jefct verlang' 
idjj bagegen unb bafür Ijalt audfj wa§. ©ie wirb ftdjj fjüten, 
mir nein j' fagen!" 

„3)u wirft bodjj nit jefct auäfag'n wott'n, was lang twrbei 
ift? SBirft bodjj nid)t fo grausig fein unb fte ins ©ereb' 
bringen woU'n?" 

„®i, mein, was bös angebt, ba lennft midjj nit, ba bin 
idjj ein nodjj oiel grau3lidf;erer Äerl, wie idjj auSfdSJau\" 

„04 ju!" 

„Safe 'n ©pafe beifeit', '3 i8 mein twHiger (Srnft. <8rü* 
weber ftc lafjt mir nidjtö abgeljn, ober . . ." 

„Sßenn bu fo benfft, will idf) nfe mit bir j' fdjjaffen Ijab'n. 
Sflit einmal bei meiner ©eif$ laff idjj bidjj fd&lafen. ©ort iS 
V %W> fäau bafe b* weiter fmb'ft." 

„SRarrifdjje Träubel, wie magft benn bu ba aufbegeljr'n? 
S)a3 giemt bir bodjj gar nit. 2Bie warft bu erboft gegen fte, 
femfcit." 

„2>a§ mar eben fem'jeit unb ift jefct uorbei, wie audjj twrbet 
unb lang uerwunben ift, wie ifjr &wei mir roe^ 'tljan fjabt. 
©o t)iel Sa^r Ijinterljer fönnt' idjj an einer Soweit 'gen 
b'SBäuerin fein ©'fallen ftnben; gar eine, wie bu ftnnft, brädjjt' 
midjj gang auf t^r" ©cit\" 

„D, je^t fommt'a SBeibera'famm'Ijalten!" ladete £oifel. 

„Sa, ganj redjjt, je^t lommt '§ 2Beiber t Vfamm'ljalten, wie'3 
immer lommt nadjj einer Seit unb SSeil', wenn'8 bumm' 
jung' 33lut leinS meljr oerblenb't unb mer mit Ilare SJugen 
ber 3Rann§leut' treiben betraft' unb nur meljr nadjj SRed^t 
unb SSiUigfeit fragt. Äommt eudjj ja felber ju ©unften. 
3^r mögt falfd; fein gegen bie ein' unb bie anbere t>on uns, 
nodjj rennet mer eudfj'S j' gut, wann tljr nur 5'lefct einer 
getreu t>erbleibt3 unb iljr SBort galtet, dagegen aber wirft 
bu lein 2Beib§leut ftnben, ba§ ben fein ©cijuft nennt, ber 



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S)er §otfe[=2oifeI. 213 

fjint'nadjj eine t>eruncljr'n roiff, luciTö i{jm vertraut fjat. 
2)ag bein bamalig' ©ptel 'n ©infafc ntd)t wert mar, bag 
geb* tdjj ju, unb bafj'g bid[j fpäterfyin g'Ijörig g'reut Ijaben 
mag, bag tx»tQ trf; fd&on glauben." 

„SRem'g moljll #ölTfalra, bag mar aber audjj ein @im 
fafc! 2tuf ein'SBurf: erjrltd&feit, V fd&önft' Sebengjeit, aH*g 
@ing'roof;nte unb ßing'lebte unb fein Surcd&tfinbcn meljr 
für fpäter! Sa, madjte man ft$ nur ©ebanfen gu berer 
Seit, mo man mit allem Sljun fo fünf Bei ber #anb ig, 
mer überleget ftd/g moljl unb ging nit blinb jeben SBcg, 
o!;ne j* triften, mo er Ijinfüljrt, unb erft redjt nit, wenn 
mer baoon müj$t\ ©o bumm tt;ät* idj I;cut nimmer. äBoljl 
treff idjj mit leerem ©ad Jjeitn, aber bafür ift ba mag fj'nein 
'fommen." — @r legte ben Ringer an bie ©tirne. — „gefct 
meifc id), mag idjj meifc unb bagfelbe, mag tc$ meijj, mitt tdjj 
audjj auSnufcen." 

„3)ann tnujj nfe ©utg fein, mag bu roei&t, mann bag 
crfte, moju bidj 'g anfttft', ein' ©d&led&tigfett iä! ©o ein 
©'fdfjeitfjeit fommt, nodjj fo fpät, bo<# atfroeil j' frülj unb bu 
Oaft mir bamal, mie bu bumm brein 'gangen btft, meitaug 
beffer g'fatten. Sft 9^i^ att'g um ein' anbere Ijer'gangen, 
bag mu|t' idjj mir bodjj g'ftefjn: ,£)er £otfeI fyat ba red(jtfd;affen 
brat) 'tljan.' Unb bagfelbe ©enfen mar mir nit unlieb, benn 
bag ig aud& fo ein ©tüdtt SBeibera'famm'fialten, bag fidj 
feing möd;t' über ein* fdjämen muffen, bem 'g einmal gut 
g'mcfcn ig; ber eignen ©fjr' milTn, l)ört mer nit gern, mag 
cin'tn ein einmaligen ©djjafc oerleib't unb morüber einem b' 
SOBelt bic Sieb* ju iljm t>erbenfen fönntV 

„SSerfte^, ucrftc^' fdjjon," grinftc ber £oifel. „3g bodjj aud& 
nur ein ©djjönmadfjen t>or eudjj felber. 3lber midj) befümmert 
nit, ob'g eine freut ober reut, bag f mir nadjg'rennt ig." 

,,©ag bog nit! ©o roie'g mar, bag'g g'roefen ig, mar 
•g nod& atfroeil fo, bag bu bir inmenbig mag Ijaft brauf 
einbilben lönnen. 3Hac$ bu bir nit bag einzig gfledl, wag 
b' weig erhalten Ijaft, audj nodjj fd^marj! 2Bügf td&, bag 
bi($ nur ba? leibige ^fautteufel baju treibt, idj fagct, lag'g 



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214 Äalenbergefdjidjjlen. 

fein, uriQ idfr bidfr Ijalt Verhalten, nit burdfr meiner $anb* 
arbeit, mit ber rid&t' idjj nij meljr, ober mit mein* gfüfcen, 
mit bo t$ über Serg unb 2fyil lauf." 

„Unb benfft, 'S gang* 3a$r fott idfr mit bir SWeljlmHfen 
freffen? SRänifc^e £raubel! SDu meinft's gut, ober tdjj mein' 
'S beffer. ©egen bidjj Ijab' tdj gut j' mad&en, nit gegen fie. 
Safe bu mid& mein jefcig' ©pielfpielen; follft audj) bein' Xeil 
bauon Ijaben." 

„SWeinft bu, idj> mödjjt' von ein* 83rot effen, too ein* 
fein Siffen g'fegnet iS, fonbern jeber t>erfludj>t? 3Reinft bu, 
baf* id& in* ©atf ein' ©rofdjjen fteefen mödf;t', an bem ba* 
bittere Slug'roaffer einer geängfteten ©eel' glängt? SRie mein 
Sebtag! SBaS tyeijjt bu bein jefcig' Spiel? 3m bamalig'n 
mar $erj Trumpf unb cFjrltc^ bleibte es audj>. ©d&lagft bu 
aber je^t ^reffbub* auf, 'S ©c$roarapeter*33latt, bie ©pifc* 
bub'nf arten, tS baS bein jefcig' ©piel? 3)ann laf* bir aber 
audj fagen, baf* \<$) bir jutrau', bu §aft nit erft fiebn'unb* 
jroanjig galjr' 'brauet, um auf fold^e ©tücfeln ju t>erfaffcn 
unb fein* ÜJZetl* SBegS Ijer, fo Diel i^rer fein, um'S gu äBer- 
legen, baS ift bir fc|on ang'ljaft't roie Un'giefer 'm ßigeuner; 
2lrbeitSfdS>eu roar'S, roaS bidjj fort'trieb'n Ijat, unb arbeite« 
f<$eu Ijat bi$ fern g'ljalten, unbjefct, wob' mittlermeil' ber 
unfaubere Settier roorb'n bift, vox bem b'Äinber erfdjjredfen 
unb b'Seut' freuen, jeftt fommft Ijetm, fd&ledjjter mie einer, 
ber SRadjjtljerberg' bettelt unb ben man in b'SdSJeun' legen 
lafet, auö gurd&t, er möd&t' ein'm f fonft anjünben, ja, 
fdjjtedjjter mie ein foldjjer, benn als mas bu fälfdSJlidjjermeif' 
'gangen fcift, als baS fommft bu jefct waljrerroeif* ^etm, als 
Släuber, jamoljl als Slauber, ber ein 1 'S SWeffer ins #erj 
ftoftt unb brein umfe^rt! 41 

S)er #oifel erljob ftdjj oom ©tuljle. „Sraubeir fdjrie 
et jornig. 

©ie mar fdjjoh lang oom ©djjemel aufgeftanben unb trat 
jetjt auf itjn ju. „9to, maS gibt'S?" 

#oifel fefcte ftd& mieber nieber, betrachtete mit Minjelnben 
Äugen bie SJotengängerin, mie fte ba Por if;m ftanb, von 



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S)er $otfe[:£oifeI. 215 

Stopf bis ju gfufl, bann fagte er rnljig: „5Ru&t bodf; nit in 
etn'mfort alleinig reben, ballete Staube! ! #ör erft, bann 
teb. Sajj bir fagen, bann fag wieber. 2BaS nietet benn 
bu, wie id& worb'n bin? Steb'ft ba bie ganj' Seit §er ju 
ein'm anbern, wie idjj einmal einer war, aber jefct nimmer 
bin. gür ba am Drt bift bu ein redfjt oernünftig' Sßeibs* 
leut, wann bu aber audj über Serg unb %f)al laufft unb 
tagüber in ljunbert ©tuben ty'neintappjl, fo triff ft bodfj 
überall auf biefelben Äreujföpfeln, wo feiner mit feine @e* 
banfen übern Jtirdjturm ^nauSreidfjt; wer bamit bis jum 
aßetter^a^n langt, ijalt' ftdjj fd&on für 'n ®'f cfjeitern, aber 
wie's in ber SBelt augefyt, bas wifjt Ujr an^famm' nit. 
©djau bu aber jaljr'lang mitten innen in einer großen 
©tabt bem Sßefen unb treiben ber Seut* jii, wie bie ftdj 
abbalgen unb untereinanber auffreffen wie '8 ©etier im SBalb, 
ba leudjjt' bir balb ein, leben unb glücflic$ fein, fann eins 
nur auf anberer Soften! Sßittft meljr ©lud als einer, mufst 
ein* anberm baS ©ein' wegnehmen unb gu bein'm bajufdfjfag'n, 
willft'S beffer Ijaben wie §unbert, mufjt'S #unberten abjag'n, 
wie taufenb, Saufenben. ©o tljun f audfj o$ne gfrag'n unb 
SB'pnnen. ©tu* auf ©tuef, wie er'S anbern Seuten ab* 
jwingt, baut fic$ bort einer fein $auS auf, fieben ©todf 
|od[j warfen f* oft aus ber @rb' unb je Ijöfjer er'S bamit 
bringt, je meljr fteljt er in @^r' unb 3lnfel;n, fragt feins, 
wie oiel baburdj> ins Slenb 'fommen fein. 3)ie frommen, 
was unfern Herrgott bitten, bafe er i^nen b'Sd^ctmftüdfeln 
g'fegnct, fein grab fo brao wie bie, bie fein Seijet nadfj if)m 
frag'n. Sßarum fott benn id& grab ber SRarr fein unb bös 
Sufdjjau'n nit nufcen unb au<$ mein* Vorteil waljrneljmen, 
wann'S leidet fein fann? 3)u wirft fagen, es war* nit fdjjön? 
5Rit fd&ön war'S, wirft Ijatt fagen?" 

Sraubel fd^üttelte ben &opf, jum Seiten, bajj fte nidjjts 
gu fagen $abe. 

„@i, mein," fuljr £oifel fort, „was frag* aber id^ naef; 
'm ©d&ön'? %<§ frag* nur nadfj 'm SRufcbar'n. ©d&ön iS'S 
mir nit oorfommen unb fommt'S mir nit oor. SBenn bu 



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216 JtalenbergefdEjicOten. 

aber fo nebenfteljfl , unb meinft, je$t unb jefct müfti* ber 
ttebermut ber ein'n unb ber Sammer ber anbern jum #immel 
f darein* , ober bis in V$bW bringen unb bodjj niemal fem* 
3eit was baoon merfft; wann bu fteljft, wie bi§ auf ben 
£ag, wo f ein 1 fy'nauStrag'n auf 'n greitfyof, ob in fyöljerner 
£rulje ober im blechernen ©arg, ein jeber ftd& unterwinb't, 
was er will unb fetner fürdfjt\ nit ber Sirme, ba{$ iljm 
unter feiner ^oljfdjadjtel, nodjj ber Steige, bafe iljm unter 
ber bleiern' 33ratpfann' ber Geisel ein gfeuer anjünb't, ba 
gefjt bir woljl ein Stdjjt auf, ba{$ gelebt gelebt is, baf* bas 
fleine SReidjjtl Seit ganj unfer is unb bajj wir uns x\m 
fein* Herrgott unb fein 1 ftefeel j' fümmern brauchen, wie 
fid^ fein Herrgott unb fein £efeel um uns flimmert! SBann 
V aber nad$er betradjjfft, wa f S 'S Seben Ijeijjt unb was bran 
ig, bann, mein' liebe SEraubel, fagft wo!jl wie t<$: ,@S galjlt 
fidj nit aus, baj* mer gut unb brat) is!'" 

§<ittt fidjj nun Träubel red&t eifrig um ©Ott unb bie 
Sßelt angenommen unb il)m oom Soljne bes ©uten, ber 
©träfe bes 93öfen unb bergleidfjen meljr oorgerebet, er würbe 
wafjrfdfjeinlidjj baju baS -Kaul breit gebogen Ijaben, fo aber 
trat fie an Ujn !)eran unb fagte: „©tyau, §oifet, babrüber 
fann tdjj mit bir nit ftreiten, benn idjj lang* mit meine ®e* 
banfen nit einmal big ^um 2Better§al;n an ber Äird^turmfpi^. 
6s mag ftd^ ja aH'ö fo ©erhalten, wie bu fagft; mag gelebt 
gelebt, fein Herrgott unb fein Steiget unb am Seben nij 
brum noclj bran fein, warum aber ftelP id& bann mein* ©inn 
af *n Äopf, tlju' ein' anberm welj, baf* mir gut g'fdfjie^t, 
wann 'Sfelbe ©utg'fcljefy'n nit einmal oorljatt' unb nadjj *m 
Kein winjig' SReidjtl Seit alTS miteinanber oorbei is? S)a 
ftrapajier* tdj midjj nit erft unb ja^lt ftdjj audjj nit aus, 
bafe mer bog unb fd&led&t iS!" 

3)er #otfel fd^tittelte nad&benflidfj ben Äopf, baS war aber 
ein Stifytn ber Suftiwmung. gjjj e überrafdjenb iljm and) 
biefe Srgänjung feiner Sßeisljett fam, ebenfo einleudjjtenb 
war fie für iljn unb baS ßopffdfjüttcln befagte mdjjtS an« 
beres als: „Kein, 's jaljtt ftdjj audjj nit aus!" 



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$>er $oifel*£oifel. 217 

3Jm anbern -Dlorgen war er aus ber ©egenb wieber oer* 
fcljwunben. 

•Dtonate waten ins Sanb gegangen, ba würbe ein Heines 
tum Älofterljofe gehöriges ©runbftüdfd&en eingegäunt, eine 
£ütte barauf erbaut unb als biefe unter ©ad& gebraut 
worben war, fafe mit einmal bie £raubel als auf iljrem 
©igen barauf. $l\m wollten jtdjj bie Seute erinnern, baji 
oor nid^t gar lang bie Sotengängerin ein* mächtigen Rapier* 
paef auf ben #of gebracht fjabe, ben fie nur ber Säuerin 
einljcinbigen wollte; fann wofjl nidjjts anbereS barin gewefen 
fein, als ein fdfjwer* ©tüdf ©elb aus ber Sotterie! @i, bie 
Älofter^ofbäuerin fennt ftdjj aus. 2Birb fo ein ©lüdf lautbar, 
fommen alle Settier unb SBorger oon fern unb nafj' unb 
rennen einem bie £l)üre ein, fo Ijat fie es lieber oerfdfjwiegen 
unb bie alleinige Träubel ins Vertrauen gebogen unb baS 
SSerljetmlidfjen war fo pfiffig unb fmbig, wie bie offenbare 
2Bof)ltl}at an ber Sitten barmfjerjig unb dfjrtftlidjj. 3fa> bie 
ßlofterfjofbäuerin ift Ijalt in allen ©tüdfen ein adjtbares SBeib, 
baS weife leiner anberS. 

@S ift waljr, bie Seute fmb neugierig unb wenn man 
tynen über etwas ntd&t Siebe fteljen will, fommen fte barüber 
nidjt jur 9lu^e unb laffen anbeve nidfjt gur SRulje fommen, 
aber baS mufe man fagen, fobalb fte fid^ einbitben, fie wären 
oon fclbft l)inter bie ©a$e gefommen unb wüfeten fo gut 
ober gar beffer um fetbe, als ber, ben fie eigentlich angefyt, 
bann afyen fte mit tädfjelnber ©rofemut baS ©Zweigen 
beffen, ber it;nen ja bodjj nichts ju fagen Ijätte, als was fte 
otyneljin fdfjon wijfen; gelingt es, fie &u biefem lebhaften 
©piele ber ©nbilbungSfraft anjuregen, fo ift man audjj 
aller fragen lebig. 5hm, ber Älofterljofbciuerin war baS 
gelungen; burdjj ben mächtigen Sßapierpadf, ben fte fidjj t>on 
ber SCraubel unter grofeem SBidjjtiggetljue gutragen liefe 
unb ber ntdjjt wertvoller war, wie bebrudteS Rapier eben 
ift, worüber oerfd&iebene Slnftd&ten Ijerrfd&en; bodjj in ber 
Seute Slugen erflärte ber ©ewinft bie ©rofemut gegen bie 



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218 ßalenbergcfdjidjlcn. 

33otengängerin unb alle bie £eimlidf>feit bürgte für bot 
©eminft. 

3n bcr ^ütte, bic alfo, ganj oljne gfrage, bcr Träubel 
gebort, fpric|t atte Sonntage ein 9Kann $u, ben man aber 
audj manchmal unter ber SBodje mit ber flraje auf bem 
SRücfen bort vorbeigehen fieljt; finbet er bie 2^üre ju unb 
bie genfter ©ergangen, bann jieljt er weiter, trifft er aber 
bie Sotengängerin ba^eim, bann fragt er nadjj, wie es tyr 
gelje unb ob er üjr nidjt etwa einen gar fdfjwercn $adf irgenb 
woljin tragen fönne, für einen folgen afaSnaJjmSfatl madjt 
er \\d) aui| in berfelben ©egenb }u fd&affen, für gewöljnlidfj 
fud&t er im benachbarten Greife fein Srot. S)er Storni ift 
ber $oife(, ber fid> audj) auf bie 33otengängerci verfegt F;at, 
bie feinem angewöhnten, unfteten SBefen am beften jufagt 
unb ba er fo fyübfd) Vergnügen unb ©efdjjäft ju vereinen 
wufcte, fo nimmt tfjm niemanb bie ©tromerei, bie er er- 
werbsljalber treibt, übel; nur, baft er eine anbere Sfnge* 
wo^nung nidfjt loS werben fann, fmben bie Seute an tym 
au^ufe^en, er jieljt nämlidj nodj immer gar ju gern vor 
jebem, ber Ujm in ben SBeg läuft, bie Äappe, gcfd;älje cä 
auö Strtigleit, fo möchte iljm baS niemanb verbenfen, er aber 
benft wo|l, ©rüfeen ift £öflidSJfeit unb 2>anfen ift ©d&ulbig* 
Icit unb bie fyätte er, weil er ein armer aRenfdj> ift, ber bas 
Seine brauet, immer lieber gleidj bar Ijcrauö. 

Xraubel verfud&tc es oftmals, iljn bavon abjubringen, 
fte rechnete ifjm bie einbüße vor, bie er baburd; in bcr 
Seuie Steinung erlitte unb bic wenigen Äreujer nadjj, bie 
er bamit gewönne unb meinte, baft ftd) audjj baS nidjt aus* 
jaljle, er aber fefcte bie feftc Ueberjeugung bagegen, wenn 
fidj irgenb etwas auf ber 2Belt auäjaljle, fo wäre es eben 
baS — 33ettcln! 



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von flöfett $yxityvooxUxn. 

(1884.) 



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|cm$e ©prid;roörter fmb banadjj, e* bürfte fie bet 
Xeufel ben Seuten in ben SWunb gelegt Ijaben, baf$ 
ifyntn bie ©ünbe leidjter eingebe, wie geroiffenlofe 
SBirte SBleigucfer, garbftoffe unb ©pirituö bem SBeine ju* 
fefcen, um il;n „ftiffiger" gu mad&en. 

©oldfje ©pridjtoörter finb: „J)er 3Renfd(> lebt nur ein* 
mal," — „ßinmal ift feinmal/' — „ßomint Seit, fommt 
9lat," unb anbete meljr, bie alle ben 2etd;tgeljergten ba3 
©eroiffen gefdfjmeibig galten, inbem fte oom £fjun unb Saffen 
beö SWenfäen ben ©ebanfen an bie aSerantmortlidjfeit fern* 
rütfen unb in [cf;einbar gang um>erfängli<$er ©d;alfl>eit gut 
©tunbe ber SSerfudjjung iljm guflttfteru: „©reif gu, bummer 
^eter!" 

3freilid&, bie ©prfid&e fönnen nid;td für tljren ©ebrau$, 
fo wenig wie ber giftige fjingerljut unb bie StoHfirfclje für 
bad Ueble, baö fie etwa anftiften, oerantwortlid^ gemalt 
werben fönnen; bie legen es ja and) nidjt barauf an, ben 
SKenfdfjen an Seib unb ©efunbljeit gu fd&äbigen, fo wenig 
fie baoon wiffen, bajj fie in ben 3tegepten ber Slergte afe 
Digitalis unb Belladonna oorfommen unb gu Ijeilfamen 
Xranleu »erbraut werben. @3 Ijätte ja ben beften ©djjidf 
unb bie red;te 9lrt, wenn einer bebaute: ber 3JtenfdS> lebt 
nur einmal auf ber SÖelt, baljer foll er*8 fo red&tfdjjaffen unb 
e^rlid^, bafj bieg eine 9M ficlj aud) auSja^lt, baf$ feine 
SJtitmenfdfjen nid;t benfen, e3 märe bies eine üJtal fc&on gu 
oiel gewefen, fonbern baf$ fte iljm. nad&fagen, er märe i^nen 
gu Seib hinweggegangen. SDäd^te einer fo, unb Ijielte er fidjj 
banadjj, ber ©egen feines StngebenfenS fäme nodj> feinen 
ilinbern gu gute. SBefänne ftdfj einer bei allem ©uten unb 



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222 Äalenbergcfd^ten. 

Sledjten, baS er unternimmt: „©nmal ift leinmal, 1 ' unb 
ftünb' nidjt an, c§ gu wieberljolen, bann läge mefjr als breU 
fachet ©egen in ben brei SBorten. ©agte fid^ ein anbetet 
bei allem unbebauten 23jun, gu bem iljn £afj, ©ferfud^t unb 
fonftige blinbe Seibenfd&aften anreigen wollen: „§alt ba! 
Äommt 3eit, lommt Stat!" S)er SDlann wäre flug unb 
red&tgejinnt. 

©o aber bebenft, bejtnnt unb fagt jtdjj faum einer, ber 
obige ©pridjjmörter im SJtunbe ffifjrt. w 3)er üJtenfcfc lebt 
nur einmal auf ber SBelt," eifert jeben an, gugugreifen, wo 
etrca3 gu Ijolen, an ftdj gu rapfen, was gu fyaltn ift; was 
märe ber f$ud>8 für ein 6fel, ber ©ans ben Äragen, ben fte 
iljm barredft, ntd;t umgubrefjen, was ber SKarber für ein 
§afe, ben befdjlid)enen, fdjjlafenben $üljnern nidjjt baS Slut 
anzufangen? 2BaS fteeft benn auc$ anfängliches ba^inter, 
ft$ ber greuben beS fiebenS gu bemächtigen, mögen audj> 
anbere ein wenig barunter gappeln muffen? 2>anad& fragt 
freiließ leiner, was eigentlich hinter ben gepviefenen greuben 
beS gebend ftedfe, unb ob e$ fid^ loljne, ihretwegen ein aubereS 
gappeln gu machen? 

„ginmal ift lemmal," fagt ber ©aufauS, ber feinen Staute 
heimbringt. „Einmal ift feinmal/' fagt baS lieberlictye SBeibS* 
bilb, fo oft eS aujjer §auS läuft, ober inner nier SBänben 
Uebel t^ut. „ßinmal ift feinmal, " fagt ber junge 2)ieb, fo 
oft er feine Singer nadjj fdjjlectytbemacljtem fremben ©ute 
ftredt, unb infofern ift biefes ©prid&mort roojjl ein SBaljrs 
wort, benn bei bem einen 9Ral bleibt es leinmal. 

„Jtommt £eit, fommt 9tat," wirb oft gefagt, wo ber 
redete, ber befte 9lat gur §anb liegt unb biefe aus fjfautyeit 
ober Soweit nidjjt banaef; greifen mag. 



@S war ba in — SJtooSftrdjjen wollen wir ben Ort 
nennen — ein Ijäbiger Sauer, nalje ben äJiergigen, fein 
Seb'lang 1 ift ber ein luftiger »ruber gewefen, als Änedjt 



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(Sine @ef$ic$te tum Böfcn ©pri^roörtem. 223 

Ijatte er es burdjj feine affjett frö^Hd^c Saune ber Säuerin, 
bei ber er julefct im SMenfte geftanben, angetljan unb bie 
woljl ad^t Saljre altere, nodf> gut erhaltene unb beffer be* 
ftanbene SBitib geheiratet. 3roar faljen bie angefeffenen 
Sauern ben neuen, t>om Anette jum $errn geworbenen 
©tanbeSgenoffen anfangs fctyeel an, audj murmelten fie, wenn 
er im SBirtgljaufe aufjog unb grof* tr)at, etroaS r»on einem 
Sumpen, ber mejjr ©lücf l)abe, als er uerbiene, unb er fonnte 
ed nid(jt gut überhören, benn fte murmelten ba$ nidf;t in 
ifjre SBärte, bie meiften gelten iJjr Äinn glatt, unb für bie 
wenigen, bie ein furjeä SBartbüfdjel an ben Dljren trugen, 
märe baS $ineinmurmeln fcF;r befc^merlic^ unb laum burdf)* 
füljrbar gemefen. ©er SBiefner Safob aber fragte nidjtä 
banadf; unb ladete unb fd&roänfte fid^ in furjer Seit in i^ren 
Jtrete hinein, unb fie liefen ben närrifetyen Teufel, bem man 
nietyt feinb fein fonnte, f<pef$lid& gerne als tyreägleid&en 
gelten. 

Auf bem $ofe beS luftigen Säuern biente von Äinb auf 
ein junger Surfte, ber ©oljn blutarmer Stoglöljneraleute, 
benen bie Säuerin rooljlroollte; afö ber junge SKenfd^ jum 
üJtilitär mufjte, baten feine @ltern, bie Säuerin mochte tfjnen 
bodjj bie ©uttljat ermeifen, bie ©dfjroefter beS ©olbaten, ein 
eben mannbares 2)irnbl, aufzunehmen, bamit fie nunmehr 
bie dou ber ©dfjüffel roegbefämen. 2)ie Säuerin oerftanb 
fidf; baju, unb ein paar Sage, bet>or ber Sruber einrüdfen 
unb 2lbfd)ieb nehmen mufcte, traf baä SDtäbdjjen an bem 
neuen UnterfunftSorte ein. 

©er SRefrut mar ein faft menfcljenfdjjeuer Surfte, er galt 
für einen, ber ftdjj viel unnüfce ©ebanfen madjje, ju benen 
er felbft fein freunblicf)' ©eftdfjt jog; nie ^atte man iljn mit 
einer £)irne fd&äfern feljen unb nur bann lachen, roenn Ujm 
irgenb thoaü jugeftofeen, baS i^m ganj roiber ben ©tridfj 
ging. 93id )u bem Stobe beö erften -KanneS ber SBäuerin 
unb bem S)ienftantritte bes SBiefner Safobs beamtete man 
bie ©onberlidljfeiten beS jungen ÄnedjjteS wenig; tum bem 
Sage aber, roo ber luftige ©djjroerenöter, ber gar balb 2fa* 



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224 Äalenbergeföt<$ten. 

Iaf$ Ijatte, fidj als fünftigen Sauern aufjufpielen, ben 3fu& 
in bie SQSirtfd^aft fefcte, war e3 oorbei mit ben ruhigen 3ei* 
ten für ben „oerbangelten ©auertopf" unb baä anbete @e* 
ftnbe eiferte bem „freusftbelen" Dberfnedjjte unb fpäter bem 
neuen £erru nadj, in meljr ober ntinber unfeinen Späten, 
©tidfjelreben unb ©djjelmftücfen; ber aber, auf ben äffe boö-- 
Ijaften ©treidle angelegt waren, erregte fd^Ke^Hd^ noty ben 
2(erger ber anberen babur$, bafc er ftc§ von feinem Slerger 
fo wenig merlen lieg. 

9iur einem 9Kenfdjjen fcljlofj ftdj ber junge, emfte Surfte 
an, unb ba§ war ein armer, alter, bucfliger ^Itcffd^neiber im 
3)orfe, ber nebenbei auä) SRuftf betrieb, tnbem er an ©onn* 
tagen in ber ßirdje auf bem 6F;ore unb jur f^afd^tngdjeit 
auf ben fomjböben bie ©eige ftridjj. Oft fajjen nadj §eicr* 
abenb in ber bumpfen äBerlftube bie beiben ungleichen 
©efeffen beifammen, unb ber junge laufdjte mit Sfobadjjt 
bem gerabe nid;t fünftlerifdfjen ©piele beS alten. 2Ba3 oer- 
fd^lug aud; ein ©viff baneben, wenn baS ©anje efyrlidjj ge< 
meint war? 

SBiel fdjjmerer fiel bem angeljenben ©olbaten ber STbfc^ieb 
von biefem feinem gfreunbe, als von ber ©djmefter, bie in 
feinen Stugen, eben weil fte eine SDirne, bodjj nur eine 2trt 
untcrgeorbneteS ©efdjöpf war. 9Rit ber SRofel madjjte er 
wenig Umftänbe, er fagte \f)x „Seljüt ©Ott!", ermahnte fie, 
brat) unb redjtfdjaffen ju bleiben unb reichte iljr bie $ario, 
fdjjalt fte — ba tljr frönen ins 3luge traten — ein bummeS 
35ing, baä flenne, wo e3 nichts ju flennen gäbe unb nur 
©org* tragen fofft\ bafe fidjj baju nidjjt anberweit ein Stnlafj 
fänbe. 

3)er Surflige mujjte tljn aber ein paar SBegftunben aufcer 
DrtS begleiten; auf tfjn fpradjj er lebhaft ein, gebadete affer 
alten (Erinnerungen unb erflärte, wie er fiel) feiner Sei* auf 
baS SBieberfeljen freue; in ©efunbljeit unb 3ufriebenljeit, 
fefete er (jinju. Snbltdj mufjte et ben müben 3tlten bod[j ben 
£eimweg antreten laffen. @r Rüttelte bem greunbe meljr* 
mal§ bie £anb. 



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(Sine <3ef$ic$te von böfen 6pric§ntörtern. 225 

„S'&üt ©Ott, Bornas! 8't)üt ©ott unb" — er jog 
bte ©tirn in galten unb flüfterte t&m gu — „wiffft mir nod> 
eine Sieb' tljun, fo fdjjau auf mein* ©djjwefter!" 

3)er SKtc biidfte erftaunt auf. „3e, was wirb ba audjj 
Diel g* fdjjau'n fein? 33etm äBiefner Salob tS bie gut auf* 

g'f)o&'n." 

35er Sunge falj iljn mit gufammengelniffenen SKugen an. 
„aJtemft? 5Ro, ni| für ungut, fofft' ic& btd& gleid&wofyl um 
nötig bemülj'n, aber tlju bodjj, wie id& bir fagM" 

„2Bte b 1 wiffft, wie b' glaubft, idj> ^alt' bir fdfjon beugen 
auf. 3Rein' £anb brauf!" 

©o fd^ieben fie. 



auf bem ©eljöfte beS SBiefner Safob wud&S bie Keine 
Slofel ju einer gar netten, braffen 3Mwe Ijeran. 3)ie Surften 
fagten iljr, wie fauber fte werbe, unb eines XageS, als fie 
mit bem ooffen SBafferguber unter bie ©tafftljür trat, ftrammen 
©anges unb bie runben 3lrme, trofc ber ©d&were beS ®e* 
fäjjeS, fo neroig unb praff emporgeljalten, ba fjörte fie audj) 
ben Sauer fagen: „©dfjau, wie bie fauber wirb!" 

SSon ber Seit ab fdjäferte er audjj mit iljr wie mit ben 
anberen 3)irnen auf bem §ofe, juft nidfjt gar fein, eben natfj 
Sauernart, aber fie Ijatte beS fein 2trg; äffe Heften es fi<$ 
gefallen unb lachten bagu, unb Unrechtes fonnte nidjjt babei 
fein, ba felbft bie 33äuerin, wenn fie bajufam, iljren ©pafj 
baran Ijatte. 

SRofel war eljrlidjjer Seute Äinb unb — wie baS gewöhn* 
lid&e SRebenSart — djriftlidfj auferjogen, leiber fetyrt aber bei 
ben Seuten bie #eUsleljre Ijäufig ebenfo übel wie bie §eil* 
funbe, waä für biefe bie Duadffalberei, ift für jene ber Aber- 
glaube, bie wenigften fragen banadfj unb achten barauf, aus 
welken Anfängen unb SÜnläffen ©ünben unb Äranfijeiten 
erwad&fen unb fie befallen, fonbern erft, wenn ber ©d&aben 
ausgebrochen ift, foff ein SCranl, ein Sßflafter, eine ©albe 

«mettgtube«, (Bif. ffl«!e. V. 15 



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226 Äalenbergefdjicf)tert. 

ober eine Steltquie, eine SJteffe, eine 2Battfa$rt alles mieber 
mettmacfjen. 

Site bic 3)irne auf SBiefnerS ©c^öft lam, mar fie ntdjjt 
Beffer f nid^t fc^Iec^ter, nidjt flüger, nodjj frömmer wie otele, 
aber fo eitel wie bie meiften, unb unter biefen vielen unb 
meiften brauet man juft ntdjjt allein Sauembirnen gu oer* 
fteljen. 2Ba3 jte oor ben anberen -Kägben oorauö Ijatte, 
baS mar tfjre unoerborbene Sugenb; aber gerabe baS, roas 
fie fjätte fdjüfcen foKen, baS unerfahrene finblidje SBefen, 
marb if)t SSerberben. 

60 fdjjiejjt benn bem nodjj lange leine taufenb 2Bodjen 
alten Äinbe mit einmal ber fpi$bübifd(je ©ebanfe burdjj ben 
Äopf, mie gar nidjt übel ba§ märe, bei bem Sauern allen 
anberen ben Slang abgulaufen unb ba auf bem £ofe tttoaZ 
oorjufteffen. ©ie badfjte ftdjj baS fo luftig, wie fte bie anberen 
alle ärgern unb ben Säuern gum beften Ijaben wollte, unb 
nun begann fte, wenn er in feiner ungefdjladjten SBeife fte 
nedfte, ftdS) gu gieren; fie fud&te burd& Üebelnetynen, Stuf* 
begehren, SRaulen unb £rofcen gu erproben, was er fid^ woljl 
oon tljr gefallen laffen mürbe. 

@r aber ladete nur bagu, baS ©teidSJe tljat hinter iljrem 
Slüdfcn baS ©eftnbe, bei bem es nun für ausgemacht galt, 
„bie Sttofel mär' gang närrifdj in 'n Sauern g'fdljoffen" ; an 
fte aber fd^Iid^ man |eran , gog bebeutfam bie Slugenbrauen 
empor unb raunte iljr gu: „3Jtan merfe woljl, ber mär 1 fdjjon 
gang aus ber Sßeif in fte oerltebt." 

Sei einem Sauern, ber ftreng unb ftramm feine 2Birt* 
fdfjaft leitet unb auf $ud)t unb (tfyx* im £au3 unb unter 
bem ©eftnbe Ijält, Ijätte bie ®irne gu berlei gefährlichem 
©piel meber Slnlajj nodji 3*ü gefunben; audjj ein minber 
©eftrenger mürbe woljl ©tjrbarfeit falber, um ftd[j oor bem 
©eftnbe ni<$ts gu »ergeben, ber Sungmagb baS ärgerliche 
SBefen balb oerfeibet Ijaben, aber ber SBiefner Safob, ber 
feinem Slnwefen nidjjt triel anberS, mie ate ehemaliger ©rofc 
Ined^t oorftanb, ber fragte wenig nadjj bem ©djjicffamen unb 
mar nidfjt ber SHann bagu, ftdjj unb anberen einen ©pafj gu 



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(Sine (Sefdjtdjte r>on fcbfen ©pricfjroörtern. 227 

»erberben, et brüdfte gerne ein Sluge ju, n>o er einen foldjjen 
um bie äßege glaubte. 

©o nasführten fid^ benn bie beiben Seute eine geraume 
SBeir über, bis ber alte gudjä badete, ob eS nid^t eigentlich; 
boc§ baS luftigfie märe, menn er bem jungen ©änSdjjen ernft* 
lidf) an ben fragen ginge? 

3e, luftig rooljl, fd&ön juft nidljt! 

3)ie armen £aglöljnerIeut , Ratten baS unbefd&oltene Äinb 
auf £reu* unb ©lauben baljer an Drt gefdjjitft unb oer* 
meinten eS in befter Dbfjut, unb roaS lonnte alles für 93er* 
briepdfjfett, Ungelegenljeit unb Ueberlaft aus einem 9Rifc 
brause btefeS Vertrauens entftefjen? 

„@i ja!" fagte fid& ber SBiefner. „ätöer ben Teufel audjj 
(er ^atte nid^t unredfjt, ben babei Ijeranjujieljen), bin idfj'S 
ni$t, fo ift'S ein anbrer. (Sntgefjt mir ber ©pajj, mödjjt'S 
nudj mein Sebtag reuen." (Siele Seute bereuen bie be* 
gangenen ©ünben md&t fyalb fo oft unb aufrichtig, mie bie 
unterlaffenen.) „üJtan mujj audj nit immer gleid) aufs Stergfie 
beulen, roaS folgen fönnt'; u>eif$ tdjj bodjj oon mir unb 
anbern, mie oft mir ©dljiefrig'S angefaßt Ijaben, unb 'S ift 
aDjett glatt abgelaufen; machet' fid& ba ein'S ©ebanfen, 
I)öret ftdj alle $reub* auf, unb ber 9RenfdSJ lebt nur einmal 
auf ber Sßelt!" 

©o mar ber SBauer mit ftdjj ins — unreine gefommen. 

SBeldjjer 93efdjjmetd;elungen, Störungen, roofjl audjj (Sin* 
fdjjüdjjterungen er ftc§ gegen bie SMrne bebiente, mag unerjäljlt 
bleiben; genug, er fpielte falfd&eS ©piel unb — fonberbar 
— berfetbe Trumpf, mit bem er bie arme Sföagb iljrem guten 
ßngel abgewann: „@inmal ift leinmal, " follte tfjm ben 
Teufel oom Seibe galten. „@inmal ift ja feinmat!" 

©r t>erfud(jte audjj fofort gegen SRofel fremb ju tljun unb 
ftclj oon Ujr fernju^alten, aber fte war ju ftolj, ju$ baS 
gefallen ju laffen unb ftnbig genug, um es IjerauSjufjaben, 
bafc fte, rote ber #anbel nun liege, ben Sauern, ber aus 
eJeigljeit oor Ujr baoonlief, rooljl audjj jmingen fönne, tljr — 
ebenfalls aus geig^eit — roieber nadjjjulaufen. 33ei ben 



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228 Äalenbergefdjidjten. 

furjen Segegmmgen, wo er tyx nid^t auSroeidjjen fonnte, 
trug fte balb leibig unb traurig, balb fred& unb aufbringt 
eine SSertrauIidjfeit jur <&ä)avi, bie tfjn erfdjjredfte unb ein* 
fd&üd&terte unb f$liefili$ oeranlafjte, ftd& mit xf)t raieber auf 
guten $uj$ ju fieffen, unb in lurjer Seit merfte er an ber 
©djjlaul)ett, mit ber fte iljn gegen Seute, bie xf)X nidjjt &u 
©eftdfjt fianben, aufju^en raupte, an ber (Sntfdfjiebenljeit, 
mit ber fte iljren SSorteil über iljn verfolgte, bafj eä bie eitle 
SMrne eigentlich barauf abgefeljen fyaht, ifyn, fo lang unb 
breit er mar, in bie Sfafdfje gu [Rieben. 

£>a Ijörte nun bo$ für ben SBiefner SafoB aller ©paf$ 
auf, er begann ju bangen unb gu forgen. 2)a8 fonnte nimmer 
länger fo fortgeben. Sßo^in follte eä and) führen? @3 
mufcte ein @nbe bamit ijaben! @r aber raupte tljm um fo 
weniger eines ju fmben, ba ftd^ mit einmal in baö ®ani* 
ein neuer Jtnoien fjineim>erfi$te. 

3ln einem frühen 5Rorgen !am iljm bie gungmagb in 
ben ©arten nadjjgefd&lid&en, warf ftd> tljm an ben $a(§ unb 
tljat ein ©eftänbnis, baS unter jroeien Seuten, bie {i<$ in 
Xreuen unb 6§ren angehören, Ijelle greube Ijeroorjurufen 
pflegt, wobei ba8 SBeib befdjjämt unb ber üJlann faft ettoaS 
grofetjjuerifdjj oor ftdjj fyinblidft unb bie Beiben lieben, oer* 
legenen, gar ein wenig oerblüfften ©eftdjjter mit gefunbem 
Slot fid^ färben; Ijier ftammelte fte e8 in Ijerjbeflemmenber 
Shtgft unb er fyörte e8 mit erfdjauembem ©djjredf unb beibe 
ftarrten ftdjj btctd^ unb fpradjjloä an. 

©ine geraume SBeile ftanben fte fo, ber Sauer mit nieber« 
gefd&lagenen Slugen unb bie 3)irne ratlos ju iljm aufblidfenb, 
ba machte er ftdjj oon iljren Slrmen frei, ftridf; ftclj baS fd&on 
ergrauenbe £aar von ber fdljroeifttriefenben ©tirne unb fagte: 
„2af$ gut fein; bereben unb überlegen nrir'8 fpäter, nodj) 
eilt 1 « nit. Äommt 3«t, fommt 3tat!" 

3)amtt ging er Ijmroeg. 

©o geljt e3 ja für gemö^nlid^. SBenn einen bie folgen 
einer Sljat plöfcltdj} fdjjeu mad&en, bie er oljne Äopf begangen, 
fo Ijat er ben nidjt erft barübet }u verlieren; bafe er iljn 



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©ine <&ef$i$te von (Öfen ©prtdjroörtern. 229 

aber in folget Sage roieber fänbe, gehört gu ben feltenften 
ausnahmen. 

Unb wie nal|e tyätte auclj ba nodjj ber redete Stat gelegen, 
Sauer, wenn bu nidjjt mit @igenfud()t, Seidfjtfmn, ©dfjroänfen 
unb ©knurren DoHgeftopft gewefen roäreft, rote eine Äinber* 
puppe mit ©ägfpänen, fonbern au$ #erg im Seibe gehabt 
jjätteft! 3)aS würbe bir gugerufenljaben: „9tun bu es fträf* 
lid^crtocif einmal arg gemalt fjaft, fo uerljüte bodjj, bafj es 
ärger fomme! SBeru^ige bie S)ime über bie nädjjfte 3ufunft, 
bie tljr beoorfleljt, treib fie nidjjt gur SSergroeiflung, gielj ein 
anbereS unfdjjulbigeS SBefen nidfjt mit hinein in tljren 33er* 
berb, beruhige fte über bie 3ufunft *** ÄinbeS, baS ja bodjj 
bein ßinb ift!" 

60 §ätte, wie bie S)inge nun einmal lagen, bodjj baS 
Uebel nodf> leiblich ablaufen lönnen. 

Slber es btinfte iljm närrifeij, einer folgen „uer^öllten" 
©efd&id&te wegen tief in ben ©a<f langen gu foHen. $alj, 
mefjr als einer war audjj nid^t gewtffen|after, unb meJjr als 
eine fd&idfte ftdjj gemadjj in baS, mag fam unb läuft Ijeute nod& 
auf ber 3Belt Ijerum. Sfat beften, man läjjt baS bie SBeibSteute 
allein auSbaben, fo fommt iljnen mit ber Seit aud^ SHat. 

@r lief* es bie Sirne audjj allein auSbaben. ©er Säuerin 
mar mittlerweile baS SBefen unb treiben ber Sungmagb 
bodf> unlauter uorgefommen; fte brang bei bem Sauern auf 
beren (Entfernung, unb ber SBiefner, bem bieS gang erwfinfdfjt 
f am unb ber baburdjj gletdfjgettig ben 33erbad(jt feines 2BeibeS 
gu entlräften fudjjte, überlief es ber Sitten, SRofel Änall 
unb gall aus bem #aufe gu jagen. 

S)er mar iljre 3eit immer näljer unb näljer gefommen, 
aber frember 9tat weggeblieben unb eigenen fanb fte leinen, 
derjenige, ber tljr gu raten berufen, ja ©erpflid&tet mar, wujjte 
jeber Begegnung auSguwetdjjen, unb jefct, wo fte, auf bie 
©trafje geworfen, mit trodenen, unfteten Slugen nadf> bem 
©eljöfte ftarrte, fajj er gar nidjjt ba^eim, mar naefj „aus* 
wärts" gelaufen unb lehrte wofyl nidjjt früher mieber, bis er 
badete, bafc nun alles gefd&eljen unb vorbei. 



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230 tfarenbergefdjidjten. 

SBoijtn nun? Su bcn eitern? 

Sljre ^nger, bie baS %ud) mit ben wenigen ©abfelig« 
fetten gelten, frampften ftdjj bei bem ©ebanfen ineinanber. 
9iie fonnte fic fo, wie fte war, es roagen, unter bie jerlump* 
ten, nadf> 33rot fdfjreienben ©efdSiroifter, cor bie burdfj 9iot 
unb (Slenb uerljärteten unb erbitterten (Sltern ju treten; fte 
mußte fürchten, Söli^anblungen ju erliegen. 

Stur ber Sauer, er allein, n>ar an allem ifjrem Sammer 
fdjjulb. £ätte fte i§n nie mit Slugen gefeljen, ifjr mär* all 
baS gebrannte £evjeleib, alle Demütigung t>or ftd^ felbft unb 
oor ber Sßelt, unter ber fie jur ©tunbe litt, erfpart geblieben. 
©ie fjatte allerbingS re$t, aud(j bann redjjt, ttfenn er etwa 
bagegen geljöljnt Ijätte, wenn er nid)t, fo war* es eben ein 
anberer geroefen, ber ftd; ifjre Unerfahrenst ju nu$ gemalt, 
benn baran fonnte fte rooljl jroeifeln, ob ein anberer in 
gleichem gälte auä) fo an tfjr geljanbelt Ijaben mürbe. 

3Ran falj es t>om ©eljöfte aus, wie fte broljenb gegen 
baSfelbe ben 2trm f Rüttelte, bann ging fte langfam Ijinrocg 
über bie SBiefengrünbc unb t>erfd&roanb im na^en SBalbc. 

9ta<$ 3Jtitternad&t machte eine loljenbe Sranbröte ganj 
SKooSfirdjjen lebenbig unb burd&einanberlaufen. S)er naf;c 
bem SBiefnerfdjen #ofe auf freiem gelbe fteljenbe „©tabel" 
brannte li$terlol>. @S mar baS ein ©ebäube aus SWegel* 
roänben, mit einem 33retterbadf>e barüber unb #eu* unb ©trol)* 
oorräten barin. 21IS bie Seute fjerjugerannt famen, mar 
nidjjts mel)r ju retten; fo blieben fte benn gaffenb unb platt- 
bemb in ber 9tälje ber S3ranbftätte fteljen unb fallen benv 
gfeuer ju; gerabe als fte am eifrigften bartiber ftritten, ob 
festeres gelegt ober bur$ bie tJeudfjtigfeit bes #eues oeran- 
la§t roorben fei, brad[j unter fürd)terltd(jem ©efradje baS 3)ad; 
ein, bie SBänbe barften unb trümmerten fjinterfjer, unb aus 
bem bampfenben ©efd^ütte ftoben bie gunfen, bann ledften 
no<$ fjie unb ba glammenjungen tyxvox, enblidfj ftieg nur 
mefyr ein fdfparjer Dualm auf, ber cor bem SBtnbe l^er in 
bie $eibe tynauStrieb. 

©leid) nad[j bem gemaltigen Sdrm mar man ein wenig 



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(Sine ©efd&id&te oon fcöfen ©prtcIjTOÖrtern. 231 

eingefdjtidfjtert unb raunte ftdfj nur S3emerfungen $u, bie bieS* 
mal nidjt mel>r bcm gfeuer, fonbern bcn baoon betroffenen 
galten. 3Jlan bemitleibete bie Säuerin, bie Ijänbermgenb 
unb Ijeulenb bte 93ranbftätte umfreifte, unb fanb, bajj ber 
SBiefner Sjafob, ber baS arme SBeib fo allein oerjagen lieft, 
bod) ein gar ju auSbünbiger Sump fei; ftatt ber armen ©eel' 
itjre SBefümmerntS tragen &u Ijelfen, liege ber ©üffling im 
Sette unb fd^lafe feinen SRaufd^ aus, benn im SBirtSljaufe 
mar er Ijeute von oielen gefe|en morben unb frül) ba^in? 
gelommen unb fpät baoongegangen. 

2tls es nichts mefjr ju flauen gab, verloren ftd; bie Seute 
allmäl)li<$, wobei fte mieber lauter mürben; bagegen mürbe 
bie 33äuerm, bie bisher am lauteften geroefen, nad^bem fie 
gefeljen, bafj lein ©pan unb fein $alm übergeblieben, ganj 
fülle unb fdjlidfj langfam naä) bem .§ofe jurüd. 

SKm nädtften SKorgen machte man eine grauftge ffint* 
bedung; inmitten ber 33ranbtrümmer fanb man einen uer* 
fohlten unb oerftümmelten roeiblidfjen Seidjjnam. 3)ie fjerbei* 
gerufene, gerichtliche Äommiffton mar balb in ber Sage, bie 
aufgefunbenen Ueberrefte für jene ber Igungmagb SRofel &u 
erllären, bie 9Serftümmelungen rührten offenbar oon bem 
ftürjenben ©ebäW unb SRauerroerl Ijer; nadjj ben geugen* 
ausfagen beS bei SBiefner bebienfieten ©efinbes, fomie aus 
ben (Srgebniffen ber ärfttlidfjen Sefdfjau mar es nur affju 
waljrfdjjeinlidfj unb naljeliegenb, bafj bie über il>re SBegjagung 
erbitterte 3)irne ben ©djjupfen aus SRadjje in SBranb geftedt, 
mobei fie entmeber felbft ben £ob in ben flammen gefugt 
Ijabe, um ber broljenben ©d>anbe ju entgegen, ober burdjj 
Sufall oerunglüdt fei. 3m Sßfarramte, ju meinem SRooS* 
ftrdjen gehörte, fd^fofe man fid> biefer legten, milberen Stuf- 
faffung an, roeldfje ber SSerunglüdten ein ©rab in gemeinter 
©rbe fidfjerte. 3)er SBiefner Safob gemann burdjj fein 35er* 
galten in biefer traurigen Angelegenheit mieber etmaS an 
Slnfeljen bei ben Seuten, man nannte i^n einen leid^tftnnigen, 
aber guten ßerl, ba er ber Stoten nid)ts nachtrug, fonbern 
alle Äoften für beren Seerbigung beftritt, bie in aHer ©tille 



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232 flalenbergefdjidEjten. 

oor ftc3^ ging. £ur jweiten SDlitternadjjt nadfj jenem SJranbe 
falj fd&on ber weite #immel mit feinen blinfenben ©ternen 
unb ber fallen 2Jlonbftd[jeI auf baS ©rab ber Sungmagb 
Ijewieber. 



SllS man ben auffattenb {leinen ©arg in bie ©rube 
gefenft Ijatte, mar audjj ber budflige glicffd[jneiber babei geftan* 
ben. ©r Ijielt bie Slugen ju Soben gefenft, unb oft fd^auerte 
er guf anraten* als ob itjtt baS lieber Rüttelte, fo bafj tljn 
bie 9iädjjftfteljenbett befragten, was iljm fei. @r fagte, es 
feljte iljm nichts. 

9ln bem ©rabe falj man i§n julefct, bann mar er aus 
bem $)orfe uerfd&munben. 

Slm jweiten -Morgen barauf falj man Ujn in einer Keinen 
©arnifonsftabt in ber Äantine ber Jtafeme beS bort ftatio* 
nterten Infanterieregiments; ber S5ruber Stofels befanb fu£ 
an feiner ©eite. 

2tufjer ben beiben mar fein ©aft in ber ©tube, ber SBirt 
mar fjinter bem ©djjanftifdjje eingebufelt unb niefte oor ftdjj, 
ungefüge fliegen trieben tljr unflätiges SBefen unb jagten 
in bieten, furrenben ©d&märmen oon Drt ju Drt. 

©er ©olbat ftarrte fdfjweigenb auf bie ftifdjjplatte, ber 
Sucflige beobachtete if)n mit ängftlidjen Slidfen, plöfclidfj 
erfaßte er mit beiben £änben bie SRed^te, bie jener medjjanifdf) 
nad& bem Sßcinglafe auäftreefte. „Seit," rief er, „Seit, bu 
wirft mir'S nie unb nimmer oerjeiljen fönnen!" 

„2BaS benn?" fragte ber ©olbat erftaunt aufblidfenb, 
„was fannft benn bu bafür? S)ie SRofel, obwohl meine 
©d&wefter, mar Ijalt audjj nit g'fd&eitä: mie bie meiften. 3$ 
Ijab'S bodlj nit fo g'meint, wie idjj biclj bamals gebeten, auf 
fte ju fd&au'n, ba| idjj bidjj für jte Derantwortlid^ machen 
möc|t\ SBiff eine ein' ©ummljeit begeben, $itft alles 2lb* 
mahnen unb #üten nij. SKein ©Ott, baS arme aRenfdjj war 
Ijalt oormifcig, unb nun iS'S tnettetd&t beffer für fte," — er 
oeraog wehmütig läd&elnb ben SWunb — „baj$ iljr 'S oorjeitig* 



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(Sine ©efdjtd&te wn böfen ©prtdjroörtern. 233 

@nb f erfpart $at, völlig gu erleben, n>a§ nod& nad&Iommen 
n>är\ ©ott troff f!" 

„SRein, nein, SBeit," feuchte ber Slitffönetbet, bie 
£cmbe abroeljrenb fdfjüttelnb unb bann ineinanberringenb, 
„bu tneifjt nit aUeg. 2Bär' id& nit dou Mutterleib tyer fo 
ein aerljöllter, elenbiger Ärüppel, bie SRofel lebet tnetteidjt 
ijeut nod&!" 

„Sift irr'?" 

„@ar nit, Seit, gar nit. Slber beben!, es te bodj> ein 
fdjredfKdj' ©nb', was bie ®irn* genommen Ijat, icty muj$t' bidfj 
bod^ erft vorbereiten, idf) muj$t' bodfj crft miffen, wie V bid; 
^inetnfd^idCft in baS ©'fdfjeljne, elj' ic§ bir rcben lann, roaä 
idf) mutmaß Dom Hergang." @r neigte fid^ oor unb flüfterte: 
„2)a3 war lein ©elbftmorb, — ba§ war fein SBerunglüdf en, — 
baS war ein anbereä." 

„Stomas 1" fd^rie ber ©olbat erfdfjrecft auf. 

3)er Sfite Ijielt bie #anb t>or ben 3Jtunb unb minfte mit 
ben Slugen nacty bem fc^Iummemben SBirte hinüber, bann 
fuljr er leife fort: „£ör mid^ an, bu weifit, wenn i<f) beim 
genfter auf 'm 2Berfttfd& fiff', fo gäl)P id& 'm ,golbenen $\x* 
fdfjen 1 gegenüber bie ©äff in bie ©tuben unb toeifc aucty, 
wer trodfen »orüberläuft. 2ln bem £ag, ber i^r legier auf 
'm ©Tjöft war unb auf ©rben fein fotft', ^ab' idfj bie SRofel 
fo gegen Slbenb fünf Utjr, mit 'm Sünbel unterm 2lrm, 
eilig baljerrennen gefefjn, beim ^irfd^en fäljrt f mit ein- 
mal, wie nit g'fdfjett, gum §au§flur ty'nein unb fteljt unb 
paftt, unb audjj gar nit lang, fo lommt von ber anbern ©eit' 
ber SBiefner Salob ang'ftiegen. ©r mod^t 1 rooljl im SRad&barS* 
ort fdfjon 'n 2Bein aerfoft't Ijaben, bmn er ^at ein brennröt* 
©•ftdfjt g'ljabt, bie SBefte mar aufgeknöpft unb 'S £al3tud> 
gelocfert, aber 'm ©ang nadfj Ijat man itjm nig nit anfennt. 
6r biegt in 'n S^ormeg beim $irfdfjen ein unb i§ nit fd^ted^t 
g'famm'ng'faljiren, wie ba mit ein§ bie 35irn' auf ifjn guftürjt. 
§art am Seib, grab unter beugen Ijat f auf iJjn ein* 
g'rebH, ba ftofit er f von ftdfj weg, fte aber Ijält 'n beim 
2lrm gurücf. Sfog'fdfjaut fcaben ft$ bie groei 2eut' fo böä* 



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234 tfalenbergefdjtdjien. 

artig unb tüilb, als möc^t' eins 'S anbete am liebften vergiften. 
®te Stofel $at ein paarmal hinter fid^ g'toiefen, nadf) 'm 
SBiefnerfcfjen Sfaroefen ju, unb ber Sauer Ijat mit 'm Äopf 
gebeut't wie einer, ber, toeU'S fdfjon fein mujj, ja fagt; bann 
waren f\ etj f \ü) nodjj von bem ©tidfj, ben id& grab getljan 
fjab\ auffcljau'n fonnt', auSeinanber. 

„SRadj geierabenb jjab' idf> midf> oor V%f)üx aufs Sanfel 
gefegt unb mein' pfeifen g'raudjjt. (Sin'n um 'n anbern Ijab' idjj 
brüben aus 'm SBirtSfjauS fommen unb (einigeren g'fefjn, nur 
'n Sßiefner S^Job nit, ber is oerblieb'n. 6i, benf idf) mir, 
Sump, fo fauf, bis ntj meljr in bidfj fj'neingefjt. £eb' mid^ 
uom ©ifc, gel)' ins #au3 unb leg' midfj jur 9tul>\ 3n ber 
9tadfjt toerb' idfj munter, juft wie ber SBäd^ter bie elfte ©timb' 
auSfdfjreit, gleich barauf ijör* idfj 'n Ijeranfommen unb mit 
roem, ber oorm §aus auf mein 1 Sanfel g'feffen fein mttjj, 
ju ftreiten anljeb'n, unb an ber ©tirnm', bie 'n fidj> fortfd^er'n 
Ijeifjt, wo er nfe j' fudfjen l)ätt' unb 'n nij anging, erfam' 
idfj b'Slofel. Seffes, fallt mer ein, ber §afcf;er weife ftdfj für 
b* heutig' SKadjjt fein Unterftanb. 3d& faljr' alfo aus 'm Sett 
'raus, beginn* miefj anflujiefj'n, i<$ wollt' nebenan bie alte 
23ergl)0ferin werfen unb bie ®irn' Ij'reinneljmen ju uns. 
2Bätjrenb idfj mic$ nodf; beeil', bajs i<$ ins ©'manb fmb\ 
fommt brüben ber SBiefner auS'm ^irfd^en, an mem'm genfter 
fjufdjjt'S oorüber ifjm nadjj, unb wie idfj enblidfj 'n 9locf über* 
g'ljabt l)ab' unb auf b'©traf$' JjinauStret', fc|' idfj f$on ein 
gut 1 ©tücf cor mir bie gwei £eut' bafyerrennen. 9to, IjerauS 
mar icf; einmal, fo bin idfj i^nen nadjj. 3$ g'ftefj'S frei, tote 
idfj mir ba 3*it, ©elegenfjeit unb alles ©efd&eljene jufamm'* 
gereimt t)ab', is mir fdjjon bang g'weft, fte gingen nit auf 
guten SBegen. 3Kit bem £ornifter, ben mir unfer Herrgott 
fd^on in ber SBiegen auf 'n Slüdfen g'fdljnattt, unb 'm fcfjwa* 
(S)tn ®'fteD, auf baS er mtdjj g'fefct jjat, mar mir'S nit mög- 
lich ba^ id^ fxe ein^ol'; bieSJirn' is flin! auSg'fctyritten unb 
ber Sauer ^intcr^cr auf 'n fjü^en, als f)ätV er *n Xag über 
nij wie lauter SBaffer getrunfen. 3)a| f ober irgenb too^inju 
nad^ ein'm Drt trad;ten, mar mir Rar, unb ba fonnt' id^ 



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(Stne ®efdjid&te oon böfen Sprichwörtern. 235 

bod; woljl an fie Ij'ranfommen, unb wann'3 gilt, bei ber 
#anb fein. 

„SRit waljr war'S, Seit, nit waljr! @in* gHnfern, ein* 
weniger ©'fdfjredften, jein* ganjen 9Rann Ijätt' idfj aus 'n 
gfebern auftrotnmeln unb iljnen nadjjjagen fotten, nit, baj* idjj 
elenb'S #albmanbel tmdf> 'n langen 2Seg abmüb' unb am Drt 
baftefj', fclbcr ein* Seiftanb benöttg'nb! ©ajj idfj midfj in ber- 
felben SRadfjt auf midjj allein uerlaffen f)ah\ wirb mir für 
att mein' nodfj übrige Sebjeit fdfjwer auf 'm £erjen liegen; 
aber bie ©ü' bebenl, SBeit, unb bie £aft, ih ber alles vox* 
g'gangen is, unb bafe idfj bodfj — um 3>efu wiffen — nit 
g'fafet fein fonnt* auf ein* folgen SluSgang, bafc idfj mir nit 
benfen lonnt 1 . . ." 

©er ©olbat Rüttelte ben Äopf unb fprad^: „Sieb nit 
Ijerum, erjäfjl weiter!" 

3)er Sudflige feufjte tief auf: „5W>, idfj wüj$t' nit, was 
idjj b'rum gab', wann idf; nidjjt erlebt ^ätt', wag jefct fommt! 
S)u weifct ja, bafe bie ©trafen aufeer 'm Drt um bas 2Bief* 
nerfdfje ©eljöft eine S3eugung madfjt, baljinter lauft f wieber 
grab fort wie efj'nber, bort münb't audfj ber fdfjmale ©teig 
ein, ber über b'SBiefen naety bem breimal oerfludfjten ©tabel 
füfjrt. 33iS ju ber SBegbeugen Ijab' idfj b'SRofel unb *n 
33auern im 2lug' behalten, bort fein f Derfdfjrounben, unb 
wie xd) Ijemadfj außer 5ltem an Drt fomm', war weit unb 
breit, nit auf ©trafen nod^ ©teig, ein* lebenbige ©eel' meljr 
&u feljn. SBunbcr genommen Ijätt'S mtdfj woljl, wenn ber 
Sßiefner bie 35irn' auf 'n #of g'füfjrt Ijätt', aber wo f fonft 
foEften Ijingefommen fein, fonnt' iety mir nit gfeidfj benfen; 
fo bin xd) benn längs 'm Saun umS ©'työft g'fd^Iid;en, ob 
idfj nichts erlaufe^ . 9fidf;t3 — nichts war ju oemefjmen, 
nodjj gu feljen, im Saumgarten Ijaben »erfd^Iafene SSögel in 
ben heften g'ffattert, burdfj b'Stücfwanb Dom ®taÜ Ijab' xd) 
Stinb unb Stofj pfnaudjjen g'fjört, ein* SSiertelftunb' modfjt' idjj 
midfj fdjjon herumgetrieben Ijab'n, juft wollt' id(> mir einreben, 
idfj war' a Starr unb nix Sftg'S um bie 2Beg' g'weft unb 
beul' auf b'©traj$en Ijinoor unb Ijeimj'geljn, benn ic$ bin 



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236 5talenbergef$i$ten. 

Ijinterm £au8 am rüdfwärtigen &<mn g'leljnt, ba mad&t midfj 
wieber, rote fdfjon früljer an bcr nämUdjjen ©teff', ein Sätm 
aufljord&en, alg ob nit unweit, aber auc§ nit ndf)\ gwei 
ftreiteten, unb wie ic§ nod& 'n ^ate redF, Ijör* ic& übet b* 
2öiefen Ijer ein' ©djjrei, ber mir burdjj 9Rar! unb Sein 
g'gangen i§, bann nodjj ein* — bieSmal beutlic^ »om $cu- 
ftabel Ij'rüber — barauf mar alles fuß. 3c$ wufct'g, auf 
'n erften Stuf Ijätt' idfj guftürgen foffen, aber '3 ©erg Ijat 
mir gefdfjlagen, als wofft'S gum £al8 $'rau3, unb bie güfj' 
Ijaben mir aerfagt, am Saun mu^t' idj midfj anflammern, 
um nit Ijing'f äffen vox ©d&retf, unb wie ic| ba noc§ mit 
3Rü^ midjj aufredet §alt', fommt ber SBiefner querüber, 'n 
fürgeften 2Beg, twm ©Rupfen baljergerannt, bie Slugen IjerauS, 
baS £aar wirr; mir mar, afö l)äü } \<fy audjj Slutflecfen gefeljn 
an ifm; feine gwei ©d^ritt von mir fpringt er mit ein'm 
©a| über 'n Sann, unb in bem Stugenblid Jjat ftd^ alles 
cor mir im ÄreiS gu bre^en angeloben, unb idfj mar nimmer 
bei mir. 2Bie i<$ wieber gur Sefmnung lomm', fdftfagt brüben 
au$ fdfjon 'S Ijeffe geuer gum 2)adjj |inau§. SRit lang, fo 
mar affeö um unb um fd&warg twr gugelaufenen Seuten, idjj 
aber bin oöffig Iran! Ijeimg'fd&lidjjen, lein* 2tug f Jjob' id& feit* 
Ijer nadfjts gugebrad&t, idjj fjab' nur abgewartet, wie bie Ferren 
com ©eridf>t bie <&ad) \id) guredjjtlegen werben, bann bin iti) 
Ijer gu bir." 

„9$ banf bir, Stomas," fagte ber ©olbat, ftdjj ruijig 
oom ©tuljle ertyebenb unb bem 2l(ten bie $anb barreidjjenb. 
„2)u fannft bodj bein @rgäljlteä beeiben?" 

2)er Sucflige nidfte. 

,,©ut, bann lomm mit. 11 

„2Bo$in?" 

„Sfted&t fud&en!" 



©er Sßiefner fafe in feinem S3aumgarten an einem rolj* 
gejimmerten £ifd&e, bie pfeife war iljm ausgegangen, er 
IjQtte ben Äopf auf bie Siebte geftüfct unb festen nac$* 



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(Sine ©eföidjte t>on Böfen Sprichwörtern. 237 

jubenfen. 3Kit einmal tief es übet ben gaun: „©ut'n 
3lbenb, Sauet!" 

3Biefncr blidfte auf unb entfärbte ftd& ein wenig, bet 
©rüfeenbe mar ein Sanbjäget. „Sfadfj 'n guten Slbenb," 
muttte et biefem ju. „2BaS gibt'S benn?" 

„SRidfjtS. Stuf bet ©tteif fmb mit." 

„2luf bet ©tteif? 2Bo Ijabt 'S benn euem ßametaben 
g'laffen?" 

„®et plaubett im #of mit bet Säuerin." 

„Unb öS*) ba mit mit. SRo, mit 'm Sßlaubern werbet 
'S rooljt leine ©pifcbuben fangen, bie laufen berroeil unan* 
glatten auf bet ©ttafjen oorbei. " 

„SRein (Sott, bie £'rumfttomet, bie fommen ein'm nit 
aus unb bie Sfog'feffenen, bie laufen ein'm nit bat>on. ®et 
SKenfcij !ann nit attmeil fleißig fein, et roiff ein roengert 
taften aud&. SSetlaubt'S fdfjon." 35et ©enbatm fd^mang 
fic$ übet ben 3<*un unb fe|te fid> neben SBiefnet, bet, mifc 
ttautfdfj unb abgttnftig blidfenb, auf bet S3an! autücftücfte. 

„©d^aut, unb mnn man avufy feiert/' fujjt bet Sanb* 
jaget fott, „fo lann man boci> 'S Seietn nit laffen, baS 
bringt fo 'S ©efcfcäft mit ftdjj. 3)a roat idfj je$t, roeil idfj 
mit nij ©'fdjjeitetS ju tljun roufct', auf bet Stanbftatt ba 
btüben" — et mies nadjj bem in itümmetn liegenben 
©tabel — „unb l>ab' ticfjtig in bem ©efc^ütt' roaS gefunben." 
@t jog ein palfongenes gfeuerjeug aus bet £afdje unb legte 
es auf ben %ifä. 

„£>aS iS ja mein," fagte bet Sauet, bie §anb banadj) 
auSftredfenb. 

,,©o? ©eit mann verloren?" 

„3)aS b'finn' id[> midfj nit, 'S liegt bod& fein 2ßert brauf. 
©ebt'S $er!" 

„Seroaljr', 'S iS ein Corpus delicti." 

„2)et ©dfjmatr'n? 9io, nut anfdfjau'n laffen. SBietteid^t 
irr' ic§ midjj gar." 

*) DeS = i§r. 



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238 Jtafenbergefd&idjien. 

©et Sanbjäger Ijielt Ujm bas Suchen ganj na^c unter 
bte Stugen, unb afö ber äßiefner fagte: „38 e^ fo, mar 
mental mein/' breite er eä rafd& um. 

„9to, fdfjau, Sauer, '§ t§ boc§ meriroürbig, bafj ba auf 
'm ©djtfbplattel mit ein'm SWeffer einge!ra$t bie Sudfjftaben 
J. W. fteljn. 3)od> bag mirb fu$ fdjjon weifen, mem'8 
ang'ljört Ijat." 

©er Sauer fu^r von ber San! empor unb fdjrie, auf ben 
SCifdf; fdfjlagenb: „2BaS mofft '8 bamit fagen? 3$ frag 1 . . ." 

©er Sanbjäger mar gleichfalls aufgeftanben unb fafete 
iljn am Slrme. ,,©ei g'fctyeit, SBiefner %atob, id& t>er* 
lang* nit, bafc V bidjj l/neinreb'ft, forg bu lieber, wie V 
bidj IjerauSjureben oermagft; mitnehmen merb'n mir bid(> 
moljl muffen." 

Som anberen Snbe beS ©arteng Ijer funlelte im Slbenb* 
fd^ein ein Sajonett. 

„SJtitneljmen? 3Ridf>?" tobte ber Sauer. „SKöd^t' miffen, 
auf ma8 Ijm? Sßeil i^r ba ein* Duarf auffmbet, mie 'n 
£aufenb' in ©ädfen mittragen!" 

©er jroeite Sanbjäger mar Ijmjugefommen, er legte ein 
Heines Sünbel auf ben £ifdfj unb fagte/ mit feinem Äame* 
raben einen Slicf medjjfelnb: „©efunben." 

©er Sauer ftarrte auf ba8 $äddfjen. „Unb roaS is ba§?" 
leitete er, banacjj ben Slrm auäredenb. „2Ba8 rootft iljr 
mir ba roieber enttrageit, tljt ©ieb* — " 

„SWtdSitS, mie ein* SBefte unb ein #emb, bie b* e^ nimmer 
tragen mirft, meil StutflecF brauf fein." 

©a fälligen bem Sauern bie 3^^ne aneinanber, er fan! 
auf bie San! jurüd, unb im 5Ru maren iljm $anbfd&etfen 
angelegt, ©ie beiben Sanbjäger Ijoben itn mitten* unb 
fraftlofen SWenf dfjen über ben gaun, führten t(jn eine !urje 
©trede, ba ftanb ein SBagen bereit, auf ben mürbe ber 
©efangene gefefct, red&tä unb Iin!3 von tjjm nahmen feine 
SBädfjter *piafc, unb baS ©efä^rt fd&ofj fd&nett ba^in. 

@rft nad) einer geraumen 2BeiIe lamen Seute, meldte 
näheres &u erfahren hofften, au% bem ©orfe ^er^ugerannt 



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Sine ®ef$i$te tum Böfen 6prid&n>örtcm. 239 

irnb Brauten bic SRad^rid^t tum SSiefnerS SBerljaftung auf 
beffen £of. 2)te 33äuerin §atte juft einen SPfannfudfjen über 
bem geuer, welker ben Beiben Sanbjägern jugebadjt war, 
beren Sufprudü fie fc^r e^renüott fürs £auS IjieW; ba fte 
nun aber nidfjts anberes hinter bem SSorgange ju mutmaßen 
oermodjjte, als „roieber fo *ne Sauernfeccatur von feit 1 ber 
©eridfjtsfierren", fo naljm fte fd&eltenb bie Pfanne Dom £erbe, 
trug fie nadfj i!jrer©tube unb af$ fie unter SBadfjeBeletbigungen 
unb mit gutem SIppettte rein aus. 

2)ie Suft jum ©gelten wie jum @ffen würbe ber armen 
2Hten ©ergangen fein, Ijätte fie bie SBaljrljeU geahnt; als 
biefe ans Sid^t fam, Ijatte fie ferner genug baran ju tragen 
unb warb ttjreS SebenS nimmer frolj. 



SltS ber Sämmerling jum SSer^öre oor ben Stifter ge* 
Bradjjt mürbe, jerftofj er in S^ränen; er Behauptete eütju* 
feljen, roaS für ein ©d^uft er geroefen, unb fjeulte über bas 
SoS, baS iljm Beoorftanb; es ift aber ^ödjjft roaljrfdfjeinfid[), 
bafj iljn, wie bie meiften tyerjlofen 3Ktffetj)äter, mefjr bie 
StuSftdfjt auf ben ©algen, als bie Stnfid&t in fein inneres 
fo roeidfj ftimmte. 

SRac^bem ifjm vorgehalten roorben, roaS bas ©erid^t in 
Erfahrung gebraut Ijatte, erjagte er audfj, roaS man fonft 
ju roiffen wünfcljte, ben Hergang. 

31IS er \tntn £ag unter bie (Sinfafjrt beS „golbenen 
$trfd[)en" trat, roo bie SMrne iJjm auflauerte, ftürjte biefe 
mit ben SBorten auf xljn ju: ,,2fi), ba bift ja! SBeifct bu 
baoon? SBann nit, fo.fag' i<$ bir'S: 2)etn* S3äu'rin Ijat 
midS) Ijeut fortgejagt. ®a Bin idfj jefct, rote tdfj gefj' unb 
ftetj'. 2BaS fang' id& nun an?" darauf Ijabe er i^r Be* 
beutet, baft iJjn baS nichts angebe unb fte roeggeftofcen. 
hierauf mürbe er t)on iljr am 3lrme jurüdfgeJjalten, unb fie 
verlangte oon tfjm, bafe er Ijtnauf naety feinem #euftabel 
fäme, roo fte ftdfj auSfpredfjen motte. 35aS Ijabe er tfjr, um 



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240 Jtolenbergeföidjten. 

fte log gu werben, gugefagt, aud&, bafc er ftc nid&t allgulange 
warten laffen würbe; worauf fte ftdj entfernte. @r ging 
in bie SBirtSftube unb Jjatte, als er biefe als legtet ©aft 
»erlief völlig auf bie 3)irne vergeffen gehabt; plöfclicjj fei 
bie, wie aus bem Sobcn gewad&fen, neben Ujm geftanben 
unb bann unter fortwäEjrenben ©djimpfreben unb 3)roljungen 
neben iljm beS SBegeS baljergelaufen. 

S3ei feinem ©efjöfte Bog ber SBiefner ab unb ging (wie 
er su Sßrotofott gab) ber SMrn 1 „gulieb unb um auSgu* 
forfd&en, was bie gegen ifyx plane", nad& bem ©tabel hinter 
i(jnen beiben verrammelte er bie ftljür, inbem er eine @gge 
bagegen lehnte, er ttjat bieg abfid&tSloS, benn obgleich iljm 
fd&on öfter unterwegs über bie Sieben ber ©irne bie gaufte 
gejudft Ratten, fo badfjte er bod& nidfjt baran, ftdjj an tljr 
ju vergreifen, jjoffte vielmehr, am Drte würbe beS ©es 
fdfjtmpfeS ein 6nbe fein unb bie Stofel „gefreit mit tljr 
reben laffen". 

Sluf fein Sufpredfjen, fWj gu fdfjidfen unb Ijineinguftnben, 
worein fid^ $unberte unb wobei eigentlich nichts um nodj 
an fei, Ijabe iljm bie Sime Jjöljnifdjj ins ©eftdfjt gelabt; 
trofcbem iljm ba gu 2Rute geworben, i(jr eljer SlrgeS als 
Siebes gu tljun, Ijätte er bodfj an ftcjj gehalten unb gefragt, 
wie er ^rieben mit iljr madjjen fömte. 

hierauf erflärte fte, bafe er bamit gu fpät läme; nad(j 
bem, was feilte vorgefallen, bem StuSjagen unb bem feigen 
Serftedfenfpiel mit iljr, traue fte iljm nimmer, gäbe es feinen 
^rieben meljr gwifd&en iljnen, fonbern nur ©treit. ©te 
brofjte, vorab ber Säuerin alles gu verraten, bann in bie 
©erid&te gu geljen unb für iljr Äinb einen Unterhalt gu ver* 
langen wie für einen jungen bringen, unb bafür foKte er 
weber 3)an! von iljr, noc| Stulje vor iljr fjaben, fte würb* 
eS nidjjt mübe werben, feine ©dfjled&iigfeit unter bie Seute 
gu tragen unb biefe wiber iljn gu verljefcen, folange er lebe 
unb folange fte leben bleibe! 

Sa Ijabe iljn eine Ijeillofe 2But überfommen, bafj bie 
S)irne, fo nichts SeffereS war 1 wie irgenb eine anbere aud&, 



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@tne ®efc$idjte von Wfen Sprichwörtern. 241 

einet folgen einfältigen ©ummljett Ijalber, tljn nicf;t nur am 
©ut fd&äbigen, fonbern audjj feinen ©auSfrieben untergraben, 
feinen Stuf gemixten motte! ©einer nid>t meljr mädfjtig, 
langte er nadfj einer Heugabel unb fd>n>ang beren ©tiel, 
badete rooljl, nur bie ©im* burdfj fein tvilbeS SBefen einju* 
fdfjüdfjtern; als aber bie mit breitgegogenem SRaul an if)tti 
vorüber jur 2$ür ging unb bort bie @gge anfaßte, um 
IjinauS unb weg }u tvifdjen . . . ba Ijabe er ben erften ©djjlag 
nadjj iljr geführt. 

©ie bradjj fdjjreienb jufammen. 

9hm tvar'S einmal fo weit, unb ba ift'S bem 2Biefner 
burd&S £irn gefahren: „©off fid^ einer 'S gang' 2)afein von 
einer folgen boshaften Äreatur verleiben unb verfdfjänben 
laffen? 'S ganje, benn fte will'S, folang' fie lebt, unb mär* 
im SBorteil als bie jüngere. 3)er 3föenfd(j lebt nur einmal 
auf ber äßelt — wefjr bid& barum — unb was iljm ju 
%xo%, lebt audjj nit öfter unb banad& feljrt es nit wieber 
unb beijjt nimmer, unb wenn einer baS Slergfte unternimmt, 
einmal ift feinmal, wenn er ftdfj nit babei emrifd&en töfet, 
unb bafür, es %w verbergen, ba| es nvg ans Sid^t bringt, 
lommt Seit, lommt 9tat!" 

Stodinal Ijolte er aus, ba tljat fte einen jwetten ©djjret, 
unb er fd&lug ju. 3lnn Ijabe er ^ünb^öljer angebrannt, um 
ju fefjen, ob fie noc$ atme, unb ba er fte tot gefunben, 
warf er ben Seid^nant ins £eu unb brannte biefes an. 
hierauf entlief er aus bem ©djjupfen. ©en budfligen glidf* 
fd&neiber Ijabe er woljl wahrgenommen, aber in ber 3luf* 
regung nidjjt gewufjt, fei es ein wirflidfjer, lebenber 3Renfc$ 
ober nur ein „©inbilben". 

9toc!j ber Seerbigung StofelS mär* if>m gemefen, als fiele 
tljm ein ©tein vom £ergen, unb er Ijabe bei ftd& befdfjloffen 
gehabt — wenn es nief t auffäme — ein anberer SJtenfcij 
ju werben unb ftc$ fürber auf feine „3)ummljeiten" ein* 
julaffen. 

©o furj rote ber ©ergang, mar audjj ber SluSgang; ber 
SBiefner Safob würbe jum Stöbe burt| ben ©trang ver« 

Vnjttiflrufccr, Qkf. «Berte. V. 10 



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242 Äalenbergef<$td)ten. 

urteilt unb — ba baS (Script bic SBerfüljrung beS feiner 
Dbfyut am>ertrauten 2RäbdjenS unb beffen Jjerjlofe ^infdjlad)* 
tung als befonberS erfdjnoerenb betrachtete, — auc| nid/t jur 
SBcgnabigung empfohlen. 

SllS man i$n ausführte, ba modjte er rooljl aus tief* 
geängftigter ©eele wünfdjen, baS eine 9M, baS er auf ber 
SBelt lebte, audj fo gelebt &u Ijaben, wie Seute, bie fidjj cor 
Slugen galten, bafc biefeS eine 3M nidjt feinmal, fonbem 
für affemal fei, ftdj burc§ biefe ©infidjt an iljrer @fjre auf« 
geforbert fügten, ftrenge gegen fidj unb milbe gegen anbere 
ju fein, unb barin n)o|lberaten fid; finben bis ju ber 
©tunbe, wo feine 3*it meljr fommt unb es feines States 
mcljr bebarf. 



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's T&oox$oftx$ Staunt, 

(1884.) 



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|cr SRoorljofbauer war ein redetet ©trettljansl; wieber 
einmal Ijatte er im SBBiriS^aufc ftd& bie guten alten 
Seiten über ben grünen Älee gelobt, wogegen frei* 
lid[> ber alte ©dfjulmeifter bieS unb baS unb eins unb '8 
anbere aufgärte — war eine Tange Sitanet gemefen — unb 
ftum ©dfjluffe nod; bebauerte, baji bisher immer unb aHjeit 
ben Sauern 216- unb 2lufljilfe nur oon anberweit gefommen 
märe unb fte niemals was Sted&teS Ratten bagu tljun wollen. 

2)aS mär* audfj gang Sted&tenS gewefen — fdjrie ber 
3Woor^ofer auf ben 2llten ein — unb für einen ©djjulmeifter 
Ijätt'S gar feinen ©dfjicf, ba mit breingureben, benn ber fei 
nid^t wie ifjrer einer unb t>erftänb' 'n blauen Scujel, mag 
*n Sauern anginge! Sitte 216* unb SlufJjüfe mödjjt' geblieben 
fein, wo fte wollte, Ijätt' man lieber alles gelaffen, wie'S 
oormateinft mar, §ätt' leiner anberS getrau mie bie Uretyneln, 
fo mär' IjeuttagS nodfj bie gute alte 3zit im Sanb. 3)aS 
fag* er — ber SRoorljofbauer — unb wer es anberS wüfete 
unb meinte, ber folle es nur fagen! 2)amit fdjjlug er in 
ben 23fd|), bafj bie ©läfer tanjten. 

(Sr mar befannt bafür, baf er von feineSgleid&en leinen 
2Biberfprud& ertrage, unb fo blieb es benn um ben £ifd> 
unb in ber ©tube mäuSrf;enftiH, benn «S wollte fid) feiner 
ber ©efaljr auSfefcen, fid^ etwa mehrere foldfjer ©daläge, mie 
ber SRoor^ofer gur Sßrobe einen in ben £ifdfj getrau, auf 
ben Stücfen gu laben; fo faty fid& benn ber Sauer nodj> ein« 
mal im ©efüljl ber 9ted[)tljaberei bie rings fu$ ©udfenben 
unb ©ebenben mm oben Ijerab an, galjtte unb ging. 

Salb ftreefte er jW> red&t beljaglidj) im Sette, benn er 
Ijatte nid^t weit nadjj feinem ^ofe. 3(lS er fo ftiffe lag im 



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246 JWenbergefdjtd)ten. 

£albbufel, ftritten ftd; in feinem &opfe, unter bem ©influffe 
eines leisten ^äufdjdjenS, feine eigenen ©ebanfen mit ber 
©inrebe beS ©djulmeifters, benn etroaS von berfelben mar 
bo<$ Rängen geblieben. 2)er SDtoorljofer fd&impfte fdSiliefjlid; 
btn 3llten im ©eifte gufammeh, gab tljm mele SRamen, nur 
feine guten, unb erflärte alles für bummeS ßeug , nur bie 
gute alte Seit naljm er aus unb bie Urefjneln . . . bann 
jdjnarcijte er unb begann gu träumen. 

©er 3Jtoorljof war ber 3Koort>of — et ja — benn un* 
mittelbar in ber Keinen £ljalmulbe, an melier er angebaut 
mar, unb roo jefct eine faftige 2ßiefe lag, ftanb 2ßaffcr unb 
gärte ber Soben unb trug ©umpfpflangen, unb roieber roar'S 
ber Sftoorfjof mdfjt, benn baS feuergefährliche plumpe ©trolj* 
badfj, baS auf ber §aufung lag, modfjte tym nid^t gefallen, 
inbes bie f eiber anä) nic^t, baS ©ange fa^ wie ein großer 
©d&roeinefoben aus, unb ba ber 2Roorl)ofer fidfj juft über 
bie KeberKd^e äßirtfdfjaft ärgern wollte, trat ein SJtann aus 
bem §aufe, gog eine magere SMjre aus bem ©tatte unb 
fpannte fie üor einen SPflug. 

Stuf biefes alte Säuerlein trat ber SJtoorljofer gu. „©nt'n 
■Morgen, Setter," fagte er. 

„$<m1 ©Hobt fei & G^rift!" 

35em STOoorljofer tarn oor, er Ijöre einen £unb betten. 
„2BaS?" fragte er unb erriet bann, roaS ber anbere fagen 
wollte, unb erroiberte: „Ign (SroigFeit! Sßarum," forfdfjte er, 
„trodfnet ifjr baS 3föoor ba nit aus?" 

„$an foan &\L" 

„SRun, baS mär' nit fd&led(jt. 2BaS Ijabt tyx benn anbcrS 
ju tljun, als gu arbeiten." 

„3* rorooten. S'rel; fimmt 'n ©uatstjerrn 's Drfa' oor 
b'r mein*!" 

„SBarum madjt itjr benn 'S $aus ba nit mo^nlid^?" 

„§an foan ©elb, muafc gcljnten." 

®i freiließ Ijattc ber 2Roor^ofer von SRobot unb «Setjent 
fd&on reben gehört, unb es mar H>m, als näfelte jefct ber 



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'3 SRoorfpfetä Stemm. 247 

\ 
©d&ulmeifter ba}wif$en von 21 der*, $anb« imb %ufc, 
©tüd*, Sagb* unb ©pann*gronbe, oon Äirdfjen* 
unb weltlichem, großem unb fletnem, <Qa&, 33lut* 
unb Sflott^e^cnt... 

©o roar'8 alfo, bafj einer cor lauter SCrbett für frembe 
Seute mit ber eigenen gar nidjt auffommen lonnte unb oor 
lauter 2tbgabe an frembe ©ädel nie etwas in ben eigenen 
befam! 

,,%k Ij'nein," fagte ber STOoorljofer, „ba feib il)r ja gar 
feine Sauern, nur jagljafte Änec^t'!" 

„33ifcijt nmljl a grüner #err, bu?" Ijöljnte ber Sitte. 

„21 größerer leidet wie bu. 2Ba8 Ijaft benn ba für ein' 
$flug? ®ie ©dfjar tS fo grab unb feidjt, bie greift faum 
in* 'n 33oben ein." 

„»effer 'n." 

,,2Bär' lein* Äunft. SGBic fommft benn mit bem §anb* 
merfö^eug ba auf? 2Bie fteljn benn eure gelber?" 

„5Ro, guat, guat fdjon, wenn qan' foan Sßilbfdfjob'n be* 
trifft, ober ber ©uatsljerr nit brüber jagt, reid;t'3 fdjun für 
2Bei' unb Äin\" 

„2Bo l)aft benn bein 2Beib?" 

f ,3n b'r $tttt\ '3 liegt '* gonj' Soljr in gieba." 

„Segreif ' idfj, in bem Sodj unb am ung'funben SQSaffcr. 
2Ba3 fagt ber Saber roeg'n ifjr?" 

„Sraud^ bod& foan', ollmol, mnn fa f redfjt beutelt, 
fpri<$t mer oan' giebafeg'n über fö." 

„2)er wirb Reifen! £aft audfj a Äinb?" 

„greilid^, a 2Ränfdf>, will l;eurab'n ifct, is &un ©uatäljerrn 
l/nauf, reb'n, roeg'n bem fein* Mfy af b'Srautnadjt ; 'Ieid;t 
nimmt 'r für§ ®örnbl a poor ©ädt' Äörnbl," grinfte ber Sllte. 

„©afra, fo mag laßt itjr eudf; g'falPn? Sängft Ijätten 
wir ftdfj jufammytljan, a ©'fdfjrift afg'fefct an bö £errn 
ganj oben — " 

,/8 fonn jo foana fd^reib'n." 

„5Wo, fo wirb mer eud^ bod& ba3 ©djriftftud g'roiefen 
Ijab'n, baS eudj ju all ber Untertljänigfeit oerpflid;t't?" 



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248 5tolenbergefd>td[jten. 

,/8 fonn jo toana läfen." 

„#immelljerrgottfaferment! 3df> ftedf) fdj>on, 53 Iebtänit 
nur tute '3 SBielj, öS feibs audf) fo bumm wie 'Sfelbe!" 

„2Bo3?" greinte ber 2Hte. „©äljt'S Vx beffa, fei frulj, 
oba begätjr' bu 'gen im not af, i$ bin bein Urefynl!" 

9Koorf;ofer erhielt in biefem Slugenblidfe eine fo wud&tige 
Ohrfeige, bafi er barüber erwadjjte. 9tur eines festen iljm 
nodfj gu ©unften ber guten alten $eit gu fpred&en, unb er 
glaubte, ben fd&lagenbften Seroeis bafür erhalten gu l;aben, 
bafi bie SBenfdjen bamals Diel fräftiger waren ; (eiber [teilte 
es ftdj aber fofort IjerauS, ba{$ fein SBeib, bas er biefe 5Ka<#t 
fdjjon einmal burdjj fein fpäteS #eimfommen unb jefct roieber 
burdjj fein ©efcljnarcfje aufweite, itjm bie 3Jtaultaf(|e hinüber- 
gereift Ijatte. 

@r naljm ftdjj vor, nidjjt meljr in ben £ifdj) gu fd&lagen, 
wenn bie Siebe auf bie guten alten Seiten fäme, unb bes 
©djjulmeifters Sfosfprudf) gelten gu lajfen, ba{$ jefct, wo jeber 
felbft bagu fteljt, wie er feine <&aä)t förbere unb oorwärts 
bringe, ber Sauer nid&t gurüdfbleiben bürfe. 



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<&eöi$fe imö H^ortemeu. 



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lfortferid?t 5er &eratt*getfer. 



^ubwig Slngcngrubcr Ijat feine ©ebidjte roeber 
für eine befonbere 33udj*, nodj für biefe ©efamtauSgabe 
burdjgefefjcn unb georbnet. 2Bir roaren beäljalb bemüßigt, 
bie uorltegenbe SluSroafjl nad) unferem eigenen ©rmeffen ju 
treffen. 

33on ben ungebrudten ©ebtdjten ber erften SJkriobe 
(1859—1863) Ijaben mir aufjer ben in ber Einleitung 
mitgeteilten, biograpljifdj bebeutfamen, nur jwei aufgenommen, 
weldje Slnjengrubcr fclbft, roie er \i\\8 gelcgentHdj fagte, be* 
merlcnSiuert crfdjtenen. Sern „Sieb vom Seiben" f;at er 
1867 roofjt nod; bie erfte ©teile in ben „©ebidjicn" ju* 
gebadjt; fpäterljtn, 1884, nannte er eä jcbodj ein „gut* 
gemeintes, aber minber gelungenes Dpuö", auä roeldjem 
beSljalb nur bie folgenben jmei bejeid^nenben ©tropfen 
fjerauögeljoben fein mögen: 

O £eib, fo allgewaltig bu, 
£>a3 in $a(aft unb §ütte rooijnt 
Unb jeben trifft unb feinen fdjjont, 
2)u naljeft btdj unb iuttft §erau, 
Ob überragt, ob fdjon bereit, 
2>u btft bodf; fieib unb Bteibft boc§ Setb, 
»let&ft bod> Setb ! 



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252 ©ebid&te unb 2(p§ori3men. 

3a, Seib, bu aUgenmft'ae 3Rad)t, 
2)er 3Renfä) bleibt fletä oon bir bebro^t 
3ton ©a)mer|, t>on Sfceib, tum ©org', oon 9tot. 
3)a8 2Renfa)en$era aus feiner 9toa)t 
(Srroedjt bu, madjft eS groß unb weit, 
60 I)at fein ©uteä aua) baö Seib, 
3a, ba3 Seib ! 

Stogegen gfaubten tmr bie ©ebidjte, roeldje 2tnjengrubcr 
feit bem %al)x 1870 in Seitfd^riftcn f Äalenbern, teilweife 
audj in bem ©ammelbanbe „Ä lein er Warft. SRo&etten, 
©fijjen unb ©ebtdjte (SreSlau, ©djottlä'nber, 1883)" t>er* 
öffentliche, faft oljne SluSnaljme in bie gefammelten SBerfe 
einreiben gu fotten. 

Sic Einfälle unb ©djlagfäfce" enblidjj geben wir 
als groben auä #unberten, von Slnjengruber nur teilroeifc 
gefidjteten 2fyfjori8men , in welchen ftd} ber Sinter „über 
SMträtfel unb 33ern>anbte3", „über Sitteratur unb 33er* 
roanbtes", „*ßoIttifd)eS", „über Siebe unb ßlje unb 3Jiäbd&en 
unb grauen" feljr unumrounben unb lernig, nur in feltenen 
gälten aber jenfurfctyig äujjerte. 

SBien, im 2Rai 1890. 

X jpetteltjetm. 8. tywattl D. Ä. Sd)cmbera. 



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Uns meiner 3$er&e?eif. 

(1859-1864.) 



Des Bettlers £ieö*), 

^aV gliden nur, lein gangeä Äleib, 
£ab* ©orgen ftet§, lein tjalbeä Seib, 
35odf> mag id> nid^t ju ©rabe geljn, 
35ie ©onne fdjjeint ju fro$ unb fd^ön, 
2Benn fie e8 gar fo efyrlidj meint, 
50lir auf ben breiten SRüdfen fdjjeint, 
2Beifi nid&t, roaS idjj brum gäbe, 
2Beü idjj nur lebe! 

©i# ©onntagä t>or ber Äirdjjentljür, 
35a fpenben 3ung' unb Sitte mir, 
3Jtandf> Äinberföpfd&en, fpielgerjauft, 
2)rüdft mir baä $ätfd$en in bie gauft 
Unb fd^aut mit großem frifdjjen 33Utf 
Stodf) mein'm „SBergelt eä ©ott" jurficf. 
35er #err Diel ©lüdf i$m gebe, 
SBeil idjj nur lebe! 



*) 2lnm. aur britten Sluffage. 3)ie erfte SHeberfdjjrtft btefer 
SSerfe ftnbet ftdE) als (Einlageblatt in einem IjanbfdfjriftlidD er* 
Ijattenen, vom 3ln5engruber:$uratorium fürjlic^ erworbenen §eft: 
„©ebidjjte unb poetifdjje SBerfudfje von Subimg ® ruber 1868" 
mit bem 3)atum: SBaraöbm 1864. 



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254 <3ebid)te unb 9ty$ort§men. 

2)ann fetyr' idjj in ber ©djjenfe ein 
Unb trinF mein ©läädfjen golbnen SBein 
Unb fpielt eä burdj bie Slbern leif, 
2)a Hingt in mir bie alte 2Beif — 
3)a f^leic^ idjj midj jum SBalbeSljang, 
33ergeff all ©org unb jeben Sang; 
9Kein Sieb idj frolj ergebe, 
SBeil id> nur lebe! 

2)a friert bie 3lmeir üBerS »latt, 
©o f|urttg, fei)' jie niemals matt, 
3)a fdjjlägt ber gfinf, ba glifct ber %a\\, 
©ort brüben ftngt be8 görfterS g*au, — 
•föun blinft burdfjä Saub ber 2lbenbftern, 
©rau minlt baS ®örflein in ber $ern', 
3Büfet f md&t, bafc ftc^'S begäbe, 
2Benn idjj nidfjt lebe! 



Das Mtn&e Kino*), 

@3 ftfct ba§ 3Räbd^en trüb im Seib, 
ßS taftet an bem ©d&mudf bie $anb, 
©ie ftreift baS lidfjte geierfleib, 
£>e8 garbenfdjjein iljr unbefannt; 
3)e§ Siebtes Quell ift iljr »erftopft, 
3för Slug* fennt feiner garbe 2Bal)l, 
<5§ fennt nur Suft, bie leife tropft, 
Rennt nur be8 ©d^merjeä wilben ©dfjroall. 



*) 2lnm. sur britten Auflage. 3n bem ©. 253, 9tote, tx* 
rcä^nten IjanbfdjriftUdjen §eft erfd^eint biefeS ®ebic§t au8 
©rurf o. b. 3Rur batiert. 



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2lu§ meiner SBerbejeit. 255 

©ie ftfct gefd&mücft nrie eine Sraut, 
©ie taftet an ber 3Kutter Slrm, 
©ic liebt ber ©timme milben Saut, 
35cn Dbem, ber fte ftreifet marm : v 
„3ur ©nabenmutter innig fiel),. 
D, flag ber $tmmttf<$en bein Setb: 
,©ib £etltge, bafe idjj bid& fei)' 
3n aller betner ^errltcijfett."' 

£)a§ Äinb getyorfam fall* bie £änb\ 
@8 fafct'S bie ©e^nfud^t nadfj bem Sidfjt, 
SDen Slidf tn8 leere 5Ridjjt§ geroenb't, 
3Rtt bebenb leifer ©timm' fie fpridljt: 
„D ©nabenmutter, Ijolb unb rein, 
D gib bem Hug* be§ ©efjenS ®aV 
Unb laffe baä ©efd&aute fein 
©o lieb, wie idj ©efü^lteä ijab'!" 

©ie bltät fo angeftrengt au% ftdlj, 
3ll§ TOolir fte felbft ft<| fcljau'n im £raum, 
©er Saut von tljren Sippen nucij 
Unb lautlos bleibt'ö im leeren SRaum. 
S)a ptöfclidjj ruft'8: „3$ fei)' bie grau 
3Rtt golbner Ärone mit bem Äinb. 
SSon meinem Sluge roeidjjt baS ©rau, 
3$ fefje, idjj bin nid^t meljr blinb!" 

„D fprid&, bu ftummeö SBtlb ju mir, 
D fprtd&, idjj faffe beine #anb; 
D lafe ber greube Saut von btr, 
■ftadjj 2Bort unb gorm nur btft befannt. 
2)o$ fpredfje mdfjt, — wenn ungelenf 
$)e§ ©d&auenS Kunft audjj mir nodfj ift — 
3$ W, baä 3luge fprä# unb benl', 
SDein 2tug\ o 3Jtutter, mtdfj begrüß!" 



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256 ©ebidjie unb 3ty$ori§men. 

©ie galten beibe ftumm ftd[j lang, 
2lfö wenn ftc ob be3 ©efjenä Suft 
SBerlernt ber ©pradje füften Älang, 
©o doH be8 ©anleS ift bic »ruft. 
Unb afö. ber 35anf jum Saut ftdj prefit, 
3)a Hingt er ungebärbtg n)i(b, 
S)odj falten ftdj bie £cmbe feft 
©elobenb gar ein Ijerrlidf) 33ilb. 

3)er ©nabenmutter fei gemeint — 
3för, bie fo Ijimmlifdj fanft unb müb, 
Sfo bie erlöft fte au3 bem Seib — 
SBon eigner §anb ein funftooD S5ilb. 
Sei SEageSKdjt*), bei Äerjenfd^ein 
3JUt greller ©eibe fticft baS Äinb, 
Unb als baä Silb im Ijeif gen ©djrein — 

3)a war bie 3lrme roieber blinb! 



*\ 



*) 3n ber 6. 254, 9tote, erwähnten 9tteberfc$rtft: „Set %a%e& 
ftra$l". 



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äffe »ifen. 



Die Cicb 1 ein Craum. 

®ief im SBalbe ft^en jmei, 
Seif umtauftet tum ben Säumen, 
Unb es fprubelt Ijett ber Duett 
Unb fie flttftern, fofen, träumen. 

SBeJj', bu füfier 2iebe8$raum, 
SBenn mir bein ermaßen, 
Sffiie e3 a\xä) gefd^ä^ - ö n>c| - 
Db mit aBeinen ober Sad&en! 



XJolfstoeife* 

(«ptit 1888.) 
I. 

2Ba3 ift es mit bem Seben 
2)od> für 'ne arge SRot, 
9Ruji leiben unb muft fterben 
ßulefct btn bittem £ob. 

ftam ic$ boclj auf bie (Srbcn 
©anj oljne SBunfdj) unb 2ßiIT\ 
3$ weiß es nidjjt t)on mannen, 
Unb fenn 1 nid&t 3medf nod^ Siel. 

«njutgtubct, Öff. 9Berf». V. 



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258 ©ebidjtc unb 8p§ori3men. 

@3 tritt bie Bunten Sluen 
9tur einmal unfer %u% 
%üx furje Seit nur tauften 
2Bir £änbebrudf unb ©rufe. 

Unb nmä uns audfj uon greuben 
Unb Seiben jugemanbt, 
3)a3 mehret unb baä minbert 
©idjj unter 9Renfdfjenl)anb. 

3)rum laffet uns in greunbfdfjaft 
©inanber redjt uerftc^n 
2)ie furje ©treefe SBegeä, 
3)ie wir jufammen geljn. 



n. 

SSJie vieler beiner greuben 
£aF idfj umfonft gedarrt, 
fflBic wenig beiner Seiben 
#aft bu mir, Sßelt, erfpart! 

©ie einen wie bie anbern 
3$ i&tt 9 fte gern gemifct, 
3Beil bod|> ein planlof SBanbcm 
®a3 arme Seben ift. 

Unb ruljen mir am Siele 
3m tiefen @rbenfdj>ofe, 
®ann gleiten tyre ©piele, 
2Ber barbte, wer genofe. 

SBerberbet mdjjt ben einen 
3)er greuben froren ©dfjein 
Unb fel)t \t)x anbre meinen, 
95erfd&ärfet nid&t bie 5ßein. 



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SHte SBetfen. 259 

2)afj feine roeljmutreidjje 
©rmn'rung eudjj betrübt, 
Unb man an eudj) bie gleiche 
©ebulb unb Sreue übt! 



Stilles Sefäei&em 

Sei iljreS Slnblidte Sieblid&feit, — 
3)er alle ©inne mir berüdfet, 
®er midjj befeligt unb entjüdfet 
Unb bodjj ju tiefft bebrängt mit Seib — 
5Rie roerb' idjj nur mit einem Sltdf 
S)er £errin meine Sieb' gefteljen, 
9tie iljre ©egenliebe flehen 
Unb ftumm ertragen mein ©efdjjicf! 
®in greuel roär'S an Softer grau, 
SBenn tdfj ben eitlen ©lauben $egte, 
®afc midj, nur midjj allein, bewegte 
SlH iljrer Sfomut retdjje ©djau. 
SRein, nein, tdj> bin ber einige nidjjt, 
S)en ifjre Stälje frol) befeelet! 
2>er le|te mär* idjj, ben fie roäljlet; 
3d> ftef)' im »anne harter SPflidjjt, 
SKidfjt Sugenbfraft, nodjj 2Bof)lgeftalt 
93ermag mir meljr bas 2Bort ju führen, 
3$ fann metfeidjt burdf) Sieber rühren, 
©odjj SDMtleib weljrt ber Sieb' ©ewalt. 
©o fajf idjj benn ben einen 9Rut, 
®3 im beginne fcfjon ju enben. 
2Bie fäm' ju eines Settlerä $anben 
©o IjoljeS überreifes ©ut? 
©rgeben will idfj meine Saft 
9tuc!j fürber ftumm be§ 2Bege8 tragen, 
©3 foH lein Sita ber £errin fagen, 
2Bie mäd&tig e3 midjj ftetS erfaßt 



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260 ®ebic$te unb 2tp$ori3men. 

»et tyreä Stnblicfä Steblidjjfeit, 
2)er äffe ©inne mit berüdet, 
2)er midfj befcUgt unb entlüdet 
Unb bodjj au tiefft bebrfingt mit Seib. 



3cfy ftnn 1 6er alten £abei nad). 

(K^nril 1882.) 

3$ ftnn* ber alten gabel nadj), 
S)ie emftljaft unS Belehret, 
35afi äffe«, roaä geroefen mar, 
©ereinftenS wieberfeljret. 

3mar wieberfeljrt nadjj langer fjrift, 
SRadj merjigtaufenb Sauren, 
£>ann aber audj genau, wie tmr'ö 
£>a3 erfte 9Jtal erfahren. 

9lun ift mir fo, ate ^ätt* idfj bidjj 
gn einem frühem Seben, 
UnljolbeS Siebten, fd&on gefe&n 
Unb mtdS) bir ganj ergeben. 

Unb bu, bu $ätteft äffe Streu' 
Unb 2ieb\ bie idjj empfunben, 
SWit Berbern ©potte mir gelohnt 
Unb tiefen £erjen8nmnben. 

3Rir tönt, adjj, fo vertraut unb bo$ 
®rnüdj>temb beine ©pradfje, 
2Jtic$ l)öljnt, tuie einmal fdjon gebort, 
$)ie ftlberljeffe Sadjje. 

3df> liebenb o§ne Hoffnung unb 
S)u JjerjloS o^ne SReue, 
@8 ift ate roie ein alte« ©piel, 
S)a8 nrieberleljrt auf« neue. 



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Hlte Steifen. 261 

@tn alte« Spiel — wir lönnen brctft 
2>ie SBteberjjolung wagen, 
5Du bift int Dualen rooljlgefd&ult 
Unb iäf für bas ©rtragen. 

Unb überläuft'S mir oft baS £erg 
©o bang unb maienfröftlidfj, 
©ann beudjjt mir — albern wie fte ift — 
Sie alte gabel tröftltdSH 



Sdjet&em 



2Ber in Ijilflofem Rammet 
©ein SiebfteS fterben fte^t, 
$)er roeifc nidjjt, meldte Älammer 
Sljn no<| gur ®rbe gieljt. 

©ie meinte, als fte bange 
2Iuf eroig Slbfdjieb gab, 
SMe 3^röne rann bie SBange 
2>er £oten fanft $erab. 

D %f)xäri aus liebem Stuge 
3n bittrer ©djjeibeftunb', 
D 21jräne, trübe Sauge 
©u brennfi baS £erg mir rounb ! 

Stifts beut bem Iranlen #ergen 
Site roeljer £roft fid^ bar, 
2)aj$ es bas lefcte ©djjmergen, 
SDie lefcte ftljräne mar. 



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Mt mh T$dt 



£leujaljrsgruf|. 

Cfcejcmbn: 1883.) 

Steljft bu in ftetcr @U' oerraufdjjen 
3m Seitenftrome ftofyx für Safo 
Stidjt neig bein Dljr, um bang' ju lauften 
®er Brunft, bic nie offenbar; 
3Da8 STcrgfte, roaä bir Bleibt ju tauften, 
ES Birgt nidjt ©d&redfen nodjj ©efaljr, — 
SBenn weit vom Siel bein hoffen traf, 
©o gibft bu £raum für tiefen ©d;laf. 

©ie fromme Hoffnung unbeftritten, 
SDodjj mär* bies Slergfte ntdjjt fo arg. 
2BaS einer Ijier auf 6rb' gelitten, 
SBaS ifjm baö Seben Slrges barg, 
S)aS lag beä SßegS, ben er burdjfdjritten, 
SSon feiner 2Biege bis jum ©arg 
Unb wenn audj nichts oerllärt' fein Seib, 
@3 ftarb mit $m für äffe Seit. 

3Kit frohem, freiem £erjen3fd>Iage 
SBerlebe beineS ©afeinä grift, 
Seben!, bajj bu naefj alter ©age, 
Sie Ijofje SBeiöljeit in fid^ fdljlie&t, 



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Seit unb SBelt. 263 

©djjon feit bem legten ©djjöpfunggtage 
3)er #err basier auf @rben bift, 
Unb roa8 geföieljt, roirlft bu allein, 
S3erbienft, wie ©$ulb, o aRenfdjj, fmb bem! 



t)er Zleujaljrstag* 

SDa§ 9leuja(;r Ijat wie alle Sage 

Sein bij$<|en Suft unb fein 1 Sefdjroer, 

@3 gleist ft$ grünblidf) auf ber 2Bage, 

Sebodjj im Quantum tnadjt es meljr. 

SJerroanbte unb SBelannte fommen 

Unb rotinfd&en atteä @lü<f ber SSelt 

Unb gfrembe fteljen ba beflommen 

Unb tpünfdjjen ftammelnb — unfer ©elb. 

©o wedjjfeln froljefte 33efud(je 

9Rit anbern, bie man grämlidj nimmt; 

50lan merlt — naclj SDlciftcr ©oettjeg ©pructye 

3Me 2lbjtdjt unb man wirb oerftimmt. 

3Wag man nun gern ber einen Sitte 

2Billfaljren unb ber anbern nidjjt, 

3e nun, es warb einmal gur ©itte 

Unb bie ift jnringenb roie bie SßflidSJt. 

ßrlaubet, ba| idjj *ne ©efdjjidjjte 

33o.m ©ratulieren, heitrer 2lrt f 

%)od) mit ber SWaljnung euclj beriete, 

3)aj3 iljr fte.Hug bei eudjj beroaljrt, 

SDenn machte biefer ©pafi bie Slunbe 

33eim ©ratulantencorpg, ei, bann, 

Sann Ijöbe au$ von felber ©tunbe 

„93erfd)(irfte3 ©ratulieren" an. — 

$ann3 SJauö warb oft in Äinbertagen 

3um „Setter in ber ©tabt" geffl^. 

Um bort fein ©prfidjjlein aufjufagen, 

3)er SSetter mar audjj ftetö gerührt; 



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264 ©ebtdjte unb 2lp$origmctt. 

®riff jogernb in bie SBeftentafd&e 

Unb Ijänbigt ®elb ben SKten ein, 

©ie tljun, als ob fie'S überrafdjje: 

„Wo, Ijalt afs SEBo^l, a ®Iaferl 3Bein!" 

©aS ging paar S4r', bodjj auf bie Sänge, 

©a fanl ber Setter feljr im Sßreis, 

gin Sauer fparet fu$ bie ®änge 

©a, roo er nichts gu Ijolen roeijj. 

©o$ ate $annS GlauS von Beiben Sitten, 

Dbgtei<$ er fdjon ein großer Sung', 

3n jebem ©tütf warb furg gehalten, 

Seftel iljn bie (Erinnerung 

Sin jenen Setter, ben umworben 

@r einft mit StinbeS ©djjmeidfjelfpracy, 

3Jiit bem bie (Eltern es oerborben, 

3>o$ trägt iljm baS £anns GlauS nidjt nad&. 

@r will mal für fld^ fetter forgen, 

(Entfdjliefjt er ft$ — unb furj, mir feljn 

Sljn fdjjon am nätfjften SReujaljrmorgen 

Sor bem erftaunten Setter fte$n; 

Unb nun beginnt er anguljeben, 

SBobei ben #ut er langfam bre^t: 

„Son Xunbljeit unb re^t langem geben 

Unb roaS mer fettft ftclj roünfdfjen tljätM" 

Unb fiel), roie früher na<$ ber Safere 

©er Setter greift, ,,ftür 'n ©lassen SBem!" 

£anns tljut, ate roenn'S i$n überrafdje, 

©o<$ ftetft er rafdjj bie ®abe ein, 

Dann bleibt er fteif unb oJjn 1 Seroegen, 

Site ftäfe er in einem SodJ; 

©er Setter fdjjmunjelt ganj oerlegen: 

„9hm, lieber GlauS, mag miHft bu nodj)?" 

©er nitft mit pfiff gern äugenblinfen 

Unb fagt: „© mein, 'S IjabtS maß tmgeffn. 

©aSfelb' — bös ba — bös iS fürs fcrinfen, 

2Bo bleibt benn nadföer bös fürs @ffen?l M 



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Seit imb SBelt. 265 

XDcitjnadjt. 

(ftobtmftet 1887.) 

Db $od>, ob nieber wir geboren, 
©o tote uns antritt baS ©efdjicf, 
60 geljt ber fro§e StinbeSblidf, 
S)aS Jtinberljerj geljt und oertoren. 

2Bir füllen mäljlidfj uns oerljärten 
'gen alter Sagen £roft unb Suft, 
S&ie uns bes SebenS wirren SBuft 
Sur ^eiPgen ©n^eit einjl oerllärten. 

3erftoben bis auf toen'ge SRefte 
3ft ber Erinnerung ©eroalt, 
äbtoägenb fielen roir unb falt 
©elbfl oor bes Saures fdfjönftem gefle. 

SBir fte^n oor einem toten Saume, 
©emorbet an bes SBatbes Stanb, 
©efdfjmütft mit glitter unb mit £anb, 
©ar ungleich unferrn StinbljeitStraume. 

©oclj ftürjet bann Ijerein gur ©djjtoeffe 
Die Heine ©djar mit gubelfdjrei, 
3)ann fdjleicljt audj uns ins #erg babei 
©er SBeiljnadfjtSlid&ter frolje §ette. 

Unb gtöngt bein äug' in freub'gem ©dummer, 
D, fage mir, toas es oerfdfjtägt, 
Sßenn baS, toaS bir baS #erg bewegt, 
Stu($ eitel 2tonb nur ift unb gfimmer? 

©em allem, was mit fdjjarfen Sinnen 
©u an ben ©ingen bir erfdfjliefj'ft, 
Unb toas bu toägft unb jäljlft unb miff'ft, 
©em Iä|t fein ©lud ftd& abgewinnen 1 



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2GG ©ebid)te unb 3fy$ovtSmen. 

2Baä bidjj an Seiben unb an gfteuben 
Sluf beines SebenS SBaljn Betrifft, 
@3 ift beS ^erjenä Stunenfdjrift, 
Unb nur baS $erg weife fte ju beuten. 

3)rum lafe ba§ dritteln unb SSerneinen 
Unb lautern ^erjenS fei bereit, 
Sur froren, feigen SBeiljnadSJtSaeit 
35em ßinberjubel bidjj &u einen. 

©rfaffe ganj beS ©taubeng güttc, 
®er beine Äinbljeit einft burtf;wef;t, 
SJom ©ott, ber Ijilfbereit erfteljt, 
3n armer, bürft'ger SWenfdjenljülIe. 

2) er $eilanb wallt attjeit auf (Srben, 
©aS glaube fclfenfeft unb treu, 
9lur freüidj mufe er ftets aufs neu* 
3n jebes 33ruft geboren werben. 



3n trflber ^eit 

SBenn bu btdj) in§ 2lergfte fanbeft 
— 2lergfte§ ift: geboren werben — 
%\\\\> bt$ tuljig aud) ins ajtbre, 
SWinber 2Irge auf ber ©rben. 
Sterben rennet man als ©djtimmftes, 
35em man nidfjt entrinnen !ann; 
$ödjjft vernünftig ift 1 «, bu nimmft es, 
SBie es tritt an bidjj ^eran. 

©amit freüid) Ijat baS Seben 
Unb was brum unb bran ein @nbe, 
35u jebod) fei ftitt ergeben, 
SBd'S bic| träfe, wo'S bidj fänbe; 



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Seit unb äßelt. 267 

DB nad> mV, nadjj wenig 1 .Sauren/ 
Einmal broijt baS eifern' SWujj, 
Db unb roaS bu audjj erfahren, 
Äuq ift aller SBetSljeit ©c|lufj: 

2)aj$ burclj SQBafferflut unb SBränbe, 
SllleS ©iedjjtumS graufe plagen 
5Rodji ber 2Renfc§ jure<$t fid; fcmbe, 
Dljne um fein SoS ju Hagen. 
SKITcn Sammer, ber burdjjittert 
Sänge #erjen o^ne SRvfy, 
SBaS bie SBelt t>etgättt, »erbittert, 
gügt ber SWenfdj bem SWenf d;en ju! 

SRid^t bie SoSljeit ift'S, bie niebre, 
Sie am Stergften bid^ bebrüdet, 
9tein, bie SDummfjeit ift'S, bie biebre, 
35ie bir facfjt baS £erj jerftüdet; 
©tetig nrirfet fte gelaffen 
Unb fic wirft ftdfj niemals aus, 
Sagft bu fjeut fte von ben ©äffen, 
©ringt fte morgen bir ins $auS. 

§offe: bajj 'S jum SSeffern treibe! 
gürdjte: meKeidfjit wirb'S au<$ fdSJlimmerl 
2lbe,r, bafj es beffer bleibe, 
©arauf (Joffe nie unb nimmer. 
Seme groffenb bic§ befc^eiben, 
3)ummljeit ruljt ju feiner grift, 
ßluge nüfcen nur bie Seiten, 
2Bo fte etwas fdjläfrtg ift. 

SBaS ins Seben @We riefen, 
Äann fte bauernb nidfjt ertragen, 
2Bic bie Srunnen aus ben liefen 
ßinftenS in ber ©üubflut $agen 



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268 ©ebtdjte unb SlpJoriSmen. 

Pöfcli<$ jt$ ergoffen Ratten 
aller £o§en, aller Drt, 
©pült au$ fte bie reifen &<uütn 
Samt ber Sobenfrume fori 

9m ftBotmemottat beft 3a$re* 1884. 



Hac^ blutigen ZDodpn, 

Oanuar 1884.) 

SBenn iljr mit ftarrenbem ffintfefcen flauet, 
2Bie alle @$ran!en, bie i$r aufgebauet, 
SDic gäufte blut'gen gfreoefö nieberbre<$en, 
D$n* gurdjjt vor eurem Stafen, eurem Sachen, 
2>ann rufet „ifltorb" iljr burd> bie füllen ©äffen, 
3$r roiftt eudj nidfjt gu fammeln, mdfjt gu laffen 
Unb glaubt, ber Seiten fester Sag beginnt 1 
©eib i&r benn blinb? 

©o roar'6 getoefen no<$ gu allen Seiten, 
©o wirb ed immer fein, fo oft gu ftreiten 
2>er Ueberflufc — ber für bie £unbert geljret 
Unb biefen au$ ba& SRötigfte oerroe^ret — 
Unb Sirmut — bie an iljren wellen Gräften 
Stidjjt nfiljret meljr als brennend 3tad>gelüftcn — 
SDen legten, ^eifjergrimmten Äampf beginnt, 
©eib iljr benn blinb? 

Sljr feljt bie wilbe 3agb na$ bem ©enuffe, 
3)ie Sparen fnirfdjjenb unter intern gfujje, 
Unb über bem ©eroirre, bem ©eljafte, 
@Iei<$ einem SBlifc, erlitt mit jetyem ©lafte, 
SBie einfl in Stomas götterlofen Sagen, 
S)a& Ijcü'ge $fK^tgefü^l, ba* ernff Gntfagen, 
S)af$ leiner fidj barauf gurüdföefinnt. 
©eib i$r benn blinb? 



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3ett unb SBeit. 269 

2Ba8 man t>on Sieb 1 , bcr iljr berühmt eud) Ijeute, 
3n biefer Seiten bürft'ge ©Rollen ftreute, 
3)a3 fajjt ftd^ gnrifd&en jtoeien ftmgerfptfcen, 
2Ranc(j Äorn bleibt nodjj an feuchtet Sßore ftfcen, — 
2)od> §a% ben ftreuet man mit soffen $änbcn! 
2Ba8 fraget iljr, mie foldfjeS £l)un mag enben 
Unb wie ber fmftre SDämon 3Ra$t gewinnt? 
©eib iljr benn blinb? 



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^efdjauüdjes. 



3df t)aV erreicht bas g>\t\ 6es Strebens . 

$d) §aV erreicht ba8 Siel beä Strebend 
Unb fenf bas #aupt in bem (Srf ennen: 
SDSie wertlos alles ©ut beS SebenS, 
SEBie ärmlicf), roaä wir ©lüdf benennen. 
3)a3 Slingen ift'3, ba3 bidf) beglüdft, 
©rfolg fdjjon Ijat ben Strang gerriffen, 
©o wie bas gorfdjjen nur cntjttdft 
Unb nimmermehr baä t>offc SBiffen. 

Stur, was nodjj ausfielt gu gewinnen, 
SRur, n>a3 im Seben mir uerloren, 
@rfc§einet grofe vox unfern ©innen; 
Sufrieben fmb allein bie 33joren. 
3)odfj wer erlernt be3 SebenS greife 
Su werten als ein eitleö SfödfjtS, 
®er fürdjjtet aud& lein 3W ber Steife 
Unb leine Sage bes ©endete. 



Selbftbetradftung* 

D, fannft bu nidjjt in beinern #erjen 
3)er Sugenb frolje ©lut bewahren? 
SSermagft bu es nitfjt auSgumergen, 
2Ba8 bir gelommen mit ben Sauren? 



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»efd&auJtd&eS. 271 

©ereinftenS Ijaft bu all bein ©treben 
3n Seiten bittrer, Berber SWot 
S)er Ijeil'gen ßunft anheimgegeben, 
SBaS ringft bu jefct nad& Sob unb »rot? 

68 ift ein leibiges ©emöljnen 

3ln farg bemeffenes SSeijagen, 

Um baS bu bi$ bem Äult beä ©dfjonen, 

S)es ewig #oljen Ijaft entfdjfagen. 

©u jünbeft iljm jefct Stcwdfjerferjen, 
2Bo einft bein ganjeS #erj geflammt, 
2)u, einft $rop|et mit warmem ^er^en, 
SJerfteljft als lauer Sßfaff bein 2lmt. 

3)u formft ben ©ott in SBrotgeftalten, 
Stljebft unb tröfteft gur ©entige, 
3)0$ um ben ©lauben ju erhalten, 
3)a fpridfjft bu audj mandj fromme Süge. 

D, raff bi$ auf unb fd&affe nueber, 
SBie einft in beiner golbnen Seit, 
2Bo nodj ber S5orn all beiner Sieber, 
©ir rein gefprubelt, unentwegt. 

Unb mieber jene Sßfabe roanbre, 
33om ©lauben an bein ©elbft begltidfet, 
SBoljin bu flüdjtenb, btd> unb anbre 
3lu3 ber ©emeinljeit Sann entrüdet. 

Df seige, bafc t>om 2>rucf ber Saljre 
©ein SnnerfteS blieb unoerfeljrt 
Unb bajj bu, trofc ber grauen $aare, 
SRocf) immer beiner Sugenb wert. 



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272 @ebtd)te unb Aphorismen. 



Das wat 6te gctt 

2)u roittft'S, fo fei ber ©djjnmr erneuert, 

SBergeffen fei, n>a3 uns entjroeit, 

Su Ijodtft unb ober ^öc^ft beteuert 

©ei unfrer Siebe Snnigfeit! 

Sodjj roaS Dom fiebern Sßort gefteuert 

Unä einft in Ijolje ©ee »ott Seib, — 

SDa§ mar bie Qtit, mein Äinb, bie 3nt! 

5Da5 war ein eifrig Sßljrafenfammetn, 

Um an bes güljlenS @roig!eit 

3)en ©lauben in uns aufeufammeln, 

Unb bodjj, nadj) roen'ger %äf)tt ©trett, 

©o roie aus Jtinbermunb ein Stammeln, 

©rfdjien bie UeberfdjjroenglidSJfett. — 

2)a3 tljat bie Seit, mein Jtinb, bie Seit! 

Sin Seib unb ©eele umgeftalten 

Rann uns ber Saljre glüdjtigfeit, 

@i, gelten mir es nod) im alten, 

3)ir ftünb' bie 33jräne nimmer raeit, 

3)u jieJjft bie ©time nur in galten 

Unb beren ©pur, fie madfjt ftc$ breit, — 

35a3 tfjat bie S^it, mein Äinb, bie Seit! 

SRidjjt umjubeuten, nidjt flu brechen 
Sn biefeS SebenS Sßedjfelftrett 
Sft nur ein einziges SBerfpredjen, 
Sft nur ein einiger Ijeiliger (gib: 
jßerljeifjet SRadjftdjt allen ©djroäd)en 
Unb f^roört Erbarmen jebem Seib, — 
3>a3 trifft jur Seit, &u aller Seit! 



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8ef$ault<$e*. 273 

D, fdjtDöre nid&t, verlang lein ©d&rooren. 

2)cS Slugenblicfeä Sieblid&feit 

SSerljange nid&t mit Trauerfloren. 

D, groinge nidjjt in bangem Seib 

Sluf jenen letfen Stritt ju Ijören, 

3Kit bem ftd^ naljt unb uns entjroeit, — 

2Bie einft, bie Seit, mein ßinb, bie Seit! 



3m 3nnem gefeftet 

(©«aembet 1882.) 

SBenn Safere geljn unb fommen, 
©o neljme bu in adfjt, 
2Ba§ fie bir roofjl genommen, 
SBaS fie bir roofyl gebraut. 

SBaS bir audf) im Verlaufe 
3)er Seiten warb befdjjert, 
9Ud&t @ut, nod& ©lüdf es taufe, 
@ar trüglic§ ift fein 3Bert. 

Sticht graufam Ijeifj baä Seiben, 
Sticht Raub nenn ben SSertuft, 
SBeijj ftiU bidjj gu befdjjeiben 
Unb trage, roaS bu mufjt. 

SHur ber ift ljodf>gemutet, 
SDer gleid; im ©lüdf fid& fü^t, 
Unb roenn ba8 §erj iljm blutet, 
Sie Sßunbe feufdj> oer^üttt. 

2)a8 ©lüdf, e§ roitf nid&t mähren, 
3)a3 Seib bleibt ntd&t befkeljn, 
2)a3 ift: wie £age festen 
Unb rote bie 5Räc|te geljn. 

^nseiifltubfr, ©ef. SBetfe. V. 18 



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274 ©ebtd&te unb 9lp$ort8nten. 

9htr baä ^aft bu genoffen, 
grftritten baä allein, 
2Ba8 in bic ©eel' ßcfd^Ioffen 
®u bir ju ticfft fjinein. 

8)a3 einjiß ift baS SBaijre, 
3Ba3 bu in bir erfaßt, 
S)em bu, trofc glud&t ber Safcre, 
3n Stauen bic$ beroäljrft. 

Db pc umbunfcln ©d&merjen, 
Db greube fic erhellt, 
$>u tvägft in beinern ©erjen 
3)ann eine griebenäwelt. 

2Bie Sa^re geljn unb fommen, 
©es Ijaben fxt nid&t 3Rad^ 
©aoon wirb nidfjtö genommen, 
©aju bir nid&tö gebraut! 



XPeifung» 

(flobem&et 1887.) 

3$ ftanb t>or manchem fd&on betroffen, 
35er *ßinfel unb Palette fü$rt, 
Unb beffen fteifea, fefteS ©offen 
9Ric$ oft beinahe $ätf gerührt, 
ßr gog ins Sanb, ftubierte immer , 
Unb mies mit freub'gem ©offnunö^immer 
2)en ©Iijsem28uft, ben er erjielt, 
Unb festen i$m etwas re$t ju taugen, 
S)a rief er mit Derjüdten Slugen: 
Jtoa* gab* ein Silb!" 



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$ef$auftc$e3. 275 

@3 mufete bodjj ntdjt fein baä SBaljre, 
2Bie er bie ©adjje natym jur #anb, 
@r trieb eä fo bur$ »tele 3a|re, 
9?id)tö Ralfen Seute iljm unb 2anb, 
2)enn toaä er malte, fonnte Saien 
Unb Stenner nimmermehr entjtueien, 
SBeil feiner etroaä barauf Ijielt; 
Unb mag er eifervollen ©trebenS 
3lu$ fdjjuf bie £age feines 2eben3, 
®<tf> nie ein SJilb. 

3)er fott fidjj nidjjt mit ihmft belaften, 
35er bie SRatur wie jeber fteljt, 
©r fdjjleppt 'nen Sßljotograpljenfaften, 
35er nur bie ©djjulter fdfjief üjm jiefjt; 
SBem irgenb ©rofeeä no<$ gelungen, 
3)er Ijat fid&'S felber abgerungen, 
Db jart unb milb, ob ftarf unb roüb! 
$aft bu nur beinern SBerle thtn 
3lu§ eignem 3$ mag jugegeben, 
©0 gtbt'3 ein SSUb! 



IDte flug, tfjr ZTCütter! 

2Bie flug, üjr SKütter! 

S^r ftöret nid&t 

35en ©djjlaf ber kleinen. 

63 geiget ja, 

3m ©djtafe fpielten 

■Kit iljnen @ngel. 

SBenn fte bereinftena, 
®er SKutter «ruft 
@ntn>öljnt, erwachen, 



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276 ©ebidjte unb StylptiSmen. 

2Ber roeijj eS bcnn: 
2Ba8 für Störnonen 
3Rit i&nen frieten?! 

2Bie flug, Ujr SKütter! 

S^r ftöret nidjjt 

3)en ©djlaf ber fileinen; 

Sie Ijaben nur 

%nx !uq bie (Sng'lein 

Q\x ©pietgenoffen. 



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6timmm<i$Ulfax. 



Die Huine* 

war ba oerfammett für ^errlidjjfeit? 
2Ba3 Ijat ba oerblutet für §erjelcib? 
©a warb aller 2uft, allem Seibe gerecht 
3m kommen unb ©eljen mandj ftol^ ©efd&led&t 
SBor arter Seit! 

©ie 3Rauern, bie oben, fte ragen weit, 
Stein #aff meljr in iljnen t)on Suft nodjj ©treit; 
©ie Gljronil erjagtet woljl manche 3Räx\ 
©ie Steine oerfd&roeigen 3tu$ unb Seljr' 
STuä alter Seit. 

Unb mnn bann bidj), SBanbrer, Ifinabgeleit't 
©ie SBeljmut ob menfd&Kdjer SRid&ttgleü, 
Sebenfe, wie wenig an fjrtft oergeljt, 
©o wirb audjj oeröben bie unfre Statt 1 
©leic$ alter Seit! 

©er Ort, wo bu liefeft im ßtnberpfatb, 
35er £ain, wo bu füjjteft bie erfte 3Mb, 
©er ©aal, ber einft 3ed)ern biß @djo gab, 
SBeröben, fomte au# bein 3Ral am ©rab, 
2Ut beine Seit! 



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278 ©ebidjte unb 2ty$oridmen. 

5Dann wallen woljl anbre t>on SBegen weit 
Seit Statten ju unfrer Sergangenljeit 
Unb feufgen, rote etnft nur, aus banger Sruft; 
2Bte ftnb wir ber ©onne fo furg berou|jt, 
SBte feine Seit! 



(188».) 



98enn mir mit jebem neuen 3aljre 
©idjj fd&müdfen fefjen SBalb unb glur, 
33ef($lei<$t und neibifdjjed Smpfhtben 
Db unferd geben« flüd&t'ger Spur. 

S)er SWeib, baß und lein grü^fing roieber 
SBiff lehren nadj ber gugenb Sagen, 
S)aj$ Säumen gleidj mit fallen 2teften 
2Bir minterfi<$ gum $immel ragen! 

3)aj$ ftd& mit Stuten unb mit SDüften 
Stttimmerbar ber Seng erneut, 
Snbed bad ©djidffal audjj nidjt eine 
S)er Slumen auf ben SBeg und ftreutl 

5Doc^ möchten mir und nur befptegeln 
Sm tiefen 33orn bed ©elbfterfennend, 
2Bir fanben felbft, ald abgeftorben, 
VLtö mert bed gaffend unb Serbrennend. 

@d märe audj in und oft mieber 
@in neuer grü^Iing aufgemalt, 
Sffienn nidjt ber #ergen eif'ge Äälte 
Styn rafdfr erftarren |ätt' gema<$tl 



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©timmuttgSbilber. 279 

TXlonbnadft im (Bebirge* 

©o ftumm unb regloä ruljen SJerg unb 23>al 

3n Dottern 3RottbenKd>i, 

gern in ben Stiften roebet Icifer £all; 

Sic ©tttte untertritt 

9tur fjurtigeä SBaffergerinne, 

©tflbern fdjäumenb; 

@S ift afö ob bie SBett 

auf etwas fi$ bejmne, 

S)a§ i^r entfällt, 

SDaS unterbeff* 

©te roieber t>ergef[\ 

SBeiter träumenb. 

S)odf> nie unb nimmer fommt bie eine 5Rad)t 

3m fetten aSoHmonblidjt, 

SBo fte, ben Staunt abföüttelnb, auferroad&t, 

SBo jie ifjr ©djmeigen Bridfjt. 

@3 mögen bie SBaffer aerfanben 

Unb üerftegen, 

©S mag ber 3Kenfdf>en $erj 

3n roejjer ©eljnfud&t Sanben 

Sergej t)or ©djmerj; — 

©o t)or wie nadjj, 

©ie bleibet gemadjj 

Unb t>erf$nriegen. 

©o ftretfe bi<$ benn auf baä metdfje SWoos, 

Slidf auf jum #tmmeföraum 

Unb wäljne bidj wie auf ber 9Jhttter ©dj)ofc 

Unb träum ifjn mit ben Xraum. 

©ann wirb, n>a§ bas bämmernbe SBeben 

SHingS uerfltärte, — 

2)ie fetöftuergeffne 9tul), — 



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280 ©ebtdjte unb 2(p$ori3men. 

Suc^ frol) bie Stuft bir Ije&en: 
„2Bte fd^ön bift bu, 
aWonber^eflt, 
#errfid&e 9BeIt! 
3Rutter @rbe!" 



Stimmungsbtlö* 

@3 belltet weit ft<$ eine fanb'ge Städte, 

SRur bürft'ge #alme gittern ftojjroeif t>or bem 2Binb, 

SRur feiten fdjjmifft gu einem Keinen Sadjje 

9)er 2Baf[erftreif, ber ftdfernb über Äiefel rinnt, 

Unb nur, wenn tagelang ein reidjer ©egen 

Som £immel nieberfliejjt unb tränlt baS weite Sanb, 

Seginnt'a auf ftein'ger £albe ftdjj ju regen; 

5Da leimt unb [priest unb bedfet fdfjnett beS Sadjjes SRanb, 

2Ba8 eben bieten fann bie arme Ärume, 

Äein farbenpräd&t'ges prangen unb lein buft'geä SSlüIj'n! 

3)aS 3luge fudfjt vergebens eine SBtume, 

63 fielet nur rings in fjettem, fdfjnett t>erfefjrtem ©rün 

Stuf fleifd^gem ©ttele breite Stätter fädfjeln. 

©emaljnen miff es mid^ an jenes Säckeln, 

S)a8 oft ein forgenuoffeä 2lntltfc raf<$ burd&pflügt, 

SBenn unverhoffte greube einen fjrüfjltng lügt! 



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(Seffaffen mh <ftefd?id?fen. 



3m Walbe. 
©in GpfluS. 

(25. 3unt 1887.) 
I. 

®rüf$ ©ott ; grüji ©ott, bu grünet SBalbl 
SBeld) prangen unb ©ebenen! 
ffiu btft ber fdjönfte Stufentrjalt, 
©er liebfte rooljl ju jroeien. 

@3 Iad>t beä görfterä £öd>terlein, 
SBenn td) cä ftammelnb grüfte, 
2Bie fefct e8, flüdjtenb roalbljinein, 
©o jierlidj feine fjü^c! 

Unb id> cr^afd^' baä junge SBIut 
Stuf ftiUer, Heiner SBlatten. 
2Bie vooffi, wie feiig ftdj'S bodj) rul;t 
3m grünen 2Balbe§fdjatten ! 

n. 

aSBclc^ anber 5Raji ber Seit, o fag f 
2öof)I fönnten wir verlangen, 
2lte unfer beiber $erjen ©djlag 
3m feiigen Umfangen? 



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282 ©ebid&te unb Aphorismen. 

9lid)t acfjtenb, was ba fommen mag, 
SBergeffenb, roaS »ergangen; 
@d lann ber aRenfdjj allein oom Sag, 
SJom Xag nur, ©lud empfangen! 

UL 

<Br: 5Du Midffi t>oO »ngft 

3u mir empor. 

SBaS ift? D, fag' 

63 mir ins D&r. 
Sie: D, fafc mi<$ an 

Unb Midf jur ©eif! 

'S ift we$e Suft 

Unb füjjeä Seib, 

2Ba3 mi<$ erregt. — 

2)u böfer SRann, 

2Bie btd^'d erfd&retft! 
<5r: 3$ bin Bewegt. 

2Ber badete bran? 
©ie: 3p es nidjjt füft? 
@r: Gi ja, gewijj! 

IV. 

9Rem #immel, pnb bie 2)irnen bumm! 
2Beil i$ nidfjt t)or @ntjädfen 
©lei^ auger mir, fefjrt fte ftdfj um 
Unb breite mir ben Stütfen. 
©anj oljne ©rüg ift fte von mir 
3m Sorne roeggefdfjritten. 
@i, Iiebeö Ätnb, erft betteln mir, 
S)ann fommt an eudj) baS Sitten! 

33cm Seit ju Seit nritt nun gemadfj 
Den SBalb idfj Ijier burdfjftreifen, 
Unb lauft bie Hebe S)irn' mir na<$, 
©o lag id) midfj ergreifen. 



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©efiatten unb ®efe$ie$ten. 283 

©er SBalb ift au$ beö ©djjmudte beraubt, 
Sergilbt bcr »lätter Stejte, 
@r [Rüttelt jweifelnb überm ßaupt 
Sie &erbftli<$ fallen Stefte. 

V. 

9hm, Rauht nur £olg, alt 2Jtütter<$enl 
3<$ möd&te gern erfunben, 
2Ba8 mit betn gförfter Ijier gef<$e$n. 
2Bar f<$on fo lang nid&t unten, 
3$ wei{$ es m$t ju fagenl 

3)er görfter, pm, ift lang fd&on fort, 
63 war ju feinem frommen. 
S)od> wie er Ijetfet, berfelbe Drt, 
SBofyin ber -Kann gefommen, 
3<$ weijj e8 nid&t ju fagen! 

©ein Söd&terd&en? SMe £anne? ©, 
S)ie freilidj) blieb jurüdfe, 
9tidf>t weit oon l>ter, gang nahebei; 
Di pc'3 bort freut, ob brüdfe? 
gd; weijj eä ni$t )u fagen! 

ein Sump tarn atö ber ©tabt getroDt, 

@r war ni<$t einmal fauber, 

äie Sitm' fonft nidjjt ben 3Rännern &oIb; 

2Ba8 er gebraust für Sauber? 

3<$ weiß ed m$t ju fagenl 

Äurjum, er tljat tyr f<#ön, bis er 
3n ©d&anbe pe getrieben. 
Sie fa$ »on ©tunb' tyn nimmermehr, 
Unb wo ber ©djjuft geblieben, 
3$ weiß es nid&t ju fagenl 



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284 ©cbtcfjte unb Sfy&ortSmen. 

Unb als fte füllte ftd^ gu groett', 
Segann fte gu erfranfen. 
SBar'S nur aus purem £ergeleib, 
3luS reuenben ©ebanfen? 
3*5 weiß es nid&t gu fagen! 

2)odfj eines 3Rorgen8 war fte tot, 
©ie lag fo wie im ©d&Iafe. 
©noieS i$r ©nab' ber lie&e ©ott? 
©efd^a^ es tljr gur ©träfe? 
3dj> roeifc es ntd)t gu fagen! 

ßt, £err, was fommt 6udfj in ben ©tun? 
3BaS werft 3&* @ud& gur @rben 
2Bie 'n gottoerlaffner ©ünber &in? 
2Bie beut' idjj bies ©eBärben? 
3dj) roetjj es nidfjt gu fagen! 

SBergelt @ud& ©Ott bie milbe ©ab'! 
SBie lonnte idfj audfj benfen, 
S)aj$ £annenS ©djjafc uor mir id^ fjab'? 
9hm uriff jeb' SBort mid^ fränfen, 
3(5 toetg es nidfjt gu fagen! 

61, benft: ©efd&eljen iß gefdfje&n! 

SBir ftnb ja 3Renf<$en alle! 

©n Unglüdf mar'S, ein 3Rt{joerfte!jn, 

SBie oft in folgern gaffe. 

S)a8 roeijj id> n>oi)l gu fagen 1 

VI. 

3dfj blitfe t)on beS SBalbeS Stanb 
3um Äir<$ljof auf ber £eibe. 
S)ie Äreuge fteljn im ©onnen&ranb, 
©ie ©teine fe&n wie Äreibe. 



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©efklten unb ©ef$idjten. 285 

©in Sirfenfreujj, ba§ müb 1 fidfj fenlt, 
3Kit einem roelfen Äran& bedangt, 
S)n3 weifet ferne unb feitab 
SSon anbeten ifjr einfand ©rab. 

3$ menb' mein feiges Äug 1 empor, 
Unb meinem 33li<f, bem bangen, 
@rfdj>einet wie mit büfterm glor 
3)ie ©egenb rings umfangen. 
2Bie raget hinter mir ber SBalb 
3n pnftrer, bräuenber ©eftalt, 
9113 wehrte jtirnenb er ben 5ßfab 
@ntroeifjtem ©lud, oermirlter ©nabM 

©o fotten nad) ber ©tabt midjj 'rttdf 

S)te müben gfüjie tragen, 

3$ roitt na$ leerem, fdjalem ©lud 

2Bte anbere bort jagen, 

SBte all bie aufgetürmten ©tetn* 

ÜJlein armes $erj gemauert ein, 

Unb an baS £olje ofjne ©laub* 

3m flöte td> »erge^ unb ©taub. 



Die Jtbattfjtn un6 6er Bifäof* 

fltytU 1886.) 

@in' eble 2töattffm fam, 

ein* SRonn' beim SJif<$of Hagen, 

Sie Ijätf gen £immefö&räutigam 

©er Streue ftd) entfd&Iagen. 

„D roel), ber ©ünbe grofe unb ferner! 

grau SCebtin, lehret $eime, 

SBefd&idtet gleidj bie aBerlleut' l>er 

3Rit ©teinen unb mit Seime 



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286 (SJebidJte unb 2fy$ori3men. 

Unb mauret mit bie ©ünb'rin ein; 
©ie fc^ nit nädjjfter ©onne ©<$ein! 
©Ott möge \f)t genabelt!" 

Sie Sttattffm Ijeime fefjrt, 

©ie lieft ben Seiter jagen, 

Unb tljat, wie fie ber Stfd&of leljrt, 

2)a3 gab ein großes Älagen. 

©ie führten baS bleid^ ©<$wefterlein 

hinwärts ju einer Slenbe, 

Sa fügten Saftig ©tein auf ©tein 

Ser SBerfleutf flinfe £änbe. 

©ie maureten bie SRonne ein, 

©ie fteljt nit näd&fter ©onne ©<$etn. 

©ott möge ii)r genaben! 

Unb ate bie SBänbe feud&t unb falt 
Sa8 junge Slut umfaffen, 
Sa §at e8, e^ man föloft ben ©palt, 
©idjj nodjj vernehmen laffen: 
„2Bie groft bie ©ünb' unb fd&wer bie gJön, 
Sie SBonne war bo<$ füfte, 
Unb fennt wer meinen Suhlen f$ön, 
Der (ring 1 i^m legte ©rufte! 
(Sin geuer ift bie Sieb', baä jeljrt, 
n Unb ©Ott, ber i^rer nit gemehrt, 
3Kög' mir unb eudj) genaben!" 

Unb ei)' t>erbltdj> ber ©onne ©d^ein, 

aSter SRaultier* »or bem SBagen, 

©er a3ifc^of fu&r inä Älofter ein, 

Sie Sttatiffm fragen. 

Sie leitet ifyn an iijrer §anb 

$mabwärt8 mele ©tufen, 

33i3 wo man hinter naffer SBanb 

Sie SRonn* no<$ fjörte rufen. 



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©ejtotten tmb ©efd&idjten. 287 

©er SSifdfjof, tex befreujt bie Stein*. 
„SDer ßtbe Suft »erläuft in Sßein. 
©Ott möge bir genaben!" 

©rauf leitet iljn bie Slebtin nodj 
3nS ©aftgelafc, ins reiche. 
„D, eble grau, wag ^abt 3^r bo$ 
gfür £änbe metjj unb n>ei$e!" 
Unb als bie nätytt ©omt* fte fmb't, 
Umfallet betb* ein ©dauern, 
©ie bauten an ein bleidjeS Äinb, 
©aS tot lag hinter -Kauern; 
Seim ©Reiben an ber Älofterpfort', 
©a pftern fte als 3lbf($iebSn>ort: 
„@ott möge uns genaben!" 



3uamta* 

ßtttt 1886.) 



Suanita ftfct, bie Keine, 

3n ber 9&onnenfdj>uf mit ©äljnen, 

Unb fte l>ört bie fromme 6c$wefter 

SReue @reue( jag ermähnen, 

SReue abfd^euootte ©reuel, 

SReue unerhörte greoel, 

©ie beveinftenS nur ju büßen 

$n bem *ßful>l ooH ©lut unb ©djroefel. 

gerne in bem 33rttenretd>e, 
grüben über bem Äanale, — 
©djjlanfe, blonbe 5Renf<$en tooljnen 
©ort unb Äefcer ftnb fte alle — 



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283 ©ebttf)te unb SCpljortemen. 

£at ein -äföanit fidf} untemmnben, 
$Da8 Urelternpaar ju läftcrn 
Unb bie SKenfdjjen mit ben 2lffen 
Su uerbrübern unb uerfd&roeftern. 

Unb mit biefer fünb'gen Süge 
£ab* er mele fdfjon betöret, 
2Bie ber fromme 5ßater flaget, 
3)er im ßlofter Seilte Ijöret. 
SBäljrenb ftdf) bie SRonn' um i^re 
Steine -Dtenfdjenfjerfimft mehret, 
©i$t bie Heine Suanita 
2ä<|elnb unb in jtdjj gefeljrct. 

©ie gebenft beS 5ßater $o\e, 
S)er fte auf bie «SelT gebeten — 
Sarfuft lief fte, Ijatte leine 
Äinberfcljulje ju vertreten — 
Unb fte ladete ftill bes ©dfjretfenS, 
3)en ifjr ma<$te baS tjer^errte 
Sartumrafjmte 2lntli$, als e8 
Äug'tjerbre^enb ftdfj oerflärte. 

Unb fie fänbe e3 ju $art, ben 
Älugen Sriten ju Derbammen, 
35enn bie SKänner lönnten füglidjj 
alle bodfj tum 2lffen ftammen; 
2)od^ bem SBeibe wirb uerftdfjert, 
©afc es @ngels Slbfunft l;abe; 
Db uon £immefö lidfjter £eerfdfjar? 
SSon gefalTnen? Quien sabe? 



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©eftotten unb ©efd&id&ten. 289 

St* Peters Klage* 

(3ttli 1881.) 

©t. Sßeter fprad^ in trübem SEon: 
„§ör mi<$, ©ott SSater unb ©ott ©oljn 
Unb audjj bu, lieber fjeifger ©eift! 
2>ie SWenfd&en werben jefct fo breift, 
©ie fürdjten Teufel nidjt, nodfj £ob, 
Unb gar ein Seben oljne ©ott, 
3)aS planen fte mit freulem ©inn!" — 
©Ott SSater fprid&t: „2Bie frofj id& bin, 
Setrübt btdfj baS, bu treuer itnedljt? 
3dfj fag' f mir lommt es eben redfjt, 
3)u weifet, tdfj war ber ganjen Srut 
Sltt meine Sage ntdfjt gar gut, 
3<$ Ijabe SBaffer unb audjj Sranb 
SergebenS bodjj an fte gewanbt, 
Unb ©ünbflut nid&t, nodjj ©obomä SWot, 
SWidjt 5Roai)8 SBarnung, nod& beS Sot 
@rrettung mar ju etwas nüfc; 
©ie ©onne war'S tn trüber $füfc', 
2>ie $erle mar es für bie ©äu', 
©ie fünbigten nur ftetS aufs neu', 
33iS mein $err ©oljn in Sugcnbftärr 
Seforgte bas ©rlöfungSwerf. 
S)od^ wie'S gebielj unb wie'S geriet? 
3d& benF mein Steil unb fag 1 es nit. 
Unb menn es fommen tljut alfo, 
2Bie bu gefagt, beS bin idj) fro§. 
SBenn fte nunmehr in 2^eorie 
DIju 1 mid|j ju leben ftnb beftrebt, 
'S ift red^t, in SßratfS Ijaben fte 
3a äugelt oljne midfj gelebt. 
SBenn ftatt »on ewiger SSernunft 
©ie ftd& twn einer tollen #unft 

Vnjengruler, Gfcf. Utoft. V. 19 



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290 Gebiete»* StforitaaL 

StoflMfatbcr Strafte ber Katar 

Selrcuet g lauben , iß bic 6pur 

Son Seffenoerben f cpon tu ©upt, 

Hob oOeS tommt in gute 9ttt$f! 

Samt $at es fürber mo$I an €nb\ 

5Da£ man nein junnen eitel nennt, 

Hüb iommft gu £auf unb tommt gn Stanb, 

v ne große Sumiiüjett wo gu {famb 9 , 

Sann firiet fein ©djuft meip urie ginn ©pott 

Hüb fingt: 9fam lobet aOe (Sott! 

Unb finben fie mit ebiemmal 

3ftr Seien 'ring unb eng nnb f$al, 

3>afi fie in 6c$am baoor ergBty'n, 

Crjt unfereinen gu bemü^'n, 

ßi, bann tfl mit — bei meinent 8art! — . 

2)a3 $atte ^Regiment erfpart, 

2)eitti nenn i<$ Üjnen iuuuueruie§r 

2*3 ©ute fpenb', baä lieble roeljr', 

60 ifi'S norbei mit trägem Stulln, 

2)a3 ©utc muffen felbfl fte tljun, 

3DeS Söfen fetter fi$ enoelp'n, 

3>a§ nrirb fie 2ieb' unb Äluc^eii lel>r*n — 

9iu$t IrfinF i$ gern ber frommen ©c^ar — - 

3)o$ bann besagen mir fürtoa^r 

S)ie gottiof SRatfer aUermeift! 

SBie Rüg ba3 ®anj' gqiefc, geplant — 

2>a§ ©tü*$en ifl 00m $eU'gen (Seift i 

St. $eter, Ijafl bu'a au<$ geahnt?" 



Die Ha^eriiu 

Qannar 1887.) 

3)u ftyefl in bem Aammerlem 
Sei blenbenb grellem Sampenföem 
Unb fü^rft bie Sttabel als bte Skiffe, 
JDie »rot im ©afeinSfampf bir föaffe. 



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©eftotten unb ©efc$ic$ten. 291 

Sin Söglem äfceft bu mit Ärumen, 
68 teilt mit bir bic bumpfc Suft, 
Sn köpfen giefjft bu beinc Slumen, 
(gm wenig ©ang, ein wenig 3)uft 
Erfreuet bidj im engen Staum, 
gßo ber SKafd^ine emftg ©d&nurren 
©idjj wiegt in gletdfjgemuten £raum. 
Unb bu erträgft es ofjne SBurren 
Unb weinft nur wenig ftiCfe S^ränen, 
SBenn aHed f was bu magft erfeijnen, 
S)en SBeg ju anbrer Käufer fmb't. 
S)u rüfieft reidfjer Seute Äinb 
3um Safffeft jene prädfjf ge 9tobe, 
S)ie feinen gfrauenreij erprobe; 
£>u fertigft, faum nadj) einem 3al>r, 
2)a8 Äleib gum ©ang t>or ben 9Htar 
Unb balb ju affer gfreuben güffc 
2)eS Täuflings bönberreidfje §üffe. 
Verengert ftdjj ber Keine ÄretS 
2)er Seute, bie bir naty, bod& fremb, 
Sann nffl&eft bu mit gleichem gfleift 
am ftrauerfleib unb ifcoten^emb, r 
Unb t>on ber 2Biege bis gum ©arg 
(Sntloljnt man bir bie SKü^e !arg. 
Sie dritte, bie baS Stab gefdfjnefft, 
©eredjjnet äff gu Raufen, 
©ie führten bidj) ans ßnb ber Sßelt, 
S)odj) laffen nidfjt ber 9lot entlaufen, 
©o lebft bu Saljr' für 3^re gleich 
(SS rührte beine SBange Meidjj 
9tur feiten freier Süfte £au<#, 
Unb wenn bereinft man bi$ begräbt, 
SBofttr bu woijl gelebt? 
SBeifrt bu es aud&? 



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292 ©ebtd&te unb Styijortemen. 

Der aufrichtige Schreiner* 

CK8rj 1887.) 

„9tun, ©Ott jum ©ruß, %xa\x Siebermann! 

2)a fann man freiließ fagen: 

©djitett tritt ber Stob ben SWenfdjen an, 

3)a fjtlft einmal fein Klagen. 

©o roolFn mir benn ju SBerfe geljn — 

SBie es un§ aud& mag grämen — 

Unb motten f)ier bem ©eligen 

S)aS 3Raß jum ©arge nehmen. 

@i, ei, fünf ©d&ulj unb ein'ge Sott, 

2)a8 i)ti$ tdfj eine Sänge! 

Unb au(| ber Sruftforb, fic^t man rooljl, 

S)er mar gerab nidjt enge, 

Unb Änodfjen, mie fein Stogebieb, 

©ie motten moljl nidf>t roften. 

2Ba§ fagt Sfjr? Defter als @ud& lieb, 

Sefamt gftr bie ju foften? 

3e nun, man muß bem fel'gen 2Rann 

SRidljt UebleS brum nadEjfagen; 

SBenn 's SBeib baS 3Kaul nidljt galten fann, 

3Ruß man tyx b'SReb 1 t>erfd^lagen. 

5Ra, neijmt mir'8 nur nidfjt übel gar 

Unb §etßt midjj feinen fjlcgel; 

SBenn, maS bei anbern 3lu8naljm 1 mar, 

Sei i^m julefct bie Siegel, 

S)ann Ijabt 3$* w$t, nun freiließ au<$, 

Äein Slrjt mtirb 1 anberS raten: 

2Ba8 ^eilt bei mäßigem ©ebraud|j, 

2)a3 muß bei fjäufgem fdfjaben. 

3f)r meint: fein Unrecht Ijabe er 

Sm Sterbebett empfunben 

Unb '8 Ijätte iljn befd&roeret feijr 

3n feinen Iefcten ©tunben? 



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©eßatten unb ©efc§id)ten. 293 

$l\in, bieferwegen brauet 3$r 6ud& 

©erabe ntd&t gu Ironien. 

grau Stebermann, wer wirb benn glet<$ 

©a3 SWerärgfte benlen? 

@ud& freiließ rührte e§ fofort, 

3)a{* er @ud& ba gegeben — 

SOfö ©terbenber — ein gutes 2Bort, 

2Bie nie in fetnSm Seben; 

2)od& bafs er audj) hierbei gebaut, 

2Ba8 er @udj) lieg erieiben 

Unb bieä baä @nb* iljm fd&roer gemalt, 

®a§ möd^t' id& bodf) beftreiten. 

3$ fe^c £au3 unb #of jum $fanb, 

6r fuljr in grieb* von Rinnen, 

©enn afö er ,@ngel* @ud& genannt, 

2Bar er fd&on nidfjt Bei ©innen 1" 



Xetcfjer £\ns. 

Oanuac 1887.) 

SDaS 3ügengtödfd§en tönt burd&ä £al, 
#err Äurt liegt in beä ©terbenS Dual; 
@r ringt bie magern #änbe 
Unb ftöljnet in ber legten SRot: 
w 5Rimmt benn, bu lieber #erre ©ott, 
S)a8 ®ing nid&t batb ein @nbe?l" 

3)er ©djpetjj tym von ber ©tirne träuft, 
@in ©d&auer um ben anbern läuft 
3$m fröftelnb über 'n SRüdfen. 
@S fielet baä ©eftnbe bang; 
SBie jögert bodj) ber £ob fo lang, 
3K3 fdf>Kd& er Ij'ran auf Ärüdfen. 



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294 ©ebidjtc unb »p$ori3men. 

@r fdjjredfet an be8 ftobeä ©d&welT 

Surttdfe moljl beä #erren ©eel' 

Unb finb't ftd& unberaten; 

68 Raufte miß) bcr ©raf im 2anb, 

Unb ©treit unb 9tau& unb SWorb unb Sranb 

©a8 waren feine 23>aten. 

@r jetgt tooty Ängft, bod& feine 3teu': 
@8 brängen fid& bie ©iener fd&eu 
9tod& beä ©emadjjeä ßcfen, 
©en Sippen fein ©ebet entfliegt, 
Unb nur ein einzig ©indem fniet 
2lm Settfufe, bleich t>or ©djjredfen. 

©ie war bie £od&ter einer 3Ragb, 
©er einft ber ©raf es jugefagt, 
SBeil fie gebient in freuen, 
Su machen ob ber ©irne ©&r\ 
Unb bädjte bie ju frönfen wer, 
©en fottte eä gereuenJ 

Einmal burdfj trunfner ©ölbner ©d&ar 

©a8 3Rägblein in SBebrängniä war, 

©a ftürjt' mit glü^nber ©tirne 

#err Äurt $mju, bie SEBc^r* in £anb: 

„©er SKünbel ©d&impf, bes SormunbS ©d&anb'! 

3^r gebt mir frei bie ©tme!" 

©ie ©ölbner fochten tott unb btinb, 
©iemeil $err Äurt gema<§ bebtent 
©ie ungebetnen ©äfte; 
©ie fyattm Baß) DoÜauf genug 
Unb jogen ^infenb unb mit fjtud& 
2tu3 ber t>em>ünfd&ten gepe. 



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©eftalten unb ©ef<$td&ten. 295 

Unb nun in feines 2fobe3 -Kä^ 
©efdfjieljt ber 2)irne Ijart unb roelj, 
©ie fpridfjt mit #änbefatten: 
„Sßenngleid), ob feiner ©ünben 3aljl, 
35u iJ)m tierroeljrft ben #immelsfaal, 
D #err, laft ©nabe walten! 

D gib; was et aud) anbern t^at, 
2)od) meiner Unfdfjulb gießen ftatt, 
3)a§ roerb 1 i§m jum ©eroinfte. 
aSerbamm iljn nidfjt jur #ötfe ©lut, 
D glaub, ba3 Fegefeuer tljut 
©eroift bicfelBen ©ienfte!" 

®a feufjt ber bitter: „SBeldf) ein ©d&roanf! 
@in £röpffem £ljat, ein 3Reer t>ott £)anf! 
Sei meiner armen ©eelen, 
3$ ttMfjt' ntdfjt, »or'S ju @nbe ging, 
®aft @uttl)at fo ein großes ®ing, 
©onft roürb 1 i<# meljre jaulen. 

35o$ trägt unä nrie auf ©ngefearm 
Sunt £tmmel guter %^atm ©dfjroarm, 
®ann wiegt im §öffenfd^retfen 
2tudj) eine einj'ge %§at nodfj rnel, 
@S fann fein ^lammenjungenfpiel 
©ie je junidfjte ledfen. 

SDafj idfj t>or ^eijser ©ierbe bidj) 
Sefdfjtifcte, 3Waib, ba8 wirb nun midfj 
3)ort unt' gelinbe fädfjeln . . ." 
3)a fmß fein #aupt, er ftredft fiel) lang. 
SBaS prägt bir auf bie ftarre SGßang 1 , 
®u grauer ©dfjuft, ein Säbeln? 



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296 ©ebidjjte unb StyljoriSmen. 

gwet Sdjtpeftertn 

(Bptit 1882.) * 

3utn Traualtäre ge^t bie eine 

3Jtit ftoljem ©d&ritt, bie 3Jtyrte in bem #aar; 

35ie anbere, bie UnBegeljrte, 

Sterbirgt fi$ fd&üd&tern in ber ©elfte ©d&ar. 

©ie flüftert Ictfc: „Slrge ©dfjroefter, 
©u t^uft mit leidstem %u% ben fd&meren ©ang 
Unb beinen fünft'gen ©atten nannteft 
©u, feefen SBorteS, einen guten gang. 

Unb trägft bie SJtyrte, trofc bu nädfjtenä 
©ar oftmal übermütig mein gelad&t, 
SBenn bu mir 2)mge am>ertrauteft, 
SDic ftetö ju tiefft erröten mid& gemalt. 

3$ gönne bir bein ©lütf unb nmnfdjje, 
@udj) betben bleibe jebe 9leue fem, 
©o^ mär* bein S3raoer mir befdfjieben, 
3$ lennte nmljrlidf) {einen anbern $errn." 

®u armeä Äinb, bu fudfjteft Siebe, 
©enujj t>ermieb ftets beinen bürft'gen Sßfab, 
Snbeä bie Seilte, 2ocf re, Sofe 
©enujj gefugt unb Sieb' gefunben §atl 



(3uni 1879.) 



®a8 war an einem Siegentag, 
Sin ©iefcen, ein ©türmen, ein ©dauern, 
©aä Sßetter Ijtelt midfj feftgebannt 
3n falten, ummrtlidf>en 3Bauern. 



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©ejtolten unb ©efc§ic$ten. 297 

SEBir wohnten jjuft jur fclben Seit 
gfreunbnadfjbarlidj) ©tübdfjen an ©tübdfjen, 
3$ trat gar fd^üc^tern bei bir ein, 
S)u jeigteft bic lädfjelnben ©rübdfjen, 
©ein glanjDolT äuge fal> nadfj mit, 
@8 warb mir ein wenig beflommen, 
3$ war faum ba unb wünf<$e faft, 
34 war* K^ er 8 at iw<$t gelommen. 
S4 wähnte btdj) mein Qbcal, 
3$ M* c t>or fämtlidjjen grauen 
©eljr mel 9tefpeft unb manchmal gar 
@tn füjj anbädjtiges ©rauen. 
D Sugenbtraum, idjj bräd&f es nidfjt 
Zuwege, baft idj) btdjj t)erladjjte, 
3)urdf; ben idj) meine froljfte $t\t 
3n reinfter ©efeKfdfjaft t>erbradf)te. 
3$ fajj ganj feiig neben bir, 
©anj feiig, bodjj freiließ audf) ftumm, 
2)u Ijaft ein paarmal füll für bi<$ 
©elädfjelt, idfj weift jefct, warum. 
SKir galt mein ©Zweigen für berebt 
Unb jeglid^eä SBort für aermeffen, 
3$ warb ein anbrer bajumal 
3113 idj) bir jur ©eite gefeffen. 
2Bie lauljinwelj'nbe grüpngSluft 
©o fädelte mid& no(| baS 2tUn 
Unb alles fdfjwamm in garb' unb 35uft. 
©ie SBelt war mir eigen gegeben, 
3Rir eigen ganj, fo bajj fte midfj 
3n alT iljrer güHe entjüdfte, 
©ajj fie fein SBunfdj) unb fein 93egel)r' 
ßnt^eiligte ober jerftüdfte. 
3jn biefem ©anjen Ijaft aud& bu 
3(18 roftge glodfe getrieben, 
3$ Ijafdfjte in ©ebanlen btdf), 
5Doc§ ift's beim ©ebanlen geblieben; 



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298 ©ebtdjte unb 3lp$ott3men. 

©enn wenn t<$ bir <m$ grei^eit Kefc, 

©o Bift bu mir bo<$ nid&t entronnen, 

@S $ielt bid) ja baS gleite SRefc 

3Rü fonnigen gäben umfponnett 

©odj) fann idfj, wenn bein 3tug' nud) traf, 

35er Siebe jjeffladfjenbe £öne, 

2Bie bu t>ermod&teft ba ju fein 

3n all fold^er Slnmut unb ©d§öne?! 

Unb tdj) entfdfjlofj midjj ofjne Saut, 

©ie 2uft beineS SfoBttdfS ju tragen, 

2BaS midf> Bewegte, fonnte idf> 

3n SBorten bir nimmermehr fagen. 

@S bunlelte unb Sinter rings 
©gellten affmä^Kd^ bie ©trafen, 
©a rüdfteft bu ben ©tuljl unb fpradfjft: 
„#err 9tadf)6ar, idfj mufj ©ie t>erlaffen!" 



Unb wieber war'S ein Regentag, 
©a fa$ id& jur Ätrdfje bidfj fahren 
3n weitem Äleib, ben 3Jtyrtenfranj 
2luf beinen retdSJwatfenben paaren. 
©8 fiel ein fanfter Siegen nur 
3n fpriU&enben tropfen jur ßrbe, 
@S mad&te bidj) t>erbriefjlidj) unb 
©u fagteft: ,,3Ridj) jammern bie $ferbe!" 
31(3 man bir aus bem SBagen fjalf, 
©a jogft bu baS gä^en jurttdf, 
©ie ©äff er ringsum lachten laut: 
©er Siegen, ber Bräute ja ©lüdf! 
Sin einem Pfeiler lehnte idjj 
Unb übte mit grimmen 33e|agen 
3Ri<$ in ber Äunft, fo auSjufe^n, 
S(Id Ijätt' \<fy baS ©d&werfte ju tragen. 
@S f^ien mir ein SSerrat, fo arg, 
SBie jemals nur einer gefartet, 



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©eftatten unb ©cfdjtdjtcn. 299 

S)af$ btdjj ein anbrcr naljm jur gfrau 
Unb bu nidjjt auf mtd) |aft gewartet. 
£)odj) ate \i) nadjj ber Stauung Schluß 
©idfj burd& baS ©ebränge, baä bi$te, 
2lm Slrm bes ©atten na§en falj 
9Rit freubigem, frohem ©eftdfjte, 
S)ie SBange leife angeljaudjjt 
SBie eine erblüjjenbe 3tofe, 
2)a fuljr am Pfeiler td& empor 
3tu8 metner weltfdfjmerjlid&en $ofe 
Unb trat fjeran unb wünfdjjte ©lud, 
3$ traf eä, barein mi$ gu fd&idfen 
2Bte anbere, bodj) fdfjien es mir, 
©u banfteft mit wärmeren ©Hefen, 



Site mir fcanadj) und wieberfalj'n, 
3)a8 war erft naclj S^ren unb ffagen, 
S)a $at ber #tmmel fidj) in ©rau 
Unb bu bidf) in Trauer getragen. 
@8 mahnte midj) von fern bein ©djjritt, 
3$ lannte bidj) Balb an bem ©ange. 
®a8 fd&warje Äleib, es $06 ben ©dfjnee 
SDeä SfatdfenS, bie Stöfte ber SBange, 
@3 brannte burdjj ben bunflen %lox 
©ein 2luge fo feurig wie immer 
Unb unter fdjjwarjer Äraufe lag 
©a8 #aar in Ijetfgolbtgem ©Zimmer. 
3n mand&em gabft bu freier btd&, 
3n anberem wteber gebunben, 
3$ jjabe bidf> fo fdjjön wie je, 
2Benn nid&t gar nodj) fd&öner gefunben. 
©u wiefeft auf bein Sftauerfleib, 
©ad fage mir woljl jur ©enüge, 
2Betd& fd&merjHdfjer Serluft bid& traf. 
©id& wunbre nur, wie man'8 ertrüge! 



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800 ®ebtdjte unb Aphorismen. 

Db tdj cS woljl entfernt gebaut, 
©id& fotd&erart wieber ju finben? 
©u ftünbeft nun allein wie einft, 
©odfj müftteft bu jefct eä empfinben. 
@8 würbe bir baö Äuge feucht, 
3$ brüdfte bir tröftenb bie $änbe, 
21Ö bu erjäpeft wie bein Wann, 
©elitten gar fd&wer bis anö @nbe. 
Gtx war ber Sefte von ber 2Belt, 
Snbeffen bu §abeft nid&t £eljle, 
©aj$ er mdfjt gang Dottlommen war, 
©r Ijatte aU( ^ etliche gfeljle. 
©odf> toad man ©lud ju nennen pflegt, 
Semeffen wir ftetö nur perfönlidjj, 
3Ran flage nid&t, bafj man getäufrfjt, 
9Kan taufte ft$ felber gewöjjnttclj. 
©enn wer ber gfreuben Sfttd&tiglett, 
©er ©orge Seljarren empfunben, 
©er fjabe für baö Seben woljt 
©ie tljöridfjte Siebe bewunben. 
$Jlan trete in ben 3<*uberfrete 
Stur einmal mit freubigem hoffen, 
©od& freiließ Ijätteft bu — wer weift! — 
SBietteid^t e3 einft beffer getroffen! 
©u fd&lugft ben S3lidf uerwirrt jur 6rb\ 
SBorauf bu jum ©e^en bidjj wanbteft 
Unb mir mit raffen ©djjritten balb 
3m ftrömenben Siegen entfd&wanbeft. 



Unb $eute xqqx ein 9tegentag, — 

©in ©teften, ein ©türmen, ein ©dauern, 

©er füllte mir bie ©eele ganj 

3Rit tiefem, mit Ijerjweljem trauern. 

©a würbe atö ber ©tube tdj 

Sluf wenige 3Borte gebeten, 



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©eflalten unb ®efc$tc$tert. 301 

®8 ftünbc aufyn eine grau 
©ie will nid^t bie ©iele Betteten. 
3$ trat IjmauS unb falj ein SßeiB 
3n ärmlidjen triefenben fjefcen, 
3$ lernt* fte ntd^t, bu nennejl bid&, 
3$ ftorre bi$ an mit Cmtfefcen. 
2Bie glanjIoS Blidft ba3 bunfle 2lufl% 
©ie #aare fte fangen in gleiten, 
©u langft nadf) meinen §änben mit 
©er Mageren, gitternben Siebten. 
33i[t bu e8 benn? Unb !>ält jur ©tunb' 
Äein quälenber £raum midfj gefangen?! 
©ann fommft bu, eine SBettlerin, 
Sum ärmeren SKanne gegangen, 
©ie SBelt, bie etnft mir eigen war, 
SBerfuc^t* i$ ju galten t>ergeBen3, 
Sie nmdfjä, inbeä bie Sirme mir 
©rlaljmten im Äampfe beS SeBenä. 
2Ba3 t)or mir lag, baö faf; fo fd&al. 
3$ wäre Banlrott in bem Snnern 
©djon längft geworben, wenn idfj niJ;t 
©ejeljret von meinem ßrinnem. 
3u bem Vergangnen fjaBe tdfj 
©eflüdjjtet im trüg'rifdfjen SBäljnen, 
Wlan fönne mir nichts tauben t)om 
Vergangenen träumen unb ©eljnen! 
©a ptöfcltdf} feV ic§ bidj) t)or mir, 
SSom S^ntmer baä STuge gefeuchtet — 
©as üBer meiner Sugenbjeit 
3n fonniger griffe geleuchtet — 
Unb eingefdfjrumpft bie Heine £anb, 
©ie einft mir bie SRarBe gefd&lagen, 
2Bie fnöd&ew ift ber ginger bo$, 
3ln bem bu baS SRtnglcin getragen! 
Sßie weif ber 3Jtunb, be8 «SauBerroort 
9tac$ Sauren Befproc§en ben ©c§aben 



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302 ©ebtcfjte unb 2tyl)ori8men. 

Unb mieber mir baä £erj begabt 
3Wit aller ©rinnerung ©naben! 
3)u fteltft t>or mir afö iöettlerin 
■ Unb a^neft nidfjt, xotö in bie #änbe 
3$ bir nun lege, wenn audf> mit 
S)er fleinften, ber ärmlidftften ©penbe! — 
SBie ift bie ganje ©eele mir 
©rfüftet mit ^ergme^em Stauern. 
aSermeil, t>ern>eile Stegentag 
9Wit ©iefcen unb ©türmen unb ©dfjauern! 
5Rur jefct, if)x SBolfen, laftt eudfc nid&t 
SBom tofenben ©türme jerretfjen, 
SRur jefct von feinem ©onnenblidf 
®a3 ©üfter beä StogeS burdfjgleifjen, 
3)a|j ntdf>t gum #oljne, nid^t gum Spott 
Sn golbenen ©djjtmmer fidj) Reibet 
2Me ärmliche ©eftalt, bie bort 
©ebrodfjen bie ©trafce befdfjreitet. 



Der IDetfe* 



©in Starr, ber warb ber grag' nie roett, 

2Bo$er er benn baS geben Ijcttt'? 

Unb roa§ baS Seben fei, beä bad&t' 

@r mandf>e fummerooKe SRadjjt. 

©a ging er einftenä über 2anb, 

6in 23er n>ar 1 8 erfte, ba8 i^m ftanb, 

@r fragt baä SCier: „2Ba8 ift benn Seben?" 

„3$ fann bir feine Antwort geben, 

3d> leb* ba3 Seben, wetjj es nidfjt." 

©a geljt gum 2Renfd&en er unb fprid&t: 

„D fage bu mir, was ift Seben?" 

„3$ fann bir feine Antwort geben, 

Äeht ©taubgebomer weiji be8 $tat. u 

SDer Sföarr, er rafft ft$ auf gur 32)at. 



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©ejtolten tmb ©efd&tcJjten. 803 

@r greift gu einem SauBerBudj), 

3Rit wilbem ©räu'n unb wilbem $Iu<§ 

33efdf)wört er einen ©eift: „D, fage 

3)u Antwort mir auf meine grage!" 

3)er ©eift er fjaudfjt, ber ©eift er fpridfjt — 

SnbeS fein SRcBellcib erBeBt: 

„3$ lebe felBft baä geben nidfjt, 

®enn icl), tc& werbe nur gelebt!" 

2>a wenbet tx>ilb ber -Karr baä S3Iatt. 

3c§ bin jefct ber ©efdjjöpfe fatt, 

34 fd^i* ju bir, bu 2111, o, fage 

®u Sfatwort mir auf meine grage. 

D, fage bu mir, wa8 ift SeBen? 

2>u fottft, bu mufet mir Slntwort geBenl" 

SDa fräufelt'S wirre burdfjS ©emadfj, 

SEBie Sßetterwefj'n unb £)onnerlradf>, 

SEBic grüljIingSfäufeln, Slumenbuft, 

2Bie StuferBlülj'n unb SWoberbuft, 

©eftalten, fd&arf unb Hargerünbet, 

©eftalten, fanft unb letd&toerwifdjjet, 

SDodj) f)kx, was fonft getrennt ftdjj fünbet, 

3m <&>onn* unb 3Wonbenlidf)t t>ermifdjjet, 

Uiib eine ©timme fpridjjt iljm leife: 

„3*1* teBt mein SeBen, fag 1 tdj) bir 

Unb me^r nid&t weift i$, afö wie iljr!" 

2)a fd&wieg ber Starr unb würbe weife, 

®enn weife ftnb feit alten £agen 

3BF jene, fo nidjjt weiter fragen. 



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804 ©ebic§te unb SCp|ort§mett. 

Die Spinnen un6 6ie fliegen* 
@ine gaber. 

CIRätl 1878.) 

3n einem ©dfjtöfjdjen, ba§ üerlaffen 
Unb barum ^aI6 verfallen ftanb, 
#erBergten in ben oben Släumen 
Siel 35ufcenb ©pinnen an ber SBanb. 

©efunb^eit^alber aber modfjte 
®er tefcte ber Snfaffcn $ier, 
SerBrodjne ©Reiben ntdjjt »ertragen, 
Unb flidfte alle mit Sßapier. 

($r fdfjnitt baburdj) ben melen ©pinnen 
35er Sßaijrung Sufufjr grünblidjj eib, 
SSon aufjen fam nidfjt eine fliege, 
2Bie es balb innen leine gab. 

35te nefceroeBenbe ©emeine 
©ie raupte nid^t, tote iljr gefdjjal), 
Unb mar nadj) langem grimmen fjaften 
©em Bittern £ungertobe nafy\ 

35a warb für ben, ber Äraft nodfj füllte, 
35ie ©elbfterjjaltung jum ©efefc, 
®r lub Beim ©d&roädfjern ftd& ju ©afte 
Unb frag iljn auf im eignen 9tefc. 

©odjj aß ju Ijödjjft bie SRot geftiegen, 
35a fägte ftdfj, baß t>or bem ©dfjlojj 
©in muntrer ÄnaB* t>orBeigejogen, 
ffien Sangeroeile juft Derbroji. 



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©eftolten unb <^ef d^id^ten. 805 

@r raffte Äiefel auf t>om SBege, 
Unb nafym bie fünfter ft$ juth 3iel, 
SRut wenig ^eite ©Reiben Blieben 
9ta$ biefem ritterlt<#en ©piel. 

Unb burdjj bie Südfen fdfjmarmten fliegen 
3n #üffe unb in güffe ein, 
©ie ©pinnen fagten: „©otteä ©üte 
Siegierte ftd(jtBarli<$ ben ©tein!" 

©ie falteten bie SBorberBetne 
Unb banften i!)m, ber alle näljrt, 
Unb IjaBen bann mit frommen ©innen 
©ie fliegen reinlidj aufgeje^rt. 

©odfj meinte beren ©djjwarm Ijinnrieber — 
©er rings beftrieft Dom Stob ftdjj fanb — 
©ie ©treiben Ijabe au8geBrodjjen 
©er ©atan mit felBfteigner £anb. 

©ntging ben grimmen ©triefen eine, 
©ur<$ ©otteS £ulb $ielt fte ftc$ frei, 
Unb warb fte bennodjj aufgefreffen, 
©o meint fte, bafj e§ Prüfung fei. 

©a8 gilt von fliegen unb von ©pinnen, 
©ie an Vernunft nid^t überreif, 
©o$ fmb mir Äugen SRenfdjjen iljnen, 
©ottloB, in feinem fünfte gleidf>. 



Uniftigruftff, @ef. «Bette. V. SO 

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806 ©ebt$te unb 9ty$ori8men. 

Der ^römmfte in feinet IXxL 

(«ttfittjl 1878.) 

2)a8 war ber grömmfte in feiner Strt — 
3$ weife ni$t, rote er §ief$, — 
SDen $at ber SCeufel jur #ölT genarrt. 
3)a roär* ba8 Sßarabieä. 

@r fd&unb unb jroadfte bie ©eele iljm 
Unb quält* iljn roinbelroeid>, 
Unb frug mit fcöififd&em Spott unb ©rimm: 
„3ft*8 $ü6fc$ im £tmmelret<$?" 

33efd>eiben flüftert ber frommen Ster: 
„3e nun, ba§ SDing §at 2Belt, 
2>oc$ frei geftanben, id> Ijabe mir 
2)a$ netter uorgefteßt. 

3$ flopf Bei ieglidjem 3wi<f unb &xoa& 
©emütig an bie Sruft, 
Unb benf, e§ feljlt mir noc$ ber ©efdjmac! 
Sin foldjer #immeföluft. 

3Rir madjjt auc$, trofc all be§ argen ©<$ein3, 

Sticht ©rüBelei SBerbrufe, 

S)a äffe«, Beffer roie unferemä, 

©er Herrgott roiffen mufj!" — 

9hm &at bie ^eiligen affefamt 

3>ic Äunbe tief erfdjredft, 

35ajj eine ©eel', bie gar nid&t t>erbammt, 

3m £öttenpful)Ie ftedft. 

©ie brängen t>or unb fle Bitten für: 
„@rl53 i$n au* ber $Pein, 
Unb lafe jur golbenen #immetet$ür 
3)ie arme ©eele ein!" 



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©eftotten unb ®efc$tc§ten. 307 

*3<*/' fpndjt ber #erre, „wie tft mir nur? 
SBie lomm 1 idjj ba jum ©dfjtuft? 
#at meiner prangenben @rbe gflur 
betreten nie fein gufj? 

Sft er wie blinb benn t>or6etgeranni — 
©elodft nid)t, nod& erfreut, — 
Sin all ber Sßradfjt, bie mit reifer #anb 
3$ bort umtyergeftreut? 

Unb mnn i^m ba nod^ ber Unterfdfjetb 
2Jon Suft unb Dual gebrid&t, 
3e nun, ba tljut er mir fetter leib, 
©odjj Reifen fann id& mdf>t, 

©o mag er benn leiben oljne ©runb, 
8i3 es i^n fetöft t>erbriej$t. 
©inftweilen laftt mir ben @fel unt', 
St* bafc er Küger tft!" 



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<&iU$m§tiU%ebityU. 



Prolog 
3ur Stubentemjorjleltang 3um Bejien bes tPiener Sdjtflerbenf mals. 

(1872.) 

Per Sugcnb ftc^t bic &*$& f<$ön! ©te mag 
©rfa^men ©inn bur<$ Huge8 ©d&roeigen e^ren, 
S)ie Äräfte, in iljr fdfjlummernb, £ag für £ag 
©rproBen unb im 33om beS SBiffcnS ftären 
Unb fo geruhig märten iljrer Seit 
Unb Bi8 baljin ftd(j reinen ©inn Beroaljren, 
©ie Sag^eit ftejjt ber Sugenb fd^ön unb feit 
3Sor rafdfjem £ljun unb müßigem Seljarren! 
®od^ mttfjte Sugenb nimmer Sugenb fein, 
SRtc&t meljr auf tljren SBangen Stofen Blühen, 
SRtd&t me^r in iljrem SBufen — Mar unb rein 
©ie #immeföIolje ber Segetft'rung glühen, 
£>er ©lauB' an alle gufunft ^ürbe £üge, 
3)ie Hoffnung Beffrer Seit ju ©raB gelegt, 
SBenn nid^t @in SRame jünbenb in fte fc§lüge, 
SBenn ©<|iUer3 9tame nimmer fte Beroegt\ 
2n§ ©Ritter frülj t>on biefeS SeBenS Sfi^ne 
Snmitten regen ©d[jaffen§ mujjte fliegen, 
©a ^aBen reuig biefem SBelj jur ©ü|ne 
S)ie ©ötter ero'ge Sugenb i^m t>erlie|en, 



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<Megen$eit3gebi$te. 309 

Unb feiner mag beS Sauberä ftd& erwehren, 

S)er milbe iljw, na$ ©ötterfd&lufe, umgibt. 

9Ran mag bie anbern Ijoljen ©elfter e|ren — 

S)er ewig junge ©Ritter wirb geliebt! 

3n Ijoljen eblen Stljijtljmen auägefprod&en 

©rgreift um fein Ijarmonifd&eS ©eftalten 

Unb btefer §olbe Sann wirb nid&t gebrochen 

S3on weitem £aar unb tiefgefurd&ten galten. 

©ar rafd& ift manches SEBort and $erj gebrungen 

Unb warm burd&riefelt e8 baä mübe Slut 

Unb freunblid(j roinft am ben Erinnerungen 

9tod(j einmal gugenbluft unb SebenSmut. 

£>er Swgenb podjt ba8 £erj mit rafdfjern ©dalägen 

Unb feinem Urteil folgt jte unbebtngt 

Unb bringt bem SKeifter t>otte Sieb* entgegen, 

©er iljre ©lut unb iljre SEBei^e fingt. 

@3 fann jte nimmer in bem SBinfel leiben, 

9Kc§t feitab fann jte feine @ljren flauen; 

©ie muft Ijeran, fte muj* tum SBerfe fd&reiten, 

Sin be8 geliebten SKeifterS 35enfmal bauen. 

2Bir fanben fonft auf unfrer SQBege ©pur 

auf Srücfen unb in SRifdfjen auf ben ©trafen 

3)ie büftern Silber berer, meldte nur 

3)em £immel lebten unb ber @rV t>erga{$en! 

©ie nriffen nimmermehr uns fürgubitten, 

©ie roiffen unä fein Seifpiel mefjr ju geben. 

©ie nriffen es ja md&t, roaS mir gelitten, 

©ie nriffen es ja md&t, roaS wir erftreben. 

©3 l>at ber 9Renfd& f\$ eitlen ©innä entfd&lagen, 

3m eignen #erjen fudjjt er gfrieb 1 unb ©lud, 

Unb legt mit ftiKem ^eiligen ©ntfagen 

©ein hoffen in be3 Ferren #anb jurücf, 

9iic$t fud&t bie Sugenb §immel gu gewinnen, 

©ie fud&t fein Eben meljr, ba8 jte t>er!or, 

®S ringt ju reinerm ftttlidjjern ^Beginnen 

Sie 5RenfdJtöett ftd[j am eigner Kraft empor. 



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310 ®ebidjte unb 3Cp§oriSmen. 

2)aS wirb bcr £err ber SQSeltett nid&t »ergeffen, 
3n feinen £änben wud&ert wo§l baS Sßfanb, 
auf (grben aber $at ber SRcnfd^ inbeffen 
Su regem Straffen feine freie £anb. 
©o wollen wir ber @rb' SSeräd^ter ftrafen, 
Unb mögen Minlenb @rj unb rauher ©tein 
SluS iljrem tiefen ©djjofj bie Bcftcn SBaffen 
Um iljre ©a$e ju »erfechten fein! 
@8 mögen rings bie Silber berer fd&winben, 
35ie biefe SBelt gejie^n ber Stid&tigfeit, 
Da in beS #erjenS innerftem (Smpfinben 
3Me 2Baljrljett lebte jefct unb äffe Seit. 
SBir wollen unfern gelben SRaum gewinnen 
Unb wo ätefeten fte^en cm ben SBegen, 
Da trete aud& ein ©eifterfämpe i^nen 
3n @rj unb ©tein gewappnet ftetS entgegen. 
2Bir wollen auf bie ©jjrenfäulen Ijeben 
SMejenen nur, in beren mäd&t'ge £anb 
Slffjeit ber SJtenfd&fjeit SBürbe war gegeben 
Unb welche treu Bewahret biefes Sßfanb. 
Damit iljr 9te$t aud& enblid[j jenen werbe, 
Die unferS ©eifteS, unferS SluteS Sengen, 
Die und ben $immel wollten ju ber @rbe 
9Jttt treuem ftarfen Slrm Ijernieberfceugen! 
Damit bir, $o$ex, aud& bein Siedet gef<$elje, 
an beffen Denfmal wir bie #anb nun legen, 
Unb möge beineS SBilbcS reine 9t8$e 
Su treuem £ort uns werben unb jutn ©egen, 
Sermaljnenb uns unb lommenbe ©efc&led&te, 
ans @ble ftets ju galten oljne Sangen, 
Unb treu in Äampf ju geljn für jene SRedJte, 
Die oben unjerbred^lid^ wie bie ©terne fangen! 
Das maljne bein ©ebäd&tnis, großer SBleifter, 
SludJ uns burd^glfi^', was bir im Sufen brennt; 
Das walte bu, bu ebelfter ber (Seifiter, 
Den biefe SBelt als ftriebridjj ©filier lennt! 



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<SWegen$eit3gebic$te. 311 

VLad) fflnfunöjipanstg 3afyrem 

(1848—1878.) 

Site fotfte jcbct Sltem gfriebe irinfen, 

©o ernft unb fdjmeigenb ruljt es in ben Süften; 

@3 fd^eint ber SDtonb, bie ©räberfreuje blinfen, 

35c8 £eilanb3 »ilbniä firaljlt ob allen (Stuften. 

35a regt es an ber Äirdftofmauer fidj, 

©a Heitert e8 §man unb gleitet nieber, 

©a ftefjt ein 2RännIein alt unb fümmerlidj 

Unb ftüfct aufä nädfjfte Äreuj bie müben ©lieber. 

Slufatmenb blicft er über 'n weiten Sßlan, 

35ann fäljrt er feufjenb mit ber £anb jum ^erjen . . . 

©ort roinft ber Dbelte!*), unb gotben bran 

(Srglänjen fte, bie Sage jenes SWärjen, 

©em wir ein treu 1 ©ebädjtnte nod> bewahren, 

©er uns in ^eiliger (Srhm'rung fteljt, 

Unb ber un% einft vor fünfunbjwanjig %afyxtn 

2Bie füfcer Sölferfrüljling angeweht! 

Sin btefem .©rabe fnieet nun ber ©reis, 

©a8 ©itter [treideln jitternb feine #änbe, 

Unb unter ftd), jur @rbe fpridjjt er lete, 

Site ob fein SBort @el»ör bei Eoten fcmbe: 

„3$ ^ab 1 um eu$, ber grei^eit ©aat, getrauert, 

3$ mar babei, afö man jur ©ruft eudj fenfte, -— 

9tic§t lange ^at bie $errli$feit gebauert, 

3$ mar babei, ate man erfd&ofc unb fjängte. 

3$ fomme jefct ju eu$, geliebte $ote, 

3n ftiller 9tac|t, im 9Ronbenlid&t, alleine, 

@ö lommen mo^l mit nädjftem Morgenröte 

3Rit Äränjen unb mit gähnen bie Vereine, 

3ljr merbet ©ang unb »iele Sieben $ören, 

Wandt) gutes unb mandj unbebeutenb äßort; 



*) SCte S)en!ftein für bie SBiener SRä^dJefallenen. 8. b. $. 



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312 ©ebtd&te unb $ty§ori$mett. 

$$ wollte bitten, laffet eu$ nid^t ftören, 

Unb Bleibt in eurer 3lu^ unb fd&tafet fort. 

Unb mnn fte eudj mit frönen äBorten fagen, 

2Bie enblidjj obgefteget bodjj baS Sid^t 

Unb wie ber $reiljett S3au in unfern Sagen 

35aS gange 9tetd& umfd&liefjt . . . o glaubt es nid^t! 

9Jian wirb t>on ,9ted[)ten' unb ,grei^eiten* reben — 

£ter föliejjt bie SMefjrjaljt ftetS bie ,SWe!jrl>eit' aus 

2Bir gelten bod& für aCe unb für jebeu 

9Rtt einem 9ted(jt unb einer fjreüjeit #auS! 

6ie fochten einen Äampf, ber fte woljt eljrt, 

©o gut es ging, tljat jeber feine $ßflid[)t, 

35od^ nennen fte ben SßretS beS Kampfes wert, 

£>ann, ftitte £ote, glaubet iljnen ntd&t! 

©ie fteljn ja alle in beS SebenS Sann, 

©ie werben nid;t bie t>otte SBaljrljeit wagen, 

35enn biefeS SebenS ganje SBaljrfjeit lann 

2)odf; nur ber ©terbenbe ben £oten fagen! 

©d&on ftretdfjt beS naljen -DtorgenS fül)le Suft 

3)urd(j Strauerweiben unb burd> fd&lanfe Slüftern, 

©o beuge \$ mtdSJ benn nadp eurer ©ruft, 

Um es eudjj rafd^ unb §eimfidSJ gujuflüftern: 

©elbft biefer bürft'gen ftretyeit (Srnte ift 

3l\ä)t unter 3)ac$, es brofjen rings ©ewitter, 

3)aS ift'S, warum mein 3lrm ftd^ frampfijaft fdjjltcjjt, 

,3u rütteln f)kx an eures ©rabeS ©itter. 

D lajjt uns ber 33egetft'rung Suft erfahren, 

©ie felbftloS in bem ©anjen untergeht, 

2öie fte uns einft t>or fünfunbjwanjig Sauren 

SBie füger 33ötferfrüljling angeweht!" 



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©eteaen^eitSgebidjte; 313 



Prolog 

3ur fejtoorjlgtfung im (Theater an ber Wien am 28. Sept. J87* 

3ur feiet ber Hücffefir ber öjletreicfyifdj'migarifdjen Horbpols 

eypebition. 

(©eft>to#en ton Watte ©clpingct im dfcoroftet b« .^ottnt^itifS'.) 

3)0 fd&reiben f SKeugeit tum bö Sftorbpolfaljrer, 

SDtit großen »udfjftab'n Ijob 1 iS fetter g'feljn für g'nrifj — 

2t — *S Sef'nfinna is a ©eg'n, a toaljrer — 

Sin gum ©t&ulmafter glei, Ijab g*f ragt : toaS benn bös is? 

35er faßt: „3lo, Sifl, jjörft, bift ma a feint, 

3}ergtj$t'S, bö @rb' is runb, unb auf ber öanm £ö!}' 

35a is a Sanb, ba mag ber loana eint, 

©o liegt'S für emig* Seiten unter @tS unb ©d&nee — 

35a Ijan ft furafd&terte Scanner g'funben 

Unb Defterretdjjer, unfre braoen SanbSleut' foan'S, 

355 Ijan bie taufenb ©'fahren übernwnben, 

35ö femman ^oam unb bö ergäljt'n ber Sßelt Ijirgt oanS! 

33on alle, bö bös ©tütfl untemomma — 

SBerljungert unb uerfror'n fan ba gar brctoe 2eut' — 

3)ö Defterreidjer foanb am toettften fomma, 

2Bo no foan SWenfd^ tS g'toen feit unoorbenfli Seit. — 

3Ran fann bös foan unnüfce Neugier nenna, 

35öS flccft gu tiafft im SJtenfd&enljerg'n tVn, 

6r will bie 2Bett aufs leftte SBinferl fenna, 

35en 2Boljnfi$, ben uns Ijat ber Herrgott geb'n! 

3)a gibt'S fo 2eut', bö motten f gern uerflucfja, 

SBann oaner' nur auf was er fetter ftad&t, vertraut, 

3 moan, *n Herrgott g'freut'S, wann itym oan ©uacf;cr, 

91 f o a redfjta, ftnbig in bie Sßerfftatt fdjaut, 

Unb moan, wir anberne, foan bifjl minber 

&an bö tljm wert, unb er is üjna g' SßilTn 

©o rata a SBater, ber mit feine Äinber 

9lad& geierabenb tljuat SBerftecfa fpiel'n, 



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314 ®ebidjte unb Aphorismen. 

3)5 floana ©afta ftürjen 'S gange £auS 

Unb enbli ge§t nur a ffoan 33röfert a, 

©et SBoba woafc fi fetter nimmer aus, 

Unb muaft ijeraor: no gudft'S — ba bin i ja! 

Unb wirb er mänigSmal a müb unb irrig, 

3)o fud&t ber SRenfdj, nur rooljl, a ©ptel is'3 net, 

31 2W6eit iS'S, roie anbere Ijart unb fdjtmertg, 

31 Slrbat moan i, frumm roie a ©ebet! 

9to rooafc i mi fdjon aus, bös !ann i fagen, 

3$ f)<m Sftcfpclt t>or meine Sanbsteut' 'friegt; 

©S brauet fdjon a Äurafdji, baS ju wagen, 

31 rid&tig'S ©'fd&au, bad bo a rooafj, roaS'S ftegtl 

Unb roaS Ijab'n f' alles auSfteljn muffen, 

355 armen £afdjer, ba am 9iorbpol unt\ 

'8 ©dtfff giriert ein, '8 @iS roacfelt unter 'n gfifjen 

Unb 'S Sßetta, glaub* i, is bort a net g'funb. 

Unb 33erg fott'S geb'n von @is, gar net jum meffen, 

Unb roüfte SBied&er tnel — no i roottt' wetten — 

SBann oan a ßisbär traf, ber mÖd>t' foan freffen 

Unb b'©eeljunb lieg'n rooljl a an foaner Retten. 

3)ö8 33'funbere anfd&au'n is rooljl a net j'roiber, 

3)o roie ft unfre SanbSleut' g'freuen mög'n, 

5Rad} a fo langer Seit, mm* f& bann roieber 

35a unfre 33erg' unb unfre Sieger feg'n. 

©ö Ijab'n aufg'roiefen oor ber SBelt i|r'n Slugen, 

2Bir Ijab'n no Seut' ooff Stityrigfett unb Äraft 

Unb lemman f* frif$ unb g'funb, fett' mödfjt' fdjon taugen, 

3)afc ma ft lang no g'freut ber SanbSmannfd&aft, 

Unb fädlet x% i mar net lang Bebaut, 

3 gebet freunbli iljner b'#anb, 

©eib '8 fd&ön bebanft für b'©(jr', bö öS uns g'mad>t 

Unb grttfc eng ©ott im SSaterlanb! 



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©elegenfjeitögebidjte. 315 

Cptlog $u Haimun&s ,t>erfd}tt>en&er ( * 

©efptodjen im Skatet an ber «ölen am 60« 3a$re&tag bei erjtat tfup^rung 
(SRSri 1884.) 

33or fünfzig Sauren, afö ber Solang fanf 

9todJ biefem ©piele reifer Sßljantafie, 

©rbraufte burdjj bad t>offe $au% ber ©anl, 

35em froljberoegt bie SWenge Sluäbrudf Kel>; 

35od& über jenes ©aaleä ©d&roeHe 

©rang an ber 9tod&welt Dljr bes 3Reifter3 Stuf, 

©er fo ju tiefft aus SBoIfeäfeele 

®ie remften, ebelften ©ebilbe fdjjuf ! 

©eänbert Ijaben ftdj bie Seiten 

Unb bie ©emüter würben fatt unb Ijart, 

35o$ fennen fte fein SBiberftreiten 

©en SBleifter SRaimunbS anmutsvolle Sfct, 

@3 fdjjlägt fte fein natoeS ©Silbern 

3lo$ §eut wie Sugenbtraum in füfjen 33ann — 

Unb bie Slffegorie in Silbern 

©ie mutet faft mit meiner 9Bel>mut an; 

3n feinem fünftlerifd&en SBalten 

35a mürben Sllter, Sugenb, £af$ unb Sleib 

3$m &u leibhaftigen ©eftalten, 

Sunt Eingriff in ber SKenfdfjen 2o8 bereit. 

@r fd&eud&te meg t>on ftd[j bie Sfljmmg, 

®ie nun be8 9Jtenf$en ©eele bang bewegt 

9Jlit jener furchtbar ernften SJtaljnung: 

©afj jeber felbft fein 2o3 im Innern trägt, 

©afc nichts Ijeran von aujjen bränge, 

3)a§ iljn von aujjen fjielte leine 5Radfjt, 

SBenn er nidjjt garten ©riffö bejroänge 

©en ©ämon, ber iljm in ber »ruft ermaßt! 

©ad liegt bed SWeifterd frohem Äerne 

2118 Äünftler mie als SWenfd^en fremb unb weit, 



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316 ©ebtdjte unb 9ty(>ortemett. 

<Sr füljrt baä gcccnrcid^, baä ferne, 

SSerflärenb ein in bie SKltaglid&Iett 

Unb gibt fo voUt, Ijeitre Sinter 

Unb fefct fo frifd&e, fatte garben ijin, 

©af$ man audj ^eute laufet bem Sinter 

9tod> mit ber Sinnen gläubig regem ©mn. 

@r felbft ein glottroell, bem jum Soljne 

5tuc^ einer ßfjertftane Sieb entfpradjj, 

SSolfömufe, bie atö iljrer ßrone 

gür iljn bie retdfjften, fdfjönften Sßerlen brad[j; 

JBerfd&roenbet rooljl, bodjj nid&t verzettelt 

#at er oom ©d&afc, ber iljm t>erlieljen warb, 

Unb auc$ nur bei fiel} felbft gebettelt, 

2Bie eä ber reid&ften ©eifter Eigenart. 

®ie SJKufe fonnte aud& ben SReifter 

3um ©djjeibegrujj »ermeifen auf bag ©ort: 

Stuf ben S3erbleib im Sletdfj ber ©eifter; 

©ie Ijielt getreulich iljrem Siebimg SBort! 

2)en Seften jäijlt er bei im Sunbe 

Unb nid&t oergänglidjj nur erwarb er #ulb, 

Stylt bod& mit biefeä gefteä ©tunbe 

Sie SSaterftabt Ijter eine (Sfjrenfdjjulb! 

Unb über biefeä ©aales ©djroelle 

Srägt iebet; weiter nun beä SKeifterS 3luf, 

3)er fo ju tiefft aus SSolfegfeele 

3)ie reinften, ebelften ©ebilbe fdfjuf! 



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©elegenrjeUSflebidJte. 317 



^eftlteö 

3ur 25. (Srfinbungsfeter bes Wiener S^tiftfMer* unb 3<mrttaltjien- 
Vereins „Concorbfa*. 

(10. Oftofc« 1884.) 

@8 ftnb nun fünfunbjraanjig Saljr' 

3m Scitcnjirom t>erfIoffen, 

2tt§ crnftcr SKänner Keine ©djjar 

©en fcftcn »unb gefd&Ioffen, 

2>en 33unb, n>o treu jic$ gegenfeit' 

2)ie Äameraben fttifcen 

Unb in beä ScbcnS fd&raerem ©trett 

35cn einzelnen Befd&üfcen, 

£>af$ er nic§t gremben fdjutbe 35anf 

Unb ftets bie geber, unfre Sßeljr, 

©rfjalte fledfenfos unb Man! 

|:Unb aKejeit in g^rMrl 

Unb auf bem fleinen ©runbe fa$ 
9Ran rüftig Bau'n Bte Ijeute, 
5Run fielet bie „Goncorbia", 
@tn ftattlicijeS ©ebäube! 
3n beffen SWauern tritt ber 3Rann 
3« $rufc ber Slot entgegen, 
35er iljrer Wlafy auf offnem Sßlan 
SBoljt ^ilffos war* erlegen; 
9tun mag er oljne $urd&t unb Sang 
Un§ fiets bie geber, unfre Sßeljr, 
Erhalten fledfenloS unb bfonf 
|: Unb aKejeit in ©f>r'! :| 

Unb wenn wir fo in froher 3lunb 
Uns füllen aC für einen, 
©0 foff uns ben erftarften Sunb 
SCüd^ fürber nichts t>erflemen! 



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818 ©ebidjte unb 2ty§ori3men. 

2Bir »ollen aud& in fd&roerfter Seit, 
Umbroljet ton ©efaljren, 
(Sctrcu bie Unabljängtgfeit, 
©te er und fd&uf, bewahren, 
gut Ueberjeugung frei unb franf 
©ie geber führen, unfre SBeljr, 
Stuf bafe fte fledfenloS unb Hanf 
|:Unb attegeit in @^!:| 



2lm 50* 3a^restag 6er Beerötgung ^ertonan& 
Haimunös, 

(©efl>wa}en ton Subtola 9tt|engtttbev am Grabe «aimunb» ta ©utenfleln am 
8. September 1886.) 

Site man t>or fünfotg Sauren Ujn jur @rb' gebettet, 
3$n, beffen ftnn'ger (Srnft unb fetterer £umor 
Dft unfrer SBäter forgewoffe ©tirn geglättet, 
©a taufet* bie SBelt nod& nid&t, roaS fte an tym »erlor; 
©ie raufet' e§ metyt in jenen letdjjtberoegten Sagen — 
Unb modjjte fein SBerluft fte fd&merjen nodj} fo tief — 
©afe fte in t$m ben 2Retfter Ijat ju ©rab getragen 
©er Sßoefle, bie ftill im 9Sol!eSljerjen fd&Kef; 
©ie umfete er, wie na$ il)m feiner, ju trroeefen, 
@r puffte gfreuV unb Seib in märchenhafte *ßra$t, 
@S war rote froher, farbenreicher träume SRedfen, 
2lu8 benen reinem #erjens man bann auf gewagt ! 
2Bir aber fte^en fjter an feines ©rabes ©djolle 
(Sin anbereS ©eföled&t, als wie fein Sag geflaut, 
@S ift in fjarter Seit uns eine emjire Stolle, 
@m mächtig 9 Singen um bie Sufunft anvertraut. 
@S lieget unferm ©inn baS 3feenreid& t>erf$Ioffen, 
©es SWärd&enjauber unfre ©Itero einft entjttdft, 
Di nrir burdjji eigne ©cjjulb uns nun barauS t>erftofeen, 
Ob rau^e aBirflidjjfeit bemfelben uns entrüdtl 



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<3eteQen$eit3gebid)te. 819 

SDodj fönnen ooll&eroufjt wir üjn jefct ^öljet werten 
©en SKetftet, bef bie ebelften ©ebilbe fd&ufr 
Site jene, btc mit üjm gemanbelt auf ber @tben 
Unb beten Urteil oft t>etmittte fein Setuf. 
2Ba3 er mit liebeoollem, fünftletifdjem SBatten 
3n ftiljnen, ftdjjetn ©trieben Ijatte konterfeit, 
3)ie fetnigen, bie rütytenb treuen SBolfggeftalten, 
3)ie finben le&enb mir nod& unter un% gut Seit; 
©o öffnet ftd> troftreid^?r SluSblidf in bie gerne: 
$aj$ gä$' baö SBoK ber Seiten 2ße<$fel Ijalte ftanb f 
Unb bafj ftd& ftetS in feine« SBefenS tiefftem Äerne 
SBerftänbnid für ba8 ©d&öne unb bas ©>le fanb! 
2)af$ jener Silber $reue lebenb ftd^ erneuet, 
Segeugt bie 9Jletfterfdf)aft ber gfeber, bie fle fdjrieb, 
Unb bafj er reifer £anb beS @blen ©aot geftreuet, 
®a8 geugt für feines armen £ergen8 SWenf^enlieB', 
Obgleich ein 1)txV ©efdfjidf i^n bom'ge Sßfabe lenlte. 
Unb uns, entrüdfet feiner Sage SRetb unb ©unft, 
©ttt er, ben man t>or ftinfjig %afyxtn Jjier t)erfen!te, 
Site ebler SWcnfd^ unb edfjter -Keiftet feiner Äunft! 
Unb menn mir Ijeute, i§n gu eljren, fommen, 
©o miffen mir, e8 rüljrt i!jn ©c&mäljung nidjt nod& 35anf, 
©eit er in ba3 Uremige mit frommen 
Unb ftiHergebnem ©inn jurüdefanl. 
©o treuer muffen mir bie IjeiPge Sßflid&t bemäljren: 
©ein Slngebenlen gu erhalten reg* unb mad&; 
®in SBolf, baS feiner 2foten moljfoerbiente ©l>ren 
aSerfümmem läfst, ba8 lebt ftc§ felber balb gur ©d&ma$! 
SBenn mir mit buft'gen Ärängen nun unb Steigen 
35ie ©ruft bir fdjjmüden — Ijeilig fei un& beren 3tul)M — 
©o motten mir nur beinet wert un$ geigen, 
5Du ebler ÜRenfd^ unb liebenömerter Reiftet, bul 



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320 Gebiete unb Aphorismen. 

Karl (Elmar* 

(1888.) 

©o Ijaben einen jener SHten, 

äBir vtoieber jüngft gu ©tob' getragen, 

Sie ftdjj au8 tyrer 3ugenb lagen 

Sie ©lut ber Sßoefte erhalten 

Unb beren #erj trofc Unbanfö SBalten 

gfir Soll unb Heimat treu gefd&lagen! 

Slfö einßen* er auf unfern Sühnen 
Sag Septer ftd^rer $anb gefdSJnmngen 
Unb frifdj geftritten unb gerungen, 
9Jlit @rnft unb Weiterem ©rfüljnen 
Ser garten Seiten Srudf ;u führten, 
9Bar weit fein Stuf ins SSolf gebrungen. 

Unb als bie aKufe auägeroiefen, 
Sie an beS SBoHeS £erjen rührte, 
Sa trug im Sünbel, bas fte fd&nfirte, 
©ie ©c§ci$e roeg unb unter biefen 
2Randjj Äleinob, bas bie SSäter priefen 
Unb ©ItnarS SReifterjeid&en führte. 

Sodj nried er Äleinmut t)on ber ©djroelle 
Unb mufft' ßdjj froren ©inn ju maljren, 
©olbbtöttd&en fdjlug er aus ben SJarren, 
Unb Seift unb 9Cug f Behielt er IjeKe 
Unb prebigte an biefer ©teile 
Urmüd&f'ge SBei^eit feit t>iel Sauren*). 

9hm ruljet er in füljler (Srbe, 
©eüc^tct Ijat bie Steten fein Streben 
Unb jmingt und, neue Äraft ju werben; 



*) Slnaengruftert 9to$ruf erfaßten juerft am 11. SCuguß 1888 
im SBiener „ftigaro", beffen politifdje gettgebid&te lange 3a$re 
$inbw$ oon (glmar $ervüi)rten. 91. b. $. 



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©elegenijeitSgebid&te. 321 

2)odJ wer, bu treuer Äampfgefäljrte, 
ÄudJ beineS SlmteS malten werbe, 
@r fei e§ wert, bidj ju beerben! 

@S wirb man$ Slugc feucht jt$ fenlen 
Um bid), ber burd) ein langes Seben 
a3erf<$u>enberifd> ftd> ausgegeben, 
9ln #erj unb ©eift uns gu befdjenfen; 
Unb ftets wirb um bein SCngebenfen 
©in freunbKdjeS (Erinnern fdjroeben! 



2ln eine junge 2lutograpfyenfammlerin* 

(1884.) 

SSorbei ift mir bie SKaienjeit, 
©aS #aar beginnt gu ergrauen, 
3tör gönnt mir nimmer Suft nodj) Seib, 
3#r |otben SKäbdjen unb grauen, 
5Run tljut fd^on meinem #erjen rooI;l, 
SBenn eine f$meic§elnb es ftammelt, 
©aß i$ paar Seilen fd&reiben fott, 
©a Slutograplje fte fammeft. 

W\x ift'S, als ob ein ©pttapl; 
3$ föriebe «»f wtfae 3«9^b: 
„£ier ruljet fanft ein £erj, bas brat) 
SSerfammelt mürbe jur Stogenb." 
3$ fü§r mi$ fo beengt babei, 
2Bie *n gfifdj im fernen guber. — 
3$ fd&tiefce 

2Bien am jmeiten 3Wai 
(Srgebenft 

2. Slnjengruber. 



«niengtit&ft, ©ff. ffltofe. V. 31 

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$priid}e nnb Sfadjefreime. 

Der Kapttaltften Xtotfärei, 

Jte Seit ift rei<$, rote man 1 « fo nennt, 
2Bir atmen Äapitaliften, 
SBir geben ©elb ju ein $rosent, 
Um nur ba$ Seben ju friften. 
©er Steige wirb jum armen Wann, 
©ie Steoenue tp jum ©arben, 
gin Slenb, baS ft$ llciben fann 
SRur no<$ in gtönjenbe garben, 
©o bafc ber SBcttlcr fte burdjgucft, 
SBenn au$ ber girnis nodj blanfe; — 
Unb wie ba$ £aupt ber £pbra jueft 
Empor ber graufe ©ebanfe: 
SBor biefeg Unreife mäd&fgem $raU 
©a bri<§t jufammen ju ©taube 
©er Wenfdföeit lefcteS S^eal, 
»n* ©elb ber l>eilige ©taube! 



ZKalptruf an 6te Keafttonarem 

©er Seiten Beiger fielet niemals ptK, 
©er trugt H fe»P, ber i$n jurücfe wenbet, 
Unb jene, bie ein ©Ott t>erberben null, 
©ie Ijat er alle Seit Dorerft »erblenbett 



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8prüd)e unb ©iad&elreime. 823 

Deutfdjet Sinn* 

Dajj flctS vorauf ber Seiten ©türm unb Drang 
Srroedfenb unb ermatynenb ging ber Sang, 
Sluf ben bas SBort bann folgte unb bie Stfjat, 
Da* weife, wer beutfdjjen ©inne« Äenntni« Ijat. 



Korrefpon6en3 mit öen SternbetDoljnern* 

SBie möget iljr um ben 33erfeljt eudjj plagen 
SUlit ben JBewo^nem anbrer SBelten? 
©ie Ratten uns n>a$rf<$einfid!> nichts ju fagen, 
SßS roag wir tynen fönnten melben; 
©efefct — jebodj burdjjauS nidjt jugegeben — 
©ie [teilten fi<$ mit roaljr^aft Steuern ein, 
Dies „Heber Srben £ol)e" würbe eben 
Und leiber gönjU<$ uroerftänblidj fein. 



ZHangeln&e (Einftdft, 

Die SBolfögunft, wie bie Siebe mujj 

3Rit Sogif man t>erfdjjonen, 

Die Stationen ftnb wie fjrau'n 

Unb grau'n wie Stationen; 

@* machen Befte dürften fte 

Unb braDfle Seemänner 

3l\i)t glüdttidj, baS befagen längft 

©ef$i(|tft« unb ^erjenölenner. 

Unb wenn ba8 ©lüdf ju Raufen Mg', 

3!>r a»ifemut (lieb befielen, 

Denn fte oermdgen'd eben nid^t, 

S^r ©lüdf au$ einjufe^en. 



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324 @ebi$te unb 9Cp§ortemen. 

SpridjtDorKEljorljetk 

Sott Sölfetn fprid&t man oft genug, 
2öie in bcm ©pridjroort von bcm Ärug 
Unb lönnte ber wie jene fagen: 
irS^ 8^* ttl^t, idjj roerb* getragen." 



^err XDirt 

<«l*U 1882.) 

£err SBirt, toaS mar baS nächtens für 
@in gottoerftudjjter Stopfe? 
@3 f^merjt midjj §eute morgens fester 
©in jebeS #aar am Äopfe! 
2Bie mufj bie eble ©otteSgab' 
Serfdfjänbet unb Derljungt fein? 
STOein' ©eef, roaS ic§ getrunfen ^ab' f 
$Da8 war n>o§l eitel Äunftwein! 

@i, ljeB bie $anb Beteuernb ntdjt, 
©ajj biefer ©off Statur ift, 
SKan weifi ja bod&, t>erbammter SBidjjt, 
£>af$ leidet roie ©preu bein ©d^wur ift. 
Ueb lieber ^reu 1 unb SReblidjjfeit, 
©djireiB'« an bie (Stilette, 
S)amit ftdS> fadjjte no<$ Beijeit 
@in ß^riftmenfd^ baoor rette. 

S5u Ijätteft nur wie t>or unb e^ 
'roaS Äetterei Betrieben 
Unb bir fei anorganifd^e 
ßljemie ganj fremb geblieben?! 
$ör bu, eS ift bodjj gang umfunft, 
£ier Sügen ju erftinlen, 
*d ift Äunftroein, benn'3 ift eine Äunft, 
SJon biefem SBein gu trinlen. 



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6prüc$e unb ©tadjelreime. 325 

ZITo&entes #rül}liitgsHe&* 

(H^rll 1883.) 

D, nmnbermilber grü^Kngä^audJ, 

D, roo^ig ©onnenglülj'n! 

3Bit Slüten fd^mütft ftd^ Saum unb ©traudfr, 

3)ie Sanbe werben grün! 

68 fafjt bie ©eele fronet ©rang, 
3$ mujj fic fe$n bie SBelt, 
SM Slütenbuft unb SBogetfang, 
33om Reitern SJfau erbeut! 

£eb woljl, bu trautes SBeibdjjen mein, 
©ib Urlaub lurje grift, 
3$ merb' be8 SBegS gebenfen bein, 
2Bo mir'S am woljlften ift! 

®a Ijör* idjj tyrer Stimme ©djjmelj 
STOit forgli<$ fanfter ȟf: 
„2)u nimmft bodfj beinen Steifepelj 
Unb aud& ben gujjfadf mit?" 



Die IjeQensfun&tger, 

Oft fingt ein IjoljeS Sieb t)om 3Beine, 
£>a3 felbft ber Äenner Dfjr beftricft, 
(Sin 3Rann, bem nie geroanft bie Seine 
Unb ben nur bünneä S3icr erquüt. 

Unb oft, bie engfte biefer SBelten 
Sertrümmemb, freie Siebe fingt 
©in 3Rann, bem nadfjts ber ©attin ©dfjelten 
©ein Süngfteä in bie Slrme jmingt. 



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826 ©ebid&te unb 9tp§ommen. 

Unb wer im gfrüljrot erfi bie Äammer 
33etritt, in treuer greunb' ©eleit, 
©er fingt fonadj irt feinem Sammer 
3)en #gmnu8 ber Cmtljaltfamfeit. 

Unb mandfjer bis an bie ©eftirne 
$>er grauen Steinzeit preifenb tybt, 
©er in ben Armen einer SMrne 
Soeben wilb bie 9ta$t burdjjlebt. 

2Roral lobpreift ber fatte ©ünber, 
3)er Starbenbe beftngt ©enufr, 
©8 ftnb oon je be8 ^erjenS Äünber: 
©ad ©efjnen unb ber Ueberbrufc! 



Dauer 6er Ciebe* 

@r: $>u Ijaft geliebt! D, leugne nidjjt! 

©anj fl<$er bin idjj beffen. 
©ie: 3<$ Ijätt* geliebt? »eftnn* mic$ nid&t, 

Unb wenn, idjj Ijab'S oergeffen. 
<Sr: ©o Ijältfl bu £reu\ fo $ältft bu Sieb'? 

33ergij$t, wer badete beiner? 
©ie: 3Rcin fjreunb! @r ging, bodjj wenn er blieb, 

©ebädjjt 1 idjj Ijeut nodj feiner. 
@r: SBenn bu fo fdjjneU SBergeffen treibft, 

SBer wirb mit bir e3 wagen? 
©ie: 3e nun, mein gfreunb, folang bu bleibft, 

£aft bu nidjjt ©runb gu Hagen. 

<S3 fd&ärft bie Seit ber Sieb* ©ewalt, 

SWan fdjjäfct jtdjj ftetö genauer, 

Unb wirb mit uns erft einer alt, 

©o friegt bie Siebe ©auer. 



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©prfidje uttb ©tadjelreime. 827 

^rüfylings^Kontroüerfe* 

(ttptit 1886.) 

$er 2Ute fprtd&t: 

Styr werten ÄoBegen, iljr laffet'S nid^t fein, 

£rofc aller fatiriföen £iebe, 

Siaja^rnd^ gu fingen ben Seng unb ben SBein 

Unb brittlingS bie wonnige Siebe; 

(58 tieftet bie« Streben gwar ^ödjjjt ibeal 

'nen jeben, ber barin verrannt ift, 

$>a f^rü^Iing unb Siebe unb SBein utö gumal 

3n ffiirflidfjfeit wenig belannt ift. 

$>er f^rü^ling ift SBinterä argliftiger £rug, 

3m SBein ftedft nidjjt 3BaIjrl)eit nodjj Siebe, 

S)a8 SBeibergefdfjledjjt ift auä) Ijeuttagä gu flug, 

3)afj £erg gegen #erge es gebe! 

2>te Sungen fpred&cn: 

SBereljrter Äottege, 3^r fetber nur f dfjmärmt; 
3ljr fd^mä^et ben Seng, weil Sfjr lalt feib, 
SDen golbenen SBein, ber Sudfj nimmer erwärmt, 
Sie grauen, für bie 3fc gu alt feib! 
SBir beugen ergebenft uns mit 9tet>ereng 
SJor foldjjer erhabener £ugenb, 
£>od|j fingen bie Siebe, ben SBein unb ben Seng 
SBir fürber ber fräßen Sugenb. 
<5i, fojfet'ä in rüftigern £agen bodfj audjj, 
Su müty'n Sudfj um 3ta<ijwudfj3 an Sungen; 
SBenn er einmal abftirbt ber löbliche Sraucfj, 
@o Ijaben wir balb auägefungen! 

2>er Sitte: 

<5i, merftet iljr benn nid()t am gminfernben Slug', 
2)aji id& eudj nur fdfjraubte, Ujr £erren, 



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828 @ebic$te unb 2lp§ori3metu 

XXnb anbereS beffer ju prebigen taug' 

2llS wie bcr (Sntljaltfamfeit fielen?! 

SBenn ringsum bie Sanbe im fonnigen ©df}ein, 

®ann laffet in fäd|jelnber Sauben 

3JHdf> ftfcen, ben funlclnbcn 3tömer t>oB 3Bein, — 

®o4 fei es ein £ranf audjj aus Trauben! — 

Unb fdjjafft mir ein aRäbdjjen an ©eite, bas (ad^t 

Sum Äuffe von bärtigem SRunbe, 

Unb wnn midf) bas alles nid&t jung wieber mac$t, 

SJtögt i§r midjj begraben jur ©tunbe! 



„£td>ter\ 



Sebem, ber ftdj ju ben 3Mem jä^It, 
Sem Birgt ber garbenfaften eine 2Mt, 
(Sine grojie, eine Keine, 
Stber immerbar bie — feine! 

H. 

2Ber uns enthebt, erft nad&jufragen, 
©es ßunft uns alles weifs ju fagen 
Unb uns ben Äatalog erfpart, 
$>er fdfjafft ein Silb von guter Strt! 
©odjj treffe ben SlpoffoS ©träfe, 
2)er ganje ©palten lang erflärt, 
©o bajj bem unnutffomm'nen ©d&lafe 
3Kan nur mit SRot unb STOü^e roeljrt. 

m. 

9Ber natfter ©djjönljeit gibt bie t>otte ®fjre, 
©ie Ijinjujielfen weift in aller #eljre, 
©ie fte gegiert feit SBeltenanbeginn, 
S)en Ilagt nid^t an, wenn wiber feinen ©inn 



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©pvfid&e ttnb ©tad^elreime. 329 

üDtandü ©atpr^aupt mit Breiten SRüjlern 

©idjj au$ na<$ folgern Silbniä laufdjjenb redt; 

©er 2fermenfdj> felbft, er wirb nidfjt lüftern, 

SBenn iljn ein ©dfjauer Ijöljern ©c|aun3 burdfjfdfjredft. 

©odj> mögt bie Silber iljr getroft oerljängen, 

33or benen 2Ränner weisen, ©atgr'n brängen, 

Senn fülltet iljr bort leine 3ftät;t'rin feljn 

3n feifenfdSJaumgebomer ©djjönljeit fielen, 

®ann broljt eudj fdfjlimm're Slugenweibe; 

63 wirft ftdjj Süftern^eit in t)oEen ©taat 

Unb bietet in gerfnüHtem Äleibe 

2)en ©fei eudjj in ©ammet unb Srolat! 

IV. 

©egoffen wirb nun unb genauen, 
2Ba3 fu$ im „SrodßjauS" ftnben will, 
@$ ift IjeuttagS ba3 ©enlmalbauen 
©n feljr beliebt' ©efellfd&aftsfpiel, 
3ujt was man fo ins $au3 fcebürfe, 
's langt nidfjt für Ijöljere Entwürfe; 
@S fd|jeint, man will nur ä>tn 
©ad Kleingewerbe Ijeben. 



(Erfahrenheit 

3wei Slrten Siebe bringen wenig £eil, 
®ie eine, bie nur folgt bem (jeifjen triebe, 
SDie jweite, welche wägt ben anbern Seil 
Unb fragt: „3ft er es wert, baji t<$ i$n liebe?" 
Sern Taumel, ob er lurj, ob lange wäljrt, 
golgt baS ©rwadfjen unb es fliefjt bie £reue, 
Unb wer mit ©rübeln ftdjj baS $erj befdjjwert, 
®er mißtraut felbft bem ©lüdf au« gfurdf>t t>or SReue. 



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330 ©ebid&te unb 3ty$ori3men. 

©ie Siebe aber, bie oon ed&ter Slrt, 
©ie pfleget attejeit mit vollem prangen 
©er ©djäfce, bie fte ftitt im ^er» 1 gefpart, 
3l>r SiebfteS felbftloä ju umfangen! 

* 

äudfr ©djjönljeit jaulet ju ben ©fitem, 
©ie blinb beS ©d&icffafe ©unft verleibt; 
@3 haftet an audf) iljren Gütern 
©er Teilung Ungeredjjtigleit! 
©er Steige, welker milb erbarmenb 
©efamtem Slenb wollte wehren, 
@r mü^tf öeradjjtet unb oerarmenb 
Salb fetbjl jur SRot jurudfefe^ren. 
Unb wollte ftdSJ bie ©djjönljeit nimmer 
3Rit eineä einigen ©lud befajfen, 
©ie würbe iljren reinften Stimmer 
Um gauIelnbeS Sßljantom oerlajfen; 
©ie fe^e bran baä lüljnjte 2Bagen, 
©ie ffiJjr' bie freiefte ber ©prägen: 
©ie lann wo^l jebem jidfj t>erfagen, 
©odjj nimmer äffe glfidflidjj machen! 



Der gute fjirte* 

3H8 jftngftenä beim ©pajierengeljen 

SRadjJ allen ©eiten meine äugen irrten, 

©a Ijab' tdfr einen ©d&ilb gefeljen 

35or einer gleifdjjerbanf, „gum guten Wirten". 

„©er gute #irte", bie Sßarabel 

$Ijut mit Diel Sejjrniä in ber SSibel fteljen, 

©odjj leiber barf bei feiner gabel, 

3lo$ irgenb fonft, bis auf ben ©runb man ge§en. 



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@prü$e unb ©tadjelreitne. 831 

Den guten £irten immer benn in (Sfjren, 

Sr fud^t in Siebe baS uerirrte Samm, 

@r taftet rodjjt unb Bringt'« jurüdf bem Ferren. 

SBoju er aber fidf) bie SMülje na$m? 

3e nun, 'S ift #irtenj>flid&t. Das Samm inbejfen 

@S wirb gefroren unb bann aufgefreffen. 



Sprüche* 



Aus bem SRidfjtS ermaßen wir, 
£audfjen wunbernb aus ber @rbe, 
2Bie aus 3Roorgrunb nid&t'ge Olafen, 
Unb tjerge^en rafd) wie fie. 
SBie ©ewürm fo winben wir 
Uns in einem wirren Änäuel, 
2?ergewaltigt burdfj uns fetter, 
gfir ein anbreS o^ne ©inn r 
Unb bie fargbemeffne Seit 
9itifcen wir, um wenig ©uteS, 
Sieles Söfe jujufügen 
Unferm eigenen ©efdjjledfjt! 
* 

SBBaS bu im Seben bir audj magft erringen, 

Darüber bift gar balb bu aufgellärt, 

5Rur in bem ©treben lag ber ganje 3Bert 

SSon all ben §eif$erfe$nten Dingen 

Unb in bem bifj^en greube am ©elingen. 

2Ber biefes ©ein ju loben ift gewillt, 

Der mag eS, 

Uni wem es bünft, ein übel ©piel gefpielt, 

Der Hag' es, 

Do$ ber, ber gerne für vernünftig gilt, 

Der trag' es. 



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332 (Sebidjte unb Styljottemen. 

Sßoriit ft$ alle weifen SBlänner einen, 

2fo3 grauer 3«*/ aus jüngfien Sagen, 

2Benn wir fte um ben SBert bed SefcenS fragen, 

3)afi fte mit büftrer ©tirne meinen: 

9tic§t eine 2$räne fei e8 wert ju weinen, 

9?o$ eine Sadfje aufjufdjlagen. 



2)a8 ftragifdjje im Seben, auf ber Süljne, 
3^r ftempelt e3 ju einer eignen Sorte, 
3^r fud^t nadjj ©djulb, tljr forbert eine ©ityne 
Unb ©$ulb unb ©ityne ftnb nur 3Renfd&enworte, 
©inb Hein nur gegen bes ©efd^ües SQSalten, 
Unb wollt iljr eudj an fette fingftlidjj Ratten, 
©o lönnt \l)x audfj nur ÄleinlidjeS geftalten. 



(Erfafyrungsfafc. 

(1889.) 

Smeie nur, — wie ungleidf} fte, - 
3tü$ren feines Labels SBorte 
2)aS Ijartlöpfige ©enie 
Unb ben ©tümper ärgfier ©orte! 



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TSlnnbaxtüty. 

D^auptfacff\ 

Cßobemfiet 1886.) 

Pct* SSetta, mütterlid&er ©eit', 
2)er treibt bö ^errgottfdjjnifcerei; 
©em ftelT idfj aft bd längfle Seit 
3Ri$ an fein' Sßerlbanf na^ Riebet. 

3 fdjjau' ea§m ju ba bei fein* ©'madjt, 
Unb amal mufft' i<$ frei i^n frag'n: 
Sßie er bö§ ©ing benn ferti brad&t', 
Selb' modjjt er mir afrid^ti fag'n. 

„3o," lad^t er, „lieba SSetta mein, 
3)ö8 i§ bod& nur a Äloanigfeit; 
3m gSflöcfl ftedft ba ^errgott brein, 
9iur bajj mer '3 übrig' roeggafd|meiVt." 

9)raf fog' i, baft midjj nmnba naljm', 
SDafe niemal loan 3M5r ea^m g'f$ied|jt, 
Galjm '3 9Kejfa nie baneben lam* 
Unb er burdfjs $oIj frei burifted^t. 

„3o, »übal," foßt er, „föau, af 6§r\ 
®o roiH f)a\t loan 2lu3beutfdf)en ge^n, 
3)enn mann idfj b'©ad^' fo red&t erlför', 
3)ann i3 f glei gor nit jun t>er|ie^n. 



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334 ©ebidjte unb 2ty§ori8men. 

„3 tonn mi net j f Beljaupta trau'n, 
2)ajj 'S eppa meine äfagna foan, 
©ö anberfdfjt in bie SBelt Ij'neinfdjjau'n, 
8ff8 tote fte'8 Bei bö meiern t^oan. 

„3 rooafj nit, wann idj> *en ©djjnifcer fü^r', 
33*3 b'tfanb, bö alles ba oerri<$t*t, 
33*8 toa«, toa« idfj im £erj* oerfpfir 1 , 
3«'« toa«, toaS ftdjj mei\Äopf auSbid&ft? 

„Sßoljer mir'« fimmt, Bei meiner ©eel', 
3<# rat'3 nit, tourb 1 idjj nodfj fo oft, 
OB'S oaner §erntmmt, too b'r toöK', 
SRur IjaBen, $aBen muß ev'3 Ijott!" 



'm Buab'n fei «ebitt 

D, $immlifc$e STOuatta, Bitt für! 
©<$toar Iran! liegt mei* IjerjliaBe ©im', 
S)er Xob fteljt ganj noljat Bei i$r; 
D, laß mi mein ©dfjofc nit oalier'n! 
D/ fög** frei, ba {jimmlifdfje #err, 
@r ijätt' ja bod& @ngel fdfjon g'nua, 
3 toafj oon ba ©d&ur, a neun S$ör\ 
2)a Brauet er bodfj !oan mefjr bajua. 
Unb i tyltf mei' SeBjeit a ©'nfiag'n, 
SBon er ma be Dane oagunnt, 
Unb nimmt er f , fo müaßt* i* frei lüag'n, 
3u fog'n, tote er'8 guat modja funntf. 
©djjau, toottt'fi mer erretten mei' ©im', 
D, l)immlif<$e grau, au* oB'n ©'faljr'n, 
2tyat i a ffiadSJSfiraen fpenbier'n 
©rob oon meiner ©irn* iljrer ©d&toar'n*); 



*) ©d&war'n = 6djwere. 



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9Runbarttt$. 835 

©odjj tut, nrie T am £anjbob*n voxon 
ftfaumfeberleidSJt fliegt — mar nBt fd&Iedjjt — , 
Seim 2Bad£>Sler, bo fog' idj> iljr'S fdjjon, 
3)aj$ fie ft roen'g fd&toar mo<$a mö^t*. 
31a, gelt, e3 is red&t?! 



Dertraulidje Snnefpradj* 

(&c|antcr 1887.) 

„3)u mei* (jerjliab'ä ©<$ofcerl, 
910, fog mer nuar grob, 
Db bir nodjj foan onbra 
3n b'Sfog'n g'fto<$en $ot?" 

„2)ann lofj a tnei' 33ua gtei 
3Md& frogen t>or ott'n, 
£ot bir eppa nia no$ 
Äoa f onbri nit g^olTn?" 

„@i, fdfjau, bu mer ©irnbal 
Unb $ätf ft böd a tfjon, 
Dir jiemt bo loa SReugter, 
3 Bin jo a 3Ron!" 

„Unb i bin a Sirnbal 
grei lebig attroeg'n, 
Unb liegt bir on mir, i3 
Dm onbern nix g'leg'n!" 

„Gfc i3 a im ©runb bo<$ 
91 ballatas grog'n, 
2Rer fd&eut pdf) t>orm Sug'n unb 
3Rog V SBoljrijeit nit fog'n." 



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836 ©ebidjte tmb 3lp§ortSmen. 

„9io, ft#aS, mei* »ttabl, 

2)5« ntoan 9 i Ijolt a, 

Unb KaBt ma fidf> red&t, g'fdjjiad&t'S 

©odjj offroal ju jroa!" 



's alten Sepps Stoffeufser. 

(31. SDtfti 1881.) 

@i bu liebes SWcnf d^cnlcBen ! 
Kommt nter aus ber SRutter ©djjojj, 
SBirb mer fo geboren eben, 
Site b53 flailbel unb bös 3loj$, 
33 mer gleidjj a meljr t>erftänbig, 
3Radfjt ein' böö nur meljr elenbig. 

'S Äailberl, als unfd&ulbig'S — Sengerl, 

aPBctß nodfj n\% t>om Djenfd^Iag'n 

Unb bös güHerl träumt fein roengerl 

3Son bem ferneren Siegefamg'n; 

9(S bös fimmt ju feine S^ten 

Unb roann'S ba ift, mufj mer'S leiben. 

©i rooljl, 'S SBiety bös lebt wie blinber, 

Äennt fein 1 8lengften, benft fein' 8'föluß, 

®od& uns arme aJlenfdjjenfinber 

2el)rt ber Äated&iftmuS: 

»3WP ba fdjjleppt mer ftd(j ftebj'g 3a$r' Ijin 

Unb jum ©$Iufj ba wirb mer gar (jinl" 

Äaum nodjj na<$ bem Sröferl ©afein 

»'ftnnt ft$ fo a arme See!', 

©oll f audfj fd^on auf SRetn unb 3<* Ij'nein 

©teidfj in £immel ober £ölT; — 

21(5, bös aty'famm' fönnt' mer j' f<$ied(j fein, 

SWdJtf f<$on lieber gleid& a SJiedjj fein! 



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SJhmbartfo*. 837 



Der tEaubenfobel* 

SBonn mer 'en 3RidjeIbauern frogt, 
Sßie er ft mit fein' SBet oatrogt, 
©o tljut er gtm oaftelj'n oam geb'n, 
©afj f aW jrooa wie bö Säuberln leb'n. 

S)o benft a feiner ©'oatterSmon: 
„©dfjaugts b'r ben £auben!obel on! 
3 ftedjj fürs geben gern fo poor 
Skliabti Äe^telflitf erroor 1 ! 

galjrft 1}™ J u M jtooa glüdKtg'n 2eut\ 

@3 fofft loan £au3, madjft ea^na bf^reubM" 

@r feftt fid^ af b» @iferboI)n, 

SUlit berer fimmt mer fd&nett Ijinbon. 

@r trifft ins Ort, jeb'3 Äinb tooafj 9teb\ 
2Bo 3Rid&eIbauerä £fitten fteljt. 
©odfj n)ie er Hopfen will an b'£ljür, 
©a madfjt 'n a ©peftafel irr\ 

©rein gel^ä roie in 'ra 9tettfdf;uP jua, 
63 lirrt a ©im, es fluadjt a 33ua, 
31 SBidfetlinb i§ a no j' Ijör'n, 
©öS b'Seel ft auä 'n Seib will plarr'n. 

©en ©Gattern aber neugiert'8 groft, 
©r brutft bö £$ttr fdjnett atä 'm @'fc$lo|j, 
Unb iS am erfd&ten 3Mi<f fd^o g'roif}, 
©ajj er beim 3JttdSJelbauern id. 

©ur$ b'Stuben laft a Äinberpaarl, 
©öS gleist 'en (gttern af a $aarl, 
©a Hoane $ua oan Sorfd^tmifdJ ffiljrt, 
©ö ©im' ft mit oan tfoijfdfjuad) tmjjrt. 

Iniengrubet, ©cf. SBrrVe. Y. 22 



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338 ©ebt$te unb «pjortemen. 

©5 jag'n ananber um bJ SBieg'n 

Unb roonn fa ft gun faffen frieg'n, 

©o fefct'8 gang g'ljörig $ßtäfc$er o§. 

2>er ©'oatter fdfjreit: „SBoS treibt'3 benn bo?" 

2)a ftengetr f fieif afö rote bö ©d&rog'n 
Unb roijfent onfongS nfe gan fog'n, 
S)onn feift es SDirnbel in ba ©tUTn: 
„3to, 33oba*3Ruaba t&an mer fpiel'n!" 



Beim Sdjai^\ 

SRein 1 ©djafc bem loS idj gua, 
2Bia er tljut 3*%™ fd^Iag'n, 
Unb mir t>erfteljen ftc§ 
D§ne a SBörtel j f fag'n. 

S'erft fommt a ßird&entieb: 
,,©af$ *n ©eredjjten regn't," 
Um bö 3 c it fein mir uns 
3)a8 erfte 3RaI begegn't. 

Unb mann f iljr ^üfterl ^eBt 
Unb i$r Ijeir STeugerl glangt, 
3)ann §ebt ber Sanbler an, 
2)en mir guerft Ijab'n tangt. 

S)ann fommt: „5Ro, bift mer treu? 
3Ragft ober magft mic$ net?" 
©o floane ©trittigfeit 
Unb t)iel verliebte Sieb'. 

S)ann fpielt f nod) weiter fürt, 
$a bin id> neamer g^auS; 
2Ba8 bös bebeuten tljut, 
SDöS fteljt nod) alles auä! 



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SRunbartltcg. 839 



Salb weift t$ neamer unb 
Salb weift ic$, wie mir g'fd&iedSJt, 
Sin fo freublebig, baft 
Wxö) a foan Xob germd&t'. 

3$ fifc' unb tdfj furnier', 
©a Hingt ber lefcte £on, 
9to 2)irnbl, fag mir frei, 
2Ba8 friegft jum Soljn? 



Sauersleuf im Künftlerfyaus* 

@8 foan jwa alte Saueröleut' 
3n b'SBeanftabt einifämma, 
SC SBetta tljut f doU greunblifeit, 
SBo'S j* fdjaun gibt, mit ^innä^ma. 

©er ©d&lanlel oba ber Ijat'S a 
©ar fauftbicf hinter 'n Uljren 
Unb Ijat ftd> amal mit bö &wa 
3nS ÄünftlerljauS uerluren. 

©ö tappen ba von ©aal ju ©aal, 
S)od> foan f no laum im aweiten, 
©o fangt bo SBäu'rin mit amal 
3\m minien an unb beuten. 

„Ut jegerl, 3TConna, fdjaugt'3 af b'©eit! 
Des neljmtä an b'©eel'n fünft ©droben ! 
3)o Rängen g'molne 2Beiberleut\ 
2)ö trog'n am Seib loan 1 groben 1 

„3 bin bodj fetter a a SBBei* 
Unb woaft mi net tun foffen 
Unb woaft nit, wo mer ba babei 
©öUt' feine Sfogen loffen!" 



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340 @ebi$te unb STp$oriSmetL 

2)er Sauer ftolpert neben i$r 
hinein ins nadjfte Simmer, 
Sr Ijalt't 'n £uat »or b'äugen für, 
3)enn b'©ad> wirb atttoal fc$Ummer. 

„3Rei," fagt er „'3 i§ a ©ünV unb ©c$onb\ 
2)53 ftedjjt jo voofy a jeba, 
3)od> fimmt 'leidet 'S SRoIen oljne ©'wonb 
£alt Haiger; net, SBetta?" 

2)a wirb bie Säu'rin nrilb unb fd&rett: 
„3lo bös mödjt' (Sott oer^äten! 
2)58 war bö redjte ©porfomleit, 
2)5 föHtf mer bod> Doineten! 

Unb bin i Ijifcten a gleidj oft, 
3 liefe' mi fo nit molen 
Unb nit in ©üten, nit in ©'rooltl 
SKer bürft* mi bafür joljlen! 

„2)aj$ i uor oa'm föfft* fo Ijinfteljn, 
2)58 war' a Untafanga!" — 
„3la, u fagt ber 33aua, „lofi nur ge^n! 
*3 toirb'8 foana ft oalanga!" 



(Ein Kunftfreunö* 

2>a Dlf: 

2)u ©afra, bu, mos fott bö3 $oaj$en, 

2Ba8 rennft mit 9Jtolem umanonb? 

©dfjleppft ealjner, roonn f mit bir nur g'fpoafeen, 

•n SRudEfatf bis auf b' Ijöd&fti 2Bonb? 

Sa, fonn er mol von fö V erbetteln 

21 f o a ong'frifcelt'S kopier, 



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HflunbartUd). 341 

3n3 SetBuadj legt er gor bo Setteln, 
3lfö waten f #etlig'nBUbeln fd&ier! 
Sofc bi Beijett ben 2Beg aBbränga, 
3)ö3 2Rofa>er! ge$t bi gar nis an, 
3)o Ijoft bi nit bamit j* Bemenga, 
3)u wirft amol a SauerSmon. 
'en Seidjjtfmn atö bein' Söpfel fotogen 
SKü^t* t, worin V felBn elja nit oalernft! 
©dfjiajjprügel erfdfjt, bonn ©teuer trogen, 
3Rei KaBa 33ua, böä SeB'n is ernftl 

2)a 3««0^ 

©c$au 33oba, fei bo* nit fo neibi! 
31 3Ron wir i erfd^t mit 'n %of)x'n. 
3)er ßrnft ber fimmt no affraal jeiti, — 
Stofong' mer 'n gor nit ju b'erfoljr'n! 
3)rum renn 1 i jo fo gern Ijinbonna 
SBom $atö weg mit bo Äünftterleut', 
©ö felBer fan luftige SKona 
Unb gunnen onbern a a $reubM 
S)u moanft, es war' Bei fö nis j' fcrna? 
@i, fc$Ieidfj bi judjji nur fein ftiff, 
Solb mirft'3 a jeba bo von ealjna, 
3)er ftdjjt nur, was er fedjjen will. 
@S Ijat bo neuli oana b'Sinben 
3n ^irfd&enwirt fein £of aBg'fdjjrieB'n, 
21 grofia ©aufoB'n fte|t bahnten, 
3)er i8 oom Silbel weggaBlteB'n. 
©i# SBoba, grob fo möd&t' i'3 modjjen, 
3)o fonn bo SBelt mei' Seit nter taug'n, 
3 B^olt* mer af bo fdfjöna ©oc$en, 
*en ©auftoll tojj i aus 'n Slug'n! 



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342 <3ebi$te unb Hp$ori8men. 

gu Silbern pon Defregger* 

1. 3>ie 3JUler*). 

SDa gü^ra l>at jrooa ©tabtljerrn g'bradjjt 

gur ©enberm, ba faubem; 

2Ba8 wollen bö jrooa ©'fetten benn, 

Sßött'n f roilbcrn ober raubern? 

9to fäaugt'S eng *S 33ilb nur Borel)' on, 

SySKural Kmmt nad$er fjmtenbron. 

S)a oan' #err Biet* ba ©im' oan' Storni, 
©te lac$t ealjn freunbli on jan 3)anf; 
©aneben fle^t tyr ©c$ofc, ba 33ua, 
Unb mac$t gar toübe Slug'n bajua. 
S)a jtoeiti ©tabtljerr bltnjt bös Seut 
©o feitlingS an, ate war'S a greub* 
%üx ealjm unb wahrer 2lugentroji, 
3e niedrer ftdj ber Sua b'erboft. 
Unb leic$tli<$ mit oan Sluägang fdjHafct 
2)ö ©ad^, ber mödjt' gar foa'm ntt g'falTn, 
S)a Ijaip nur oanä: 'eä Strubel müa^t 1 
*n SKalerteuten Ijalt was mafn**). 



2. $ie gebtffene ©and*). 

SC jebe ©ünb f finb't tljren 2o$n 
Unb ©traf 1 bö mufe af Srben fein! 
2Bir laben jur ©ff^efutf^jon 
$i$t von oan argen 3Rürber ein! 



*) Slnaengtuber fatte über Äufforberung ber „(Soncorbia in 
$rag, herein beutfdjer ©d&riftfteHer unb ÄünfHer in Sögnten", für 
einen $efregget«2lbenb (29. Januar 1887) btef e %e$U ju (ebenben 
Silbern na$ ben ©emätbeu beö SRetflerS gebietet. 51. b. §. 

**) Semanbem etwas malen, parobijtffdj : jemanben jum bejten 
laben, berb abfahren laffen. Ä. b. $. 



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9Runbavttt$. 343 

2Bie er ftdjj ba aum Soben toxnVt 
Unb frieden fyut afe rote a 2Burm, 
2)ö ©and, bo Ijeunt nodj leben Rinnt', 
33 grab tmrljin burd^ ea^m uerfturb'n. 
'3 ganj 1 Slubitorium bös fteljt 
SSott ©djrecf ob berer ©df>lec$tigfeit, 
SRa, na, fo mor !oan ^auSljunb net 
3n frülj'rer guter, frummer Seit! 
Unb ftinnt mer'S nur nodj fidler miffen, 
©'fdjjiadfjt roirfliclj ealjm fo Ijart unb melj? ' 
©a 9tadfer l)at am <£nb' hart ©Riffen 
Unb fürd&t 1 ftclj lebig nur oor b , ©c§Iäg\ 
'S iS bös moljl freüidf) a a ©runb, 
3)enn gern lafjt ftdfj gar foaner fd&lag'n, 
Unb fd|jlief$Kc$ is ja bodf) ba £unb 
Sl 3Renf<$ a, mit 9tefpeft ju fag'n. 



3.*) 



SBie'S ba ©efregger g'moant Ijat, meine #errn, 
SBerb* idfj bös 33ilbel oietteicljt net b'erlför'n, 
2)od& bärf bös eng not, nodfj 'en 3Rafter Iränfen, 
3$ greif «5t t>iel baneb'n, fo fottt' id^ beulen. 
3)ö8 SBeibäleut fdjjeint mer, bö3 i§ oan§, mag gern 
9Rit jeben ladjjt unb plaubert, bodfj in Sljr'n, 
3)ö8 SKonteut — benf t$ mir a mengerl faul, 
©dfjon roeü er b'Subel mitfüljr'n ti)\xt im 9RauI; 
3<# ljoajjet'3, — fott a 2luffc$rift amol brüberfte^n: 

3)a 3woafUbig'. 
H t>otf\>lau\ä) im Corfifcerge^tt. 

„5Ro, gei'rob'nb, Seit? 3« b'Sfcbeit f t$on?" - „3)03 föon!" 
„£an, moajjt bafc b'^rautel roieber ba fein fott?" — „21 woljl !" 



*) Sfof ©tnfobung ber SBiener ßünfHergenoffenfc$aft für i$r 
3Bei§nadJt3aIfoim gebiegtet. *. b. $. 



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844 ®ebi$te unb Aphorismen. 

„3)5 was bcin ©d&afc t)on e^nber roor" — „2Bo3 got!" 
„9to, gang umfunft iS bodf> rooljl foan fo ©W." — „'Seiest 

not?" 

,,2l Btfferl rooä mSdfjt' bodjj bron fein." „9to, mein — " 

n&wtfn »<* §at b'©adjj* ftc$ jwif^cn eng jerfdjjfog'n?" — 

„3Küfet f frag'n." 
„aRoanft, bafi id& f 8 Sftätfel löfen tljua?" — ,,©elj jua!" 
„#aft 'leidet oon tyr j* ml g'roufjt unb juft nfe ©djön'8." 

— 3a, 6enj!" 
,,©ann ftewm bir nit roeni!" — „Sßffiat ©ob, Ijtfct gelj'n i!" 
3lur oanS muj$ idf> entfd^ulbtga, roeifä juft nod[> geljt, 
3)af$ oVn idjj nur bö #errn unb not a b'gfrau'n anrebM 
9lur weil für b'ßrafcfüfc* b'SerHfaji' fafcl'n, fo mad&t ft 
SSor b'Slrtigfeit a ©c^uber. 
SJooember ad^eljnljunbert merunbadjfoi 

gu SBean 2. 9lnjengruber. 



Sag'n im Summer 60 £}alm\ 

©ag'n im ©ummer bö #alm 1 : 
„Uff, mir müffent oaborrV' 
©ag'n f im SBinter gleich brauf: 
„#ufd(> mir feinb fd^on tKtfror'n!" 
3lf ber Stenn', in ber 3Rü$r, 
3a§r für Saljr, roia ba unlT, 
geljltfö bo$ niemal an Äorn. 

Unb fo flagt a ber 3Kenf<$, 
2)af$ wen'g gfreub' er erwirbt, 
S)a| bös äBen'g no baju 
% leibig' Seb'n iljm oerbirbt, 
Unb tro| %amma ««*> ©'fdfjroa 
2^un f ftdj) j'famma ju jtooa, 
2>aj$ bö Seit not auäfttrbt. 



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2luS bem fta$lajs. 



lefd^etben^eit ift ber Anfang affer SBerounft. 



♦ 



©eljnfud&t ift erfüllte gfreube, SBeljmut ift ftumpfer 
©dfjmerj* 

9lidjt bie SRatur, nur ber 2Wenfc§ Jennt Erbarmen, aber 
nidjt oft läfjt er e8 walten. 



2Ber ber SBelt ein £etlanb ju fein glaubt, t§ut gut, mit 
bretunbbretfjig Sauren ju fterben. 



„©er 50lcnfd^ wollte fein wie ein ©ott," erjäp bie Sfltytye 
unb fte fagt bie SBaljrleit. ©egen baS Seib bes SebenS 
bäumte jtc§ ber 3Renfd|j auf unb verlangte nad> 3lllmadjt, 
um es auszutilgen; mie aber fäme ein Stetldjen jur 3Radfjt 
ob allem, wie meiftert ein ©anblorn ben 33erg, ein tropfe 
bie SBoge? $>a füllte er ftdfj überlegen, inbem er bas Seib 
tragen lernte unb nun fragte er: „Rann ©ott audjj leiben?" 
Unb märe iljm bie gfrage nid>t bejaht morben, er fjätte 
leinen ©ott me§r geglaubt. CDejemta issi.) 



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346 ®ebtd)te unb 3(p§ori§men. 

3)ic ©öttcr fterBen — oBer bcr ©Ott im 2Renfd&en, ber 
fidf> auflehnt gegen baä ^äjjltclje, SBerberBltd&e, ©emeine, ber 

ftirBt md&t. 

* 

UeBer ba3, was oft angeBIid(> ju @otte8 @§re gefdjjal) 
unb gefd&ieljt, mufc ftdjj ber Teufel freuen. 



S)a3 normale ©e^irn. SBer §at es benn? Steffeid^t 
mdjjt einer ber gegenwärtig Sebenben. S)er Älügfte raft un* 
Bewußt — in ben Sbeen feiner 3eit. 



$aä Seben §at mdfjt meljr SBert, ate wir tym geben. 
3)tc SBelt würbe ntd&t, bie 2Belt wirb. 



Äünftler wirb nur ber, ber ftdfj oor feinem eigenen Urteil 
fürd&tet. 

SBenn i<$ meine SBerfe üBerbenle unb Betrachte, fo merfe 
idjj erft, wie jung ic$ war unb wie jung idfj (eiber noc$ Bin; 
wenn tc$ aBer meine geitgenoffen Betraute, fo merfe ic§ ju 
meinem Setbwefen, bafe bie Ferren jünger ftnb. 



(Sdfjte Äunft $at immer 9Roral, nur bie Suljörer un *> 
93efd(jauer IjaBen oft leine. 



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(Einfälle unb 6($lagfäfce. 347 

9)ie Stogenb trägt nie jur Unterhaltung bei, baS Safter 
juroetten, bie ©ummtyeit immer. 



3)ie 2Renge, immer in ber 9tot feige, im ©Iüdfe über« 
mutig. S)ir aber gehören aHe anberen, allen anberen geljörft 
bu ju biefer 3Kenge, jeber für jeben geljört baju unb fo ift 
baS Urteil über uns alle gefällt. 



S)ie ©efafjr beS SPefftmiSmuS befielt barin, bafe er mübe 
mad^t unb eine politifd&e 9teaftion erleichtert. 



3)aS Sllbernfte märe es moljl, wenn ein $Jl<mn bie 2Better* 
faljne feftbinben, bie genfterrafjmen feftnageln Itefje, um be* 
Raupten ju fönnen, es gelje lein Sßinb. SBaS tl)ut bie 
Staatsgewalt oft anbereS in bro^enber Qtxt t mm fte offenes 
Jteben unb SWeinen »erbietet? 



Subenljefcen, 3TCaurem>ertreibungen, ©e^en* unb Äefcer* 
projeffe waren ÄapüalSregelungen. 



$el)ler parlamentarifdfjer ^Regierungen erflären fldfj leidet. 
Sie Siberalen nehmen baS SSolf für flüger, bie SRealtionären 
für bümmer, als es ift. 



9)ie griebenSliga. 6ie ift ben ©ebanfen ber Seit, 
nidfjt aber ben Sljatfad&en entfpredjenb. S^r Ijabt nidfjt bie 
SKad&t, alle SSölfer burdfj griebenslieber einjulullen. Seiber 
nid&t. 3)er aber, ber es oermöd&te, ein einzelnes, es wäre 



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348 @ebi$te unb 2ty$ori8men. 

ba« ebelfte, einjufdSJIäfem, bafc es unbereit, waffenlos unter 
ben anbem baftünbe, er wäre nidfjt ein gfreunb ber 3Renfd&* 
fcett, fonbern nur ein getnb biefeä SBolfeS. ©o fte$t es 
leiber. S)arum (eine gfriebenSprebtgten, feinen Äodmopoli* 
ttSmud, fonbern »etonung bed SRationalgefüljfö. S)er Krieg 
wirb fd>liej$lid> ben Ärieg unmöglich machen. SRidjt bie SWilbe, 
ber ©reuel, ber §tmmelfd&reienbe ©reuel war uon je ber 

Seljrer ber SBölfer. 

* 

3ft Talent, fo ift audfr bie ©djjönljeU ein SJerbienfi 

* 

©ott unb Siebe, bie Beiben mif$rauc$teften 3^*- 

Sie Segitimiften brausen einen #errn, um Wiener §aben 
ju lönnen. 



Sufttge Seute lad&en machen, ift fein SBerbienft, aber bie 
galten ernfter ©tirnen glätten, §alte tdj für eines. 



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